Arten der Planung

Die Arten der Planung unterscheiden sich danach, wie weit eine Planung in die Zukunft reicht und auf welcher Ebene des Unternehmens sie entsteht. Der Rahmenplan nennt drei: die strategische, die taktische und die operative Planung. Das Thema gehört zum Themenbereich Planungstechniken und Analysemethoden im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung.

Als Industriemeister arbeitest du vor allem auf der untersten dieser drei Stufen. Du planst Schichten, Maschinenbelegung und Material für die nächsten Tage und Wochen. Deine Pläne hängen aber an den Vorgaben der Ebenen über dir. Wer das weiß, versteht, woher seine Ziele kommen.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichPlanungstechniken und Analysemethoden
ThemaArten der Planung (Rahmenplan 3.2.3)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐ Mittel
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungPlanungsarten unterscheiden, Vor- und Nachteile von Planungsprinzipien beschreiben, Planungsschritte beschreiben
Lernziel laut RahmenplanStrategische und taktische Planung einordnen, operative Planung anwenden
Empfohlene LernprioritätMittel
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind die Arten der Planung wichtig?

Planung heißt, künftiges Handeln gedanklich vorwegzunehmen: Ziele festlegen, Wege und Mittel bestimmen, Termine setzen.

Nicht jede Planung kann gleich genau sein. Wo das Unternehmen in zehn Jahren stehen soll, lässt sich nur grob festlegen. Welcher Auftrag morgen auf welcher Maschine läuft, muss dagegen genau feststehen. Deshalb wird die Planung in Stufen aufgeteilt. Jede Stufe hat ihren eigenen Zeitraum, ihre eigene Genauigkeit und ihre eigenen Verantwortlichen.

Für dich bringt dieses Wissen drei Vorteile:

  • Du kannst Vorgaben von oben einordnen und deinen Mitarbeitern erklären.
  • Du weißt, welche Entscheidungen in deinem Bereich liegen.
  • Du erkennst, wann du Rückmeldungen aus deinem Bereich einbringen musst.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.2 Planungstechniken und Analysemethoden
└── 3.2.3 Arten der Planung
├── strategische Planung
├── taktische Planung
└── operative Planung

Der Rahmenplan stellt zwei unterschiedliche Anforderungen. Die strategische und die taktische Planung sollst du „einordnen“, die operative Planung „anwenden“. Als Hinweise nennt er Planungsprinzipien, Einflussfaktoren, Planungsebene, Fristen- und Terminplanung sowie den Einsatz von ERP-Systemen und von Ressourcen.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐ Mittlere Prüfungsrelevanz

Das Thema gehört in der Prüfungsanalyse zur Gruppe „Problemlösung, SWOT, Planungsmethoden“. Diese Gruppe kam in 3 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 9 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Die Fragen bringen zwischen 6 und 20 Punkten. In den 18 Prüfungen seit Herbst 2017 waren die Planungsprinzipien Top-down und Bottom-up einmal die Methode der Aufgabe 2.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • Vorteile und Nachteile der Planung von oben nach unten und der Planung von unten nach oben zu beschreiben,
  • zu beschreiben, was sich ergibt, wenn beide Vorgehensweisen miteinander verbunden werden,
  • Schritte zu beschreiben, mit denen ein Meister die Einführung einer neuen Arbeitsweise in seinem Bereich plant.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • strategische, taktische und operative Planung nach Frist, Ebene und Inhalt unterscheiden,
  • Planungsaufgaben der richtigen Ebene zuordnen,
  • die Planungsprinzipien Top-down, Bottom-up und Gegenstromverfahren mit Vor- und Nachteilen beschreiben,
  • interne und externe Einflussfaktoren nennen,
  • die Planung im eigenen Bereich in sechs Schritten durchführen,
  • den Nutzen eines ERP-Systems für die Planung erklären.

Die drei Arten der Planung im Vergleich

MerkmalStrategische PlanungTaktische PlanungOperative Planung
Fristlangfristig, etwa fünf Jahre und mehrmittelfristig, etwa ein bis fünf Jahrekurzfristig, bis zu einem Jahr
EbeneUnternehmensleitungBereichs- und AbteilungsleitungMeister und Gruppenleiter
LeitfrageWas wollen wir erreichen?Womit erreichen wir es?Wer macht was bis wann?
InhaltZiele, Produktfelder, StandorteInvestitionen, Personalbedarf, JahresprogrammSchichtplan, Maschinenbelegung, Materialbereitstellung
Genauigkeitgrob, als Rahmennach Bereichen gegliedertgenau, mit Mengen und Terminen
Unsicherheithochmittelgering

Die Jahreszahlen sind Richtwerte, die je nach Branche und Unternehmen abweichen. Entscheidend ist die Rangfolge: Jede Stufe setzt den Rahmen für die nächste.

Strategische Planung

Die strategische Planung legt die grundsätzliche Richtung fest. Sie soll sichern, dass das Unternehmen auch in vielen Jahren am Markt besteht. Typische Fragen sind: Welche Produkte bieten wir künftig an? Auf welchen Märkten und an welchen Standorten? Die Aussagen sind grob und stützen sich auf Annahmen über Markt und Technik.

