Betrieblichen Ausbildungsplan erstellen (AEVO 2.1)

Der Ausbildungsrahmenplan sagt, was ein Auszubildender lernen muss. Der betriebliche Ausbildungsplan sagt, wann, wo und bei wem er es in deinem Betrieb lernt. Er ist das wichtigste Planungswerkzeug des Ausbilders und Pflichtbestandteil jedes Ausbildungsvertrags. Das Thema gehört zum Handlungsfeld 2 „Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken“ der Ausbildereignungsprüfung (AEVO) und steht im Rahmenplan unter der Nummer 2.1.

Auf dieser Seite gehe ich die acht Punkte dieses Kompetenzbereichs durch: Ziele und Inhalte, den Bezug zu den Arbeits- und Geschäftsprozessen, das Erstellen, die Lernorte, die Nachhaltigkeit und das Prüfen, Überwachen und Anpassen.

📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungAusbildereignungsprüfung nach AEVO
Handlungsfeld2 – Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken (25 von 115 Unterrichtseinheiten im Rahmenplan)
Kompetenzbereich2.1 – Auf der Grundlage einer Ausbildungsordnung einen betrieblichen Ausbildungsplan erstellen, der sich insbesondere an berufstypischen Arbeits- und Geschäftsprozessen orientiert
Schriftliche PrüfungSehr häufig: Unterschied zum Ausbildungsrahmenplan, Inhalte und Schritte der Erstellung, sachliche und zeitliche Gliederung, Lernorte
Praktische PrüfungHoch: Deine Ausbildungssituation muss sich aus dem Plan ableiten lassen. Der Prüfungsausschuss fragt danach.
Gilt fürAlle angehenden Ausbilder, unabhängig von Beruf und Branche

Warum ist der Ausbildungsplan so wichtig?

Ohne Plan wird Ausbildung zum Zufall. Der Auszubildende lernt dann, was gerade anfällt, und kurz vor der Prüfung fehlen ganze Bereiche. Mit einem guten Plan weiß jeder, was als Nächstes dran ist: der Auszubildende, die Fachabteilungen und du.

Dazu kommt die rechtliche Seite. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) verpflichtet den Ausbildenden, planmäßig sowie zeitlich und sachlich gegliedert auszubilden. Die sachliche und zeitliche Gliederung gehört in die Vertragsniederschrift, und die Kammer sieht sie bei der Eintragung des Vertrags.

Was lernst du auf dieser Seite?

  • wozu der betriebliche Plan dient und was er enthält
  • wie sich sachliche und zeitliche Gliederung unterscheiden
  • wie du die Inhalte an Arbeits- und Geschäftsprozessen ausrichtest
  • wie du den Plan in sechs Schritten erstellst und an einzelne Auszubildende anpasst
  • welche Lernorte es gibt und wofür sie sich eignen
  • wie du die Umsetzung überwachst und den Plan anpasst

1. Ziele und Inhalte des betrieblichen Ausbildungsplans

Drei Pläne bauen aufeinander auf:

PlanWer erstellt ihn?Was regelt er?
Ausbildungsrahmenplander Verordnungsgeber, als Teil der Ausbildungsordnungdie Inhalte des Berufs mit zeitlichen Richtwerten, für alle Betriebe gleich
Betrieblicher Ausbildungsplander Ausbildende, in der Praxis der Ausbilderdie Umsetzung im eigenen Betrieb: was, wann, wo, bei wem
Versetzungsplander Ausbilderwelcher Auszubildende in welcher Woche in welcher Abteilung ist

Der betriebliche Plan beantwortet für jeden Abschnitt vier Fragen:

  • Was? Welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten aus dem Ausbildungsrahmenplan werden vermittelt?
  • Wann? In welchem Ausbildungsjahr, in welchen Wochen und wie lange?
  • Wo? In welcher Abteilung, an welchem Arbeitsplatz oder an welchem anderen Lernort?
  • Wer? Welche Fachkraft ist dort verantwortlich?

Dazu kommen feste Termine: Berufsschulzeiten, überbetriebliche Lehrgänge, Urlaub, Zwischen- und Abschlussprüfung. Hat der Beruf Fachrichtungen, Schwerpunkte, Wahlqualifikationen oder Einsatzgebiete, legst du im Plan fest, welche davon im Betrieb vermittelt werden. Auch Zusatzqualifikationen gehören hinein.

