Wasserhärte und Wasseraufbereitung

Die Wasserhärte gibt an, wie viele gelöste Calcium- und Magnesiumsalze im Wasser stecken. Sie ist für den Betrieb wichtig, weil Wasser in Kühlkreisläufen, Reinigungsanlagen, Heizungen und Dampfkesseln läuft. Hartes Wasser hinterlässt Kalk, und Kalk kostet Energie und verursacht Störungen.

Auf dieser Seite lernst du, woher die Wasserhärte kommt, welche Folgen sie hat und welche Verfahren zur Wasseraufbereitung eingesetzt werden. Ein durchgerechnetes Beispiel zeigt, wie du Härteeinheiten umrechnest.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichBerücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG)
ThemenbereichAuswirkungen von Gesetzmäßigkeiten auf Materialien, Maschinen und Prozesse
ThemaWasser in der industriellen Nutzung: Wasserhärte, Enthärtung, Wasser als Lösungsmittel und Prozessdampf (Rahmenplan 5.1.2)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐ Mittel
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 37 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungWissen: Härtebildner nennen, Folgen erklären, Enthärtungsverfahren beschreiben, Härtebereich einordnen
Lernziel laut RahmenplanDie Auswirkungen der industriellen Nutzung von Wasser auf Mensch und Umwelt kennen, insbesondere Wasserhärte, Enthärtung und Wasser als Prozessdampf
Empfohlene LernprioritätMittel
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum ist die Wasserhärte wichtig?

Wasser ist im Betrieb Lösungsmittel, Kühlmittel, Reinigungsmittel und Ausgangsstoff für Dampf. Der Rahmenplan nennt Wasser auch als sekundären Energieträger. Das heißt: Wasserdampf entsteht erst durch Energiezufuhr und transportiert diese Energie zu den Verbrauchern, zum Beispiel zu Heizungen oder Trockenanlagen.

In jeder dieser Anwendungen stört gelöster Kalk. Der Industriemeister muss deshalb zur Wasserhärte und Wasseraufbereitung wissen,

  • warum Kesselstein entsteht und was er bewirkt,
  • wie sich die Wasserhärte messen und einordnen lässt,
  • mit welchen Verfahren der Wasseraufbereitung Wasser enthärtet oder vollständig entsalzt wird,
  • wann welches Wasser gebraucht wird.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
└── Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG)
└── 5.1 Auswirkungen von Gesetzmäßigkeiten auf Materialien, Maschinen und Prozesse
└── 5.1.2 Auswirkungen der industriellen Nutzung von Wasser, Säuren, Basen und Salzen auf Menschen und Umwelt
├── Wasser als Lösungsmittel und sekundärer Energieträger
├── Wasserhärte, Wasserenthärtung
└── Wasser als Prozessdampf

Der Rahmenplan fasst unter 5.1.2 mehrere Themen zusammen: Wasser, Säuren, Basen, Salze, Korrosion und den Schutz von Mensch und Umwelt. Auf kraftverkehrsmeister.net hat jedes dieser Themen eine eigene Seite. Diese Seite behandelt den Teil Wasser, also die Wasserhärte und die Wasseraufbereitung. Verlangt ist, die Auswirkungen zu kennen.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐ Mittlere Prüfungsrelevanz

Das Thema gehört zum Rahmenplanpunkt 5.1.2. Dieser kam in 27 von 37 Prüfungen vor, seit 2020 in 11 von 13. Die Härte von Wasser gehört zu den Wissensfragen, die sich in ähnlicher Form wiederholen.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • Härtebildner im Wasser zu nennen,
  • die Entstehung der Carbonathärte zu erklären,
  • Auswirkungen von hartem Wasser auf Anlagen zu beschreiben (zum Beispiel Kesselstein),
  • ein Verfahren zur Wasserenthärtung zu beschreiben,
  • den Begriff vollentsalztes Wasser zu erklären,
  • eine gegebene Härte in einen Härtebereich einzuordnen.

Zur Prüfungsanalyse NTG

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • zu erklären, woher Härtebildner im Wasser kommen,
  • Carbonathärte und Nichtcarbonathärte zu unterscheiden,
  • Härteeinheiten umzurechnen und Härtebereiche einzuordnen,
  • die Folgen von hartem Wasser zu beschreiben,
  • Verfahren der Wasserenthärtung und Vollentsalzung zu nennen,
  • zu begründen, wofür weiches oder vollentsalztes Wasser gebraucht wird.

Wasser als Lösungsmittel

Wasser löst viele Stoffe: Salze, Säuren, Laugen und Gase wie Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff. Deshalb ist Leitungswasser nie reines Wasser. Es enthält Mineralstoffe, die es aus dem Boden aufgenommen hat. Diese Eigenschaft nutzt der Betrieb bei Reinigung, Entfettung und Kühlschmierstoff-Emulsionen. Sie verursacht aber auch Probleme, weil Kalk und andere Salze im Wasser gelöst bleiben, bis das Wasser erwärmt wird.

