In der praktischen Prüfung zeigst du in höchstens 30 Minuten, dass du ausbilden kannst: Du stellst eine Ausbildungssituation vor oder führst sie durch und begründest danach dein Vorgehen. Die AEVO praktische Prüfung macht vielen mehr Sorgen als der schriftliche Teil. Zu Unrecht, denn hier bestimmst du Thema, Aufbau und Ablauf selbst.
Diese Seite beschreibt den Ablauf, die Wahl des Themas, die Bewertung und die häufigsten Fehler. Für die einzelnen Bausteine gibt es eigene Seiten: Präsentation oder Durchführung, Konzept und Fachgespräch.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 4 Absatz 3 der Ausbilder-Eignungsverordnung |
| Bestandteile | Präsentation oder praktische Durchführung einer Ausbildungssituation, anschließend Fachgespräch |
| Dauer | insgesamt höchstens 30 Minuten; Präsentation oder Durchführung höchstens 15 Minuten |
| Thema | eine berufstypische Ausbildungssituation, die du selbst auswählst |
| Konzept | empfohlen, fließt aber nicht in die Bewertung ein |
| Bestanden | mit mindestens „ausreichend“ |
Was in der praktischen Prüfung verlangt wird
Die Verordnung sagt es in wenigen Sätzen: Du wählst eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Du präsentierst sie oder führst sie praktisch durch. Auswahl und Gestaltung erläuterst du im Fachgespräch. Dahinter steht die Frage, ob du Ausbildung selbstständig planen, durchführen und kontrollieren kannst. Diese drei Schritte sollten in deiner Prüfung erkennbar sein.
| Variante | Was du tust | Für wen du sprichst |
|---|---|---|
| Präsentation | Du stellst dem Prüfungsausschuss vor, wie du eine Ausbildungssituation planst und gestaltest. | für den Prüfungsausschuss |
| Durchführung | Du führst die Ausbildungssituation tatsächlich durch, meist als Unterweisung oder Gespräch. | für einen Auszubildenden oder eine Person, die ihn spielt |
Welche Variante zu dir passt, klärt die Seite Präsentation oder Durchführung.
Die Ausbildungssituation auswählen
Eine Ausbildungssituation ist eine Situation, in der du als Ausbilder handelst. Das muss keine Unterweisung am Arbeitsplatz sein. Der Rahmenplan nennt viele Möglichkeiten. Sinngemäß gehören dazu:
- einem Auszubildenden einen Arbeitsschritt oder ein Thema vermitteln
- ein Lernbedarfsgespräch, Beurteilungsgespräch oder ein Gespräch über ein Fehlverhalten führen
- einen Ausbildungsabschnitt planen
- eine ausbildende Fachkraft in ihre Aufgabe einweisen
- ein Projekt mit der Berufsschule abstimmen
- einen neuen Ausbildungsberuf im Betrieb einführen
Für die Auswahl helfen fünf Prüffragen:
- Berufstypisch? Steht der Inhalt im Ausbildungsrahmenplan des Berufs?
- In 15 Minuten machbar? Lieber ein kleiner Arbeitsschritt gründlich als ein großes Thema im Schnelldurchlauf.
- Beherrschst du es sicher? Nimm etwas, das du im Schlaf kannst. Die Aufregung kommt von allein.
- Lässt es sich im Prüfungsraum zeigen? Material, Platzbedarf und Arbeitssicherheit bedenken.
- Kannst du jede Entscheidung begründen? Lernziel, Methode, Medien, Zeitpunkt in der Ausbildung.
Ablauf am Prüfungstag
- Ankommen und anmelden: früh da sein, Ausweis und Einladung bereithalten.
- Aufbauen: Material, Medien und Arbeitsplatz herrichten. Die Zeit dafür ist kurz.
- Begrüßung: Der Prüfungsausschuss stellt sich vor und fragt, ob du dich gesund fühlst.
- Präsentation oder Durchführung: höchstens 15 Minuten. Der Ausschuss hört zu und unterbricht in der Regel nicht.
- Fachgespräch: Fragen zu deiner Ausbildungssituation, zu deinen Entscheidungen und zum Umfeld.
- Beratung und Ergebnis: Du wartest vor der Tür, danach erfährst du in der Regel, ob du bestanden hast.
Wer bei der Durchführung den Auszubildenden spielt, regeln die Kammern unterschiedlich. Mal bringst du jemanden mit, mal übernimmt ein Mitglied des Ausschusses oder eine andere Person die Rolle. Frag bei deiner Kammer nach und stell dich darauf ein, dass dein Gegenüber das Thema nicht kennt.
