Betriebs- und fertigungstechnische Größen bilden den dritten Qualifikationsinhalt im Prüfungsbereich Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG). Es geht darum, Bewegungen und Belastungen im Betrieb zu berechnen: Wie schnell, wie weit, mit welcher Kraft, mit welcher Arbeit und Leistung, und hält das Bauteil das aus?
Für Industriemeister ist das der Rechenkern der NTG-Prüfung. Fast jede Aufgabe aus diesem Bereich folgt demselben Schema: Werte aus einer betrieblichen Situation ablesen, eine Formel wählen, mit Einheiten einsetzen und das Ergebnis beurteilen.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Prüfungsteil | Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen |
| Prüfungsbereich | Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG) |
| Themenbereich | Betriebs- und fertigungstechnische Größen berechnen |
| Rahmenplan | 5.3 – Berechnen betriebs- und fertigungstechnischer Größen bei Belastungen und Bewegungen |
| Gewichtung | ca. 39 von 100 Punkten |
| Platz in der Prüfung | Aufgaben über die ganze Prüfung verteilt, keine feste Aufgabennummer |
| Prüfungsrelevanz | ⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hoch |
| Art der Prüfung | überwiegend Berechnen mit Formelsammlung, gelegentlich Zeichnen eines Diagramms |
| Datengrundlage | DIHK-Rahmenplan und Auswertung von 37 Originalprüfungen der IHK |
| Vertiefung | Lernbereich in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar) |
Warum sind betriebs- und fertigungstechnische Größen wichtig?
Wer Anlagen betreut, muss einschätzen können, was sie leisten und was sie aushalten. Ein Hubwerk braucht eine bestimmte Leistung, ein Bolzen darf nicht abscheren, ein Fahrzeug braucht einen bestimmten Weg zum Anhalten.
Als Industriemeister stehst du dabei an einer wichtigen Stelle. Du bist selten derjenige, der Bauteile auslegt. Du bist aber derjenige, der
- Angaben auf Typenschildern und in Datenblättern versteht,
- Belastungen und Bewegungen im eigenen Bereich einschätzen kann,
- Überlastungen und Fehlbedienung erkennt und verhindert,
- Entscheidungen zu Wartung und Einsatz mit Zahlen begründet,
- mit Technik, Konstruktion und Instandhaltung auf Augenhöhe spricht.
Genau diese Sicht nimmt auch die IHK-Prüfung ein: rechnen mit Blick auf eine betriebliche Situation.
Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans
Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
└── Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG)
└── 5.3 Berechnen betriebs- und fertigungstechnischer Größen bei Belastungen und Bewegungen
├── 5.3.1 Geradlinige und kreisförmige Bewegungsabläufe
├── 5.3.2 Mechanische Beanspruchungen
│ ├── Kräfte und Momente
│ ├── Arbeit und Energie
│ └── Leistung und Wirkungsgrad
└── 5.3.3 Zug, Druck, Torsion, Biegung, Abscherung und Flächenpressung
Der DIHK-Rahmenplan gliedert den Qualifikationsinhalt in drei Abschnitte. Auf kraftverkehrsmeister.net findest du dazu neun Lernseiten. Die Mechanischen Beanspruchungen (5.3.2) sind der größte Abschnitt und haben vier Seiten, die Bewegungsabläufe zwei und die Beanspruchung von Bauteilen drei.
Prüfungsrelevanz
⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hohe Prüfungsrelevanz
Nach der Auswertung entfallen auf diesen Themenbereich etwa 39 von 100 Punkten. Er ist der umfangreichste Rechenteil der NTG-Prüfung.
Die drei Rahmenplanpunkte kamen so oft vor:
- 5.3.1 Bewegungsabläufe: in 27 von 37 Prüfungen, seit 2020 in 11 von 13, rund 10,3 % der Punkte,
- 5.3.2 Mechanische Beanspruchungen: in 35 von 37 Prüfungen, seit 2020 in 12 von 13, rund 20,5 % der Punkte,
- 5.3.3 Zug, Druck, Scherung und Flächenpressung: in 20 von 37 Prüfungen, seit 2020 in 6 von 13, rund 8,1 % der Punkte.
Die Aufgaben sind fast ausschließlich Rechenaufgaben mit kurzer betrieblicher Situation.
Diese Themen gehören zu den betriebs- und fertigungstechnischen Größen
🚚 Gleichförmige und beschleunigte Bewegung
Hier geht es um Geschwindigkeit, Beschleunigung und freien Fall. Du lernst Weg, Zeit und Geschwindigkeit zu berechnen, den Anhalteweg aus Reaktionsweg und Bremsweg zu bestimmen und ein Geschwindigkeits-Zeit-Diagramm zu lesen.
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🔄 Kreisbewegung
Drehende Teile haben Drehzahl, Winkelgeschwindigkeit und Umfangsgeschwindigkeit. Die Seite zeigt, wie du sie ineinander umrechnest, und behandelt Übersetzung und Schnittgeschwindigkeit.
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⚖️ Kräfte, schiefe Ebene und Reibung
Kräfte zusammensetzen und zerlegen, die Gewichtskraft, die schiefe Ebene und die Reibung bilden den Schwerpunkt des Themenbereichs. Dazu kommen Federkraft, Beschleunigungskraft und Zentrifugalkraft.
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🔧 Drehmoment und Hebel
Eine Kraft am Hebelarm erzeugt ein Moment. Du lernst das Hebelgesetz, das Drehmoment bei Schrauben und Antrieben und den Zusammenhang mit Leistung und Drehzahl.
