Projektorganisation

Die Projektorganisation legt fest, wie ein Projekt in das Unternehmen eingebunden wird. Sie gehört zum Themenbereich Projektmanagement im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Im Kern geht es um zwei Fragen: Welche Befugnisse hat die Projektleitung, und wo bleiben die Mitarbeiter, solange das Projekt läuft?

Für dich als Industriemeister ist das keine Theorie. Wirst du Projektleiter, musst du wissen, ob du Mitarbeitern anderer Abteilungen etwas anweisen darfst oder nur bitten kannst. Gibst du Mitarbeiter an ein Projekt ab, musst du wissen, wie viel Arbeitszeit dir in der Linie fehlt und wer über ihren Einsatz entscheidet.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichProjektmanagement
ThemaOrganisationsformen von Projekten (Rahmenplan 3.5.2)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐ Mittel
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungFormen beschreiben und vergleichen, Vor- und Nachteile nennen, Auswahl begründen
Lernziel laut RahmenplanDie Organisationsformen von Projekten und die Koordinierung im Projektsteuerungsausschuss kennen
Empfohlene LernprioritätMittel
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum ist die Projektorganisation wichtig?

Ein Unternehmen ist für das Tagesgeschäft gebaut. Abteilungen, Stellen und Vorgesetzte bilden die Linie. Ein Projekt läuft quer dazu, denn es braucht Fachleute aus mehreren Abteilungen. Ohne klare Regelung entsteht Streit darüber,

  • wer den Mitarbeitern im Projekt Aufgaben geben darf,
  • wie viel Arbeitszeit die Linie für das Projekt abgibt,
  • was Vorrang hat, wenn Projekt und Tagesgeschäft gleichzeitig drängen,
  • wer bei Problemen entscheidet,
  • wohin die Mitarbeiter nach dem Projekt zurückkehren.

Die Organisationsform beantwortet diese Fragen, bevor sie zum Konflikt werden. Sie wird in der Regel vom Auftraggeber festgelegt und im Projektauftrag festgehalten.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.5 Projektmanagement
└── 3.5.2 Beteiligte und ihre Rollen in einem Projekt
└── Organisationsformen von Projekten
├── eigenständige Projektorganisation
├── Stabsstellenprojektorganisation
├── Matrixprojektorganisation
└── Koordinierung im Projektsteuerungsausschuss

Im Rahmenplan sind die Organisationsformen der letzte Punkt des Abschnitts über die Beteiligten und ihre Rollen. Weil das Thema in sich geschlossen ist, hat es hier eine eigene Seite. Verlangt ist die Stufe „kennen“. Du sollst die Formen also beschreiben und unterscheiden können.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐ Mittlere Prüfungsrelevanz

Die Organisationsformen sind in der Prüfungsanalyse bisher nicht als eigener Schwerpunkt ausgewertet. Eine Häufigkeit lässt sich deshalb nicht angeben. Die Einstufung „Mittel“ stützt sich auf den Rahmenplan: Er nennt die drei Formen und den Projektsteuerungsausschuss ausdrücklich.

Berührt wird das Thema immer dann, wenn eine Aufgabe nach dem Verhältnis von Projekt und Linie fragt. In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • zu begründen, welche Abteilungen Mitarbeiter in ein Projekt entsenden sollten,
  • Aufgaben der Geschäftsleitung beim Start eines Projekts zu beschreiben,
  • Maßnahmen gegen Verzögerungen zu beschreiben, etwa die Bitte um Unterstützung aus anderen Abteilungen.

Rechne außerdem mit direkten Fragen nach Merkmalen, Vorteilen und Nachteilen der drei Formen.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • erklären, wozu ein Projekt eine eigene Organisation braucht,
  • die drei Organisationsformen beschreiben,
  • sagen, welche Befugnisse die Projektleitung in jeder Form hat,
  • Vorteile und Nachteile der Formen vergleichen,
  • eine passende Form für ein Projekt auswählen und die Wahl begründen,
  • die Aufgaben des Lenkungsausschusses nennen.

Linie und Projekt: zwei Arten von Befugnissen

Um die Formen zu verstehen, brauchst du zwei Begriffe. Zusammen ergeben sie die Weisungsbefugnis.

  • Fachliche Weisungsbefugnis: das Recht, Aufgaben zu übertragen und vorzugeben, was bis wann zu erledigen ist.
  • Disziplinarische Weisungsbefugnis: das Recht des Vorgesetzten, über Arbeitszeit, Urlaub, Beurteilung und Abmahnung zu entscheiden.

In der Linie liegen beide Befugnisse beim Abteilungsleiter oder Meister. Die drei Formen der Projektorganisation unterscheiden sich darin, wie viel davon auf die Projektleitung übergeht.

Die reine Projektorganisation

Die reine Projektorganisation heißt im Rahmenplan eigenständige Projektorganisation. Ein anderer Name ist autonome Projektorganisation. Das Projekt wird für seine Dauer zu einer eigenen Einheit im Unternehmen, ähnlich einer Abteilung auf Zeit.