Worauf der Prüfungsausschuss achtet
| Bereich | Leitfragen |
|---|---|
| Einstieg | Begrüßt du freundlich, nennst Thema und Ziel und stellst einen Bezug zur Praxis her? |
| Ausgangslage | Ist klar, wer der Auszubildende ist, was er schon kann und wo das Thema im Ausbildungsrahmenplan steht? |
| Lernziel | Ist das Ziel eindeutig formuliert und überprüfbar? |
| Methode und Vorgehen | Passt die Methode zu Ziel und Auszubildendem? Ist der Ablauf logisch? |
| Aktivierung und Motivation | Kommt der Auszubildende selbst ins Tun? Knüpfst du an Bekanntes an? |
| Medien | Unterstützen sie das Lernen, und gehst du sicher damit um? |
| Erfolgssicherung | Kontrollierst du, ob das Ziel erreicht ist, und sagst du, wie es weitergeht? |
| Auftreten und Sprache | Sprichst du verständlich, frei und in angemessenem Tempo? |
| Zeit | Bleibst du im Rahmen und kommst zu einem runden Abschluss? |
Die sieben häufigsten Fehler
- Zu großes Thema: Nach 15 Minuten ist erst die Hälfte gezeigt.
- Lernziel fehlt oder ist unscharf: „Der Auszubildende soll etwas über Ladungssicherung wissen“ ist kein Lernziel.
- Vortrag statt Ausbildung: Der Auszubildende steht daneben und nickt.
- Keine Lernerfolgskontrolle: Es bleibt offen, ob das Ziel erreicht wurde.
- Arbeitssicherheit vergessen: Schutzausrüstung und Gefahrenhinweise fehlen.
- Ablesen: Karten oder Folien werden vorgelesen.
- Nicht geprobt: Die Zeit läuft davon oder es bleiben fünf Minuten übrig.
Checkliste für die Vorbereitung
- Thema gewählt und mit dem Ausbildungsrahmenplan abgeglichen
- Konzept geschrieben und fristgerecht bei der Kammer eingereicht
- Lernziel als Feinlernziel formuliert
- Methode gewählt und Begründung parat
- Material und Medien vollständig, Ersatz für Verbrauchsmaterial eingepackt
- mindestens zweimal mit Stoppuhr geprobt, einmal vor Zuschauern
- Antworten auf typische Fragen im Fachgespräch vorbereitet
- Anfahrt, Raum und Uhrzeit geklärt
Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr
Ein Fuhrparkleiter wählt für seine Prüfung das Thema „Eine Palette durch Niederzurren mit einem Zurrgurt sichern“. Es steht im Ausbildungsrahmenplan für Berufskraftfahrer, lässt sich mit einer Palette, einem Gurt und zwei Zurrpunkten im Prüfungsraum zeigen und dauert in der Vier-Stufen-Methode etwa zwölf Minuten.
Er entscheidet sich für die Durchführung. Sein Lernziel: Der Auszubildende kann eine beladene Palette selbstständig und fachgerecht mit einem Zurrgurt niederzurren und die Vorspannkraft prüfen. Er beginnt mit einer Frage nach einer Vollbremsung, macht den Vorgang vor und erklärt jeden Schritt, lässt den Auszubildenden nachmachen und erklären und gibt am Ende eine Übungsaufgabe für den nächsten Tag.
Bei der ersten Probe braucht er 19 Minuten. Er streicht die Erklärung der verschiedenen Gurtarten und kommt beim dritten Durchlauf auf 13 Minuten. Im Fachgespräch wird er gefragt, warum er die Vier-Stufen-Methode gewählt hat und welche Alternative es gäbe. Darauf ist er vorbereitet.
🏭 So sieht das in der Fertigung aus
Eine Industriemeisterin wählt keine Unterweisung, sondern ein Gespräch: Ein Auszubildender im zweiten Jahr kommt wiederholt zu spät. Sie präsentiert dem Prüfungsausschuss, wie sie das Gespräch vorbereitet, welches Ziel sie verfolgt, wie sie es aufbaut und was sie danach vereinbart und kontrolliert. Auch das ist eine berufstypische Ausbildungssituation.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die praktische Prüfung?
Insgesamt höchstens 30 Minuten. Die Präsentation oder Durchführung soll 15 Minuten nicht überschreiten, der Rest entfällt auf das Fachgespräch.
Was passiert, wenn ich die 15 Minuten überschreite?
Der Prüfungsausschuss kann abbrechen, und der fehlende Schluss kostet Punkte. Plane deshalb auf zwölf bis dreizehn Minuten.
Wird das Konzept bewertet?
Nein. Es dient dir und dem Ausschuss zur Vorbereitung. Ein gutes Konzept hilft dir trotzdem, weil sich die Fragen im Fachgespräch daran orientieren.
Darf ich Karteikarten benutzen?
In der Regel ja, als Stichwortgeber. Ablesen kommt schlecht an.
Verwandte Themen
➡️ AEVO-Prüfung im Überblick
➡️ Präsentation oder Durchführung
➡️ Konzept für die praktische Prüfung
➡️ Fachgespräch
➡️ Schriftliche Prüfung
➡️ Ausbildungsmethoden und -medien (3.4)
➡️ Lernziele formulieren (3.3)
➡️ Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) im Wortlaut
Fazit
Die praktische Prüfung ist planbar. Wähle ein kleines Thema, das du sicher beherrschst, formuliere ein klares Lernziel, lass den Auszubildenden selbst handeln und kontrolliere das Ergebnis. Probe mit der Uhr, bis der Ablauf sitzt. Und bereite das Fachgespräch genauso gründlich vor wie die ersten 15 Minuten, denn dort zeigst du, dass du weißt, warum du es so gemacht hast.