2. Sachliche und zeitliche Gliederung an den Arbeitsprozessen ausrichten

GliederungFrageGrundsatz
SachlichWas gehört zusammen, und was baut worauf auf?vom Einfachen zum Schwierigen, vom Bekannten zum Neuen, Grundlagen vor Spezialwissen
ZeitlichWann und wie lange?Zeitrichtwerte des Ausbildungsrahmenplans beachten; was vor der Zwischenprüfung oder vor Teil 1 der Abschlussprüfung geprüft wird, muss vorher vermittelt sein

Der Rahmenplan verlangt, dass sich der Plan an berufstypischen Arbeits- und Geschäftsprozessen orientiert. Gemeint ist: Du vermittelst die Inhalte nicht als lose Liste, sondern entlang echter Aufträge. Am Beispiel eines Transportauftrags:

  1. Auftrag annehmen und Unterlagen prüfen
  2. Tour planen
  3. Fahrzeug übernehmen und Abfahrtkontrolle durchführen
  4. Laden und Ladung sichern
  5. Transport durchführen
  6. Entladen und Übergabe an den Kunden
  7. Dokumentation und Abrechnung

Zu jedem Schritt gehören Berufsbildpositionen aus dem Ausbildungsrahmenplan. Wenn du sie den Prozessschritten zuordnest, erlebt der Auszubildende die Zusammenhänge und lernt früh, vollständige Aufträge zu bearbeiten. Daraus leitest du später die einzelnen Lernziele und Arbeitsaufgaben ab.

3. Den Plan erstellen und an den Auszubildenden anpassen

  1. Ausbildungsrahmenplan auswerten: Welche Inhalte sind in welchem Zeitraum zu vermitteln?
  2. Lernorte zuordnen: In welcher Abteilung, an welchem Arbeitsplatz oder bei welchem Partner kann der Inhalt vermittelt werden?
  3. Zeiträume festlegen: Reihenfolge und Dauer der Abschnitte, abgestimmt auf Berufsschule, Urlaub, Prüfungen und betriebliche Spitzenzeiten.
  4. Verantwortliche benennen: Für jeden Abschnitt eine ausbildende Fachkraft.
  5. Mit den Beteiligten abstimmen: Fachabteilungen, Betriebsrat und Berufsschule.
  6. Dem Auszubildenden aushändigen und erläutern: Er soll wissen, was ihn erwartet.

Ein Auszug aus einem Plan kann so aussehen:

ZeitraumLernortInhalteVerantwortlich
Woche 1 bis 4FuhrparkBetrieb kennenlernen, Arbeitssicherheit, Fahrzeugpflege, AbfahrtkontrolleFuhrparkleiter
Woche 5 bis 12LagerGüter annehmen, lagern, verladen, LadungssicherungLagermeister
Woche 13 bis 16BerufsschuleBlockunterricht–
Woche 17 bis 24DispositionTourenplanung, Frachtpapiere, Lenk- und RuhezeitenDisponent

Individuelle Voraussetzungen berücksichtigen

  • Verkürzte Ausbildungsdauer: Die Inhalte müssen in kürzerer Zeit untergebracht werden.
  • Teilzeitausbildung: Die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit ist geringer, die Dauer entsprechend länger.
  • Alter: Für Minderjährige gelten das Jugendarbeitsschutzgesetz und Beschäftigungsverbote für gefährliche Arbeiten.
  • Vorkenntnisse und Lerntempo: Wer schneller lernt, bekommt früher anspruchsvollere Aufgaben, wer länger braucht, mehr Übungszeit.
  • Arbeitsschutz: Die Unterweisung steht am Anfang jedes neuen Abschnitts.

In der Probezeit sollte der Auszubildende mehrere Bereiche kennenlernen. So kannst du seine Eignung beurteilen, und er sieht, ob der Beruf zu ihm passt.

4. Lernorte und ihre Rahmenbedingungen

LernortKennzeichenGeeignet für
ArbeitsplatzLernen im echten ArbeitsablaufAnwenden, Üben, Routine gewinnen
Lerneckeruhiger Platz in der Nähe des ArbeitsplatzesVor- und Nachbereiten, Selbstlernen
LerninselLernplatz mitten im Arbeitsbereich mit echten Aufträgen und mehr ZeitGruppenarbeit, vollständige Aufträge
Ausbildungswerkstattvom Betriebsablauf getrennt, mit hauptberuflichen AusbildernGrundfertigkeiten, systematisches Üben ohne Zeitdruck
BerufsschuleUnterricht nach Lehrplan des LandesFachtheorie, Allgemeinbildung
KooperationspartnerVerbundbetrieb, überbetriebliche Bildungsstätte, FahrschuleInhalte, die der eigene Betrieb nicht abdeckt
Digitale und mobile LernorteLernplattform, Online-Seminar, mobiles AusbildenWissensvermittlung, Wiederholung, Prüfungsvorbereitung

Seit August 2024 erlaubt das BBiG ausdrücklich, Ausbildungsinhalte in angemessenem Umfang auch digital und mobil zu vermitteln. Voraussetzung ist, dass sich Inhalt und Ort dafür eignen und die Vermittlung nicht schlechter ist als im Betrieb. Die nötige Hard- und Software stellt der Betrieb kostenlos.

