Internationalisierung und Globalisierung

Unternehmen sind heute zunehmend über nationale Grenzen hinweg tätig. Sie beschaffen Rohstoffe und Waren im Ausland, arbeiten mit internationalen Lieferanten zusammen, erschließen neue Absatzmärkte oder errichten eigene Standorte außerhalb Deutschlands.

Internationalisierung und Globalisierung beschreiben diese zunehmende grenzüberschreitende Ausrichtung und Verflechtung von Unternehmen und Märkten.

Innerhalb des Prüfungsfachs Betriebswirtschaftliches Handeln (BWH) gehört das Thema zur Volkswirtschaft. Für die IHK steht dabei vor allem die Frage im Mittelpunkt, welche wirtschaftlichen Chancen, Auswirkungen und Risiken sich aus internationalen Aktivitäten für ein Unternehmen ergeben können.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichBetriebswirtschaftliches Handeln
ThemengebietVolkswirtschaft
ThemaInternationalisierung und Globalisierung
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐ Mittel
DatengrundlageRahmenlehrplan, Text-/Übungsbände und ausgewertete Originalprüfungen
Prüfungscharakterüberwiegend situations-, verständnis- und beurteilungsbezogen
RahmenlehrplanAuswirkungen der Internationalisierung und Globalisierung auf Unternehmen verstehen
Empfohlene Lernprioritätmittel
Vertiefung➡️ Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Eine eigene feste Punktegewichtung gibt es für Internationalisierung und Globalisierung nicht. Der IHK-Richtwert von etwa 15 Punkten bezieht sich auf den gesamten übergeordneten Qualifikationsinhalt Volkswirtschaft.

Außerdem tritt Internationalisierung in Prüfungsaufgaben nicht immer als isoliertes Thema auf. Sie kann mit Unternehmenszusammenschlüssen, Beschaffung, Produktion, Absatz oder Standortentscheidungen verbunden werden.


🌍 Warum ist das Thema wichtig?

Kaum ein größeres Unternehmen betrachtet heute ausschließlich seinen nationalen Markt.

Internationale Wirtschaftsbeziehungen können nahezu alle Unternehmensbereiche betreffen:

  • Beschaffung von Rohstoffen und Materialien,
  • Auswahl von Lieferanten,
  • Produktionsstandorte,
  • Absatzmärkte,
  • Transport und Logistik,
  • Finanzierung,
  • Personal,
  • Wettbewerb,
  • gesetzliche Rahmenbedingungen.

Eine internationale Ausrichtung kann einem Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Abhängigkeiten und Risiken.

Der grundlegende Zusammenhang lautet:

Internationale Märkte → zusätzliche Beschaffungs- und Absatzmöglichkeiten → neue wirtschaftliche Chancen → zusätzliche Abhängigkeiten und Risiken

Für Industriemeister können die Auswirkungen unmittelbar im betrieblichen Alltag sichtbar werden, beispielsweise durch internationale Lieferketten, veränderte Produktionsbedingungen oder unterschiedliche Anforderungen an Mitarbeiter und Organisation.


📘 Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Internationalisierung und Globalisierung gehören innerhalb von BWH zu den ökonomischen Handlungsprinzipien von Unternehmen und ihrer Einbindung in volkswirtschaftliche Zusammenhänge.

Für kraftverkehrsmeister.net ergibt sich folgende Einordnung:

Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
└── Betriebswirtschaftliches Handeln
    └── Volkswirtschaft
        └── Internationalisierung und Globalisierung
            ├── internationale Wirtschaftsbeziehungen
            ├── Chancen internationaler Aktivitäten
            ├── Risiken internationaler Aktivitäten
            └── Auswirkungen auf Unternehmen

Entscheidend ist dabei nicht, Globalisierung ausschließlich als volkswirtschaftlichen Begriff definieren zu können.

