Lernortkooperation: mit Berufsschule und Partnern zusammenarbeiten (AEVO 2.3)

Dein Auszubildender lernt an mehreren Orten: im Betrieb, in der Berufsschule und oft auch bei weiteren Partnern. Damit daraus eine zusammenhängende Ausbildung wird, müssen sich die Beteiligten abstimmen. Diese Zusammenarbeit heißt Lernortkooperation. Das Thema gehört zum Handlungsfeld 2 „Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken“ der Ausbildereignungsprüfung (AEVO) und steht im Rahmenplan unter der Nummer 2.3.

Auf dieser Seite gehe ich die drei Punkte dieses Kompetenzbereichs durch: die Zusammenarbeit mit allen an der Ausbildung beteiligten Partnern, die Lernortkooperation zwischen Betrieb und Berufsschule und die Kooperation mit außer- und überbetrieblichen Partnern.

📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungAusbildereignungsprüfung nach AEVO
Handlungsfeld2 – Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken (25 von 115 Unterrichtseinheiten im Rahmenplan)
Kompetenzbereich2.3 – Den Kooperationsbedarf ermitteln und sich inhaltlich sowie organisatorisch mit den Kooperationspartnern, insbesondere der Berufsschule, abstimmen
Schriftliche PrüfungRegelmäßig: Begriff und Formen der Lernortkooperation, Partner der Ausbildung und ihre Aufgaben
Praktische PrüfungMittel: Im Fachgespräch wird gefragt, wie dein Thema in der Berufsschule behandelt wird und wie du dich abstimmst
Gilt fürAlle angehenden Ausbilder, unabhängig von Beruf und Branche

Warum ist Lernortkooperation wichtig?

Im dualen System arbeiten zwei Lernorte nach getrennten Plänen: der Betrieb nach dem Ausbildungsrahmenplan, die Berufsschule nach dem Rahmenlehrplan. Auf dem Papier sind beide abgestimmt. Im Alltag weiß der Ausbilder oft nicht, was gerade in der Schule dran ist, und die Lehrkraft nicht, was der Betrieb vermittelt.

Die Folge spürt der Auszubildende. Er hört in der Schule von Dingen, die er im Betrieb noch nie gesehen hat, oder umgekehrt. Wenn du dich abstimmst, verknüpft er Theorie und Praxis leichter, und Probleme wie Fehlzeiten oder schwache Noten fallen früher auf.

Was lernst du auf dieser Seite?

  • welche Partner an der Ausbildung beteiligt sind und wofür du sie brauchst
  • wie du den Kooperationsbedarf ermittelst
  • was Lernortkooperation bedeutet und welche Stufen und Formen es gibt
  • wie du die Zusammenarbeit mit der Berufsschule praktisch gestaltest
  • wie du mit Verbundbetrieben, Bildungsstätten und Hochschulen zusammenarbeitest

1. Zusammenarbeit mit den Partnern der Ausbildung

PartnerWofür brauchst du ihn?
BerufsschuleAbstimmung von Inhalten und Zeiten, Austausch über Leistungen und Fehlzeiten
Zuständige Stelle (Kammer)Beratung, Eintragung des Vertrags, Prüfungen, Verkürzung und Verlängerung
Überbetriebliche BildungsstätteLehrgänge, die die betriebliche Ausbildung ergänzen
VerbundbetriebInhalte, die dein Betrieb nicht selbst vermitteln kann
BildungsträgerFörderunterricht und sozialpädagogische Begleitung, zum Beispiel in der Assistierten Ausbildung
Agentur für ArbeitBewerber, Förderung, Berufsberatung
HochschuleAbstimmung der Theorie- und Praxisphasen beim dualen Studium
Weitereje nach Beruf zum Beispiel Fahrschule, Hersteller, Lieferanten

Kooperationsbedarf ermitteln

Nicht jede Zusammenarbeit ist nötig. Den Bedarf findest du mit vier Fragen:

  1. Welche Inhalte des Ausbildungsrahmenplans kann der Betrieb nicht oder nur eingeschränkt vermitteln?
  2. Wo überschneiden sich betriebliche und schulische Inhalte, und in welcher Reihenfolge werden sie vermittelt?
  3. Welche Auszubildenden brauchen zusätzliche Unterstützung?
  4. Welche Termine anderer Partner musst du in deiner Planung berücksichtigen?

Der Rahmenplan nennt ausdrücklich Netzwerke, auch digitale. Das können Ausbilderarbeitskreise der Kammer sein, regionale Ausbildungsverbünde oder eine gemeinsame Lernplattform von Betrieb und Schule.