5. Nachhaltigkeit im Plan verankern

Alle neuen und modernisierten Ausbildungsordnungen enthalten seit August 2021 vier Standardberufsbildpositionen, die während der gesamten Ausbildung zu vermitteln sind:

  • Organisation des Ausbildungsbetriebes, Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht
  • Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
  • Umweltschutz und Nachhaltigkeit
  • Digitalisierte Arbeitswelt

Plane diese Inhalte nicht als einmalige Belehrung ein, sondern ordne sie den Abschnitten zu, in denen sie vorkommen: kraftstoffsparendes Fahren bei der Tourenpraxis, Abfalltrennung in der Werkstatt, Datenschutz in der Disposition.

6. Durchführbarkeit prüfen, Umsetzung überwachen, Plan anpassen

Ein Plan ist nur so gut wie seine Umsetzung. Drei Aufgaben gehören zusammen:

  • Vorher prüfen: Besprich den Entwurf mit den ausbildenden Fachkräften. Können sie die Inhalte in der vorgesehenen Zeit vermitteln? Sind genug Arbeitsplätze frei?
  • Laufend überwachen: Vergleiche Soll und Ist. Dafür nutzt du den Ausbildungsnachweis, Rückmeldungen der Fachkräfte, Beurteilungen und Gespräche mit dem Auszubildenden.
  • Anpassen: Bei Krankheit, veränderter Auftragslage, neuer Technik, einer neuen Ausbildungsordnung oder wenn der Auszubildende schneller oder langsamer lernt, änderst du den Plan. Wesentliche Änderungen stimmst du mit den Beteiligten ab.

Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr

Eine Spedition stellt zwei Auszubildende zum Berufskraftfahrer ein. Einer ist 17 Jahre alt, der andere 19 und hat bereits den Führerschein der Klasse B.

Der Fuhrparkleiter nimmt den Ausbildungsrahmenplan und ordnet die Inhalte den Bereichen des Betriebs zu: Fuhrpark, Lager, Disposition, Touren im Nah- und Fernverkehr, dazu die Vertragswerkstatt und die Fahrschule als externe Lernorte. Das erste Jahr beginnt für beide mit Arbeitssicherheit, Fahrzeugpflege, Ladungssicherung und Mitfahrten.

Dann passt er an: Der 19-Jährige beginnt früher mit der Fahrausbildung und fährt eher eigene Touren. Für den 17-Jährigen plant er die Fahrschule später ein und legt Lager und Disposition nach vorn. Die Blockzeiten der Berufsschule und die Hochsaison vor Weihnachten trägt er als feste Größen ein. Den Entwurf bespricht er mit Disponent und Lagermeister, bevor er ihn dem Betriebsrat vorlegt.

🏭 So sieht das in der Fertigung aus

Ein Maschinenbauer plant die Ausbildung seiner Industriemechaniker entlang eines Kundenauftrags: Zeichnung lesen, Teile fertigen, Baugruppe montieren, prüfen, ausliefern. Die Grundfertigkeiten lernen die Auszubildenden im ersten Halbjahr in der Ausbildungswerkstatt, danach durchlaufen sie die Abteilungen nach einem Versetzungsplan. Als eine neue Fräsmaschine kommt, verschiebt die Ausbilderin den Abschnitt Fräsen um acht Wochen, damit die Auszubildenden gleich an der neuen Anlage lernen.

Typische Prüfungsfragen mit Antworten

Worin unterscheiden sich Ausbildungsrahmenplan und betrieblicher Ausbildungsplan?

Der Ausbildungsrahmenplan ist Teil der Ausbildungsordnung und gilt für alle Betriebe. Der betriebliche Plan überträgt ihn auf den einzelnen Betrieb und legt fest, was wann, wo und bei wem vermittelt wird. Ihn erstellt der Ausbildende.

Was enthält ein betrieblicher Ausbildungsplan?

