Führungsstile
Führungsstile gehören zum Themengebiet Führungsverhalten und Führungsgrundsätze im Prüfungsbereich Zusammenarbeit im Betrieb. Sie beschreiben die grundsätzliche Art und Weise, wie eine Führungskraft ihre Mitarbeiter führt und dabei sowohl betriebliche Aufgaben als auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigt.
Für die Industriemeisterprüfung ist insbesondere das Verhältnis zwischen Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung wichtig. Im sogenannten Verhaltensgitter lassen sich daraus unterschiedliche Formen des Führungsverhaltens ableiten.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Prüfungsbereich | Basisqualifikation |
| Handlungsbereich | Zusammenarbeit im Betrieb |
| Themengebiet | Führungsverhalten und Führungsgrundsätze |
| Thema | Führungsstile |
| Prüfungsrelevanz | ⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hoch |
| Datengrundlage | Systematische Auswertung der vorliegenden Originalprüfungen der IHK |
| Art der Prüfung | Direkte Wissensfragen sowie Analyse-, Zuordnungs- und Beurteilungsaufgaben |
| Lernziel laut Rahmenlehrplan | Führungsstile und ihre Auswirkungen auf die Führungsleistung beurteilen |
| Empfohlene Lernpriorität | Sehr hoch |
| Vertiefung | ➡️ Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar) |
Warum sind Führungsstile wichtig?
Führung bewegt sich immer zwischen zwei zentralen Anforderungen:
Aufgabenorientierung
Die Führungskraft konzentriert sich auf:
- Arbeitsaufgaben,
- Zielerreichung,
- Qualität,
- Termine,
- Leistung,
- betriebliche Ergebnisse.
Mitarbeiterorientierung
Die Führungskraft berücksichtigt stärker:
- Bedürfnisse der Mitarbeiter,
- Erwartungen,
- Motivation,
- Zusammenarbeit,
- persönliche Beziehungen,
- Arbeitszufriedenheit.
Genau diese beiden Dimensionen verwendet die IHK auch in einer Originalprüfung. Dort wird die Aufgabenorientierung auf der x-Achse und die Mitarbeiterorientierung auf der y-Achse eines Verhaltensgitters dargestellt.
Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans
Basisqualifikation
└── Zusammenarbeit im Betrieb
└── Führungsverhalten und Führungsgrundsätze
└── Führungsstile
Der DIHK-Rahmenlehrplan verlangt nicht lediglich das Kennen verschiedener Führungsstile. Ihre Auswirkungen auf die Führungsleistung sollen beurteilt werden. Darüber hinaus sollen zeitgemäße und zielorientierte Formen der Führung angewendet werden.
Prüfungsrelevanz
⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hohe Prüfungsrelevanz
Wie konkret dieses Thema geprüft werden kann, zeigt die ZiB-Prüfung Frühjahr 2025.
Allein die Aufgabe zum Verhaltensgitter umfasste 19 Punkte. Gefordert wurden Mitarbeiter- und Aufgabenorientierung, Merkmale der fünf Führungsstile sowie deren Position im Verhaltensgitter.
Für die Prüfung solltest du deshalb insbesondere:
- Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung unterscheiden,
- die fünf Führungsstile kennen,
- deren Hauptmerkmale erklären,
- ihre Position im Verhaltensgitter kennen,
- Auswirkungen des Führungsverhaltens beurteilen können.
➡️ Zur Prüfungsanalyse Zusammenarbeit im Betrieb
Was lernst du auf dieser Seite?
Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:
- Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung unterscheiden,
- die fünf Führungsstile des Verhaltensgitters erklären,
- ihre wesentlichen Merkmale beschreiben,
- die Führungsstile im Verhaltensgitter einordnen,
- Auswirkungen unterschiedlicher Führungsweisen beurteilen.
Das Verhaltensgitter
Das Verhaltensgitter betrachtet Führungsverhalten anhand zweier Dimensionen:
x-Achse: Aufgabenorientierung
y-Achse: Mitarbeiterorientierung
Beide Dimensionen reichen von 1 = niedrig bis 9 = hoch. Dadurch ergeben sich insgesamt 81 mögliche Kombinationen des Führungsverhaltens.
Für die Prüfung sind insbesondere fünf Positionen wichtig:
Mitarbeiterorientierung
9 Glacéhandschuh kooperativ/
(1.9) partnerschaftlich
(9.9)
5 Kompromiss
(5.5)
1 Laissez-faire autoritär
(1.1) (9.1)
1 5 9
Aufgabenorientierung
1. Laissez-faire-Führungsstil – 1.1
Beim Laissez-faire-Führungsstil sind sowohl Aufgaben- als auch Mitarbeiterorientierung gering.
Die Führungskraft zeigt nur geringe Führungsaktivität und überlässt vieles den Mitarbeitern.
Typische Merkmale:
- geringe Einflussnahme durch die Führungskraft,
- geringe Orientierung an der Aufgabenerfüllung,
- geringe Mitarbeiterorientierung,
- wenig aktive Steuerung.
Der offizielle Lösungshinweis bezeichnet ihn auch als Gleichgültigkeitsführungsstil.
2. Glacéhandschuh-Management – 1.9
Beim Glacéhandschuh-Management steht die Mitarbeiterorientierung deutlich im Vordergrund.
Die Führungskraft versucht, ein angenehmes Verhältnis zu den Mitarbeitern zu erhalten. Die konsequente Erfüllung betrieblicher Aufgaben kann dabei in den Hintergrund treten.
