Nach der Präsentation oder Durchführung folgt der zweite Teil der praktischen Prüfung: das Fachgespräch. Hier fragt der Prüfungsausschuss nach, warum du es so gemacht hast und nicht anders. Viele Prüflinge bereiten die ersten 15 Minuten bis ins Detail vor und gehen in dieses Gespräch unvorbereitet. Dabei lassen sich die meisten Fragen vorhersehen.
Diese Seite zeigt, was im Fachgespräch geprüft wird, welche Fragen typisch sind und wie du gute Antworten aufbaust. Den Rahmen beschreibt die Seite Praktische Prüfung.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 4 Absatz 3 der Ausbilder-Eignungsverordnung: Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern |
| Zeitpunkt | direkt nach der Präsentation oder Durchführung |
| Dauer | der Rest der insgesamt höchstens 30 Minuten, also meist rund 15 Minuten |
| Ausgangspunkt | deine Ausbildungssituation und dein Konzept |
| Ziel | zeigen, dass du dein Vorgehen begründen und in die Ausbildung einordnen kannst |
Was im Fachgespräch geprüft wird
Das Fachgespräch ist keine zweite schriftliche Prüfung. Die Fragen gehen von deiner Ausbildungssituation aus und entwickeln sich aus dem Gespräch. Du sollst zeigen, dass du die gewählte Situation in den Gesamtzusammenhang der Ausbildung einordnen und dein Vorgehen berufs- und arbeitspädagogisch begründen kannst.
Der Prüfungsausschuss achtet sinngemäß auf diese Punkte:
- Hast du die Ausgangslage und die Aufgabe richtig erfasst?
- Ist dein Ziel klar, und hast du geprüft, ob es erreicht wurde?
- Kennst du Alternativen, und kannst du deine Wahl begründen?
- Stellst du den Bezug zur Ausbildungsordnung und zum Ausbildungsrahmenplan her?
- Passt die Situation in den betrieblichen Ablauf?
- Kennst du den rechtlichen Rahmen, zum Beispiel Berufsbildungsgesetz und Jugendarbeitsschutzgesetz?
Typische Fragen im Fachgespräch und Antworthilfen
Zur Auswahl des Themas
| Frage | Darauf kommt es an |
|---|---|
| Warum haben Sie dieses Thema gewählt? | berufstypisch, steht im Ausbildungsrahmenplan, wichtig für den Betrieb, in 15 Minuten vermittelbar |
| Wo steht das im Ausbildungsrahmenplan? | Berufsbildposition und Ausbildungsjahr nennen können |
| Was hat der Auszubildende vorher gelernt, was kommt danach? | Einordnung in deinen betrieblichen Ausbildungsplan |
| Wird das Thema auch in der Berufsschule behandelt? | Lernfeld nennen, Abstimmung mit der Berufsschule beschreiben |
Zu Lernziel und Lernerfolg
| Frage | Darauf kommt es an |
|---|---|
| Wie lautet Ihr Lernziel? | das Feinlernziel wörtlich nennen können |
| Welche Lernbereiche sprechen Sie an? | Wissen, Können, Einstellung, jeweils mit Beispiel aus deiner Einheit |
| Woran erkennen Sie, dass das Lernziel erreicht ist? | konkrete Lernerfolgskontrolle: selbstständig ausführen, erklären, Kontrollfragen |
| Was tun Sie, wenn der Auszubildende es nicht verstanden hat? | Ursache klären, anders erklären, kleinere Schritte, mehr Übung; siehe Lernschwierigkeiten |
Zu Methode und Medien
| Frage | Darauf kommt es an |
|---|---|
| Warum haben Sie diese Methode gewählt? | Begründung aus Lernziel, Inhalt und Auszubildendem |