Die Ausbildungsinhalte, ihre zeitliche Abfolge und Dauer, die Lernorte und die verantwortlichen Personen. Dazu kommen Berufsschulzeiten, überbetriebliche Maßnahmen, Urlaub und Prüfungstermine.

Was bedeutet sachliche und zeitliche Gliederung?

Die sachliche Gliederung ordnet die Inhalte nach Zusammengehörigkeit und Schwierigkeit. Die zeitliche Gliederung legt fest, wann und wie lange sie vermittelt werden.

Wie gehst du beim Erstellen vor?

Du wertest den Ausbildungsrahmenplan aus, ordnest die Inhalte den Lernorten zu, legst Reihenfolge und Zeiträume fest, benennst Verantwortliche, stimmst den Entwurf mit Fachabteilungen und Betriebsrat ab und erläuterst ihn dem Auszubildenden.

Was ist der Unterschied zwischen Lernecke und Lerninsel?

Die Lernecke ist ein ruhiger Platz in Arbeitsplatznähe zum Vor- und Nachbereiten. Die Lerninsel liegt mitten im Arbeitsbereich. Dort bearbeiten Auszubildende echte Aufträge, haben aber mehr Zeit und Lernmittel als am normalen Arbeitsplatz.

Wann musst du den Plan ändern?

Wenn Soll und Ist auseinanderlaufen, zum Beispiel durch längere Krankheit, Verkürzung oder Verlängerung der Ausbildung, geänderte Abläufe im Betrieb, neue Technik oder eine neue Ausbildungsordnung.

Übungsaufgabe

Eine Auszubildende zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung hat Abitur. Die Ausbildungsdauer wurde von drei auf zweieinhalb Jahre verkürzt. Die Berufsschule findet in Blöcken statt, und im vierten Quartal ist in deinem Betrieb Hochsaison. Beschreibe, wie du den betrieblichen Plan für sie erstellst und worauf du besonders achtest.

Lösungsvorschlag

  • Grundlage: Ausbildungsrahmenplan auswerten und alle Inhalte auf zweieinhalb Jahre verteilen. Gestrichen wird nichts, einzelne Abschnitte werden kürzer.
  • Feste Termine: Schulblöcke, Urlaub und Prüfungen zuerst eintragen. Wegen der Verkürzung liegt die Abschlussprüfung ein halbes Jahr früher.
  • Reihenfolge: Grundlagen zuerst. Abschnitte, die viel Betreuung brauchen, nicht in die Hochsaison legen. In der Hochsaison kann sie in einer Abteilung arbeiten, die sie schon kennt.
  • Lernorte und Verantwortliche: Für jede Abteilung eine Fachkraft benennen und die Zeiten im Versetzungsplan abstimmen.
  • Abstimmung: Entwurf mit den Abteilungen und dem Betriebsrat besprechen und der Auszubildenden erläutern.
  • Kontrolle: Nach jedem Abschnitt Soll und Ist vergleichen. Bei einer verkürzten Ausbildung bleibt wenig Zeit zum Nachholen.

Bedeutung für die praktische Prüfung

Deine Ausbildungssituation steht nicht für sich. Im Konzept und im Fachgespräch ordnest du sie ein: Zu welcher Berufsbildposition gehört sie, in welchem Ausbildungsjahr und an welcher Stelle deines betrieblichen Plans steht sie, was hat der Auszubildende vorher gelernt und was folgt danach? Wer diese Einordnung sicher vortragen kann, zeigt dem Prüfungsausschuss, dass er planvoll ausbildet.

Verwandte Themen

➡️ Handlungsfeld 2 – Ausbildung vorbereiten
➡️ Mitbestimmung in der Ausbildung (2.2)
➡️ Lernortkooperation zwischen Betrieb und Berufsschule (2.3)
➡️ Ausbildungsvertrag (2.5)
➡️ Ausbildungsordnung und Ausbildungsberufe (1.4)
➡️ Lernziele formulieren, Lern- und Arbeitsaufgaben entwickeln (3.3)
➡️ Berufsbildungsgesetz (BBiG) im Wortlaut

Fazit

Der betriebliche Plan überträgt den Ausbildungsrahmenplan auf deinen Betrieb: was, wann, wo und bei wem. Er ist sachlich und zeitlich gegliedert, orientiert sich an echten Arbeitsprozessen und berücksichtigt den einzelnen Auszubildenden. Fertig ist er nie. Du überwachst die Umsetzung und passt ihn an, sobald Soll und Ist auseinanderlaufen.