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🏋️ Mechanische Arbeit und Energie
Wer eine Last hebt oder gegen Reibung schiebt, verrichtet Arbeit. Die Seite behandelt Hubarbeit, Reibungsarbeit, Federarbeit sowie potenzielle und kinetische Energie.
Mehr über mechanische Arbeit und Energie erfahren
⚙️ Mechanische Leistung und Wirkungsgrad
Leistung ist Arbeit je Zeit. Du lernst, Antriebsleistungen zu berechnen, Verluste über den Wirkungsgrad zu erfassen und mechanische mit elektrischer Leistung zu verbinden.
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🔩 Zug- und Druckbeanspruchung
Wie stark wird ein Bauteil belastet, und wie viel darf es aushalten? Du lernst Zug- und Druckspannung, zulässige Spannung und Sicherheitszahl kennen.
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✂️ Abscherung und Flächenpressung
Bolzen, Stifte und Nieten werden quer zur Achse belastet. Die Seite zeigt die Scherspannung und die Flächenpressung und wie du daraus Abmessungen prüfst.
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🌀 Torsion und Biegung
Wellen werden verdreht, Träger werden gebogen. Der Rahmenplan nennt beide Beanspruchungsarten. In den ausgewerteten Prüfungen kamen sie bisher nicht als eigene Aufgabe vor, deshalb genügt hier das Verständnis der Grundlagen.
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Zusammenspiel der Themen
Die neun Themen bauen aufeinander auf. Am einfachsten merkst du dir die Reihenfolge, in der du eine Anlage durchdenkst:
- Bewegen: Wie schnell und wie weit bewegt sich das Teil? Das klärt die Bewegungslehre.
- Kräfte: Welche Kraft wirkt, wenn es beschleunigt, rutscht oder gehoben wird?
- Arbeit und Energie: Wie viel Arbeit wird dabei verrichtet?
- Leistung: Wie schnell geschieht das, und was kostet es an Antriebsleistung?
- Beanspruchung: Welche Spannungen entstehen im Bauteil, und reicht der Querschnitt?
Dieselbe Last taucht also in mehreren Rechnungen auf: erst als Gewichtskraft, dann als Hubarbeit, dann als Antriebsleistung, am Ende als Zugspannung im Seil.

Rolle des Industriemeisters
Der Industriemeister ist Anwender und Verantwortlicher zugleich. In seinem Bereich gehört dazu:
- Betriebsdaten und Angaben von Herstellern richtig lesen,
- Lasten, Wege und Zeiten für Transport und Hub abschätzen,
- zulässige Belastungen beachten und Überlastung verhindern,
- Mitarbeiter über Gefahren durch Bewegung, Kraft und Last unterweisen,
Praxisbeispiel
In einem Lager soll ein Stapler Paletten mit einer Masse von 800 kg auf ein Regal in 2,5 m Höhe heben. Der Industriemeister möchte wissen, welche Arbeit dafür nötig ist.
Er stellt zuerst die Gewichtskraft fest. Dann berechnet er die Hubarbeit. Daraus ergibt sich mit der Hubzeit die Leistung, und mit dem Wirkungsgrad des Antriebs erhält er die aufgenommene Leistung. Im Seil oder in der Kette prüft er zuletzt, ob die Zugspannung im zulässigen Bereich bleibt.
In diesem kleinen Beispiel stecken vier der neun Themen des Themenbereichs.
Bedeutung für die Industriemeisterprüfung
Der Themenbereich ist gut planbar. Die Rechnung bringt Punkte für den Rechenweg: Gegeben, Gesucht, Formel, Einsetzen, Ergebnis mit Einheit.
Ein Beispiel für die Hubarbeit aus dem Praxisbeispiel:
- Gegeben: m = 800 kg, h = 2,5 m, g = 9,81 m/s²
- Gesucht: Hubarbeit W
- Formel: W = m · g · h
- Einsetzen: W = 800 kg · 9,81 m/s² · 2,5 m = 19.620 N · m
- Ergebnis: W = 19.620 J, gerundet 19,6 kJ
Darauf solltest du dich einstellen:
- Rechne alle Größen vor dem Einsetzen in Grundeinheiten um: m, s, kg, N, mm in m.
- Schreibe die Formel auf, bevor du Zahlen einsetzt.
- Prüfe dein Ergebnis auf Plausibilität, zum Beispiel Größenordnung und Einheit.
Verwandte Themen
Betriebs- und fertigungstechnische Größen gehören zum Prüfungsbereich Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten.
Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG)
Die Themen dieses Themenbereichs
- Gleichförmige und beschleunigte Bewegung
- Kreisbewegung
- Kräfte, schiefe Ebene und Reibung
- Drehmoment und Hebel
- Mechanische Arbeit und Energie
- Mechanische Leistung und Wirkungsgrad
- Zug- und Druckbeanspruchung
- Abscherung und Flächenpressung
- Torsion und Biegung
Rechtsgrundlage
Die Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung der jeweiligen Fachrichtung, für Geprüfte Industriemeister Metall zum Beispiel in § 4 Absatz 6.
Prüfungsverordnung Geprüfter Industriemeister Metall, § 4 (Gesetze im Internet)
Fazit
Betriebs- und fertigungstechnische Größen sind der größte Rechenteil der NTG-Prüfung. Der Themenbereich reicht von Bewegung und Kreisbewegung über Kräfte, Moment, Arbeit, Energie und Leistung bis zur Beanspruchung von Bauteilen.
In der Prüfung macht er mit etwa 39 Punkten knapp 40 % der Punkte aus. Wer die Formeln sicher anwendet, Einheiten umrechnet und den Rechenweg sauber aufschreibt, kann hier viele Punkte holen.
