Schriftliche Kommunikation

Schriftliche Kommunikation hält fest, was im Gespräch schnell verloren geht: Beschlüsse, Zahlen, Absprachen und Anweisungen. Das Thema gehört zum Themenbereich Information und Kommunikation im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung.

Als Industriemeister schreibst du jeden Tag: das Protokoll der Schichtbesprechung, den Bericht über eine Störung, die Aktennotiz nach einem Telefonat, die Kurznachricht an die Instandhaltung. Du musst wissen, welches Dokument zu welchem Anlass passt. Und du musst so schreiben, dass der Empfänger dich ohne Rückfrage versteht.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichInformation und Kommunikation
ThemaSchriftliche Kommunikation (Rahmenplan 3.6.2)
Prüfungsrelevanz⭐⭐ Gering
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungMerkmale und Bestandteile nennen, Dokumente einem Zweck zuordnen
Lernziel laut RahmenplanFormen und Anlässe gedruckter und digitaler Dokumente verstehen, Berichte erstellen, Regeln für Gestaltung, Aufbau und Formulierung anwenden, Einsatzmöglichkeiten und Übertragungstechniken kennen
Empfohlene LernprioritätGering
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum ist schriftliche Kommunikation wichtig?

Ein gesprochenes Wort ist nach wenigen Tagen vergessen, oder jeder erinnert sich anders. Ein Schriftstück bleibt. Das hat für den Betrieb mehrere Vorteile:

  • Nachweis: Es lässt sich belegen, was vereinbart, angewiesen oder unterwiesen wurde.
  • Verbindlichkeit: Aufgaben mit Namen und Termin lassen sich nachhalten.
  • Reichweite: Auch die Nachtschicht und abwesende Kollegen erhalten dieselbe Information.
  • Wiederholbarkeit: Der Empfänger kann nachlesen, so oft er will.
  • Genauigkeit: Zahlen, Maße und Termine gehen nicht verloren.

Der Nachteil: Der Leser kann nicht sofort nachfragen, und Tonfall und Körpersprache fehlen. Deshalb muss ein Text für sich allein verständlich sein.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.6 Information und Kommunikation
└── 3.6.2 Schriftliche Kommunikation
├── Formen und Anlässe für gedruckte und digitale Dokumente
├── Berichte
├── Gestaltung, Aufbau, Formulierung
└── Einsatzmöglichkeiten und Übertragungstechniken

Der Rahmenplan verlangt vier Dinge auf unterschiedlichen Stufen: Formen und Anlässe verstehen, Berichte erstellen, Regeln für Gestaltung und Formulierung anwenden und Plattformen für den Austausch kennen. Welche Geräte und Dienste es für die Kommunikation im Betrieb gibt, steht auf der Seite Informations- und Kommunikationsmittel.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐ Geringe Prüfungsrelevanz

Schriftliche Kommunikation mit Protokoll und Bericht kam in 1 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 7 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Die Fragen bringen meist zwischen 4 und 16 Punkten. Als eigene Aufgabe ist das Thema selten geworden. Die Dokumente tauchen aber als Teil anderer Antworten auf, zum Beispiel wenn die Ergebnisse eines Gesprächs gesichert werden sollen.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • Merkmale und Bestandteile von Protokoll und Bericht zu nennen,
  • Dokumente zu nennen, die bei einer Moderation eingesetzt werden, und jedem Dokument einen Zweck zuzuordnen,
  • Unterlagen zu nennen, mit denen eine Fortbildung vorbereitet wird.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • die wichtigsten Dokumente im Betrieb nennen und einem Anlass zuordnen,
  • Verlaufsprotokoll und Ergebnisprotokoll unterscheiden,
  • die Bestandteile eines Protokolls nennen,
  • einen Bericht gliedern und erstellen,
  • Texte verständlich, klar und anschaulich formulieren,
  • Plattformen für den Austausch von Nachrichten und Dokumenten nennen.

Formen und Anlässe: Welches Dokument passt?

Jedes Dokument hat seinen Zweck. Die Tabelle zeigt die Formen, die der Rahmenplan als Beispiele nennt.

DokumentTypischer AnlassKennzeichen
ProtokollBesprechung, Unterweisung, Übergabe, Abnahmehält Verlauf oder Ergebnisse fest und dient als Nachweis
BerichtStörung, Unfall, Projektstand, Monatsabschlussstellt einen Sachverhalt geordnet und sachlich dar
AktennotizTelefonat, mündliche Absprache, Beobachtungkurzer Vermerk, damit ein Vorgang später nachvollziehbar bleibt
Checklistewiederkehrende Abläufe wie Schichtübergabe, Wartung, RüstenPunkte zum Abhaken, damit nichts vergessen wird
Formulargleichartige Vorgänge wie Urlaubsantrag, Unfallmeldung, Materialanforderungfeste Felder für vollständige und vergleichbare Angaben
GeschäftsdokumentVerkehr mit Kunden, Lieferanten und Behörden: Anfrage, Angebot, Bestellung, Lieferschein, Rechnungwirkt nach außen, hat eine feste Form und oft rechtliche Bedeutung
Kurznachrichtschnelle Information per Messenger oder als Notizkurz und wenig förmlich, ungeeignet für Verbindliches und Vertrauliches

Ob ein Dokument gedruckt oder digital vorliegt, hängt vom Einsatz ab. Ein Aushang an der Maschine ist ohne Gerät lesbar. Ein digitales Dokument lässt sich schneller verteilen, durchsuchen und ändern. Dafür braucht es Zugriffsrechte, eine Datensicherung und die Regel, dass nur eine Fassung gilt.

