Unternehmensfunktionen
Unternehmen erfüllen unterschiedliche Aufgaben, die ineinandergreifen müssen, damit betriebliche Leistungen wirtschaftlich erbracht werden können. Zu diesen Unternehmensfunktionen gehören beispielsweise Beschaffung, Leistungserstellung, Absatz, Finanzierung und weitere unterstützende Bereiche.
Innerhalb des Prüfungsfachs Betriebswirtschaftliches Handeln (BWH) gehören die Unternehmensfunktionen zum Themenbereich Volkswirtschaft. Für die IHK ist dabei vor allem wichtig, die Hauptfunktionen eines Unternehmens und ihre Zusammenhänge zu verstehen.
Für die Prüfung bedeutet das: Unternehmensfunktionen sollten nicht nur einzeln benannt, sondern als Bestandteile eines zusammenhängenden betrieblichen Prozesses eingeordnet werden können.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Prüfungsteil | Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen |
| Prüfungsbereich | Betriebswirtschaftliches Handeln |
| Themengebiet | Volkswirtschaft |
| Thema | Unternehmensfunktionen |
| Prüfungsrelevanz | ⭐⭐⭐ Mittel |
| Datengrundlage | Rahmenlehrplan, Text-/Übungsbände und ausgewertete Originalprüfungen |
| Prüfungscharakter | überwiegend wissens-, verständnis- und situationsbezogen |
| Rahmenlehrplan | Hauptfunktionen in Unternehmen verstehen |
| Empfohlene Lernpriorität | mittel |
| Vertiefung | ➡️ Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar) |
Eine eigene feste Punktegewichtung gibt es für Unternehmensfunktionen nicht. Der IHK-Richtwert von etwa 15 Punkten gilt für den gesamten übergeordneten Qualifikationsinhalt Volkswirtschaft.
🏭 Warum sind Unternehmensfunktionen wichtig?
Ein Unternehmen kann seine Leistungen nur erbringen, wenn verschiedene betriebliche Aufgaben aufeinander abgestimmt werden.
Material muss beispielsweise beschafft werden, bevor es verarbeitet werden kann. Für die Leistungserstellung werden Mitarbeiter und Betriebsmittel benötigt. Die erzeugten Produkte oder Dienstleistungen müssen anschließend vermarktet und verkauft werden.
Vereinfacht lässt sich dieser Zusammenhang darstellen als:
Beschaffung → Leistungserstellung → Absatz
Diese Kernprozesse werden durch weitere Unternehmensfunktionen unterstützt, beispielsweise durch Finanzierung, Personalwesen oder Verwaltung.
Für Industriemeister ist dieses Zusammenspiel besonders wichtig. Entscheidungen innerhalb eines Unternehmensbereichs können Auswirkungen auf andere Bereiche haben.
Eine Verzögerung in der Beschaffung kann beispielsweise die Produktion beeinträchtigen. Produktionsprobleme können wiederum Liefertermine und damit den Absatz beeinflussen.
📌 Unternehmensfunktionen dürfen deshalb nicht ausschließlich als voneinander getrennte Abteilungen verstanden werden. Entscheidend sind auch die gegenseitigen Abhängigkeiten der betrieblichen Aufgaben.
📘 Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans
Die Unternehmensfunktionen gehören zu den ökonomischen Handlungsprinzipien von Unternehmen.
Innerhalb unseres BWH-Baums ergibt sich folgende Einordnung:
Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
└── Betriebswirtschaftliches Handeln
└── Volkswirtschaft
└── Unternehmensfunktionen
├── Beschaffung
├── Leistungserstellung
├── Absatz
├── Finanzierung
└── unterstützende Unternehmensfunktionen
Der Rahmenlehrplan formuliert für diesen Bereich das Verstehen der Hauptfunktionen in Unternehmen.
