Statistik-Grundlagen

Statistik heißt, Daten planvoll zu sammeln, zu ordnen, darzustellen und auszuwerten. Die Statistik-Grundlagen gehören zum Themenbereich Technische Unterlagen, Statistiken und Diagramme im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Im Rahmenplan stehen sie unter „Statistiken und Tabellen“.

Als Industriemeister hast du täglich mit Zahlenreihen zu tun: Störungen je Schicht, Messwerte aus der Qualitätsprüfung, Fehltage, Liefertermine. Aus einer langen Liste einzelner Werte wird erst durch Ordnen und Verdichten eine Aussage, mit der du entscheiden kannst. Dafür brauchst du wenige Begriffe und vier Kennwerte.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichTechnische Unterlagen, Statistiken und Diagramme
ThemaStatistiken und Tabellen (Rahmenplan 3.4.2)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungHäufigkeiten und Mittelwerte berechnen, Tabellen aufbereiten, Aussagen ableiten, Begriffe erklären
Lernziel laut RahmenplanTeilgebiete der Statistik unterscheiden, Anwendungsgebiete einordnen, Daten tabellarisch aufbereiten, digitale Werkzeuge kennen
Empfohlene LernprioritätSehr hoch
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind Statistik-Grundlagen wichtig?

Eine einzelne Zahl sagt wenig. Drei Störungen in einer Schicht können viel oder wenig sein. Erst der Vergleich mit vielen Schichten zeigt, was normal ist und was auffällt.

Die Auswertung hilft dir dabei,

  • große Datenmengen auf wenige Kennwerte zu verdichten,
  • Schwankungen von echten Veränderungen zu unterscheiden,
  • aus einer Stichprobe auf das Ganze zu schließen,
  • Entscheidungen mit Zahlen zu begründen,
  • Ergebnisse so aufzubereiten, dass andere sie verstehen.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.4 Technische Unterlagen, Statistiken und Diagramme
└── 3.4.2 Statistiken und Tabellen
├── Teilgebiete der Statistik
├── Anwendungsgebiete der Statistik
├── Betriebliche Kennzahlen
├── Tabellarische Aufbereitung der Daten
└── Digitalisierung der Statistiken und Tabellen

Diese Seite behandelt die Teilgebiete, die Anwendungsgebiete, die Grundbegriffe und die Aufbereitung in Tabellen. Die betrieblichen Kennzahlen mit Quoten, Index und Kumulieren stehen auf der Seite Prozentrechnung, Kennzahlen und Indexrechnung.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hohe Prüfungsrelevanz

Das Thema gehört in der Prüfungsanalyse zur Gruppe „Statistik, Korrelation, Diagramme auswerten“. Diese Gruppe kam in 8 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 14 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Die Fragen bringen zwischen 2 und 15 Punkten.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • aus einer Häufigkeitstabelle die kumulierten prozentualen Häufigkeiten zu berechnen,
  • eine Aussage zu erläutern, die sich aus kumulierten Häufigkeiten ablesen lässt,
  • Diagrammarten zu beschreiben, die sich für eine Häufigkeitsverteilung eignen,
  • einen Mittelwert aus einer Gesamtsumme und einer Gesamtzahl zu berechnen,
  • die Entwicklung zu deuten, die in einer Tabelle sichtbar wird.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • die drei Teilgebiete unterscheiden,
  • Anwendungen aus Technik und Organisation einordnen,
  • Grundgesamtheit, Stichprobe, Merkmal und Häufigkeit erklären,
  • aus einer Urliste eine Häufigkeitstabelle aufbauen,
  • Mittelwert, Median, Modalwert und Spannweite bestimmen,
  • eine Tabelle sauber aufbereiten und digitale Werkzeuge nennen.

Teilgebiete der Statistik

Der Rahmenplan verlangt, drei Teilgebiete zu unterscheiden.

TeilgebietAufgabeBeispiel im Betrieb
Deskriptiv (beschreibend)erhobene Daten ordnen, verdichten und darstellenStörungen je Schicht in einer Tabelle zusammenfassen und den Mittelwert bilden
Induktiv (schließend)von einer Stichprobe auf die Grundgesamtheit schließen80 Teile prüfen und daraus die Qualität der ganzen Lieferung beurteilen
Explorativ (erkundend)in vorhandenen Daten nach Mustern und Zusammenhängen suchenMaschinendaten durchsuchen, ob Ausschuss und Hallentemperatur zusammenhängen

Die deskriptive Statistik sagt nur etwas über die Daten, die wirklich erhoben wurden. Die induktive geht darüber hinaus. Ihre Aussagen sind deshalb nie ganz sicher, sondern gelten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Die explorative liefert Vermutungen, die danach gezielt geprüft werden.

