Für die praktische Prüfung hast du die Wahl: Du präsentierst eine Ausbildungssituation, oder du führst sie praktisch durch. Präsentation oder Durchführung: Beide Wege sind gleichwertig, verlangen aber unterschiedliche Stärken. Diese Seite vergleicht sie, zeigt für beide einen bewährten Aufbau mit Zeitplan und hilft dir bei der Entscheidung.
Die Regeln für den praktischen Teil insgesamt stehen auf der Seite Praktische Prüfung.
📘 Auf einen Blick
| Präsentation | Durchführung | |
|---|---|---|
| Was? | Du erklärst, wie du die Ausbildungssituation planst, durchführst und kontrollierst. | Du führst die Ausbildungssituation tatsächlich durch. |
| Für wen? | Der Prüfungsausschuss ist dein Publikum. | Ein Auszubildender oder eine Person in dieser Rolle ist dein Gegenüber. |
| Dauer | höchstens 15 Minuten | höchstens 15 Minuten |
| Typische Form | Vortrag mit Flipchart, Pinnwand oder Folien | Unterweisung am Arbeitsplatz oder Gespräch |
| Danach | Fachgespräch | Fachgespräch |
Präsentation oder Durchführung: Was ist der Unterschied?
Bei der Durchführung bildest du aus. Der Prüfungsausschuss sieht dir dabei zu, wie du einem Auszubildenden etwas beibringst oder ein Gespräch mit ihm führst. Du redest mit dem Auszubildenden, nicht mit den Prüfern.
Bei der Präsentation redest du über Ausbildung. Du stellst dem Ausschuss vor, welche Situation du gewählt hast, von welcher Ausgangslage du ausgehst, welches Ziel du verfolgst, wie du vorgehst und wie du den Erfolg sicherst. Der Auszubildende ist nicht dabei. Die Prüfer bleiben Prüfer und spielen keine Rolle.
Ein häufiger Irrtum: Die Präsentation ist keine Unterweisung ohne Auszubildenden. Wer vor dem Ausschuss so tut, als stünde ein Auszubildender neben ihm, hat die Aufgabe verfehlt.
Vor- und Nachteile im Vergleich
| Präsentation | Durchführung | |
|---|---|---|
| Stärken | Du steuerst alles selbst. Auch Themen, die sich im Prüfungsraum nicht zeigen lassen, sind möglich: Planung eines Ausbildungsabschnitts, Gesprächsvorbereitung, Einführung eines neuen Berufs. | nah an deinem Alltag, wenn du schon unterweist; die Prüfer sehen direkt, wie du mit Auszubildenden umgehst |
| Risiken | verlangt freies Sprechen und sicheren Umgang mit Medien; wirkt schnell theoretisch | Du bist auf dein Gegenüber angewiesen. Reagiert es anders als erwartet, musst du umplanen. Material und Arbeitsplatz müssen in den Prüfungsraum passen. |
| Geeignete Themen | Planungen, Gespräche, Abstimmungen, auch Unterweisungen als Planung dargestellt | handwerkliche Arbeitsschritte, Bedienung von Geräten, kurze Lehrgespräche, Feedbackgespräche |
| Was du können musst | gliedern, visualisieren, frei vortragen | erklären, vormachen, Fragen stellen, auf Fehler eingehen |
Entscheidungshilfe
- Du unterweist im Betrieb regelmäßig und hast ein Thema, das sich mit wenig Material zeigen lässt: Durchführung.
- Dein Thema ist ein Gespräch, das du gut steuern kannst, etwa ein Lernbedarfs- oder Beurteilungsgespräch: beides möglich. Bei der Durchführung hängt viel vom Gegenüber ab.
- Dein Thema braucht eine große Maschine, ein Fahrzeug oder viel Platz: Präsentation.
- Du willst eine Planung zeigen, etwa einen Ausbildungsabschnitt oder die Einweisung einer Fachkraft: Präsentation.
- Freies Sprechen vor einer Gruppe fällt dir schwer, Erklären im Zweiergespräch leicht: Durchführung.
- Du arbeitest gern mit Flipchart oder Folien und behältst gern die Kontrolle: Präsentation.
Frag außerdem bei deiner Kammer nach, wie die Durchführung organisiert ist und welche Medien im Raum vorhanden sind. Manche Lehrgangsanbieter bereiten nur auf eine der beiden Formen vor. Lass dich davon nicht festlegen, wenn die andere besser zu dir passt.