Damit liegt der Schwerpunkt nicht nur auf der Kenntnis einzelner Begriffe. Entscheidend ist das Verständnis dafür, welche Aufgaben die Funktionen erfüllen und wie sie miteinander verbunden sind.
🔎 Prüfungsrelevanz
⭐⭐⭐ Mittlere Prüfungsrelevanz
Die Unternehmensfunktionen besitzen eine etwas andere Prüfungscharakteristik als beispielsweise Unternehmensformen.
Während Rechtsformen wiederholt als klar abgegrenzter Aufgabenblock erscheinen, können Unternehmensfunktionen auch indirekt innerhalb anderer betriebswirtschaftlicher Aufgabenstellungen auftreten.
Besonders deutlich wird das bei Fragen zu Unternehmenszusammenschlüssen.
In der Herbstprüfung 2019 sollten beispielsweise Auswirkungen eines horizontalen Unternehmenszusammenschlusses auf Beschaffung, Produktion und Absatz betrachtet werden.
Damit wurden nicht lediglich Konzentrationsformen geprüft. Die Auswirkungen mussten auf unterschiedliche betriebliche Funktionsbereiche übertragen werden.
Genau daraus ergibt sich die Bedeutung des Themas:
Unternehmensfunktion erkennen → Aufgabe der Funktion verstehen → betriebliche Veränderung zuordnen → Auswirkungen ableiten
📌 Die Prüfungsrelevanz darf deshalb nicht ausschließlich danach beurteilt werden, wie oft eine Aufgabe ausdrücklich mit „Unternehmensfunktionen“ überschrieben werden könnte.
Das Wissen kann auch benötigt werden, um andere BWH-Aufgaben vollständig beantworten zu können.
➡️ Zur Prüfungsanalyse Betriebswirtschaftliches Handeln
🎯 Darauf kommt es bei der IHK an
Für die Prüfung solltest du insbesondere verstehen, welche Aufgaben die wesentlichen Unternehmensfunktionen erfüllen und wie diese miteinander zusammenhängen.
Im Mittelpunkt stehen insbesondere:
- Beschaffung
- Leistungserstellung beziehungsweise Produktion
- Absatz
- Finanzierung
- Personal
- unterstützende betriebliche Funktionen
Dabei kann die IHK verlangen, Auswirkungen einer Entscheidung oder Veränderung auf unterschiedliche Unternehmensbereiche zu übertragen.
Ein wichtiger Zusammenhang lautet beispielsweise:
Absatzplanung → Produktionsbedarf → Materialbedarf → Beschaffung
Auch die umgekehrte Richtung ist denkbar:
Beschaffungsproblem → Produktionsstörung → Lieferverzögerung → Auswirkungen auf den Absatz
💡 Für die Prüfung ist deshalb besonders wichtig, betriebliche Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen verschiedenen Unternehmensfunktionen erkennen zu können.
📝 Typische Aufgabenstellungen
Unternehmensfunktionen können direkt oder als Bestandteil einer umfassenderen betrieblichen Situation geprüft werden.
Typische Anforderungen können beispielsweise sein:
- Hauptfunktionen eines Unternehmens zu nennen,
- Aufgaben einer Unternehmensfunktion zu beschreiben,
- betriebliche Tätigkeiten einer Funktion zuzuordnen,
- Zusammenhänge zwischen Unternehmensfunktionen zu erläutern,
- Auswirkungen einer betrieblichen Veränderung auf verschiedene Funktionen darzustellen,
- Folgen eines Unternehmenszusammenschlusses für Beschaffung, Produktion oder Absatz abzuleiten,
- Wechselwirkungen zwischen betrieblichen Bereichen zu beurteilen.
Typische Operatoren sind:
nennen – beschreiben – zuordnen – erklären – erläutern – darstellen – beurteilen
Gerade bei situationsbezogenen Aufgaben sollte nicht nur die jeweilige Funktion genannt werden. Entscheidend ist häufig, welche konkrete Auswirkung sich für diesen Unternehmensbereich ergibt.