  • Die Mitarbeiter werden aus ihren Abteilungen herausgelöst und arbeiten nur noch für das Projekt.
  • Die Projektleitung hat die volle Weisungsbefugnis, fachlich und disziplinarisch.
  • Die Projektleitung verfügt selbst über Personal, Budget und Betriebsmittel.
  • Nach dem Projekt wird die Einheit aufgelöst, und die Mitarbeiter kehren in die Linie zurück.

Diese Form passt zu großen, langen und für das Unternehmen besonders wichtigen Projekten, zum Beispiel zum Aufbau eines neuen Werks.

Die Stabs-Projektorganisation

Die Stabs-Projektorganisation heißt auch Einfluss-Projektorganisation oder Projektkoordination. Der Rahmenplan spricht von Stabsstellenprojektorganisation. Eine Stabsstelle ist eine Stelle, die eine Leitung berät und unterstützt, selbst aber keine Anweisungen geben darf.

  • Die Aufbauorganisation des Unternehmens bleibt unverändert.
  • Die Mitarbeiter bleiben in ihren Abteilungen und erledigen die Projektaufgaben neben dem Tagesgeschäft.
  • Die Projektleitung ist als Stabsstelle der Geschäftsleitung oder einer Bereichsleitung zugeordnet.
  • Sie koordiniert, informiert, berät und bereitet Entscheidungen vor. Eine Weisungsbefugnis hat sie nicht.
  • Entscheidungen treffen die Vorgesetzten der Linie oder die Geschäftsleitung.

Die Projektleitung wirkt hier nur über ihren Einfluss, also durch Überzeugen und durch die Rückendeckung der Geschäftsleitung. Die Form passt zu kleinen Projekten mit geringem Risiko, zum Beispiel zur Überarbeitung von Arbeitsanweisungen.

Die Matrix-Projektorganisation

Die Matrix-Projektorganisation verbindet Linie und Projekt. Die Weisungsbefugnis wird geteilt.

  • Die Mitarbeiter bleiben in ihrer Abteilung und arbeiten für einen Teil ihrer Zeit im Projekt.
  • Die Projektleitung entscheidet fachlich über das Projekt: was bis wann zu erledigen ist.
  • Der Vorgesetzte in der Linie bleibt disziplinarisch zuständig und entscheidet, wer die Aufgabe übernimmt und wie sie fachgerecht ausgeführt wird.
  • Jeder Projektmitarbeiter hat damit zwei Stellen, die ihm Aufgaben geben.

Der Name kommt vom Bild: Die Abteilungen bilden die Spalten, die Projekte die Zeilen. An den Kreuzungen stehen die Mitarbeiter. Die Matrixform passt zu mittleren und großen Projekten und zu Unternehmen, in denen mehrere Projekte nebeneinander laufen.

Die drei Formen im Vergleich

MerkmalReine FormStabsformMatrixform
Befugnisse der Projektleitungvoll, fachlich und disziplinarischkeine, sie berät, koordiniert und berichtetfachlich im Projekt, disziplinarisch bleibt die Linie zuständig
Mitarbeitersind für das Projekt freigestelltbleiben in ihrer Abteilungarbeiten für Abteilung und Projekt
Verantwortung für das ErgebnisProjektleitungLinie und GeschäftsleitungProjektleitung, Mittel kommen aus der Linie
Organisatorischer Aufwandhochgeringmittel bis hoch
Geeignet fürgroße, lange und wichtige Projektekleine Projekte mit geringem Risikomittlere und große Projekte, mehrere Projekte nebeneinander

Vorteile und Nachteile

FormVorteileNachteile
Reine Formklare Befugnisse und Verantwortung, schnelle Entscheidungen, volle Konzentration auf das Projekt, starke Bindung des Teams an das Zielhohe Kosten, Mitarbeiter fehlen in der Linie, schwankende Auslastung im Team, Rückkehr in die Linie kann schwierig sein
Stabsformkeine Umstellung der Organisation, geringer Aufwand, flexibler Einsatz der Mitarbeiter, Mitarbeiter behalten ihren PlatzProjektleitung kann nichts durchsetzen, lange Entscheidungswege, Tagesgeschäft hat Vorrang, niemand fühlt sich für das Ganze verantwortlich
MatrixformFachwissen der Abteilungen wird flexibel genutzt, Mitarbeiter bleiben in der Linie verankert, Projektleitung trägt die Verantwortung für das Projekt, mehrere Projekte sind gleichzeitig möglichzwei Stellen mit Weisungsrecht, Streit um Zuständigkeiten und Vorrang, hoher Abstimmungsaufwand, Gefahr der Überlastung der Mitarbeiter

Welche Form passt zu welchem Projekt?

Die Wahl hängt vom Projekt und vom Unternehmen ab. Diese Kriterien helfen bei der Entscheidung:

  • Umfang: Je mehr Mitarbeiter und Abteilungen beteiligt sind, desto mehr eigene Befugnisse braucht die Projektleitung.
  • Dauer: Für wenige Wochen lohnt es sich nicht, Mitarbeiter aus der Linie herauszulösen.
  • Bedeutung: Hängt viel vom Erfolg ab, spricht das für eine starke Projektleitung.
  • Risiko und Neuartigkeit: Je unsicherer der Ausgang, desto wichtiger sind schnelle Entscheidungen.
  • Zeitdruck: Unter hohem Termindruck sind lange Entscheidungswege ein Nachteil.
  • Zahl der Projekte: Laufen viele Projekte gleichzeitig, können die Fachleute nicht für jedes freigestellt werden.

