Ausbildungsmethoden und -medien auswählen und einsetzen (AEVO 3.4)

Welche Ausbildungsmethoden und Ausbildungsmedien du für einen Lerninhalt wählst, entscheidet darüber, ob dein Auszubildender ihn nur gehört hat oder wirklich kann. Das Thema gehört zum Handlungsfeld 3 „Ausbildung durchführen“ der Ausbildereignungsprüfung (AEVO) und steht im Rahmenplan unter der Nummer 3.4.

Auf dieser Seite gehe ich die sieben Punkte dieses Kompetenzbereichs der Reihe nach durch. Du erfährst, welche Methoden es gibt, wie du die passende auswählst und begründest und welche Medien dich dabei unterstützen. Genau diese Begründung wird in der schriftlichen Prüfung und im Fachgespräch verlangt.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungAusbildereignungsprüfung nach AEVO
Handlungsfeld3 – Ausbildung durchführen (60 von 115 Unterrichtseinheiten im Rahmenplan)
Kompetenzbereich3.4 – Ausbildungsmethoden und -medien zielgruppengerecht auswählen und situationsspezifisch einsetzen
Schriftliche PrüfungFallbezogene Aufgaben: Methode oder Medium für eine beschriebene Situation auswählen und begründen
Praktische PrüfungSehr hoch: Die gewählte Methode ist der Kern deiner Präsentation oder Durchführung und Thema im Fachgespräch
Gilt fürAlle angehenden Ausbilder, unabhängig von Beruf und Branche

Warum ist das Thema wichtig?

Früher hieß Ausbilden oft: vormachen, nachmachen lassen, fertig. Heute sollst du Auszubildende dazu bringen, Aufgaben selbstständig zu planen, auszuführen und zu kontrollieren. Dafür reicht eine einzige Methode nicht aus. Du brauchst mehrere und musst wissen, wann welche passt.

Eine falsch gewählte Methode kostet Zeit und Motivation. Wer einem Auszubildenden im dritten Jahr jeden Handgriff vormacht, unterfordert ihn. Wer einen Anfänger mit einem Projekt allein lässt, überfordert ihn. Die Auswahl ist deshalb keine Geschmacksfrage, sondern eine Entscheidung, die du begründen können musst.


Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • die wichtigsten Ausbildungsmethoden beschreiben und voneinander abgrenzen,
  • eine Methode nach festen Kriterien auswählen und die Wahl begründen,
  • Größe und Zusammensetzung einer Lerngruppe festlegen,
  • ein didaktisches Konzept für eine Ausbildungssituation aufbauen,
  • Ausbildungsmedien und Ausbildungsmittel unterscheiden und passend einsetzen,
  • digitale Lernmedien und Lernumgebungen beurteilen.

Die Begriffe im Überblick

In Prüfungsaufgaben werden diese Begriffe genau unterschieden. Präge sie dir deshalb zuerst ein.

BegriffBedeutungBeispiel
AusbildungsmethodeDer geplante Weg, auf dem ein Lernziel erreicht wirdVier-Stufen-Methode, Leittextmethode, Lehrgespräch
SozialformIn welcher Zusammensetzung gelernt wirdEinzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Unterweisung der ganzen Gruppe
AktionsformWer im Lernprozess aktiv istdarbietend (Ausbilder zeigt), erarbeitend (gemeinsam), entdeckend (Auszubildender findet selbst heraus)
AusbildungsmediumTräger von InformationenArbeitsblatt, Lernvideo, Schaubild, Präsentation
AusbildungsmittelGegenstände, an und mit denen gearbeitet wirdWerkzeug, Maschine, Werkstück, Prüfgerät

1. Methoden, die das Lernen aktivieren

Der Rahmenplan stellt Methoden in den Vordergrund, bei denen die Auszubildenden selbst handeln. Du bist dabei weniger Vortragender als Lernprozessbegleiter: Du stellst die Aufgabe, beobachtest, gibst Hilfen und besprichst das Ergebnis.

Leitbild ist die vollständige Handlung. Sie besteht aus sechs Schritten, die auch jede Facharbeit im Betrieb ausmachen:

  1. Informieren: Was soll getan werden?
  2. Planen: Wie gehe ich vor?
  3. Entscheiden: Welchen Weg wähle ich? Meist im Gespräch mit dem Ausbilder.
  4. Ausführen: Die Arbeit selbstständig erledigen.
  5. Kontrollieren: Ist das Ergebnis fachgerecht?
  6. Bewerten: Was lief gut, was mache ich beim nächsten Mal anders?

