Kräfte, schiefe Ebene und Reibung

Das Thema schiefe Ebene und Reibung gehört in der NTG-Prüfung zu den sichersten Punkten, wenn du den Rechenweg beherrschst. Sie stehen im Themenbereich Betriebs- und fertigungstechnische Größen berechnen und verlangen immer dieselben Schritte: Gewichtskraft bestimmen, in Komponenten zerlegen, Reibung dazurechnen.

Als Industriemeister begegnet dir das täglich: Eine Last wird über eine Rampe gezogen, ein Rollcontainer steht auf einer Neigung, ein Seilzug muss eine Last beschleunigen. Du sollst einschätzen können, welche Kraft dafür nötig ist und ob Seil, Antrieb und Mitarbeiter sie leisten.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichBerücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG)
ThemenbereichBetriebs- und fertigungstechnische Größen berechnen
ThemaKräfte, schiefe Ebene und Reibung (Rahmenplan 5.3.2)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 37 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungBerechnen mit Formelsammlung: Kraftkomponenten, Reibungskraft, Zugkraft auf der Rampe
Lernziel laut RahmenplanKräfte zusammensetzen und zerlegen sowie Kräfte auf der schiefen Ebene, Reibungs-, Feder-, Beschleunigungs- und Zentrifugalkraft berechnen
Empfohlene LernprioritätSehr hoch
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind Kräfte und Reibung wichtig?

Jede mechanische Auslegung beginnt mit der Frage, welche Kraft wirkt. Davon hängt ab, welches Seil, welche Feder, welcher Antrieb und welche Rampe passt. Rechnest du die Kraft zu klein, überlastest du die Technik. Rechnest du sie zu groß, bezahlst du unnötig für Reserven.

Die Prüfung nutzt dafür wenige Grundformeln, die in vielen Variationen wiederkommen. Auf einer geneigten Fläche zerlegst du die Gewichtskraft in einen Teil entlang der Fläche und einen Teil senkrecht dazu. Die Reibung hängt nur vom senkrechten Teil und von der Reibungszahl ab.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG)
└── 5.3 Berechnen betriebs- und fertigungstechnischer Größen bei Belastungen und Bewegungen
└── 5.3.2 Mechanische Beanspruchungen
└── Kräfte und Momente
├── Zusammensetzung und Zerlegung von Kräften
├── Schiefe Ebene und Reibungskraft
└── Federkraft, Beschleunigungskraft, Zentrifugalkraft

Der Rahmenplan verlangt bei allen Teilen des Punktes 5.3.2 das Berechnen. Neben den Kräften gehören dazu die Momente, die Arbeit und Energie sowie Leistung und Wirkungsgrad. Das Moment erklärt die Seite Drehmoment und Hebel. Die Kräfte aus dieser Seite sind die Grundlage für alle weiteren Seiten dieses Themenbereichs.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hohe Prüfungsrelevanz

Das Thema gehört zum Rahmenplanpunkt 5.3.2 (Mechanische Beanspruchungen). Dieser kam in 35 von 37 Prüfungen vor, seit 2020 in 12 von 13. Er hat mit rund 20,5 % den größten Anteil an allen Punkten. Schiefe Ebene und Reibung zählen zu den typischen Teilthemen.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • die Kraft zu berechnen, die ein Seil beim Hochziehen einer Last auf einer Rampe aufnehmen muss,
  • die Reibungskraft für eine waagerecht gezogene oder geschobene Last zu ermitteln,
  • den Winkel zu bestimmen, ab dem eine Last auf einer geneigten Fläche zu rutschen beginnt,
  • aus Kraft und Federweg die Federrate einer Zugfeder zu berechnen,
  • die zusätzliche Seilkraft zu ermitteln, wenn die Last beschleunigt wird,
  • eine Kraftkomponente aus der Richtung einer schräg wirkenden Kraft zu bestimmen.

Zur Prüfungsanalyse NTG

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • die Gewichtskraft aus der Masse berechnen,
  • Kräfte zusammensetzen und in Komponenten zerlegen,
  • Hangabtriebskraft und Normalkraft an der schiefen Ebene bestimmen,
  • die Reibungskraft mit der Reibungszahl berechnen,
  • Feder-, Beschleunigungs- und Zentrifugalkraft berechnen,
  • die Zugkraft auf einer Rampe mit Rechenweg ermitteln.

Kraft und Gewichtskraft

Eine Kraft F ändert die Bewegung oder die Form eines Körpers. Sie hat einen Betrag, eine Richtung und einen Angriffspunkt und wird deshalb als Pfeil gezeichnet. Die Einheit ist das Newton (N). Ein Newton gibt einer Masse von 1 kg die Beschleunigung 1 m/s².