Anwendungsgebiete der Statistik

BereichAnwendungTypische Frage
Technik: QualitätssicherungStichprobenprüfung, Auswertung von MessreihenLiegt das Maß innerhalb der Toleranz?
Technik: FertigungÜberwachung von Prozessen, Auswertung des AusschussesLäuft der Prozess stabil?
Technik: InstandhaltungAuswertung von Störungen und AusfällenWelche Anlage fällt am häufigsten aus?
Organisation: PersonalFehlzeiten, Altersstruktur, ÜberstundenWie entwickelt sich der Krankenstand?
Organisation: ArbeitssicherheitAuswertung der UnfälleIn welchem Bereich häufen sich Unfälle?
Organisation: Lager und LogistikBestände, Durchlaufzeiten, LiefertreueWie lange liegt ein Auftrag im Mittel?

Grundbegriffe der Statistik

BegriffBedeutungBeispiel
Grundgesamtheitalle Einheiten, über die etwas ausgesagt werden sollalle 4.000 Teile einer Lieferung
Stichprobeausgewählter Teil der Grundgesamtheit80 geprüfte Teile
Merkmalsträgerdie einzelne untersuchte Einheitein Teil, eine Schicht
Merkmaldie Eigenschaft, die erfasst wirdDurchmesser, Zahl der Störungen
Merkmalsausprägungder einzelne beobachtete Wert20,01 mm, 3 Störungen
Urlistedie Werte in der Reihenfolge der Erfassung2, 1, 3, 0, 2 …
Absolute Häufigkeitwie oft ein Wert vorkommt6 Schichten mit 2 Störungen
Relative HäufigkeitAnteil an der Gesamtzahl6 von 20 Schichten, also 30 %

Werden alle Einheiten untersucht, ist das eine Vollerhebung. Eine Stichprobe spart Zeit und Kosten. Sie muss aber zufällig gezogen und groß genug sein, sonst ist der Schluss auf das Ganze nicht zulässig.

Merkmale sind entweder qualitativ, zum Beispiel die Fehlerart, oder quantitativ. Quantitative Merkmale werden gezählt (Zahl der Störungen) oder gemessen (Durchmesser).

Beispiel: Von der Urliste zur Häufigkeitstabelle

An einer Verpackungsanlage wurden in 20 Schichten die Störungen gezählt. Die Urliste lautet:

2, 1, 3, 0, 2, 4, 1, 2, 3, 1, 5, 2, 0, 3, 1, 2, 4, 1, 3, 2

So ist die Reihe unübersichtlich. Du zählst deshalb aus, wie oft jeder Wert vorkommt, am besten mit einer Strichliste.

Störungen je SchichtAbsolute HäufigkeitRelative Häufigkeit in %Kumulierte Häufigkeit in %
021010
152535
263065
342085
421095
515100
Summe20100–

Die Formel für die relative Häufigkeit:

Relative Häufigkeit in % = absolute Häufigkeit : Anzahl aller Werte × 100 %

Für den Wert 2 heißt das: 6 : 20 × 100 % = 30 %. Die kumulierte Häufigkeit zählt alle Anteile bis zu dieser Zeile zusammen: 10 % + 25 % + 30 % = 65 %. In 65 % der Schichten gab es also höchstens zwei Störungen.

Mittelwert, Median, Modalwert und Spannweite

Vier Kennwerte fassen die Verteilung zusammen.

KennwertBedeutungIm BeispielErgebnis
Mittelwert (arithmetisches Mittel)Summe aller Werte geteilt durch ihre Anzahl42 : 202,1
Median (Zentralwert)Wert in der Mitte der geordneten Reihe10. und 11. Wert sind beide 22
Modalwert (häufigster Wert)Wert mit der größten Häufigkeitdie 2 kommt sechsmal vor2
Spannweitegrößter Wert minus kleinster Wert5 − 05

Den Mittelwert berechnest du schnell aus der Häufigkeitstabelle: (0 × 2 + 1 × 5 + 2 × 6 + 3 × 4 + 4 × 2 + 5 × 1) : 20 = 42 : 20 = 2,1 Störungen je Schicht.

Für den Median ordnest du die Werte nach der Größe. Bei einer ungeraden Anzahl ist es der mittlere Wert. Bei einer geraden Anzahl ist es der Mittelwert der beiden mittleren Werte.

Mittelwert, Median und Modalwert beschreiben die Lage der Werte. Die Spannweite beschreibt ihre Streuung. Sie hängt nur von den beiden äußersten Werten ab.

Mittelwert oder Median?

Der Mittelwert reagiert stark auf Ausreißer. Angenommen, in der schlechtesten Schicht wären es 25 statt 5 Störungen gewesen. Dann steigt der Mittelwert von 2,1 auf 3,1. Der Median bleibt bei 2. Bei einzelnen extremen Werten beschreibt der Median die typische Schicht deshalb besser.