Typische Merkmale:
- hohe Mitarbeiterorientierung,
- geringe Aufgabenorientierung,
- Mitarbeiterzufriedenheit steht im Vordergrund,
- Konflikte werden eher vermieden oder verdeckt,
- Leistung kann zugunsten eines harmonischen Umgangs zurücktreten.
Diese Ausrichtung entspricht im Verhaltensgitter der Position 1.9.
3. Autoritärer Führungsstil – 9.1
Beim autoritären Führungsstil steht die Erfüllung der Aufgabe im Mittelpunkt.
Die Führungskraft entscheidet weitgehend selbst und erwartet die Umsetzung ihrer Anweisungen.
Typische Merkmale:
- hohe Aufgabenorientierung,
- geringe Mitarbeiterorientierung,
- Entscheidungen werden überwiegend durch den Vorgesetzten getroffen,
- Anweisungen und Zielerreichung stehen im Mittelpunkt,
- Mitarbeiterzufriedenheit besitzt einen geringeren Stellenwert.
Position im Verhaltensgitter: 9.1.
4. Kompromissmanagement – 5.5
Beim Kompromissmanagement versucht die Führungskraft, einen Mittelweg zwischen Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung zu finden.
Typische Merkmale:
- mittlere Aufgabenorientierung,
- mittlere Mitarbeiterorientierung,
- beide Seiten gehen Kompromisse ein,
- weder Leistungsanforderungen noch Mitarbeiterinteressen dominieren vollständig,
- Konflikte werden häufig durch gegenseitiges Nachgeben gelöst.
Position im Verhaltensgitter: 5.5.
5. Kooperativer/partnerschaftlicher Führungsstil – 9.9
Beim kooperativen beziehungsweise partnerschaftlichen Führungsstil sind sowohl Aufgaben- als auch Mitarbeiterorientierung stark ausgeprägt.
Die Führungskraft versucht, betriebliche Ziele durch Zusammenarbeit, Beteiligung und gegenseitige Unterstützung zu erreichen.
Typische Merkmale:
- hohe Aufgabenorientierung,
- hohe Mitarbeiterorientierung,
- gemeinschaftliches Handeln,
- gegenseitige Unterstützung,
- Beteiligung der Mitarbeiter,
- Konflikte werden moderiert,
- Entscheidungen erhalten eine breite Akzeptanz.
Position im Verhaltensgitter: 9.9.
Die fünf Führungsstile im Vergleich
| Führungsstil | Aufgabe | Mitarbeiter | Koordinate |
|---|---|---|---|
| Laissez-faire | niedrig | niedrig | 1.1 |
| Glacéhandschuh-Management | niedrig | hoch | 1.9 |
| Autoritärer Führungsstil | hoch | niedrig | 9.1 |
| Kompromissmanagement | mittel | mittel | 5.5 |
| Kooperativ/partnerschaftlich | hoch | hoch | 9.9 |
Diese Tabelle würde ich auf der Website unbedingt einbauen. Sie bildet ziemlich genau das Wissen ab, das in der Prüfung 2025 verlangt wurde.
Führungsstil und Führungssituation
Trotz dieser fünf Grundformen gibt es nicht den einen Führungsstil, der für jede Situation geeignet ist.
Der Rahmenlehrplan nennt deshalb neben kooperativer Führung ausdrücklich auch situative Führung.
Dabei berücksichtigt die Führungskraft beispielsweise:
- Qualifikation des Mitarbeiters,
- Erfahrung,
- Motivation,
- Aufgabe,
- Verantwortung,
- betriebliche Situation.
Dieses Thema behandeln wir ausführlich auf der eigenen Unterseite:
➡️ Kooperatives und situatives Führen
Praxisbeispiel
Ein Industriemeister übernimmt ein neues Produktionsteam.
Bei einem unerfahrenen Mitarbeiter muss er zunächst stärker auf die korrekte Aufgabenerfüllung achten und klare Vorgaben machen.
Bei erfahrenen Mitarbeitern kann er dagegen mehr Verantwortung übertragen und sie stärker in Entscheidungen einbeziehen.
Bei der Führung des gesamten Teams achtet er gleichzeitig darauf, dass sowohl die betrieblichen Ziele erreicht als auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigt werden.
Damit wird deutlich: Führungsverhalten muss nicht nur beschrieben, sondern immer auch hinsichtlich seiner Auswirkungen beurteilt werden.
Typische Prüfungsfragen
Prüfungsaufgaben können beispielsweise verlangen:
- Mitarbeiterorientierung erklären,
- Aufgabenorientierung erklären,
- Hauptmerkmale verschiedener Führungsstile beschreiben,
- Führungsstile einem Verhaltensgitter zuordnen,
- Auswirkungen unterschiedlicher Führungsstile beurteilen,
- geeignetes Führungsverhalten für eine betriebliche Situation begründen.
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➡️ Aufgaben und Rollen des Industriemeisters
➡️ Kooperatives und situatives Führen
➡️ Autorität und Vorbildfunktion
➡️ Führungsgrundsätze, Leitbild und Unternehmenskultur
Fazit
Führungsstile unterscheiden sich vor allem darin, wie stark eine Führungskraft die Aufgabenerfüllung und die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter berücksichtigt.
Für die IHK-Prüfung solltest du insbesondere die fünf Ausprägungen Laissez-faire, Glacéhandschuh-Management, autoritärer Führungsstil, Kompromissmanagement und kooperativer/partnerschaftlicher Führungsstil kennen und im Verhaltensgitter einordnen können.