Die wichtigsten Ausbildungsmethoden

MethodeSo läuft sie abGut geeignet fürGrenzen
Vier-Stufen-MethodeVorbereiten, vormachen und erklären, nachmachen und erklären lassen, übenHandgriffe und Arbeitsabläufe, sicherheitsrelevante Tätigkeiten, AnfängerWenig Selbstständigkeit, Auszubildender ahmt nach
LehrgesprächDer Ausbilder führt mit gezielten Fragen zum ErgebnisZusammenhänge verstehen, Vorwissen nutzenBraucht Vorwissen, stille Auszubildende gehen leicht unter
LeittextmethodeSchriftliche Leitfragen führen durch die sechs Schritte der vollständigen HandlungSelbstständiges Erarbeiten komplexer AufgabenHoher Aufwand für die Erstellung, setzt Lesekompetenz voraus
Lern- und ArbeitsauftragEin echter Auftrag aus dem Betrieb wird zur LernaufgabeLernen im Arbeitsprozess, fortgeschrittene AuszubildendeNicht jeder Auftrag passt zum Ausbildungsstand
ProjektmethodeEine umfangreiche Aufgabe wird über längere Zeit im Team geplant und umgesetztZusammenarbeit, Planung, VerantwortungZeitaufwand, Ergebnis schwer einzelnen Personen zuzuordnen
RollenspielEine Gesprächssituation wird durchgespielt und ausgewertetKundengespräch, Reklamation, KonfliktHemmungen, braucht eine gute Auswertung
FallmethodeEin beschriebener Fall aus der Praxis wird analysiert und gelöstEntscheiden und Begründen, kaufmännische und organisatorische ThemenKein praktisches Tun
ErkundungAuszubildende beschaffen sich Informationen vor Ort, etwa in einer anderen AbteilungBetriebliche Abläufe kennenlernenMuss vor- und nachbereitet werden

Die Vier-Stufen-Methode im Detail

Sie ist die bekannteste Methode und wird in der praktischen Prüfung häufig gewählt. Lerne die vier Stufen mit ihren Inhalten:

  1. Vorbereiten: Arbeitsplatz und Material bereitstellen, Lernziel nennen, Vorkenntnisse erfragen, Interesse wecken, auf Unfallgefahren hinweisen.
  2. Vormachen und erklären: Den Arbeitsgang zeigen und dabei erklären, was du tust, wie du es tust und warum so. In überschaubaren Teilschritten.
  3. Nachmachen und erklären lassen: Der Auszubildende führt den Arbeitsgang aus und erklärt ihn mit eigenen Worten. Du greifst nur bei Fehlern und Gefahren ein.
  4. Üben: Selbstständig wiederholen, bis der Ablauf sicher sitzt. Du kontrollierst das Ergebnis, gibst Rückmeldung und erkennst Fortschritte an.

Die Leittextmethode im Detail

Beim Leittext bekommt der Auszubildende eine Aufgabe und dazu schriftliche Leitfragen. Mit ihnen beschafft er sich die nötigen Informationen selbst, erstellt einen Arbeitsplan und bespricht ihn mit dir. Erst danach führt er die Arbeit aus, kontrolliert sie anhand eines Kontrollbogens und wertet sie mit dir aus. Der Leittext bildet also die vollständige Handlung Schritt für Schritt ab.


2. Die passende Methode auswählen

Es gibt keine beste Methode. Es gibt nur die Methode, die zu Lernziel, Auszubildendem und Rahmenbedingungen passt. Diese Kriterien nennt der Rahmenplan:

KriteriumLeitfrageFolge für die Methodenwahl
LernzielSoll der Auszubildende etwas wissen, etwas können oder eine Haltung entwickeln?Wissen: Lehrgespräch, Leittext. Können: Vier-Stufen-Methode, Arbeitsauftrag. Haltung und Verhalten: Rollenspiel, Projekt.
LernvoraussetzungenWas bringt er mit, wie lernt er am besten?Auf Vorwissen aufbauen, Sprache und Tempo anpassen
AusbildungsstandIn welchem Ausbildungsjahr ist er?Am Anfang enger führen, später mehr Selbstständigkeit zulassen
RahmenbedingungenWie viel Zeit, welcher Raum, welche Ausstattung, welche Gefahren?Bei Unfallgefahr zuerst vormachen, bei Zeitdruck keine Projektarbeit
EntwicklungsphaseWie reif und selbstständig ist er?Verantwortung schrittweise übertragen
Kultureller und sozialer HintergrundWelche Sprache, welche Lernerfahrungen, welches Umfeld?Mehr Anschauung, einfache Sprache, Partnerarbeit zur Unterstützung
LernortArbeitsplatz, Lehrwerkstatt, Schulungsraum oder online?Am Arbeitsplatz arbeitsgebundene Methoden, im Schulungsraum Gespräch und Fallarbeit

Die drei Lernzielbereiche solltest du sicher beherrschen: kognitiv (Wissen und Verstehen), psychomotorisch (Fertigkeiten, Handgriffe) und affektiv (Einstellungen, Werte, Verhalten). In der Prüfung ist das fast immer der erste Schritt deiner Begründung.