🧩 Welche Unternehmensfunktionen solltest du kennen?
📦 Beschaffung
Die Beschaffung stellt die Ressourcen bereit, die ein Unternehmen zur Erfüllung seiner Aufgaben benötigt.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Werkstoffe,
- Betriebsmittel,
- Dienstleistungen,
- Informationen.
Die Beschaffung steht deshalb in enger Verbindung zur Leistungserstellung.
Für die Prüfung ist insbesondere der Zusammenhang wichtig:
Bedarf → Beschaffung → Bereitstellung → Leistungserstellung
Die detaillierte Materialdisposition und Bedarfsplanung wird innerhalb von BWH an anderer Stelle vertieft.
🏭 Leistungserstellung
Die Leistungserstellung bildet einen zentralen Bereich des betrieblichen Wertschöpfungsprozesses.
Hier werden die eingesetzten Produktionsfaktoren kombiniert, um Produkte oder Dienstleistungen zu erzeugen.
Dabei wirken insbesondere zusammen:
Arbeit + Betriebsmittel + Werkstoffe → betriebliche Leistung
Dieser Zusammenhang erklärt gleichzeitig, weshalb die Produktionsfaktoren im BWH-Rahmenplan unmittelbar an die Unternehmensfunktionen anschließen.
📈 Absatz
Der Absatz umfasst die Aktivitäten, mit denen die betrieblichen Leistungen am Markt verwertet werden.
Dazu gehören beispielsweise die Vermarktung und der Verkauf von Produkten beziehungsweise Dienstleistungen.
Zwischen Absatz und Leistungserstellung besteht eine enge Verbindung:
Nachfrage → Absatzplanung → Produktionsplanung → Ressourcenbedarf
Ändert sich die Nachfrage, kann dies deshalb Auswirkungen auf Produktion, Beschaffung und Personalbedarf haben.
💶 Finanzierung
Unternehmen benötigen finanzielle Mittel, um ihre wirtschaftliche Tätigkeit durchführen zu können.
Finanzierung ermöglicht beispielsweise:
- Investitionen,
- Beschaffung von Betriebsmitteln,
- Materialeinkäufe,
- Unternehmenswachstum,
- Überbrückung zeitlicher Unterschiede zwischen Ein- und Auszahlungen.
Für BWH ist insbesondere das Verständnis wichtig, dass wirtschaftliche Entscheidungen häufig auch finanzielle Auswirkungen besitzen.
👥 Personal und unterstützende Funktionen
Auch Mitarbeiter sind für die Leistungserstellung unverzichtbar.
Personalplanung, Verwaltung, Rechnungswesen oder Informationsversorgung unterstützen die betrieblichen Kernprozesse und sorgen dafür, dass das Unternehmen handlungsfähig bleibt.
Für Industriemeister besitzt insbesondere die Verbindung zwischen Personal und Leistungserstellung eine hohe praktische Bedeutung.
Die detaillierte Betrachtung des Produktionsfaktors Arbeit erfolgt deshalb auf einer eigenen Themenseite.
⚠️ Typische Stolperstellen
Unternehmensfunktion und Abteilung sind nicht automatisch dasselbe
Eine Unternehmensfunktion beschreibt zunächst eine betriebliche Aufgabe.
Wie diese Aufgabe organisatorisch auf Abteilungen, Stellen oder andere Organisationseinheiten verteilt wird, ist eine Frage der Aufbauorganisation.
Damit gilt:
Unternehmensfunktion = Was muss im Unternehmen erledigt werden?
Aufbauorganisation = Wer beziehungsweise welche Organisationseinheit übernimmt diese Aufgabe?
Diese Unterscheidung verhindert eine Vermischung von Volkswirtschaft und Organisation.
Unternehmensfunktionen nicht isoliert betrachten
Beschaffung, Produktion und Absatz beeinflussen sich gegenseitig.