Aufbau einer Durchführung
Für das Vermitteln eines Arbeitsschritts ist die Vier-Stufen-Methode der Klassiker. Ein Zeitplan, der in die 15 Minuten passt:
| Phase | Was geschieht? | Zeit |
|---|---|---|
| 1. Vorbereiten | begrüßen, Thema und Lernziel nennen, Vorkenntnisse erfragen, Bezug zur Praxis herstellen, auf Arbeitssicherheit hinweisen | 2 Minuten |
| 2. Vormachen und erklären | den Vorgang in Teilschritten zeigen: was, wie, warum | 4 Minuten |
| 3. Nachmachen und erklären lassen | der Auszubildende führt aus und erklärt; du beobachtest, lobst und korrigierst | 5 Minuten |
| 4. Üben und abschließen | Lernerfolg feststellen, zusammenfassen, Übungsauftrag geben, Ausblick auf das nächste Thema | 2 Minuten |
Die Vier-Stufen-Methode ist nicht Pflicht. Für kaufmännische oder planerische Inhalte passt oft ein Lehrgespräch besser, in dem du den Auszubildenden mit Fragen zur Lösung führst. Wichtig ist in jedem Fall, dass er den größeren Teil der Zeit selbst aktiv ist.
Aufbau einer Präsentation
| Abschnitt | Inhalt | Zeit |
|---|---|---|
| 1. Einstieg | begrüßen, dich kurz vorstellen, Thema und Gliederung nennen | 1 Minute |
| 2. Ausgangssituation | Betrieb, Ausbildungsberuf, Auszubildender mit Alter, Ausbildungsjahr und Vorkenntnissen, Einordnung in den Ausbildungsrahmenplan | 2 Minuten |
| 3. Ziel | Lernziel oder Gesprächsziel, abgeleitet aus dem Ausbildungsrahmenplan | 2 Minuten |
| 4. Vorgehen | Methode, Ablauf, Medien, Lernort; Alternativen und Begründung deiner Wahl | 6 Minuten |
| 5. Erfolgssicherung | Lernerfolgskontrolle, Dokumentation, wie es danach weitergeht | 2 Minuten |
| 6. Schluss | kurze Zusammenfassung, Dank, Überleitung zum Fachgespräch | 1 Minute |
Visualisiere sparsam: eine Gliederung, das Lernziel, der Ablauf als Übersicht. Drei bis fünf Blätter oder Folien reichen. Sprich frei und sieh die Prüfer an.
Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr
Zwei Kollegen aus derselben Spedition legen die Prüfung im selben Monat ab. Der Fahrertrainer wählt die Durchführung: „Abfahrtkontrolle der Beleuchtung am Lkw“ lässt sich im Raum nicht zeigen, also nimmt er „Ausfüllen eines Frachtbriefs“ mit einem Musterauftrag. Er arbeitet mit einem Lehrgespräch, und der Auszubildende füllt das Formular selbst aus.
Die Disponentin wählt die Präsentation. Ihr Thema: „Einarbeitung einer Auszubildenden in die Tourenplanung im zweiten Ausbildungsjahr“. Sie stellt Ausgangslage und Lernziel vor, begründet, warum sie mit der Leittextmethode arbeitet, zeigt den Ablauf an einer Pinnwand und erklärt, wie sie den Lernerfolg prüft. Beide bestehen, jeder auf dem Weg, der zu ihm passt.
🏭 So sieht das in der Fertigung aus
Ein Instandhalter möchte das Wechseln eines Keilriemens an einer Fräsmaschine zeigen. Die Maschine steht nicht im Prüfungsraum, ein Modell hat er nicht. Er entscheidet sich für die Präsentation und stellt die Unterweisung als Planung vor: Ausgangslage, Lernziel, Vier-Stufen-Methode, Sicherheitsunterweisung und Lernerfolgskontrolle. Fotos der Arbeitsschritte hängt er an die Pinnwand.
Häufige Fragen
Welche Form wird besser bewertet?
Keine. Beide sind in der Verordnung gleichgestellt. Bewertet wird, ob du planvoll vorgehst, den Auszubildenden einbeziehst und dein Vorgehen begründen kannst.
Kann ich bei der Präsentation eine Unterweisung als Thema nehmen?
Ja. Dann stellst du dar, wie du die Unterweisung planst, durchführst und kontrollierst. Du führst sie aber nicht vor.
Muss ich bei der Durchführung die Vier-Stufen-Methode nehmen?
Nein. Du wählst die Methode, die zu Lernziel und Auszubildendem passt, und begründest sie im Fachgespräch.
Kann ich mich kurz vor der Prüfung noch umentscheiden?
Das hängt von deiner Kammer ab. In der Regel legst du dich mit der Anmeldung oder mit dem Konzept fest.
Verwandte Themen
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➡️ Praktische Prüfung
➡️ Konzept für die praktische Prüfung
➡️ Fachgespräch
➡️ Ausbildungsmethoden und -medien (3.4)
➡️ Lernziele formulieren (3.3)
➡️ Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) im Wortlaut
Fazit
Bei der Durchführung bildest du aus, bei der Präsentation erklärst du, wie du ausbilden würdest. Wähle die Form, die zu deinem Thema und zu deinen Stärken passt. Für beide gilt: klares Ziel, logischer Ablauf, der Auszubildende im Mittelpunkt, Erfolg gesichert, Zeit eingehalten.