2. Lernortkooperation zwischen Betrieb und Berufsschule

Unter Lernortkooperation versteht man die organisatorische und pädagogische Zusammenarbeit des Ausbildungs- und Lehrpersonals der Lernorte. Sie hat drei Stufen:

StufeWas geschieht?Beispiel
InformierenDie Lernorte teilen einander mit, was sie tun.Die Schule schickt die Übersicht der Lernfelder, der Betrieb den Ausbildungsplan.
AbstimmenDie Lernorte passen ihre Planung aneinander an.Der Betrieb legt den Abschnitt Ladungssicherung in die Wochen nach dem passenden Schulblock.
ZusammenwirkenDie Lernorte arbeiten an gemeinsamen Vorhaben.Ein Projekt, das in der Schule geplant und im Betrieb durchgeführt wird.

Der Unterricht der Berufsschule ist in Lernfelder gegliedert. Das sind Themenbereiche, die sich an beruflichen Handlungen orientieren. Wenn du die Lernfelder deines Berufs kennst, kannst du deinen Ausbildungsplan danach ausrichten.

Formen der Zusammenarbeit

  • Fester Ansprechpartner: Du kennst die Klassenlehrkraft und sie dich. Der erste Kontakt findet zu Beginn der Ausbildung statt, nicht erst beim ersten Problem.
  • Austausch der Pläne: Lernfeldübersicht und Blockzeiten der Schule, betrieblicher Ausbildungsplan des Betriebs.
  • Ausbildersprechtage und Arbeitskreise: regelmäßige Treffen von Ausbildern und Lehrkräften.
  • Rückmeldungen: Zeugnisse, Leistungsstand und Fehlzeiten. Lass dir die Zeugnisse vom Auszubildenden vorlegen.
  • Gegenseitige Besuche: Lehrkräfte lernen den Betrieb kennen, Ausbilder hospitieren im Unterricht.
  • Gemeinsame Projekte und Prüfungsvorbereitung.
  • Mitarbeit im Prüfungsausschuss: Dort sitzen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Lehrkräfte an einem Tisch.
  • Gemeinsame Förderung: Bei Lernschwierigkeiten stimmen Betrieb und Schule ab, wer was übernimmt.

Die häufigsten Hindernisse sind Zeitmangel auf beiden Seiten, wechselnde Ansprechpartner und große Entfernungen bei Fachklassen. Dagegen hilft, wenige feste Dinge zu vereinbaren: ein Gespräch pro Halbjahr, eine Telefonnummer, ein Austausch der Pläne zu Beginn jedes Ausbildungsjahres.

3. Kooperation mit außer- und überbetrieblichen Partnern

FormKennzeichenWas ist abzustimmen?
VerbundausbildungEin Partnerbetrieb übernimmt einzelne Ausbildungsabschnitte.Inhalte, Zeitraum, Verantwortung, Rückmeldung
AuftragsausbildungEin anderer Betrieb oder Bildungsträger vermittelt Inhalte gegen Entgelt.zusätzlich Kosten und Vertrag
Überbetriebliche LehrgängeDie Bildungsstätte der Kammer oder Innung ergänzt die betriebliche Ausbildung.Termine, Anmeldung, Einbindung in den Ausbildungsplan
Duales StudiumDie Hochschule ist Partner; beim ausbildungsintegrierenden Modell kommt die Berufsausbildung dazu.Theorie- und Praxisphasen, Inhalte der Praxisphasen, Betreuung
NetzwerkeArbeitskreise, Ausbildungsverbünde, regionale BündnisseErfahrungsaustausch, gemeinsame Angebote

Für jede dieser Kooperationen gilt: Der Ausbildende bleibt verantwortlich. Halte deshalb schriftlich fest, welche Inhalte der Partner vermittelt, in welchem Zeitraum, wer Ansprechpartner ist, wer die Kosten trägt, wie der Auszubildende versichert ist und wie du eine Rückmeldung über seine Leistungen bekommst. Mehr zur Verbundausbildung steht auf der Seite Eignung von Ausbilder und Ausbildungsstätte.

Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr

Die Auszubildenden einer Spedition zum Berufskraftfahrer besuchen eine Fachklasse, die 80 Kilometer entfernt im Blockunterricht stattfindet. Der Fuhrparkleiter kannte bisher weder den Lehrplan noch die Lehrer.

Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres ruft er den Klassenlehrer an. Er bekommt die Übersicht der Lernfelder und die Blockzeiten und schickt seinen Ausbildungsplan zurück. Dabei fällt auf: Das Lernfeld zur Ladungssicherung kommt in der Schule im zweiten Block, im Betrieb hatte er das Thema erst für das Frühjahr vorgesehen. Er zieht den Abschnitt vor, sodass die Auszubildenden direkt nach dem Block im Lager und auf den Touren üben.

Mit der Fahrschule und der Vertragswerkstatt vereinbart er feste Zeiträume und eine kurze schriftliche Rückmeldung nach jedem Abschnitt. Einmal im Halbjahr telefoniert er mit dem Klassenlehrer. Als ein Auszubildender im zweiten Block häufig fehlt, erfährt er das noch in derselben Woche.