Woher kommt die Wasserhärte?

Regenwasser nimmt Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf und wird dadurch schwach sauer. Sickert es durch kalkhaltigen Boden, löst es Calciumcarbonat (Kalk) und Magnesiumcarbonat auf. Dabei entstehen gut lösliche Hydrogencarbonate:

CaCO₃ + CO₂ + H₂O → Ca(HCO₃)₂

Die gelösten Calcium-Ionen (Ca²⁺) und Magnesium-Ionen (Mg²⁺) sind die Härtebildner. Je mehr davon im Wasser stecken, desto härter ist es. Das erklärt, warum die Wasserhärte regional stark schwankt: Sie hängt vom Gestein im Untergrund ab.

Carbonathärte und Nichtcarbonathärte

HärteartUrsacheVerhalten beim Erhitzen
Carbonathärte (vorübergehende Härte)Hydrogencarbonate von Calcium und MagnesiumKalk fällt aus, die Härte sinkt
Nichtcarbonathärte (bleibende Härte)Sulfate und Chloride von Calcium und Magnesiumbleibt im Wasser
GesamthärteSumme aus beiden Härteartennur der Carbonatanteil fällt aus

Beim Erhitzen zerfällt das Hydrogencarbonat wieder in Kalk:

Ca(HCO₃)₂ → CaCO₃ + H₂O + CO₂

Der feste Kalk setzt sich als Kesselstein an heißen Flächen ab.

Folgen der Wasserhärte für Anlagen

  • Kesselstein auf Heizflächen, Heizstäben und in Wärmetauschern. Er leitet Wärme schlecht, deshalb steigt der Energieverbrauch.
  • Überhitzung: Bei Dampfkesseln kann sich die Wand unter einer Kalkschicht so stark erwärmen, dass sie beschädigt wird.
  • Verstopfung von Rohren, Düsen, Ventilen und Filtern.
  • Störungen an Pumpen, Armaturen und Messfühlern durch Ablagerungen.
  • Höherer Aufwand bei Reinigung und Wartung.

Bei der Wasseraufbereitung gilt: Weiches Wasser ist nicht in jedem Fall besser. Sehr weiches Wasser bildet keine Schutzschicht in Rohren und kann Metalle stärker angreifen. Entscheidend ist, dass das Wasser zur Anwendung passt.

Einheiten und Härtebereiche

Die Härte wird in Grad deutscher Härte (°dH) oder in Millimol je Liter (mmol/l) angegeben. Es gilt:

1 °dH = 0,1783 mmol/l

Die Einteilung in Härtebereiche ist üblich so:

HärtebereichHärte in °dHHärte in mmol/l
weichbis 8,4bis 1,5
mittel8,4 bis 141,5 bis 2,5
hartüber 14über 2,5

In der Prüfung steht die Einteilung meist in der Aufgabe oder der Tabelle dabei. Du musst den Wert dann richtig zuordnen.

Durchgerechnetes Beispiel: Härte umrechnen und einordnen

Ein Wasserwerk meldet für das Wasser eines Betriebs eine Gesamthärte von 2,8 mmol/l. Du sollst die Härte in °dH angeben und den Härtebereich nennen.

Gegeben: Härte c = 2,8 mmol/l, 1 °dH = 0,1783 mmol/l

Gesucht: Härte in °dH, Härtebereich

Formel: Härte in °dH = Härte in mmol/l : 0,1783 mmol/l je °dH

Einsetzen: 2,8 mmol/l : 0,1783 mmol/l je °dH = 15,70 °dH

Ergebnis: Die Härte beträgt rund 15,7 °dH. Das liegt über 14 °dH, das Wasser ist hart.

Wie viel Kalk kann ausfallen?

Eine Heizungsanlage wird mit 800 m³ Wasser im Jahr gespeist. Die Carbonathärte beträgt 12 °dH. Du sollst die größtmögliche Kalkmenge abschätzen.

Schritt 1: 12 °dH · 0,1783 mmol/l je °dH = 2,14 mmol/l

Schritt 2: Jedes Millimol Härtebildner kann als ein Millimol Calciumcarbonat ausfallen. Die molare Masse von Calciumcarbonat beträgt rund 100 g/mol. Also: 2,14 mmol/l · 100 g/mol = 214 mg/l

Schritt 3: 800 m³ sind 800.000 l. 214 mg/l · 800.000 l = 171.200.000 mg = rund 171 kg

Ergebnis: Im ungünstigsten Fall setzen sich in einem Jahr rund 171 kg Kalk ab. Das ist eine Abschätzung, in der Praxis fällt nur ein Teil davon aus.

Wasseraufbereitung: Enthärten und Entsalzen

Enthärten heißt, die Härtebildner zu entfernen oder unschädlich zu machen. Entsalzen entfernt dagegen alle gelösten Salze.

