Lastenheft und Pflichtenheft

Lastenheft und Pflichtenheft gehören zum Themenbereich Prozess- und Produktionsdaten im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Mit beiden Dokumenten wird festgehalten, was ein neues System, eine Maschine oder eine Software leisten soll und wie der Lieferant diese Anforderungen umsetzen will.

Für Industriemeister sind sie ein Werkzeug der Verständigung. Du kennst die Abläufe in deinem Bereich am besten und wirkst deshalb mit, wenn die Anforderungen beschrieben werden. Später prüfst du, ob das Gelieferte dazu passt.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichProzess- und Produktionsdaten
ThemaProzessaufbereitung (Rahmenplan 3.1.2)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐ Hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungInhalte nennen, Unterschied erklären, Nutzen begründen
Lernziel laut RahmenplanAn der Beschreibung der Rahmenbedingungen mitwirken und die Analyse der Rahmenbedingungen beherrschen
Empfohlene LernprioritätHoch
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind Lastenheft und Pflichtenheft wichtig?

Viele Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an unklaren Erwartungen. Der Auftraggeber meint etwas anderes, als der Auftragnehmer versteht. Am Ende fehlen Funktionen, oder es wird teurer als geplant.

Lastenheft und Pflichtenheft verhindern das. Sie zwingen beide Seiten, vor dem Start gründlich nachzudenken:

  • Der Auftraggeber muss genau beschreiben, was er braucht.
  • Der Auftragnehmer muss genau beschreiben, wie er es liefern will.
  • Beide haben eine schriftliche Grundlage, auf die sie sich berufen können.

Das gilt nicht nur für Software. Auch bei einer neuen Maschine, einer Halle oder einer Schulung lassen sich die Anforderungen in einem Lastenheft festhalten.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.1 Prozess- und Produktionsdaten
└── 3.1.2 Prozessaufbereitung
├── Beschreibung der Rahmenbedingungen
└── Analyse der Rahmenbedingungen

Der Rahmenplan spricht von Prozessaufbereitung und nennt Lastenheft und Pflichtenheft als Beispiele für die Beschreibung der Rahmenbedingungen. Er verweist außerdem auf die Einteilung von Software und auf die Projektplanung. Dort begegnen dir beide Dokumente wieder.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐ Hohe Prüfungsrelevanz

Lastenheft und Pflichtenheft kamen in 4 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 10 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Die Fragen stehen nicht nur in Aufgabe 1, sondern auch beim Projektmanagement in Aufgabe 5.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • Punkte oder technische Angaben aus einem Lastenheft zu nennen,
  • inhaltliche Punkte aus Lastenheft und Pflichtenheft zu beschreiben,
  • zu begründen, warum beide Dokumente erstellt werden,
  • zu beschreiben, wie die Projektleitung beide Dokumente bei Planung und Umsetzung nutzt.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • Lastenheft und Pflichtenheft erklären und unterscheiden,
  • typische Inhalte beider Dokumente nennen,
  • den Ablauf von der Analyse bis zur Abnahme beschreiben,
  • begründen, warum beide Dokumente notwendig sind,
  • typische Fehler erkennen.

Rahmenbedingungen beschreiben und analysieren

Bevor ein Lastenheft geschrieben wird, müssen die Rahmenbedingungen klar sein. Der Rahmenplan nennt zwei Schritte.

Beschreiben heißt festhalten, wie es heute ist und wie es werden soll:

  • Wie läuft der Prozess bisher ab (Ist-Zustand)?
  • Was soll künftig erreicht werden (Soll-Zustand)?
  • Wer ist beteiligt, und wer arbeitet später mit dem System?
  • Welche Vorgaben gibt es zu Kosten, Terminen, Technik und Recht?

Analysieren heißt die Beschreibung auswerten:

  • Wo liegen die Schwachstellen im heutigen Ablauf?
  • Welche Anforderungen sind unverzichtbar, welche nur wünschenswert?
  • Welche Schnittstellen zu vorhandenen Systemen sind nötig?
  • Welche Risiken gibt es?

Das Ergebnis dieser Arbeit ist die Grundlage für das Lastenheft.

Was ist ein Lastenheft?

