Risikomanagement im Projekt heißt, mögliche Störungen früh zu erkennen, zu bewerten und mit Maßnahmen zu entschärfen, bevor sie Termine, Kosten oder das Ergebnis gefährden. Das Thema gehört zum Themenbereich Projektmanagement im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Im Rahmenplan steht es bei den Methoden der Projektplanung.
Als Industriemeister kennst du die Schwachstellen in deinem Bereich: die Maschine, die nicht ausfallen darf, den Lieferanten, der oft zu spät kommt. Dieses Wissen braucht ein Projektteam, wenn es Risiken sammelt und einschätzt.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Prüfungsteil | Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen |
| Prüfungsbereich | Methoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP) |
| Themenbereich | Projektmanagement |
| Thema | Methoden der Projektplanung: Risikoanalyse, Risikomanagement (Rahmenplan 3.5.3) |
| Prüfungsrelevanz | ⭐⭐⭐⭐ Hoch |
| Datengrundlage | DIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK |
| Art der Prüfung | Risikoarten nennen, Vorgehen beschreiben, Maßnahmen ableiten |
| Lernziel laut Rahmenplan | Eine Risikoanalyse als Teil der Projektplanung erstellen: Risikoarten unterscheiden, Risiken in einer Risikomatrix einordnen, Maßnahmen ableiten und bewerten |
| Empfohlene Lernpriorität | Hoch |
| Vertiefung | Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar) |
Warum ist Risikomanagement im Projekt wichtig?
Ein Projekt ist einmalig. Es gibt keine Routine, auf die sich das Team verlassen kann. Wer ein Risiko erst bemerkt, wenn es eingetreten ist, kann nur noch reagieren.
Ein geordneter Umgang mit Risiken hat vier Vorteile:
- Das Team denkt vor dem Start durch, was schiefgehen kann.
- Zeit und Geld fließen in die Risiken, die wirklich wichtig sind.
- Auftraggeber und Projektleitung entscheiden bewusst, welches Risiko sie eingehen.
- Tritt ein Risiko ein, liegt die Antwort schon bereit.
Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans
Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.5 Projektmanagement
└── 3.5.3 Methoden der Projektplanung
└── Risikoanalyse, Risikomanagement
├── Risikoarten
├── Risikomatrix
└── Ableiten und Bewerten von Maßnahmen
Der Rahmenplan führt Risikoanalyse und Risikomanagement als Teil der Projektplanung. Weil Risiken bis zum Projektende beobachtet werden, reicht das Thema in die Projektsteuerung hinein.
Prüfungsrelevanz
⭐⭐⭐⭐ Hohe Prüfungsrelevanz
Das Thema gehört in der Prüfungsanalyse zur Gruppe „Projektsteuerung, Risiko, Projektabschluss“. Diese Gruppe kam in 5 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 13 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Die Fragen bringen zwischen 4 und 24 Punkten.
Eine vollständige Risikomatrix war bisher kaum zu erstellen. Gefragt wird meist nach Risikoarten, nach dem Vorgehen und nach Gegenmaßnahmen.
In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,
- mehrere Risikoarten zu nennen,
- die Schritte einer Risikoanalyse zu beschreiben,
- Risiken einer bestimmten Vorgehensweise im Projekt zu nennen und je eine Gegenmaßnahme zu beschreiben,
- Probleme zu erläutern, die bei der Umsetzung auftreten können, und jeweils eine vorbeugende Maßnahme anzugeben.
Was lernst du auf dieser Seite?
Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:
- Risiko, Risikoanalyse und Risikomanagement erklären,
- Risikoarten nennen und Beispiele zuordnen,
- Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe bewerten,
- eine Risikomatrix aufbauen und lesen,
- die vier Arten von Maßnahmen unterscheiden und Maßnahmen bewerten,
- beschreiben, wie Risiken im Projektverlauf überwacht werden.
Was ist ein Risiko im Projekt?
Ein Risiko ist ein mögliches Ereignis, das dem Projekt schadet, wenn es eintritt: bei Terminen, Kosten oder Ergebnis.