3. Größe und Zusammensetzung der Lerngruppe

Zur Methode gehört die Entscheidung, wer mit wem lernt.

SozialformVorteileNachteile
EinzelarbeitEigenes Tempo, Leistung klar zuzuordnen, hohe KonzentrationKein Austausch, bindet den Ausbilder
PartnerarbeitGegenseitige Hilfe, wenig OrganisationsaufwandEin Partner kann dominieren
GruppenarbeitFördert Teamfähigkeit und Kommunikation, mehr IdeenZeitaufwand, Einzelne können sich zurücklehnen
Unterweisung der ganzen GruppeViele Personen erreichen in kurzer ZeitWenig Beteiligung, kaum Rücksicht auf den Einzelnen

Für Gruppenarbeit haben sich drei bis fünf Personen bewährt. Bei der Zusammensetzung entscheidest du, ob die Gruppe gleich stark sein soll (alle können gefordert werden) oder gemischt (Stärkere helfen Schwächeren). Berücksichtige außerdem Ausbildungsjahr, Vorkenntnisse und wie die Auszubildenden miteinander auskommen.


4. Ein didaktisches Konzept erstellen

Ein didaktisches Konzept ist der Plan für eine Ausbildungssituation. Mit diesen Leitfragen baust du es auf:

FrageInhalt
Wer?Auszubildender oder Gruppe: Beruf, Ausbildungsjahr, Vorkenntnisse
Was?Thema und Bezug zum Ausbildungsrahmenplan
Wozu?Lernziel, so formuliert, dass du es überprüfen kannst
Wie?Methode und Sozialform mit Begründung
Womit?Medien und Ausbildungsmittel
Wo und wann?Lernort, Zeitpunkt, Dauer, Ablauf in Schritten
Woran erkenne ich den Erfolg?Art der Lernerfolgskontrolle

Genau so ein Konzept wird für die praktische Prüfung empfohlen. Es fließt selbst nicht in die Bewertung ein, ist aber dein roter Faden und die Grundlage für das Fachgespräch.


5. Die methodische Gestaltung verbessern

Nach jeder Ausbildungssituation prüfst du, ob dein Plan aufgegangen ist:

  • Wurde das Lernziel erreicht? Woran hast du das festgestellt?
  • War der Auszubildende aktiv oder hat er nur zugehört?
  • Haben Zeit, Schwierigkeitsgrad und Tempo gepasst?
  • Was sagt der Auszubildende selbst? Hole dir seine Rückmeldung.
  • Was änderst du beim nächsten Mal: Methode, Medien, Reihenfolge oder Gruppengröße?

Hilfreich sind dabei die didaktischen Prinzipien: vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten, vom Einfachen zum Zusammengesetzten, anschaulich arbeiten und den Auszubildenden selbst tun lassen. Ein Wechsel der Methode hält außerdem die Aufmerksamkeit hoch.


6. Ausbildungsmedien und -mittel einsetzen

Medien sind kein Selbstzweck. Sie sollen veranschaulichen, informieren, motivieren und das Gelernte sichern. Je mehr Sinne beteiligt sind, desto besser bleibt etwas haften. Am meisten bringt, was der Auszubildende selbst tut.

Medium oder MittelStärkenSchwächen
Originalteil, Werkzeug, MaschineEcht, zum Anfassen, direkter Bezug zur ArbeitUnfallgefahr, nicht immer verfügbar, für Gruppen schlecht sichtbar
Modell, SchnittmodellZeigt, was sonst verborgen istVereinfacht, Anschaffung teuer
Flipchart, WhiteboardGedanken entstehen vor den Augen der LernendenWenig Platz, nur für kleine Gruppen
Arbeitsblatt, Leittext, ChecklisteFördert selbstständiges Arbeiten, bleibt zum NachschlagenMuss erstellt und aktuell gehalten werden
LernvideoZeigt Abläufe, beliebig oft wiederholbar, hilft bei SprachbarrierenKeine Rückfragen, passt nicht immer zum eigenen Betrieb
Präsentation am BildschirmBilder und Diagramme, gut für größere GruppenVerleitet zum Vortrag, Lernende bleiben passiv

7. Digitale Lernmedien und Lernumgebungen beurteilen

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist einer der Gründe, aus denen der Rahmenplan 2023 überarbeitet wurde. Du sollst einschätzen können, wann digitale Angebote die Ausbildung sinnvoll ergänzen.