Für BWH ist vor allem wichtig, die Auswirkungen internationaler wirtschaftlicher Verflechtungen aus Unternehmenssicht zu verstehen.


🔎 Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐ Mittlere Prüfungsrelevanz

Im Vergleich zu Unternehmensformen tritt Internationalisierung und Globalisierung weniger eindeutig als eigenständiger, regelmäßig wiederkehrender Aufgabenblock auf.

Das bedeutet jedoch nicht, dass internationale Zusammenhänge für die Prüfung unbedeutend sind.

Sie können vielmehr Bestandteil einer größeren betrieblichen Situation sein.

Das zeigt sich beispielsweise bei Unternehmenszusammenschlüssen:

In der Herbstprüfung 2024 wurde ein geplantes Joint Venture mit einem chinesischen Unternehmen zum Ausgangspunkt einer Aufgabe. Dabei mussten Vorteile und Nachteile der Zusammenarbeit betrachtet werden.

Im Frühjahr 2025 ging es um die Übernahme eines Unternehmens derselben Branche in Polen. Gefragt waren Gründe für die Übernahme und mögliche Risiken.

Diese Aufgaben gehören fachlich auch zum Bereich der Unternehmenszusammenschlüsse. Gleichzeitig zeigen sie, wie internationale Rahmenbedingungen in BWH-Aufgaben eingebunden werden können.

📌 Daraus ergibt sich eine wichtige Besonderheit:

Internationalisierung und Globalisierung sind häufig kein isolierter Prüfungsblock, sondern ein Kontext, in dem andere betriebswirtschaftliche Themen geprüft werden.

Das typische Muster lautet:

internationale Ausgangssituation erkennen → wirtschaftliche Auswirkungen bestimmen → Chancen und Risiken ableiten → betriebliche Folgen beurteilen

➡️ Zur Prüfungsanalyse Betriebswirtschaftliches Handeln


🎯 Darauf kommt es bei der IHK an

Für die IHK ist weniger entscheidend, möglichst viele theoretische Definitionen zur Globalisierung auswendig wiederzugeben.

Wichtiger ist das Verständnis dafür, warum Unternehmen international tätig werden und welche Folgen daraus entstehen können.

Dazu gehören insbesondere:

  • neue Absatzmärkte,
  • zusätzliche Beschaffungsmöglichkeiten,
  • Kostenvorteile,
  • Zugang zu Know-how,
  • Nutzung internationaler Standortvorteile,
  • Erweiterung der Produktionsmöglichkeiten,
  • stärkere internationale Konkurrenz,
  • Abhängigkeit von internationalen Lieferketten,
  • unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen,
  • Währungsrisiken,
  • politische und wirtschaftliche Risiken.

Die konkrete Bedeutung hängt dabei immer von der beschriebenen Unternehmenssituation ab.

💡 Gerade bei diesem Thema gilt deshalb:

Nicht möglichst viele Chancen und Risiken auswendig lernen, sondern aus der Situation passende wirtschaftliche Folgen ableiten können.


📝 Typische Aufgabenstellungen

Internationalisierung und Globalisierung können direkt oder als Bestandteil einer komplexeren betrieblichen Situation auftreten.

Typische Anforderungen können beispielsweise sein:

  • Gründe für internationale Unternehmensaktivitäten zu nennen,
  • Vorteile einer internationalen Ausrichtung zu erläutern,
  • Risiken eines ausländischen Marktes zu beschreiben,
  • Auswirkungen auf Beschaffung oder Absatz darzustellen,
  • Chancen eines ausländischen Produktionsstandortes zu beurteilen,
  • wirtschaftliche Folgen einer internationalen Kooperation einzuordnen,
  • Risiken einer Unternehmensübernahme im Ausland abzuleiten,
  • Auswirkungen internationaler Wirtschaftsbeziehungen auf das Unternehmen zu beurteilen.