Ein Problem ist dagegen schon eingetreten und muss gelöst werden. Ein Risiko liegt in der Zukunft und lässt sich noch beeinflussen.
Beschreibe ein Risiko als ganzen Satz mit Ursache, Ereignis und Auswirkung: „Weil der Lieferant ausgelastet ist, kann die Anlage später kommen. Dann verschiebt sich die Inbetriebnahme.“
Risikoarten
Risiken lassen sich nach dem ordnen, was sie gefährden. Wer alle Arten durchgeht, übersieht weniger.
| Risikoart | Was ist gefährdet? | Beispiel |
|---|---|---|
| Terminrisiko | der Endtermin oder ein Meilenstein | Ein Bauteil hat eine längere Lieferzeit als zugesagt. |
| Kostenrisiko | das Budget | Die Materialpreise steigen nach der Kalkulation. |
| Sachrisiko, auch technisches Risiko oder Funktionsrisiko | Leistung und Qualität des Ergebnisses | Die Anlage erreicht die geforderte Stückzahl nicht. |
| Personelles Risiko | Verfügbarkeit und Qualifikation der Mitarbeiter | Eine Fachkraft mit Schlüsselwissen fällt aus. |
| Rechtliches Risiko | Verträge, Genehmigungen und Vorschriften | Eine Genehmigung kommt später als erwartet. |
| Externes Risiko | das Umfeld des Projekts | Ein Zulieferer wird zahlungsunfähig, oder ein Unwetter unterbricht die Arbeiten. |
Die ersten drei Arten entsprechen den drei Zielen im magischen Dreieck, das du von den Projektgrundlagen kennst. Bei „Nennen Sie“ reicht in der Prüfung die Bezeichnung. Bei „Beschreiben Sie“ gehört ein Satz mit Beispiel dazu.
Risikoanalyse und Risikomanagement in fünf Schritten
- Risiken erkennen: Das Team sammelt, was im Projekt schiefgehen kann.
- Risiken bewerten: Es schätzt Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe ein.
- Risiken einordnen: Die Risikomatrix zeigt, welche Risiken zuerst behandelt werden.
- Maßnahmen ableiten und bewerten: Das Team legt Maßnahmen, Verantwortliche und Termine fest.
- Risiken überwachen: Die Liste wird bis zum Projektende geprüft und ergänzt.
Die Schritte 1 bis 3 bilden die Risikoanalyse. Mit den Schritten 4 und 5 wird daraus das Risikomanagement.
Risiken erkennen
Risiken findet niemand allein am Schreibtisch. Vier Quellen helfen:
- Projektstrukturplan: Das Team geht jedes Arbeitspaket durch und fragt: Was kann hier schiefgehen?
- Terminplan: Vorgänge ohne Puffer und Vorgänge mit Fremdleistungen sind besonders anfällig.
- Erfahrungen: Abschlussberichte und Checklisten früherer Projekte zeigen, was schon einmal passiert ist.
- Brainstorming im Team: Verschiedene Abteilungen sehen verschiedene Gefahren. Den Ablauf findest du bei den Kreativitätstechniken.
Risiken bewerten: Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe
Jedes Risiko wird mit zwei Fragen bewertet: Wie wahrscheinlich ist es, und wie groß wäre der Schaden? Üblich sind drei Stufen.
| Stufe | Eintrittswahrscheinlichkeit | Schadenshöhe |
|---|---|---|
| 1 = gering | tritt voraussichtlich nicht ein | Das Projekt gleicht den Schaden mit seinen Puffern aus. |
| 2 = mittel | kann eintreten | Ein Meilenstein oder ein Teilbudget wird spürbar überschritten. |
| 3 = hoch | tritt wahrscheinlich ein | Endtermin, Gesamtbudget oder Ergebnis sind gefährdet. |
Aus beiden Stufen ergibt sich der Risikowert:
Risikowert = Stufe der Eintrittswahrscheinlichkeit × Stufe der Schadenshöhe
Bei drei Stufen liegt der Risikowert zwischen 1 und 9. Die Zahl der Stufen ist nicht vorgeschrieben. Das Team legt sie fest, bevor es bewertet.