BegriffBedeutungBeispiel
LernmanagementsystemPlattform, die Lerninhalte bereitstellt und den Lernfortschritt zeigtBetriebliche Lernplattform mit Kursen und Tests
Synchrones LernenAlle lernen zur selben ZeitVideokonferenz, Online-Unterweisung mit Rückfragen
Asynchrones LernenJeder lernt, wann es ihm passtLernvideo, Online-Kurs, Lern-App
Virtuelle LernumgebungLernen findet vollständig online stattSimulation einer Anlage, virtueller Schulungsraum
Hybride LernumgebungEin Teil ist vor Ort, ein Teil zugeschaltet, oder Präsenz und Online wechseln sich abTheorie online, Praxis in der Werkstatt

Für die Beurteilung helfen dir diese Fragen:

  • Passt das Medium zum Lernziel? Wissen lässt sich gut online vermitteln, Handgriffe müssen am echten Gerät geübt werden.
  • Sind Geräte, Netz und ein ruhiger Platz vorhanden?
  • Können Auszubildende und Ausbilder mit der Technik umgehen?
  • Wer betreut die Auszubildenden und kontrolliert den Lernfortschritt?
  • Sind Datenschutz und Mitbestimmung geklärt?
  • Stehen Kosten und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis?

Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr

Du bildest in einer Spedition einen Berufskraftfahrer im ersten Ausbildungsjahr aus. Er soll die Abfahrtkontrolle am Lkw selbstständig durchführen können.

Lernziel: Der Auszubildende führt die Abfahrtkontrolle in der richtigen Reihenfolge durch, erkennt Mängel und meldet sie. Das Ziel ist überwiegend psychomotorisch, mit einem kognitiven Anteil.

Methode: Du entscheidest dich für die Vier-Stufen-Methode. Die Tätigkeit ist sicherheitsrelevant, der Auszubildende ist Anfänger, und es kommt auf eine feste Reihenfolge an. Einzelunterweisung, weil du jeden Handgriff beobachten willst.

Medien und Mittel: das Fahrzeug selbst, eine Checkliste mit Bildern und das Fahrzeughandbuch.

Ablauf: Du erklärst, warum die Kontrolle vorgeschrieben ist, und fragst nach Vorkenntnissen. Dann gehst du einmal um das Fahrzeug und zeigst jeden Prüfpunkt. Im dritten Schritt macht der Auszubildende die Runde und erklärt, was er prüft und warum. In den folgenden Tagen übt er an verschiedenen Fahrzeugen, zuerst mit, dann ohne Checkliste.

Im zweiten Ausbildungsjahr würdest du für die Ladungssicherung einer gemischten Ladung anders entscheiden: Jetzt passt ein Leittext, weil der Auszubildende Vorwissen hat und selbst planen soll.

🏭 So sieht das in der Fertigung aus

Dieselbe Überlegung gilt für einen Industriemechaniker im ersten Jahr, der ein Werkstück an der Ständerbohrmaschine spannen und bohren soll. Auch hier ist die Tätigkeit sicherheitsrelevant und der Auszubildende ein Anfänger, also wählst du die Vier-Stufen-Methode an der Maschine. Im dritten Jahr bekommt er für die Fertigung einer kleinen Baugruppe einen Arbeitsauftrag mit Leittext und plant Reihenfolge, Werkzeuge und Prüfmittel selbst.


Typische Prüfungsfragen mit Antworten

Wie heißen die vier Stufen der Vier-Stufen-Methode?

Vorbereiten, vormachen und erklären, nachmachen und erklären lassen, üben. In der Prüfung solltest du zu jeder Stufe mindestens zwei Tätigkeiten des Ausbilders nennen können.

Wann wählst du die Vier-Stufen-Methode, wann die Leittextmethode?

Die Vier-Stufen-Methode passt bei Fertigkeiten, bei Anfängern und bei Tätigkeiten mit Unfallgefahr. Die Leittextmethode passt, wenn der Auszubildende Vorwissen hat und lernen soll, eine Aufgabe selbstständig zu planen, auszuführen und zu kontrollieren.

Nach welchen Kriterien wählst du eine Ausbildungsmethode aus?