In der Praxis gibt es Mischformen. Oft arbeitet ein kleines Kernteam ganz für das Projekt, während weitere Fachleute nach dem Matrixprinzip zuarbeiten.

Der Projektsteuerungsausschuss

Der Projektsteuerungsausschuss wird meist Lenkungsausschuss genannt. Er ist das Gremium oberhalb der Projektleitung. Der Rahmenplan nennt als seine Aufgabe die Koordinierung.

Im Lenkungsausschuss sitzen in der Regel der Auftraggeber oder ein Vertreter der Geschäftsleitung, die Leiter der betroffenen Bereiche und bei externen Projekten ein Vertreter des Kunden. Die Projektleitung berichtet dort und bereitet die Entscheidungen vor.

Seine Aufgaben:

  • den Projektauftrag und die Planungen freigeben,
  • Vorrang und Ressourcen zwischen mehreren Projekten und der Linie abstimmen,
  • an den Meilensteinen über den Fortgang entscheiden,
  • über größere Änderungen an Ziel, Termin oder Budget entscheiden,
  • Konflikte klären, die Projektleitung und Linie nicht selbst lösen können,
  • das Projektergebnis abnehmen oder über einen Abbruch entscheiden.

Besonders in der Matrixform ist der Lenkungsausschuss wichtig. Können sich Projektleitung und Abteilungsleiter nicht einigen, entscheidet er.

Typische Fehler

  • Die Organisationsform wird gar nicht festgelegt, und jeder geht von etwas anderem aus.
  • Die Projektleitung trägt die Verantwortung für den Termin, hat aber keine Befugnisse.
  • Mitarbeiter sollen im Projekt mitarbeiten, werden in der Linie aber nicht entlastet.
  • In der Matrixform fehlt eine Regel, wer bei Streit um Mitarbeiter entscheidet.
  • Fachliche und disziplinarische Weisungsbefugnis werden in der Prüfung verwechselt.
  • Bei der reinen Form wird die Rückkehr der Mitarbeiter in die Linie nicht geplant.

Praxisbeispiel

Ein Hersteller von Förderanlagen hat drei Vorhaben gleichzeitig.

Vorhaben 1: Die Arbeitsanweisungen der Lackiererei sollen überarbeitet werden. Das dauert einige Wochen und betrifft wenige Mitarbeiter. Ein Industriemeister koordiniert die Arbeit als Stabsstelle der Produktionsleitung. Die Mitarbeiter bleiben in ihren Schichten. Das ist die Stabs-Projektorganisation.

Vorhaben 2: Eine neue Schweißzelle wird beschafft und in Betrieb genommen. Beteiligt sind Fertigung, Instandhaltung, Einkauf und Arbeitssicherheit. Die Fachleute arbeiten etwa einen Tag pro Woche für das Projekt. Der Projektleiter gibt Arbeitspakete und Termine vor, die Abteilungsleiter bleiben Vorgesetzte. Das ist die Matrix-Projektorganisation. Als die Instandhaltung ihren Mitarbeiter wegen einer Störung abziehen will, entscheidet der Lenkungsausschuss über den Vorrang.

Vorhaben 3: Das Unternehmen baut einen zweiten Standort auf. Zwölf Mitarbeiter werden für zwei Jahre freigestellt und einem Projektleiter unterstellt, der auch über Urlaub und Beurteilung entscheidet. Das ist die reine Form.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Nennen Sie drei Organisationsformen von Projekten.
  • Beschreiben Sie die Matrix-Projektorganisation.
  • Erläutern Sie den Unterschied zwischen fachlicher und disziplinarischer Weisungsbefugnis.
  • Beschreiben Sie je zwei Vorteile und zwei Nachteile der reinen Projektorganisation.
  • Erläutern Sie, welche Befugnisse die Projektleitung in der Stabs-Projektorganisation hat.
  • Begründen Sie, welche Organisationsform sich für ein kleines Projekt mit geringem Risiko eignet.
  • Beschreiben Sie vier Aufgaben eines Lenkungsausschusses.
  • Beschreiben Sie zwei Konflikte, die in der Matrix-Projektorganisation entstehen können.

Verwandte Themen

Die Projektorganisation gehört zum Themenbereich Projektmanagement.

Projektmanagement

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Rechtsgrundlage

Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Die reine Form gibt der Projektleitung alle Befugnisse und stellt die Mitarbeiter frei. In der Stabsform koordiniert und berät sie nur. In der Matrixform teilt sie sich die Befugnisse mit der Linie. Der Lenkungsausschuss koordiniert darüber und entscheidet bei Streit.

Für die Prüfung solltest du jede der drei Formen in zwei bis drei Sätzen beschreiben, je zwei Vorteile und Nachteile nennen und für ein gegebenes Projekt eine Form begründet auswählen können.