VerfahrenPrinzipTypischer Einsatz
IonenaustauscherEin Harz tauscht Calcium- und Magnesium-Ionen gegen Natrium-Ionen. Das Harz wird mit Kochsalzlösung regeneriert.Enthärtungsanlagen für Kessel, Spül- und Waschanlagen
FällungChemikalien binden die Härtebildner als schwer lösliche Feststoffe, die abgetrennt werden.größere Wassermengen
UmkehrosmoseWasser wird unter Druck durch eine Membran gepresst, die Salze bleiben zurück.Prozesswasser, Reinstwasser
DestillationWasser wird verdampft und wieder kondensiert.kleine Mengen, Labor
VollentsalzungKationen- und Anionenaustauscher entfernen alle Ionen. Ergebnis ist vollentsalztes Wasser (VE-Wasser).Kesselspeisewasser für Dampf, Batterien, Kühlkreisläufe

Vollentsalztes Wasser enthält praktisch keine gelösten Salze und leitet kaum Strom. Es hinterlässt keinen Kalk. Weil es aber Stoffe stark aufnimmt, braucht es geeignete Werkstoffe.

Wasser als Prozessdampf

Für Dampf wird Wasser im Kessel verdampft. Der Dampf bringt die Wärme zu Verbrauchern, zum Beispiel zu Heizregistern, Trocknern oder Reinigungsanlagen. Weil jede Kalkschicht den Kessel schädigt, wird das Kesselspeisewasser vorher enthärtet oder vollentsalzt. Beim Verdampfen bleiben gelöste Stoffe zurück. Sie reichern sich im Kessel an und werden regelmäßig mit Kesselwasser abgeführt. Mehr zur Wärme beim Verdampfen steht auf der Seite Wärmemenge und Aggregatzustände.

Typische Fehler

  • Härtebildner werden mit „Kalk“ gleichgesetzt. Härtebildner sind die gelösten Ca²⁺- und Mg²⁺-Ionen, Kalk ist der feste Niederschlag.
  • Carbonathärte und Nichtcarbonathärte werden verwechselt. Nur die Carbonathärte fällt beim Erhitzen aus.
  • Enthärten und Entsalzen werden gleichgesetzt. Vollentsalztes Wasser enthält keine Salze mehr, enthärtetes noch Natriumsalze.
  • °dH und mmol/l werden nicht umgerechnet, der Wert wird im falschen Härtebereich eingeordnet.
  • Bei der Wasserhärte wird als Folge nur „Kalk im Wasserkocher“ genannt. Verlangt sind technische Folgen wie Energieverlust, Verstopfung und Überhitzung.

Praxisbeispiel

In einer Härterei läuft ein Kühlkreislauf mit Frischwasser. Nach einem Jahr steigt die Temperatur am Rücklauf, obwohl die Pumpe unverändert arbeitet.

Bei der Kontrolle findet der Industriemeister weiße Ablagerungen im Wärmetauscher. Es ist Kesselstein aus der Carbonathärte. Er isoliert die Flächen, die Wärme wird schlechter abgeführt. Der Wärmetauscher wird gereinigt, und für den Kreislauf wird künftig enthärtetes Wasser eingesetzt.

Das Beispiel zeigt Entstehung, Folgen und Gegenmaßnahme in einem Fall.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Nennen Sie die Härtebildner im Wasser.
  • Erklären Sie, wie die Carbonathärte im Grundwasser entsteht.
  • Beschreiben Sie zwei Auswirkungen von hartem Wasser auf Anlagen und Geräte.
  • Beschreiben Sie ein Verfahren der Wasseraufbereitung, mit dem Wasser enthärtet wird.
  • Erläutern Sie den Begriff vollentsalztes Wasser und nennen Sie einen Einsatzzweck.
  • Ordnen Sie eine Wasserhärte von 11 °dH mithilfe einer Tabelle einem Härtebereich zu.
  • Rechnen Sie eine Härte von 1,9 mmol/l in °dH um.
  • Begründen Sie, warum Kesselspeisewasser aufbereitet wird.

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Die Wasserhärte gehört zum Themenbereich Auswirkungen von Gesetzmäßigkeiten auf Materialien, Maschinen und Prozesse.

Auswirkungen von Gesetzmäßigkeiten auf Materialien, Maschinen und Prozesse

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Rechtsgrundlage

Die Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung der jeweiligen Fachrichtung, für Geprüfte Industriemeister Metall zum Beispiel in § 4 Absatz 6.

Prüfungsverordnung Geprüfter Industriemeister Metall, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Die Wasserhärte entsteht durch gelöstes Calcium und Magnesium. Beim Erhitzen fällt der Teil der Wasserhärte aus, der Carbonathärte heißt, als Kesselstein aus, er verschlechtert den Wärmeübergang und kann Anlagen schädigen. Mit Ionenaustauschern, Fällung, Umkehrosmose oder Vollentsalzung bereitet der Betrieb das Wasser auf.

Für die Prüfung solltest du zur Wasserhärte Härtebildner nennen, Carbonathärte und Nichtcarbonathärte unterscheiden, Folgen und Enthärtungsverfahren beschreiben und eine Härte zwischen °dH und mmol/l umrechnen können.