Risikomatrix mit Beispiel
Die Risikomatrix ist ein Raster mit zwei Achsen: Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe. Jedes Risiko wird in das Feld eingetragen, das zu seiner Bewertung passt.
Ein Betrieb beschafft eine neue Verpackungsanlage. Das Projektteam hat sechs Risiken gesammelt und bewertet:
| Nr. | Risiko | Eintrittswahrscheinlichkeit | Schadenshöhe | Risikowert | Einstufung |
|---|---|---|---|---|---|
| R1 | Die Anlage wird verspätet geliefert. | mittel (2) | hoch (3) | 6 | hoch |
| R2 | Die Schulung fällt in die Urlaubszeit. | hoch (3) | gering (1) | 3 | mittel |
| R3 | Der Anschluss an die Fördertechnik passt nicht. | mittel (2) | mittel (2) | 4 | mittel |
| R4 | Die Elektrofachkraft fällt aus. | gering (1) | hoch (3) | 3 | mittel |
| R5 | Der Umbau der Aufstellfläche wird teurer. | hoch (3) | mittel (2) | 6 | hoch |
| R6 | Das Material für den Probelauf fehlt. | gering (1) | gering (1) | 1 | gering |
Das Team hat vorher festgelegt: Ein Risikowert von 1 bis 2 gilt als gering, von 3 bis 4 als mittel und von 6 bis 9 als hoch.

So liest du die Matrix: Je weiter rechts oben ein Risiko steht, desto dringender ist es. R1 und R5 werden zuerst behandelt.
R2 und R4 haben denselben Risikowert 3 und sind trotzdem verschieden. R2 tritt wahrscheinlich ein, schadet aber wenig. R4 ist unwahrscheinlich, wäre aber schwer. Das Feld in der Matrix sagt deshalb mehr als der Risikowert allein.
Maßnahmen ableiten und bewerten
Für den Umgang mit einem Risiko gibt es vier Möglichkeiten.
| Möglichkeit | Bedeutung | Im Beispiel |
|---|---|---|
| Vermeiden | Die Ursache wird beseitigt. Das Risiko kann nicht mehr eintreten. | R2: Die Schulung wird in die Wochen vor der Urlaubszeit gelegt. |
| Vermindern | Eintrittswahrscheinlichkeit oder Schadenshöhe werden gesenkt. | R1: Zwischentermine mit dem Lieferanten vereinbaren und zwei Wochen Puffer vor der Montage einplanen. |
| Übertragen | Der finanzielle Schaden wird auf einen anderen verlagert, durch Vertrag oder Versicherung. | R5: Festpreis mit dem Bauunternehmen vereinbaren. |
| Tragen | Das Risiko wird bewusst hingenommen und beobachtet. | R6: Kein Aufwand vorab, das Material lässt sich kurzfristig beschaffen. |
Beim Übertragen bleibt ein Rest. Eine Vertragsstrafe ersetzt Geld, aber nicht die verlorene Zeit.
Vorbeugende Maßnahmen setzen vor dem Ereignis an und senken die Eintrittswahrscheinlichkeit. Notfallmaßnahmen werden vorbereitet und erst ausgelöst, wenn das Risiko eintritt. Sie begrenzen den Schaden. Für R4 vereinbart das Team mit einem Elektrobetrieb einen Einsatz auf Abruf.
Maßnahmen bewerten
Jede Maßnahme kostet Zeit oder Geld. Deshalb wird sie vor der Entscheidung geprüft:
- Wirkung: Wie stark sinken Eintrittswahrscheinlichkeit oder Schadenshöhe?
- Aufwand: Kostet die Maßnahme weniger als der mögliche Schaden?
- Nebenwirkungen: Verändert sie Termine, Kosten oder Qualität an anderer Stelle?