Taktische Planung

Die taktische Planung übersetzt die Strategie in Vorhaben für die einzelnen Bereiche. Sie legt fest, mit welchen Mitteln die Ziele erreicht werden: welche Anlagen beschafft, wie viele Mitarbeiter eingestellt oder qualifiziert werden. Ergebnisse sind zum Beispiel der Investitionsplan, der Personalplan und das Jahresprogramm der Fertigung.

Operative Planung

Die operative Planung setzt die Vorhaben in den Arbeitsalltag um. Sie ist die Planung des Industriemeisters. Es geht um den Einsatz der Ressourcen:

  • Personal: Schicht- und Urlaubsplan, Einsatz nach Qualifikation, Vertretung,
  • Betriebsmittel: Maschinenbelegung, Werkzeuge und Vorrichtungen, Wartungstermine,
  • Material: Bedarf, Bestellung und Bereitstellung am Arbeitsplatz,
  • Zeit: Reihenfolge der Aufträge, Start- und Endtermine, Puffer,
  • Informationen: Arbeitspläne, Zeichnungen und Prüfanweisungen.

Ein Vorhaben auf allen drei Ebenen

ArtWer plant?Was wird festgelegt?
StrategischGeschäftsführungIn fünf Jahren soll ein neues Produktfeld einen festen Anteil am Umsatz bringen.
TaktischProduktionsleitungIm kommenden Jahr wird dafür eine zweite Montagelinie aufgebaut, mit Investition und zusätzlichen Mitarbeitern.
OperativIndustriemeisterFür die Anlaufwochen stehen Schichtplan, Unterweisung und Materialbereitstellung fest.

Planungsprinzipien: Top-down, Bottom-up und Gegenstromverfahren

Planungsprinzipien beschreiben, in welcher Richtung die Pläne der Ebenen aufeinander abgestimmt werden.

Top-down heißt von oben nach unten. Die Unternehmensleitung gibt Ziele und Rahmen vor. Die nachgeordneten Ebenen leiten daraus ihre Teilpläne ab.

Bottom-up heißt von unten nach oben. Die Planung beginnt in den ausführenden Bereichen. Ihre Teilpläne werden Stufe für Stufe zusammengefasst, bis der Gesamtplan steht.

Top-downBottom-up
VorteilAlle Teilpläne richten sich an denselben Zielen aus.Die Pläne sind praxisnah und lassen sich umsetzen.
VorteilEs wird schnell entschieden, der Aufwand für die Abstimmung ist gering.Wer mitgeplant hat, setzt den Plan mit mehr Einsatz um.
NachteilVorgaben können an den Möglichkeiten vor Ort vorbeigehen.Das Zusammenführen der Teilpläne kostet viel Zeit.
NachteilDas Wissen der Mitarbeiter bleibt ungenutzt, die Motivation leidet.Bereiche planen aneinander vorbei, das Gesamtziel gerät aus dem Blick.

Gegenstromverfahren

Das Gegenstromverfahren verbindet beide Richtungen. Es läuft in drei Phasen ab:

  1. Vorlauf von oben: Die Unternehmensleitung setzt vorläufige Rahmenziele.
  2. Rücklauf von unten: Jeder Bereich prüft, was davon machbar ist, plant Maßnahmen, Termine und Ressourcen und meldet das Ergebnis mit Einwänden und Vorschlägen zurück.
  3. Abstimmung: Die Leitung führt die Teilpläne zusammen, passt die Ziele an und entscheidet. Bei größeren Abweichungen beginnt eine weitere Runde.

Am Ende steht ein Plan, der zu den Unternehmenszielen passt, sich umsetzen lässt und von den Beteiligten getragen wird. Der Preis ist ein höherer Zeitaufwand.

Einflussfaktoren auf die Planung

Einflussfaktoren sind die Größen, die du beim Planen berücksichtigen musst.

HerkunftEinflussfaktorBeispiel
internKapazitätverfügbare Maschinenstunden, Schichtmodell
internPersonalAnzahl, Qualifikation, Urlaub und Fehlzeiten
internMaterialLagerbestand, Wiederbeschaffungszeit
internFinanzenBudget, Rahmen für Investitionen
externMarkt und KundenAuftragslage, Liefertermine, Saison
externLieferantenLiefertreue, Preise
externRechtArbeitszeit, Arbeitsschutz, Umweltauflagen
externTechnik und Wettbewerbneue Verfahren, Angebote der Mitbewerber

Je weiter die Planung in die Zukunft reicht, desto unsicherer sind die Annahmen. Deshalb werden Pläne rollierend fortgeschrieben: In festen Abständen wird der Plan überprüft, um einen Zeitabschnitt verlängert und für die nächste Zeit genauer gefasst.