Eine Entscheidung in einem Bereich kann deshalb Folgen für mehrere weitere Bereiche haben.
Beschaffung bedeutet nicht nur Materialeinkauf
Je nach Betrachtung benötigt ein Unternehmen unterschiedliche Ressourcen. Beschaffung sollte deshalb nicht automatisch ausschließlich mit Rohstoffen oder Waren gleichgesetzt werden.
Produktion ist nicht in jedem Unternehmen klassische Fertigung
Der Rahmenplan spricht von Hauptfunktionen in Unternehmen. Auch Dienstleistungsunternehmen erbringen Leistungen, obwohl dort möglicherweise kein physisches Produkt hergestellt wird.
Der umfassendere Begriff Leistungserstellung ist deshalb hilfreich.
🔗 Zusammenhänge mit anderen Themen
Unternehmensfunktionen bilden eine wichtige Verbindung zu mehreren weiteren BWH-Themen.
Besonders deutlich ist die Verbindung zu den Produktionsfaktoren:
Beschaffung → Produktionsfaktoren bereitstellen → Leistungserstellung → Absatz
Die folgenden Seiten vertiefen deshalb einzelne Ressourcen:
➡️ Produktionsfaktor Arbeit
➡️ Produktionsfaktor Betriebsmittel
➡️ Werkstoffe und Energie
Auch zur Aufbau- und Ablauforganisation besteht eine wichtige Verbindung:
Unternehmensfunktionen → Aufgaben → Organisationseinheiten → betriebliche Abläufe
Die Unternehmensfunktionen beschreiben damit stärker das Was, während die Organisation unter anderem regelt, wie und durch wen diese Aufgaben erfüllt werden.
🧭 Verwandte Themen
Unternehmensfunktionen gehören zum Themenbereich Volkswirtschaft.
Weitere Themen dieses Themenbereichs
➡️ Unternehmensformen
➡️ Konzentrationsformen
➡️ Internationalisierung und Globalisierung
➡️ Produktionsfaktor Arbeit
➡️ Produktionsfaktor Betriebsmittel
➡️ Werkstoffe und Energie
🎓 Thema vertiefen
Diese Seite zeigt dir, welche Hauptfunktionen eines Unternehmens für BWH wichtig sind und weshalb ihre Zusammenhänge für die IHK-Prüfung relevant sein können.
Für eine sichere Prüfungsvorbereitung musst du anschließend betriebliche Tätigkeiten den richtigen Funktionen zuordnen und Auswirkungen von Veränderungen auf mehrere Unternehmensbereiche übertragen können.
Ausführliche Erklärungen, Beispiele, Übungen und prüfungsnahe Aufgaben stehen später im entsprechenden Lernmodul der KVM-Akademie zur Verfügung.
kraftverkehrsmeister.net → wissen, was von der IHK verlangt wird
KVM-Akademie → verstehen, anwenden und trainieren
➡️ Zur KVM-Akademie
📌 Fazit
Unternehmensfunktionen beschreiben die wesentlichen Aufgabenbereiche, die für die wirtschaftliche Tätigkeit eines Unternehmens notwendig sind.
Für BWH sind insbesondere die Zusammenhänge zwischen Beschaffung, Leistungserstellung, Absatz und den unterstützenden Funktionen wichtig. Die Prüfung kann dieses Wissen sowohl direkt als auch innerhalb komplexerer betrieblicher Situationen verlangen.
Die ausgewertete Prüfungspraxis zeigt beispielsweise, dass Auswirkungen eines Unternehmenszusammenschlusses auf Beschaffung, Produktion und Absatz übertragen werden können.
Für die Prüfung lässt sich der Kern deshalb so zusammenfassen:
Unternehmensfunktion erkennen → Aufgabe verstehen → Zusammenhänge herstellen → betriebliche Auswirkungen ableiten