- Machbarkeit: Lässt sie sich rechtzeitig umsetzen?
- Restrisiko: Was bleibt übrig, und kann der Auftraggeber damit leben?
Im Beispiel fängt der Puffer bei R1 einen Teil der Verspätung auf. Die Schadenshöhe sinkt von hoch auf mittel. Der neue Risikowert beträgt 2 × 2 = 4 statt 6. Zu jeder beschlossenen Maßnahme gehören ein Verantwortlicher und ein Termin.
Risiken überwachen
Risiken ändern sich. Manche erledigen sich, neue kommen hinzu. Grundlage der Überwachung ist die Risikoliste mit Beschreibung, Bewertung, Maßnahme, Verantwortlichem, Termin und Status.
- Die Risikoliste ist ein fester Punkt in jeder Projektbesprechung.
- An jedem Meilenstein werden alle Risiken neu bewertet.
- Für wichtige Risiken legt das Team Frühwarnzeichen fest, zum Beispiel einen nicht bestätigten Zwischentermin.
- Neue Risiken werden aufgenommen, erledigte geschlossen.
- Hohe Risiken stehen im Statusbericht an den Auftraggeber.
Typische Fehler
- Risiken werden einmal zu Beginn gesammelt und danach nie wieder angesehen.
- Ein Risiko ist nur ein Stichwort, Ursache und Auswirkung fehlen.
- Bewertet wird nach Gefühl, ohne vorher die Stufen festzulegen.
- Für eine Maßnahme ist niemand verantwortlich.
Praxisbeispiel
Ein Industriemeister leitet den Umzug der Vormontage in eine andere Halle. Dafür stehen nur die drei Wochen der Betriebsferien zur Verfügung.
Das wichtigste Risiko: Der Hallenkran in der neuen Halle muss vor dem ersten Einsatz geprüft werden. Kommt der Prüfer zu spät, können die schweren Vorrichtungen nicht gesetzt werden. Das Team schätzt die Eintrittswahrscheinlichkeit als mittel und die Schadenshöhe als hoch ein. Der Risikowert beträgt 6.
Der Industriemeister zieht den Prüftermin um eine Woche vor und reserviert als Notfallmaßnahme einen Autokran. In der zweiten Woche meldet der Prüfer eine Verzögerung. Der Industriemeister ruft den Autokran ab. Der Umzug bleibt im Plan.
Typische Prüfungsfragen
In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:
- Nennen Sie fünf Risikoarten, die in einem Projekt auftreten können.
- Erläutern Sie den Unterschied zwischen einem Risiko und einem Problem.
- Beschreiben Sie das Vorgehen bei einer Risikoanalyse in vier Schritten.
- Erläutern Sie den Aufbau einer Risikomatrix.
- Beschreiben Sie die vier Möglichkeiten, mit einem Risiko umzugehen, jeweils mit einem Beispiel.
- Nennen Sie drei Risiken bei der Beschaffung einer Maschine und beschreiben Sie je eine Gegenmaßnahme.
- Begründen Sie, warum Risiken während des gesamten Projekts überwacht werden.
Verwandte Themen
Risikomanagement im Projekt gehört zum Themenbereich Projektmanagement.
Weitere Themen dieses Themenbereichs
- Projektgrundlagen
- Projektbeteiligte und Rollen
- Projektorganisation
- Projektplanung
- Projektsteuerung
- Projektabschluss
- Agiles Projektmanagement
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Rechtsgrundlage
Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.
Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)
Fazit
Risikomanagement im Projekt folgt immer demselben Weg: Risiken erkennen, nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe bewerten, in die Risikomatrix einordnen, Maßnahmen festlegen und die Risiken bis zum Projektende überwachen. Für jedes Risiko gibt es vier Möglichkeiten: vermeiden, vermindern, übertragen oder tragen.
Für die Prüfung solltest du fünf Risikoarten mit Beispiel nennen, die Schritte der Risikoanalyse beschreiben und zu einem gegebenen Risiko eine passende Maßnahme begründen können.