Die Gewichtskraft ist die Kraft, mit der die Erde eine Masse anzieht:

F_G = m · g

Dabei ist m die Masse in kg und g die Erdbeschleunigung mit g = 9,81 m/s². Eine Masse von 120 kg hat die Gewichtskraft 120 kg · 9,81 m/s² = 1.177,2 N. Eine Masse in Kilogramm ist also noch keine Kraft.

Kräfte zusammensetzen und zerlegen

Mehrere Kräfte an einem Punkt lassen sich zu einer resultierenden Kraft F_res zusammensetzen.

Lage der KräfteResultierende
gleiche RichtungF_res = F₁ + F₂
entgegengesetzte RichtungF_res = F₁ − F₂ (größere minus kleinere)
rechtwinklig zueinanderF_res = √(F₁² + F₂²)

Umgekehrt zerlegst du eine schräg wirkende Kraft in zwei rechtwinklige Komponenten. Zieht ein Seil mit der Kraft F unter dem Winkel α zur Waagerechten, dann gilt:

  • waagerechter Anteil: F_x = F · cos α
  • senkrechter Anteil: F_y = F · sin α

Merke: Der Anteil, der am Winkel anliegt, hat den Kosinus. Der Anteil gegenüber dem Winkel hat den Sinus. Zieht ein Seil mit 500 N unter 30°, bleiben waagerecht 500 N · cos 30° = 433 N und senkrecht 500 N · sin 30° = 250 N.

Schiefe Ebene und Reibung: Hangabtrieb und Normalkraft

Eine Last liegt auf einer Ebene, die um den Winkel α gegen die Waagerechte geneigt ist. Die Gewichtskraft zeigt senkrecht nach unten. Du zerlegst sie in zwei Anteile, einen entlang und einen senkrecht zur Ebene.

GrößeFormelBedeutung
Hangabtriebskraft F_HF_G · sin αzieht die Last entlang der Ebene nach unten
Normalkraft F_NF_G · cos αdrückt die Last senkrecht auf die Ebene
Reibungskraft F_Rμ · F_Nwirkt der Bewegung entgegen

Ist statt des Winkels die Höhe h und die Länge l der Rampe gegeben, gilt sin α = h / l. Den Winkel selbst findest du mit der Umkehrfunktion, am Taschenrechner „sin⁻¹“ (Rechner auf Grad einstellen).

Wird die Last mit gleichbleibender Geschwindigkeit hinaufgezogen, muss die Zugkraft beide Widerstände überwinden:

F = F_H + F_R = F_G · sin α + μ · F_G · cos α

Beim Hinunterlassen mit gleichbleibender Geschwindigkeit hilft die Reibung mit, dann gilt F = F_H − F_R. Ist F_H kleiner als F_R, hält die Reibung die Last von selbst.

Reibung

Reibung entsteht, wo zwei Flächen aufeinander gleiten oder rollen. Sie wirkt immer gegen die Bewegung.

ReibungsartMerkmal
HaftreibungLast ruht, die Reibungskraft hält sie fest. Der Höchstwert ist größer als bei der Gleitreibung.
GleitreibungLast gleitet. Die Reibungskraft ist kleiner als der Höchstwert der Haftreibung.
RollreibungLast rollt auf Rädern oder Rollen. Die Reibungszahl ist viel kleiner.

Die Reibungskraft ist F_R = μ · F_N. Die Reibungszahl μ hat keine Einheit und hängt von den Werkstoffen und vom Zustand der Flächen ab, zum Beispiel trocken oder geschmiert. Die Werte stehen in der Formelsammlung bzw. Tabelle der Aufgabe. Die Größe der Auflagefläche spielt keine Rolle.

Auf der waagerechten Ebene ist F_N gleich F_G, also F_R = μ · F_G. Für 120 kg und μ = 0,25 ergibt das 0,25 · 1.177,2 N = 294,3 N.

Rutschwinkel: Eine Last beginnt auf einer geneigten Fläche zu rutschen, sobald F_H größer wird als die Haftreibung. Daraus folgt tan α = μ₀. Bei μ₀ = 0,25 liegt der Grenzwinkel bei α = 14,0°.

Beschleunigungs-, Feder- und Zentrifugalkraft

Der Rahmenplan nennt drei weitere Kräfte:

KraftFormelErklärung
BeschleunigungskraftF = m · aKraft, die eine Masse m mit der Beschleunigung a anfahren oder abbremsen lässt
FederkraftF = D · sD ist die Federrate in N/mm oder N/m, s der Federweg
ZentrifugalkraftF_Z = m · v² / r = m · ω² · rKraft nach außen bei der Bewegung auf einer Kreisbahn mit dem Radius r

Beim Beschleunigen kommt die Beschleunigungskraft zu den übrigen Kräften hinzu. Achte bei der Federkraft auf die Einheit: Bei D in N/mm muss s in mm stehen. Eine Feder mit D = 8 N/mm und s = 25 mm liefert 200 N. Für die Zentrifugalkraft brauchst du die Winkelgeschwindigkeit ω = 2π · n (n in 1/s). Das behandelt die Seite Kreisbewegung.