Typische Operatoren sind:

nennen – beschreiben – erklären – erläutern – darstellen – beurteilen

Bei situationsbezogenen Aufgaben ist entscheidend, die Antwort nicht allgemein zu halten.

Ausgangspunkt sollte immer die konkrete betriebliche Situation sein.


🧩 Welche Aspekte solltest du für die Prüfung kennen?

🌐 Internationalisierung

Internationalisierung beschreibt die zunehmende Ausrichtung eines Unternehmens auf Aktivitäten außerhalb seines Heimatmarktes.

Das kann unterschiedliche Unternehmensbereiche betreffen:

Beschaffung → Produktion → Kooperation → Absatz

Ein Unternehmen muss also nicht zwingend eine eigene Fabrik im Ausland besitzen, um international tätig zu sein.

Bereits internationale Lieferanten, Kunden oder Kooperationspartner können Bestandteil einer internationalen Unternehmensausrichtung sein.


🌍 Globalisierung

Globalisierung beschreibt die zunehmende weltweite wirtschaftliche Verflechtung von Märkten, Unternehmen und Volkswirtschaften.

Für Unternehmen entstehen dadurch sowohl neue Möglichkeiten als auch neue Abhängigkeiten.

Entscheidend für BWH ist vor allem:

Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf das einzelne Unternehmen?

Damit wird aus einem volkswirtschaftlichen Vorgang eine betriebswirtschaftliche Fragestellung.


📈 Chancen internationaler Aktivitäten

Internationale Aktivitäten können Unternehmen unterschiedliche wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen.

Dazu können gehören:

  • Erschließung neuer Märkte,
  • größere Absatzmöglichkeiten,
  • günstigere Beschaffungsmöglichkeiten,
  • Nutzung von Standortvorteilen,
  • Zugang zu Know-how,
  • Erweiterung der Produktionskapazitäten,
  • Risikostreuung über mehrere Märkte.

Welche dieser Chancen tatsächlich relevant ist, hängt von der jeweiligen Unternehmenssituation ab.


⚠️ Risiken internationaler Aktivitäten

Mit zunehmender internationaler Tätigkeit können zusätzliche Risiken entstehen.

Dazu zählen beispielsweise:

  • politische Unsicherheiten,
  • unterschiedliche Rechtsordnungen,
  • Währungsschwankungen,
  • Qualitätsunterschiede,
  • Lieferkettenrisiken,
  • Transport- und Logistikprobleme,
  • kulturelle Unterschiede,
  • stärkere Abhängigkeit von ausländischen Märkten oder Partnern.

Die Frühjahrsprüfung 2025 zeigt diesen situationsbezogenen Ansatz besonders deutlich. Bei der geplanten Übernahme eines Unternehmens in Polen wurden unter anderem wirtschaftliche, rechtliche und weitere grenzüberschreitende Risiken relevant.


⚠️ Typische Stolperstellen

Internationalisierung und Globalisierung nicht gleichsetzen

Beide Begriffe hängen eng zusammen, beschreiben aber nicht exakt dasselbe.

Internationalisierung betrachtet stärker die zunehmende grenzüberschreitende Tätigkeit eines Unternehmens.

Globalisierung beschreibt umfassender die zunehmende weltweite Verflechtung von Wirtschaft und Märkten.

Für die Prüfung ist die Unterscheidung hilfreich, entscheidender sind jedoch häufig die betrieblichen Auswirkungen.

Ausland bedeutet nicht automatisch Kostenvorteil

Ein ausländischer Standort oder Lieferant kann niedrigere Kosten ermöglichen.

Gleichzeitig können zusätzliche Transportkosten, Qualitätsprobleme, Wechselkursschwankungen oder andere Risiken entstehen.

Eine wirtschaftliche Beurteilung sollte deshalb nicht ausschließlich einen einzelnen Vorteil betrachten.

Chancen und Risiken müssen zur Situation passen

Bei einer situationsbezogenen Aufgabe sollte nicht einfach eine auswendig gelernte Liste wiedergegeben werden.