🏭 So sieht das in der Fertigung aus

Ein Elektrobetrieb und die Berufsschule planen ein gemeinsames Projekt: Die Auszubildenden entwerfen im Unterricht die Steuerung für eine kleine Förderanlage und bauen sie anschließend im Betrieb auf. Die Lehrkraft besucht den Betrieb zur Abnahme. Das ist die dritte Stufe der Lernortkooperation, das Zusammenwirken.

Typische Prüfungsfragen mit Antworten

Was versteht man unter Lernortkooperation?

Die organisatorische und pädagogische Zusammenarbeit des Ausbildungs- und Lehrpersonals der an der Ausbildung beteiligten Lernorte, vor allem von Betrieb und Berufsschule.

Welche Stufen der Lernortkooperation gibt es?

Informieren, Abstimmen und Zusammenwirken. Auf der ersten Stufe tauschen die Lernorte Informationen aus, auf der zweiten passen sie ihre Planung an, auf der dritten arbeiten sie an gemeinsamen Vorhaben.

Nenne Formen der Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Berufsschule.

Feste Ansprechpartner, Austausch von Ausbildungsplan und Lernfeldübersicht, Ausbildersprechtage, Rückmeldungen zu Leistungen und Fehlzeiten, gegenseitige Besuche, gemeinsame Projekte, Mitarbeit im Prüfungsausschuss und abgestimmte Förderung bei Lernschwierigkeiten.

Mit welchen Partnern arbeitet der Ausbildungsbetrieb zusammen?

Mit der Berufsschule, der zuständigen Stelle, überbetrieblichen Bildungsstätten, Verbundbetrieben, Bildungsträgern, der Agentur für Arbeit und beim dualen Studium mit der Hochschule.

Wer ist verantwortlich, wenn ein Partnerbetrieb einen Ausbildungsabschnitt übernimmt?

Der Ausbildende bleibt für die gesamte Ausbildung verantwortlich. Deshalb werden Inhalte, Zeitraum, Zuständigkeiten und Rückmeldung mit dem Partner schriftlich vereinbart.

Was sind Lernfelder?

Thematische Einheiten des Rahmenlehrplans der Berufsschule, die sich an beruflichen Handlungssituationen orientieren. Sie erleichtern die Abstimmung mit der betrieblichen Ausbildung.

Übungsaufgabe

Ein Auszubildender im zweiten Jahr sagt dir: „In der Berufsschule nehmen wir Sachen durch, die ich im Betrieb noch nie gemacht habe. Und was ich hier lerne, kommt dort erst nächstes Jahr.“ Sein letztes Zeugnis hast du nicht gesehen. Was unternimmst du?

Lösungsvorschlag

  • Kontakt aufnehmen: Du rufst die Klassenlehrkraft an und vereinbarst ein Gespräch.
  • Pläne austauschen: Du bittest um die Lernfeldübersicht und die Blockzeiten und stellst deinen Ausbildungsplan vor.
  • Abstimmen: Du prüfst, welche betrieblichen Abschnitte du verschieben kannst, damit Theorie und Praxis zeitlich näher zusammenliegen.
  • Zeugnis ansehen: Du lässt dir das Zeugnis vorlegen und besprichst es mit dem Auszubildenden.
  • Verstetigen: Du vereinbarst einen festen Austausch, zum Beispiel einmal pro Halbjahr.
  • Auszubildenden einbeziehen: Er berichtet dir nach jedem Block kurz, was durchgenommen wurde. Das kannst du im Betrieb aufgreifen.

Bedeutung für die praktische Prüfung

Im Fachgespräch kommt häufig die Frage, ob und wann das Thema deiner Ausbildungssituation in der Berufsschule behandelt wird. Sieh vorher im Rahmenlehrplan nach, zu welchem Lernfeld es gehört. Wenn du dazu sagen kannst, wie du dich mit der Schule abstimmst, zeigst du, dass du die Ausbildung als Ganzes im Blick hast.

Verwandte Themen

➡️ Handlungsfeld 2 – Ausbildung vorbereiten
➡️ Betrieblicher Ausbildungsplan (2.1)
➡️ Mitbestimmung in der Ausbildung (2.2)
➡️ Ausbildung im Ausland (2.6)
➡️ Duales System und Berufsbildungssystem (1.3)
➡️ Lernschwierigkeiten erkennen und Auszubildende unterstützen (3.5)
➡️ Berufsbildungsgesetz (BBiG) im Wortlaut

Fazit

Lernortkooperation heißt: informieren, abstimmen, zusammenwirken. Der wichtigste Partner ist die Berufsschule. Ein fester Ansprechpartner, der Austausch der Pläne und ein Gespräch pro Halbjahr reichen oft schon, damit Theorie und Praxis zusammenpassen. Bei allen weiteren Partnern bleibt der Ausbildende verantwortlich und regelt Inhalte, Zeiten und Rückmeldung schriftlich.