Das Lastenheft erstellt der Auftraggeber. Es beschreibt alle Anforderungen an die Lieferung oder Leistung eines Auftragnehmers.

Die Merkfrage lautet: Was soll gemacht werden und wofür?

Das Lastenheft beschreibt das Ziel, nicht den Weg. Es legt nicht fest, mit welcher Technik der Lieferant die Anforderungen erfüllt.

Typische Inhalte eines Lastenhefts

  • Ausgangssituation: der heutige Ist-Zustand, auf dem aufgebaut wird,
  • Zielsetzung: der gewünschte Soll-Zustand und der Nutzen,
  • Funktionen: was das Produkt können muss,
  • Technische Anforderungen: zum Beispiel Leistung, Abmessungen, Zahl der Nutzer, Datenmengen, Schnittstellen zu anderen Systemen,
  • Bedienung: Anforderungen an Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit,
  • Sicherheit: Anforderungen an Datensicherheit, Zugangskontrolle und Arbeitsschutz,
  • Rahmenbedingungen: Termine, Meilensteine, Kostenrahmen, Normen und Vorschriften,
  • Anforderungen an den Auftragnehmer: zum Beispiel Zertifizierungen, Referenzen, Schulung und Service,
  • Abnahmekriterien: woran gemessen wird, ob die Leistung erfüllt ist.

In der Prüfung werden oft „vier Punkte“ oder „vier technische Angaben“ verlangt. Bei einer Datenbank wären technische Angaben zum Beispiel die Zahl der gleichzeitigen Nutzer, der Umfang der Daten, die Schnittstellen und die Anforderungen an die Zugriffskontrolle.

Was ist ein Pflichtenheft?

Das Pflichtenheft erstellt der Auftragnehmer. Es ist seine Antwort auf das Lastenheft und beschreibt, wie er die Anforderungen umsetzen will.

Die Merkfrage lautet: Wie und womit wird es gemacht?

Der Auftraggeber prüft das Pflichtenheft und gibt es frei. Danach ist es die verbindliche Grundlage für die Umsetzung.

Typische Inhalte eines Pflichtenhefts

  • Technische Lösung: mit welchen Mitteln die Anforderungen des Lastenhefts erfüllt werden,
  • Leistungsumfang: was geliefert wird und was ausdrücklich nicht,
  • Zeitplan: in welchem zeitlichen Rahmen der Auftragnehmer seine Aufgaben erfüllt,
  • Mitwirkung des Auftraggebers: welche Voraussetzungen der Auftraggeber noch schaffen muss,
  • Änderungen: unter welchen Bedingungen spätere Änderungswünsche umgesetzt werden,
  • Tests und Abnahme: wie geprüft wird, ob alles funktioniert,
  • Schulung, Dokumentation und Service.

Lastenheft und Pflichtenheft im Vergleich

LastenheftPflichtenheft
Wer erstellt es?AuftraggeberAuftragnehmer
MerkfrageWas und wofür?Wie und womit?
InhaltAnforderungen und RahmenbedingungenLösung und Umsetzung
Zeitpunktvor der Ausschreibung oder Anfragenach der Anfrage, vor der Umsetzung
ZweckAngebote einholen und vergleichenUmsetzung verbindlich festlegen
Freigabedurch den Auftraggeber selbstdurch den Auftraggeber nach Prüfung

Der Ablauf Schritt für Schritt

  1. Analyse: Der Auftraggeber beschreibt und analysiert Ist-Zustand und Soll-Zustand.
  2. Lastenheft: Er hält seine Anforderungen schriftlich fest, unter Mitwirkung der betroffenen Abteilungen.
  3. Anfrage: Mögliche Auftragnehmer erhalten das Lastenheft und geben Angebote ab.
  4. Pflichtenheft: Der ausgewählte Auftragnehmer beschreibt seine Lösung.
  5. Prüfung und Freigabe: Der Auftraggeber gleicht das Pflichtenheft mit dem Lastenheft ab und fordert Korrekturen an, bis alles passt.
  6. Umsetzung: Der Auftragnehmer liefert nach dem Pflichtenheft.
  7. Abnahme: Der Auftraggeber prüft anhand beider Dokumente, ob die Leistung vollständig ist.

Warum braucht man beide Dokumente?