| Welche andere Methode wäre möglich gewesen? | eine Alternative nennen und sagen, wann sie besser passt; siehe Ausbildungsmethoden |
| Welche Vor- und Nachteile hat die Vier-Stufen-Methode? | schnell und sicher für Fertigkeiten, aber wenig Selbstständigkeit |
| Warum haben Sie dieses Medium eingesetzt? | Anschaulichkeit, mehrere Sinne, Originalgegenstand vor Abbildung |
Zum Auszubildenden
| Frage | Darauf kommt es an |
|---|---|
| Wie haben Sie den Auszubildenden motiviert? | Praxisbezug, Anknüpfen an Bekanntes, Lob, eigenes Tun; siehe Lernkultur und Feedback |
| Wie hätten Sie reagiert, wenn er einen Fehler gemacht hätte? | ruhig bleiben, selbst finden lassen, bei Gefahr sofort eingreifen |
| Wie gehen Sie mit einem lernschwächeren oder einem besonders starken Auszubildenden um? | Tempo und Schwierigkeit anpassen, zusätzliche Hilfen oder Zusatzaufgaben |
| Was wäre anders, wenn der Auszubildende 16 Jahre alt wäre? | Jugendarbeitsschutz, mehr Anleitung, gefährliche Arbeiten nur unter Aufsicht |
Zum Umfeld und zum Recht
| Frage | Darauf kommt es an |
|---|---|
| Wer ist in Ihrem Betrieb Ausbildender, wer Ausbilder? | Begriffe sauber trennen; siehe Ausbildender und Ausbilder |
| Wer vermittelt diesen Inhalt im Alltag? | Rolle der ausbildenden Fachkräfte und deine Abstimmung mit ihnen |
| Welche Vorschriften zur Arbeitssicherheit gelten hier? | Schutzausrüstung, Unterweisung, Unfallverhütung |
| Wie halten Sie den Lernfortschritt fest? | Ausbildungsnachweis, Beurteilungsbogen, Gespräch |
| Wie bereiten Sie den Auszubildenden auf die Abschlussprüfung vor? | Üben, Wiederholen, Abgleich mit den Prüfungsanforderungen; siehe Prüfungsvorbereitung |
Zur Selbsteinschätzung
| Frage | Darauf kommt es an |
|---|---|
| Wie beurteilen Sie Ihre Präsentation oder Durchführung? | ehrlich und sachlich: was gut lief, was du anders machen würdest |
| Sie sind vom Konzept abgewichen. Warum? | auf den Auszubildenden reagiert, Zeit angepasst |
| Was würden Sie beim nächsten Mal ändern? | ein oder zwei konkrete Punkte nennen |
So baust du eine gute Antwort auf
- Direkt antworten: Fang mit der Antwort an, nicht mit einer Einleitung.
- Begründen: ein Satz mit „weil“.
- Auf deine Situation beziehen: „Bei meinem Auszubildenden heißt das …“
- Aufhören: Wer weiterredet, liefert Stoff für neue Fragen.
Beispiel: „Warum die Vier-Stufen-Methode?“ Antwort: „Weil es um eine Fertigkeit geht, bei der Fehler gefährlich sein können. Mein Auszubildender ist im ersten Jahr und hat den Vorgang noch nie gesehen. Deshalb mache ich zuerst vor und lasse ihn dann unter Aufsicht nachmachen. Im dritten Jahr würde ich ihm dieselbe Aufgabe mit einem Leittext geben.“
Wenn du eine Frage nicht beantworten kannst
- Frag nach, wenn du die Frage nicht verstanden hast.
- Denk kurz nach. Drei Sekunden Stille sind kein Fehler.
- Sag, was du weißt, und wie du den Rest klären würdest: „Das würde ich in der Ausbildungsordnung nachlesen“ oder „Dazu würde ich die Ausbildungsberatung der Kammer fragen.“
- Rate nicht bei Rechtsfragen. Eine falsche Zahl wirkt schlechter als ein ehrliches „Das müsste ich nachsehen“.
Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr
Ein Fahrertrainer hat das Niederzurren einer Palette nach der Vier-Stufen-Methode gezeigt. Im Fachgespräch fragt eine Prüferin: „Ihr Auszubildender hat den Gurt beim ersten Versuch verdreht eingelegt. Sie haben sofort eingegriffen. Warum?“
Er antwortet: „Weil ein verdrehter Gurt die Ladung nicht zuverlässig sichert. Bei einem ungefährlichen Fehler hätte ich ihn erst selbst suchen lassen. Hier habe ich gestoppt, ihn gefragt, was ihm auffällt, und er hat es dann selbst gesehen.“ Die nächste Frage lautet, wo das Thema im Ausbildungsrahmenplan steht. Er nennt die Berufsbildposition und das Ausbildungsjahr, weil er beides für sein Konzept nachgeschlagen hat.
Auf eine Frage zur Arbeitszeit von Auszubildenden unter 18 sagt er, dass für Jugendliche das Jugendarbeitsschutzgesetz gilt, nennt die acht Stunden täglich und ergänzt, dass er die Ausnahmen nachlesen würde. Auch das ist eine brauchbare Antwort.
🏭 So sieht das in der Fertigung aus
Eine Ausbilderin hat ein Beurteilungsgespräch präsentiert. Die Prüfer wollen wissen, welche Beurteilungsfehler sie kennt und wie sie sie vermeidet. Sie nennt drei, erklärt, dass in ihrem Betrieb zwei Personen unabhängig beurteilen, und verweist auf den einheitlichen Bogen. Die Frage hatte sie erwartet, weil das Wort „Beurteilung“ in ihrem Thema steht.
Die häufigsten Fehler im Fachgespräch
- Ausweichen: lange reden, ohne die Frage zu beantworten.
- Rechtfertigen statt begründen: „Das haben wir im Lehrgang so gelernt“ ist keine Begründung.
- Keine Alternative kennen: Wer nur eine Methode nennen kann, hat nicht gewählt.
- Das eigene Konzept nicht kennen: Lernziel und Einordnung musst du auswendig wissen.
- Kritik persönlich nehmen: Nachfragen sind kein Angriff, sondern die Gelegenheit, Punkte zu holen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert das Fachgespräch?
Die praktische Prüfung dauert insgesamt höchstens 30 Minuten. Nach bis zu 15 Minuten Präsentation oder Durchführung bleibt für das Gespräch etwa die gleiche Zeit.
Kommen Fragen aus allen Handlungsfeldern?
Ausgangspunkt ist deine Ausbildungssituation. Von dort können sich Fragen zu allen Handlungsfeldern ergeben, soweit sie mit der Situation zusammenhängen.
Wie bereite ich mich am besten vor?
Lies dein Konzept Satz für Satz und frag dich bei jedem: Warum? Lass dich von jemandem befragen, der den Stoff kennt. Übe, in drei bis vier Sätzen zu antworten.
Zählt das Fachgespräch genauso viel wie die Präsentation?
Die Gewichtung legt die Prüfungsordnung der Kammer fest. In jedem Fall hat das Gespräch großes Gewicht, und viele Prüfungen entscheiden sich dort.
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➡️ AEVO-Prüfung im Überblick
➡️ Praktische Prüfung
➡️ Präsentation oder Durchführung
➡️ Konzept für die praktische Prüfung
➡️ Schriftliche Prüfung
➡️ Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) im Wortlaut
Fazit
Im Fachgespräch zeigst du, dass hinter deiner Präsentation oder Durchführung ein Plan steht. Fast alle Fragen lassen sich aus deinem Thema und deinem Konzept ableiten: Auswahl, Einordnung, Lernziel, Methode, Auszubildender, Recht. Bereite zu jedem dieser Punkte eine kurze, begründete Antwort vor. Dann wird aus der Befragung ein Gespräch unter Fachleuten.