Lernziel, Lernvoraussetzungen und Ausbildungsstand des Auszubildenden, Rahmenbedingungen wie Zeit, Raum und Sicherheit, Größe der Gruppe und Lernort. Beginne die Begründung immer mit dem Lernziel.

Was unterscheidet Ausbildungsmedien von Ausbildungsmitteln?

Medien tragen Informationen, zum Beispiel ein Arbeitsblatt oder ein Lernvideo. Ausbildungsmittel sind die Gegenstände, an und mit denen gearbeitet wird, zum Beispiel Werkzeug, Maschine und Werkstück.

Welche Vorteile und Nachteile hat Gruppenarbeit?

Vorteile: Die Auszubildenden lernen zusammenzuarbeiten, tauschen Ideen aus und unterstützen sich. Nachteile: Sie braucht mehr Zeit, Einzelne können sich zurückhalten, und die Leistung des Einzelnen ist schwerer zu beurteilen.

Was bedeuten synchrones und asynchrones Lernen?

Synchron heißt, dass alle zur selben Zeit lernen und Rückfragen sofort möglich sind, etwa in einer Videokonferenz. Asynchron heißt, dass jeder zeitlich unabhängig lernt, etwa mit einem Lernvideo oder einem Online-Kurs.


Übungsaufgabe

Situation: Du bist Ausbilder in einem Betrieb mit Kundenkontakt. Drei Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr sollen lernen, ein Reklamationsgespräch am Telefon ruhig und lösungsorientiert zu führen. Du hast zwei Stunden Zeit und einen Besprechungsraum.

Aufgabe: Wähle eine geeignete Ausbildungsmethode aus, begründe deine Wahl mit drei Kriterien und nenne zwei passende Medien.

Lösungsvorschlag

Methode: Rollenspiel mit anschließender Auswertung.

  1. Lernziel: Es geht um Verhalten und Gesprächsführung, also um ein überwiegend affektives Lernziel. Das lässt sich nicht erklären, sondern nur erleben und üben.
  2. Ausbildungsstand: Im zweiten Jahr kennen die Auszubildenden Produkte und Abläufe und können sich auf das Gespräch selbst konzentrieren.
  3. Rahmenbedingungen und Gruppe: Bei drei Personen kann jeder einmal Mitarbeiter, Kunde und Beobachter sein. Zwei Stunden reichen für drei Durchgänge mit Auswertung, und im Besprechungsraum stört niemand.

Medien: Rollenkarten mit einer kurzen Beschreibung des Falls und ein Beobachtungsbogen, auf dem der Beobachter festhält, was gut lief und was sich verbessern lässt.

Eine Vier-Stufen-Unterweisung wäre hier die falsche Wahl, weil es keinen festen Handgriff gibt, den man vormachen und nachmachen kann.


Bedeutung für die praktische Prüfung

In der praktischen Prüfung präsentierst du eine Ausbildungssituation oder führst sie durch. In beiden Fällen ist deine Methodenwahl das Herzstück. Im Fachgespräch musst du Auswahl und Gestaltung erläutern. Rechne mit Fragen wie diesen:

  • Warum hast du dich für diese Methode entschieden?
  • Welche andere Methode wäre möglich gewesen, und warum hast du sie nicht gewählt?
  • Welches Lernziel verfolgst du, und zu welchem Lernzielbereich gehört es?
  • Warum hast du diese Medien eingesetzt?
  • Wie stellst du fest, ob der Auszubildende das Lernziel erreicht hat?

Wenn du zu jeder dieser Fragen zwei Sätze sagen kannst, bist du für das Fachgespräch gut vorbereitet.


Verwandte Themen

➡️ Handlungsfeld 3 – Ausbildung durchführen
➡️ AEVO im Überblick: Handlungsfelder und Prüfung
➡️ Unterweisungsmethoden (Basisqualifikation, ZiB)
➡️ Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) im Wortlaut


Fazit

Eine Ausbildungsmethode wählst du nicht nach Gewohnheit, sondern nach Lernziel, Auszubildendem und Rahmenbedingungen. Für Handgriffe und Anfänger passt die Vier-Stufen-Methode, für selbstständiges Arbeiten Leittext, Arbeitsauftrag und Projekt, für Verhalten das Rollenspiel. Medien unterstützen die Methode und ersetzen sie nicht.

Für die Prüfung musst du vor allem eines können: deine Entscheidung begründen. Wer Lernziel, Methode, Sozialform und Medien in einem Satz verbinden kann, hat den Kern dieses Kompetenzbereichs verstanden.