Operative Planung anwenden: Ressourcen und Termine

So gehst du bei der Planung in deinem Bereich vor:

  1. Vorgabe klären: Welche Menge ist in welcher Qualität bis wann zu liefern?
  2. Bedarf ermitteln: Wie viele Stunden an Personal und Maschinen und welches Material sind nötig?
  3. Mit dem Bestand vergleichen: Reichen Kapazität, Qualifikation und Material aus?
  4. Engpässe ausgleichen: Reihenfolge ändern, Schichten verstärken, Aufträge verlagern oder den Termin neu abstimmen.
  5. Termine festlegen: Start- und Endtermin für jeden Auftrag bestimmen.
  6. Plan bekannt geben und überwachen: Mitarbeiter informieren, Soll und Ist vergleichen, bei Abweichungen nachsteuern.

Fristen- und Terminplanung

Bei den Terminen gibt es zwei Rechenrichtungen:

  • Vorwärtsterminierung: Du rechnest vom frühesten Starttermin aus nach vorn und erhältst den frühesten Endtermin.
  • Rückwärtsterminierung: Du rechnest vom verlangten Liefertermin aus zurück und erhältst den spätesten Starttermin.

Ein Beispiel: Ein Auftrag dauert vier Arbeitstage und muss am Ende des zehnten Arbeitstags fertig sein. Dann beginnt er spätestens am Morgen des siebten Arbeitstags. Für mehrere abhängige Vorgänge nutzt du Netzplan und Balkenplan.

Mehr zu Netzplan und Balkenplan

Einsatz von ERP-Systemen

Ein ERP-System führt die Daten aller Bereiche in einer gemeinsamen Datenbank zusammen. Für die Planung liefert es:

  • Stammdaten wie Stücklisten, Arbeitspläne und Kapazitäten,
  • den Materialbedarf aus dem Produktionsprogramm,
  • den Abgleich von Kapazitätsbedarf und Kapazitätsangebot,
  • Terminvorschläge für Aufträge und Bestellungen,
  • Rückmeldungen für den Soll-Ist-Vergleich.

Alle Ebenen arbeiten so mit demselben Datenstand. Fehlerhafte Stammdaten führen aber zu fehlerhaften Plänen.

Typische Fehler

  • Die Planungsarten werden nur nach der Frist unterschieden, Ebene und Inhalt fehlen.
  • Top-down wird mit strategischer Planung gleichgesetzt. Das eine ist eine Richtung der Abstimmung, das andere eine Planungsart.
  • Der Plan für die Woche enthält keine Puffer.
  • Engpässe werden zu spät bemerkt.
  • Pläne werden nicht fortgeschrieben.

Praxisbeispiel

Ein Kunststoffverarbeiter will den Energieverbrauch je gefertigtem Teil senken. Die Geschäftsführung gibt dieses Ziel für die nächsten Jahre vor. Die Produktionsleitung plant daraufhin für das kommende Jahr den Austausch von drei alten Spritzgießmaschinen.

Der Industriemeister soll den Umbau in seinem Bereich einplanen. Er prüft die Auftragslage und stellt fest: Der vorgesehene Termin fällt in die Wochen mit der höchsten Auslastung. Er meldet das zurück und schlägt vor, den Umbau in die Betriebsferien zu legen und vorher auf Lager zu fertigen. Die Produktionsleitung stimmt zu.

Jetzt plant er die Einzelheiten: Vorfertigung in Zusatzschichten, Unterweisung der Einrichter, Bereitstellung von Material und Werkzeugen für den Anlauf. Vorgabe von oben, Rückmeldung von unten, abgestimmter Plan: Das ist das Gegenstromverfahren im Kleinen.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Erläutern Sie den Unterschied zwischen strategischer, taktischer und operativer Planung.
  • Ordnen Sie drei vorgegebene Planungsaufgaben der passenden Planungsart zu und begründen Sie Ihre Zuordnung.
  • Vergleichen Sie die Planung von oben nach unten mit der Planung von unten nach oben anhand von Vorteilen und Nachteilen.
  • Erläutern Sie das Gegenstromverfahren.
  • Nennen Sie je drei interne und externe Einflussfaktoren auf die Planung in Ihrem Meisterbereich.
  • Beschreiben Sie fünf Schritte, in denen Sie einen Fertigungsauftrag in Ihrem Bereich einplanen.
  • Erläutern Sie den Unterschied zwischen Vorwärtsterminierung und Rückwärtsterminierung.

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Die Arten der Planung gehören zum Themenbereich Planungstechniken und Analysemethoden.

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Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Die drei Arten der Planung bauen aufeinander auf: Die strategische Planung gibt die Richtung vor, die taktische legt die Mittel fest, die operative regelt den Alltag. Top-down, Bottom-up und Gegenstromverfahren beschreiben, wie die Ebenen ihre Pläne abstimmen.

Für die Prüfung solltest du die drei Planungsarten nach Frist, Ebene und Inhalt unterscheiden und die Planungsprinzipien mit Vor- und Nachteilen beschreiben können. Dazu kommen einige Einflussfaktoren und die Schritte der Planung im eigenen Bereich.