Diese Begründungen solltest du für die Prüfung kennen:

  • Klarheit: Die Anforderungen werden vollständig beschrieben. Es fehlen keine Funktionen, und es wird keine unerwartete Mehrleistung verlangt.
  • Qualität: Beide Seiten müssen vorab gründlich überlegen und analysieren.
  • Vergleichbarkeit: Mit einem Lastenheft lassen sich Angebote einholen, die sich gut vergleichen lassen.
  • Entscheidungshilfe: Jeder mögliche Auftragnehmer kann beurteilen, ob er die Leistung unter diesen Bedingungen erbringen kann.
  • Rechtssicherheit: Beide Dokumente werden Teil des Vertrags.
  • Grundlage für die Abnahme: Am Ende wird geprüft, ob das Gelieferte den Dokumenten entspricht.
  • Grundlage für die Planung: Termine und Meilensteine fließen in die Ablauf- und Terminplanung ein.

Mitwirkung des Industriemeisters

Der Rahmenplan verlangt, dass du an der Beschreibung der Rahmenbedingungen mitwirken kannst. In der Praxis heißt das:

  • Du beschreibst den heutigen Ablauf in deinem Bereich und seine Schwachstellen.
  • Du nennst die Anforderungen der späteren Anwender.
  • Du prüfst, ob das Pflichtenheft zu den Abläufen in deinem Bereich passt.
  • Du wirkst bei Tests und bei der Abnahme mit.
  • Du planst die Unterweisung deiner Mitarbeiter.

Typische Fehler

  • Anforderungen sind zu ungenau: „Die Software soll benutzerfreundlich sein.“
  • Das Lastenheft schreibt schon die Lösung vor und lässt dem Lieferanten keinen Spielraum.
  • Die späteren Anwender wurden nicht gefragt.
  • Muss-Anforderungen und Wünsche sind nicht getrennt.
  • Abnahmekriterien fehlen.
  • Änderungen werden nur mündlich vereinbart.

Praxisbeispiel

Ein Betrieb will eine Datenbank für die Wartung seiner Anlagen beschaffen.

Der Industriemeister der Instandhaltung beschreibt den heutigen Ablauf: Wartungen stehen in einer Tabelle, Protokolle liegen in Ordnern. Gemeinsam mit der IT-Abteilung hält er im Lastenheft fest, was die neue Lösung können soll: Wartungspläne für 120 Anlagen verwalten, Termine automatisch melden, Protokolle am Tablet erfassen, zehn Nutzer gleichzeitig bedienen und Daten an das ERP-System übergeben.

Drei Anbieter erhalten das Lastenheft. Der ausgewählte Anbieter legt ein Pflichtenheft vor. Darin steht, welche Software er einsetzt, wie die Schnittstelle zum ERP-System aufgebaut wird, wann er liefert und welche Daten der Betrieb vorher bereitstellen muss.

Beim Abgleich fällt auf, dass die Erfassung am Tablet fehlt. Der Anbieter bessert nach. Erst danach wird das Pflichtenheft freigegeben.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Erläutern Sie den Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft.
  • Nennen Sie vier Punkte eines Lastenhefts.
  • Benennen Sie vier technische Angaben aus dem Lastenheft für eine Datenbank.
  • Beschreiben Sie drei inhaltliche Punkte aus einem Pflichtenheft.
  • Begründen Sie, warum Auftraggeber und Auftragnehmer ein Lastenheft und ein Pflichtenheft erstellen.
  • Begründen Sie den Einsatz eines Lastenhefts bei der Beschaffung einer Maschine.
  • Beschreiben Sie, wie Sie beide Dokumente bei der Planung und Umsetzung eines Projekts nutzen.

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Lastenheft und Pflichtenheft gehören zum Themenbereich Prozess- und Produktionsdaten.

Prozess- und Produktionsdaten

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Rechtsgrundlage

Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Das Lastenheft schreibt der Auftraggeber: Was soll gemacht werden und wofür? Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer: Wie und womit wird es gemacht? Zusammen sorgen sie für klare Anforderungen, vergleichbare Angebote, Rechtssicherheit und eine saubere Abnahme.

Für die Prüfung solltest du den Unterschied in zwei Sätzen erklären, je vier Inhalte nennen und den Nutzen begründen können.