Besser ist:

Situation analysieren → relevanten Faktor erkennen → Auswirkung auf das Unternehmen erläutern

Internationale Themen können zu anderen BWH-Bereichen gehören

Eine Aufgabe mit einem ausländischen Unternehmen ist nicht automatisch eine reine „Globalisierungsaufgabe“.

Ein Joint Venture kann beispielsweise schwerpunktmäßig eine Konzentrationsform sein. Eine ausländische Beschaffung kann wiederum andere betriebswirtschaftliche Bereiche betreffen.

📌 Der fachliche Kern der Aufgabe entscheidet über die Zuordnung – nicht allein der Auslandsbezug.


🔗 Zusammenhänge mit anderen Themen

Besonders eng ist die Verbindung zu den Konzentrationsformen.

Unternehmen können durch Kooperationen, Joint Ventures, Beteiligungen oder Übernahmen Zugang zu internationalen Märkten erhalten.

Internationalisierung → Kooperation im Ausland → gemeinsame Ressourcen → neue Marktchancen und zusätzliche Risiken

Auch Unternehmensfunktionen können betroffen sein:

Globalisierung → internationale Beschaffung → veränderte Produktion → internationale Absatzmärkte

Weitere Verbindungen bestehen zu den Produktionsfaktoren.

Internationale Standortentscheidungen können beispielsweise durch die Verfügbarkeit und Kosten von Arbeit, Betriebsmitteln, Werkstoffen und Energie beeinflusst werden.

Damit ist Internationalisierung ein gutes Beispiel dafür, wie mehrere BWH-Themen innerhalb einer betrieblichen Situation miteinander verbunden werden können.


🧭 Verwandte Themen

Internationalisierung und Globalisierung gehören zum Themenbereich Volkswirtschaft.

➡️ Volkswirtschaft

Weitere Themen dieses Themenbereichs

➡️ Unternehmensformen
➡️ Konzentrationsformen
➡️ Unternehmensfunktionen
➡️ Produktionsfaktor Arbeit
➡️ Produktionsfaktor Betriebsmittel
➡️ Werkstoffe und Energie


🎓 Thema vertiefen

Diese Seite zeigt dir, welche wirtschaftlichen Zusammenhänge bei Internationalisierung und Globalisierung für BWH relevant sind und wie internationale Situationen in IHK-Aufgaben auftreten können.

Für eine sichere Prüfungsvorbereitung musst du anschließend wirtschaftliche Chancen und Risiken aus konkreten Situationen ableiten und internationale Entwicklungen mit anderen betrieblichen Themen verbinden können.

Ausführliche Erklärungen, Beispiele, Übungen und prüfungsnahe Aufgaben stehen später im entsprechenden Lernmodul der KVM-Akademie zur Verfügung.

kraftverkehrsmeister.net → wissen, was von der IHK verlangt wird
KVM-Akademie → verstehen, anwenden und trainieren

➡️ Zur KVM-Akademie


📌 Fazit

Internationalisierung und Globalisierung führen dazu, dass Unternehmen zunehmend in grenzüberschreitende wirtschaftliche Beziehungen eingebunden sind.

Für die Industriemeisterprüfung stehen dabei vor allem die betrieblichen Auswirkungen im Mittelpunkt: Warum wird ein Unternehmen international tätig? Welche Chancen entstehen? Welche zusätzlichen Risiken müssen berücksichtigt werden?

Die ausgewerteten Prüfungen zeigen außerdem, dass internationale Zusammenhänge häufig mit anderen BWH-Themen verbunden werden – beispielsweise mit Joint Ventures oder Unternehmensübernahmen.

Für die Prüfung lässt sich der Kern deshalb so zusammenfassen:

internationale Situation erkennen → wirtschaftliche Ursache verstehen → Chancen und Risiken ableiten → Auswirkungen auf das Unternehmen beurteilen