Rechenbeispiel: Last die Rampe hinaufziehen

Eine Kiste wird mit einem Seil parallel zur Rampe mit gleichbleibender Geschwindigkeit hinaufgezogen.

Gegeben: m = 120 kg, α = 15°, μ = 0,25, g = 9,81 m/s²

Gesucht: Zugkraft F im Seil

Formeln: F_G = m · g, F_H = F_G · sin α, F_N = F_G · cos α, F_R = μ · F_N, F = F_H + F_R

Einsetzen und Rechnen:

  1. F_G = 120 kg · 9,81 m/s² = 1.177,2 N
  2. F_H = 1.177,2 N · sin 15° = 1.177,2 N · 0,2588 = 304,7 N
  3. F_N = 1.177,2 N · cos 15° = 1.177,2 N · 0,9659 = 1.137,1 N
  4. F_R = 0,25 · 1.137,1 N = 284,3 N
  5. F = 304,7 N + 284,3 N = 589,0 N

Ergebnis: Das Seil muss etwa 589 N aufnehmen (gerundet auf ganze Newton).

Zusatz: Soll die Kiste dabei mit a = 0,5 m/s² anfahren, kommt die Beschleunigungskraft m · a = 120 kg · 0,5 m/s² = 60 N dazu. Die Seilkraft steigt dann auf etwa 649 N.

Typische Fehler

  • Die Masse wird als Kraft eingesetzt, die Multiplikation mit g fehlt.
  • Sinus und Kosinus werden vertauscht. Prüfe mit dem Grenzfall: Bei α = 0° ist F_H null und F_N gleich F_G.
  • Die Reibungskraft wird mit F_G statt mit F_N berechnet. Nur auf der waagerechten Ebene sind beide gleich.
  • Der Taschenrechner steht auf Bogenmaß statt auf Grad.
  • Beim Hinunterlassen wird die Reibung addiert statt abgezogen.
  • Bei der Federkraft stehen N/mm und m durcheinander.

Praxisbeispiel

Im Lager soll ein Rollcontainer mit 180 kg Gesamtmasse über eine 3,0 m lange Rampe auf eine 0,30 m höhere Ladefläche geschoben werden. Die Rollreibungszahl beträgt 0,03.

Aus sin α = 0,30 m / 3,0 m = 0,1 folgt α = 5,7°. Die Gewichtskraft ist 1.765,8 N, die Hangabtriebskraft 176,6 N, die Normalkraft 1.757,0 N und die Reibungskraft 52,7 N. Die Schubkraft beträgt etwa 229 N.

Der Industriemeister entscheidet mit diesem Wert, ob eine Person die Last schieben darf oder ein Hilfsmittel nötig ist.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Berechnen Sie die Gewichtskraft einer Last und die Hangabtriebskraft auf einer Rampe mit gegebenem Winkel.
  • Ermitteln Sie die Seilkraft, die nötig ist, um eine Last mit gleichbleibender Geschwindigkeit eine Rampe hinaufzuziehen.
  • Berechnen Sie die Reibungskraft einer Last auf waagerechter Unterlage bei gegebener Reibungszahl.
  • Bestimmen Sie den Winkel, bei dem eine Last auf einer geneigten Fläche zu rutschen beginnt.
  • Berechnen Sie aus der Federkraft und dem Federweg die Federrate.
  • Ermitteln Sie die waagerechte Komponente einer schräg wirkenden Seilkraft.
  • Erläutern Sie den Unterschied zwischen Haftreibung und Gleitreibung.

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Rechtsgrundlage

Die Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung der jeweiligen Fachrichtung, für Geprüfte Industriemeister Metall zum Beispiel in § 4 Absatz 6.

Prüfungsverordnung Geprüfter Industriemeister Metall, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Alle Aufgaben dieses Themas folgen einem Schema: Gewichtskraft berechnen, an der Ebene in Hangabtriebskraft und Normalkraft zerlegen, die Reibungskraft aus der Normalkraft bestimmen und die Anteile je nach Bewegungsrichtung addieren oder subtrahieren. Feder-, Beschleunigungs- und Zentrifugalkraft sind einfache Zusätze.

Für die Prüfung solltest du das Schema auswendig hinschreiben, die Formeln für F_H, F_N und F_R sicher unterscheiden und mit Gegeben, Gesucht, Formel, Einsetzen und Ergebnis mit Einheit rechnen.