Daten in Tabellen aufbereiten

Eine Tabelle soll ohne Rückfrage verständlich sein. Dazu gehören:

  • Überschrift: Was wurde wo und in welchem Zeitraum erfasst?
  • Kopfzeile: Jede Spalte hat eine Bezeichnung und eine Einheit.
  • Vorspalte: Die erste Spalte nennt, wofür die Zeile steht.
  • Einheitliche Zahlen: gleiche Zahl von Nachkommastellen, rechtsbündig untereinander.
  • Summenzeile: Sie erlaubt die Probe, zum Beispiel 100 %.
  • Quelle und Stand: Woher stammen die Daten, von wann sind sie?

Der Rahmenplan nennt dazu drei Stichworte: Daten, Kennzahlen und Schlussfolgerungen. Im Beispiel sind die Daten die 20 Zählwerte. Die Kennzahlen sind Häufigkeiten und Kennwerte. Eine Schlussfolgerung könnte lauten: In drei Schichten, also in 15 %, gab es vier oder mehr Störungen. Diese Schichten werden zuerst untersucht.

Auswertungen und Tabellen digital erstellen

WerkzeugStärkeBeispiel
Tabellenkalkulationrechnet mit Formeln, sortiert, filtert und erzeugt DiagrammeStörungsliste mit Mittelwert und Häufigkeiten
Datenbankspeichert große Datenmengen geordnet, Auswertung über AbfragenBetriebsdaten aller Anlagen über mehrere Jahre
Dashboardzeigt aktuelle Kennzahlen auf einen BlickBildschirm mit Stückzahl, Ausschuss und Störungen je Schicht
Weitere SoftwareAuswertungen aus ERP-System, Betriebsdatenerfassung oder AuswertungsprogrammQualitätsbericht aus der Messdatenerfassung

Die Software nimmt dir das Rechnen ab, nicht das Prüfen. Falsch erfasste Daten, ein falsch markierter Bereich oder eine fehlerhafte Formel führen zu sauber aussehenden, aber falschen Ergebnissen. Wie Daten erfasst werden, steht auf der Seite Datenerfassung und Datenverarbeitung.

Typische Fehler

  • Stichprobe und Grundgesamtheit werden verwechselt.
  • Aus einer zu kleinen oder nicht zufälligen Stichprobe wird auf das Ganze geschlossen.
  • Der Median wird aus der ungeordneten Urliste abgelesen.
  • Absolute und relative Häufigkeit werden vermischt.
  • Der Mittelwert wird genannt, obwohl einzelne Ausreißer ihn verzerren.
  • In der Tabelle fehlen Einheiten, Summenzeile oder Zeitraum.

Praxisbeispiel

Im Wareneingang trifft eine Lieferung mit 4.000 Dichtringen ein. Der Industriemeister lässt nach dem Prüfplan eine Stichprobe von 80 Ringen ziehen und den Innendurchmesser messen.

Die Lieferung ist die Grundgesamtheit, die 80 Ringe sind die Stichprobe, der Innendurchmesser ist das Merkmal. Die Messwerte werden in eine Tabellenkalkulation eingetragen. Der Mittelwert liegt nahe am Sollmaß. Drei Ringe liegen aber außerhalb der Toleranz. Das sind 3,75 % der Stichprobe.

Bis hierher wurde nur beschrieben. Der nächste Schritt ist ein Schluss auf alle 4.000 Ringe. Der Prüfplan des Betriebs legt fest, bis zu wie vielen fehlerhaften Teilen in der Stichprobe eine Lieferung angenommen wird. Diese Grenze ist hier überschritten. Der Industriemeister sperrt die Lieferung und informiert den Einkauf.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Unterscheiden Sie deskriptive, induktive und explorative Statistik.
  • Nennen Sie je zwei statistische Anwendungen aus Technik und Organisation.
  • Erläutern Sie den Unterschied zwischen Grundgesamtheit und Stichprobe.
  • Berechnen Sie die relativen und die kumulierten Häufigkeiten und stellen Sie sie tabellarisch dar.
  • Berechnen Sie den Mittelwert der erfassten Störungen je Schicht.
  • Erläutern Sie eine Aussage, die Sie aus den kumulierten Häufigkeiten ableiten können.
  • Beschreiben Sie zwei digitale Werkzeuge, mit denen sich Daten statistisch aufbereiten lassen.

Verwandte Themen

Die Statistik-Grundlagen gehören zum Themenbereich Technische Unterlagen, Statistiken und Diagramme.

Technische Unterlagen, Statistiken und Diagramme

Weitere Themen dieses Themenbereichs

Passt auch dazu

Rechtsgrundlage

Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Statistik macht aus vielen Einzelwerten wenige belastbare Aussagen. Die deskriptive Statistik beschreibt, die induktive schließt von der Stichprobe auf das Ganze, die explorative sucht nach Mustern.

Für die Prüfung solltest du die drei Teilgebiete unterscheiden, aus einer Urliste eine Häufigkeitstabelle mit relativen und kumulierten Häufigkeiten aufbauen und Mittelwert, Median, Modalwert und Spannweite bestimmen können.