Protokoll: Verlaufsprotokoll und Ergebnisprotokoll

Ein Protokoll gibt wieder, was besprochen und beschlossen wurde. Der Protokollführer schreibt sachlich und ohne eigene Wertung. Im Betrieb kommen zwei Arten vor.

MerkmalVerlaufsprotokollErgebnisprotokoll
InhaltGang der Besprechung mit den wesentlichen Beiträgen und den Ergebnissennur die Ergebnisse: Beschlüsse, Aufgaben, Termine
Umfangausführlichkurz
Aufwandhoch, der Protokollführer schreibt laufend mitgering
Redebeiträgein indirekter Rede, mit Namenentfallen
Geeignet fürVerhandlungen und strittige Themen, bei denen später erkennbar sein muss, wie ein Beschluss zustande kamregelmäßige Besprechungen wie Schicht-, Team- und Projektbesprechung

Im Betriebsalltag ist das Ergebnisprotokoll die Regel. Wird während eines Gesprächs nicht mitgeschrieben, hält man das Wichtigste danach aus der Erinnerung fest. Das nennt man Gedächtnisprotokoll.

Bestandteile eines Protokolls

  • Kopf: Anlass oder Thema, Datum, Beginn und Ende, Ort,
  • Teilnehmer: Anwesende, Abwesende, Leitung und Protokollführer,
  • Tagesordnung: die Punkte in der Reihenfolge der Besprechung,
  • Hauptteil: zu jedem Tagesordnungspunkt das Ergebnis oder der Beschluss,
  • Aufgaben: wer erledigt was bis wann,
  • Schluss: nächster Termin, Anlagen, Verteiler, Unterschriften von Protokollführer und Leitung.

Das Protokoll wird bald nach der Besprechung verteilt. Wer etwas anders in Erinnerung hat, meldet sich.

Beispiel: Ergebnisprotokoll einer Schichtbesprechung

BestandteilEintrag
KopfSchichtbesprechung Montage, Linie 2, am 12. März von 13:45 bis 14:10 Uhr im Meisterbüro Halle 3
TeilnehmerHerr Aydin (Leitung), Frau Brandt, Herr Keller, Frau Nowak (Protokoll). Entschuldigt: Herr Sommer
Tagesordnung1. Ausschuss an Station 4, 2. Unterweisung an der neuen Schraubstation, 3. Urlaubsplanung
Ergebnis zu 1Ursache ist ein verschlissener Greifer. Herr Keller tauscht ihn bis 14. März.
Ergebnis zu 2Alle drei Schichten werden unterwiesen. Herr Aydin legt die Termine bis 19. März fest.
Ergebnis zu 3Die Schichtführer melden die Urlaubswünsche bis 28. März an das Meisterbüro.
SchlussNächste Besprechung am 19. März um 13:45 Uhr. Verteiler: Teilnehmer, Herr Sommer, Betriebsleitung. Unterschriften: Nowak, Aydin

Bericht: Aufbau, Inhalt und Bestandteile

Ein Bericht stellt einen Sachverhalt für jemanden dar, der nicht dabei war. Beispiele sind der Störungsbericht, der Unfallbericht, der Statusbericht im Projekt, der Monatsbericht und der Prüfbericht. Anders als das Protokoll darf er am Ende bewerten und etwas empfehlen. Tatsachen und Bewertung bleiben dabei getrennt.

Ein Bericht hat diese Bestandteile:

  1. Kopf: Titel, Verfasser, Datum, Empfänger.
  2. Anlass: Warum wird berichtet, und was soll der Bericht klären?
  3. Sachverhalt: Was ist wann, wo und wie geschehen, und wer war beteiligt? In zeitlicher oder sachlicher Reihenfolge, mit Zahlen.
  4. Ursachen und Folgen: Was hat dazu geführt, und was hat es bewirkt?
  5. Ergebnis und Bewertung: die Schlussfolgerung des Verfassers.
  6. Maßnahmen: Was ist schon veranlasst, was wird vorgeschlagen, und wer muss entscheiden?
  7. Anlagen: Fotos, Messwerte, Tabellen, Diagramme.

Längere Berichte beginnen mit einer Kurzfassung, damit eilige Leser das Ergebnis sofort finden.

So gehst du vor, wenn du einen Bericht erstellst:

  1. Zweck und Empfänger klären.
  2. Fakten sammeln und prüfen.
  3. Stoff ordnen und gliedern.
  4. Schreiben: sachlich, genau, in ganzen Sätzen.
  5. Zahlen, Namen und Verständlichkeit prüfen.
  6. Verteilen und ablegen.

Gestaltung und Formulierung: verständlich, klar, anschaulich

Der Rahmenplan nennt drei Anforderungen an Texte. Du sollst sie anwenden können.

AnforderungBedeutungSo erreichst du sie
VerständlichkeitDer Leser versteht den Text beim ersten Lesen.kurze Sätze, bekannte Wörter, Fachbegriffe erklären, Abkürzungen ausschreiben
KlarheitJede Aussage ist eindeutig, der Aufbau ist erkennbar.Wichtiges zuerst, ein Gedanke je Satz, Überschriften und Absätze, Tätigkeitswörter statt Hauptwortketten
AnschaulichkeitDer Leser kann sich den Inhalt vorstellen.Beispiele, konkrete Zahlen, Tabellen, Bilder und Diagramme

Ein Beispiel für Klarheit:

  • Unklar: „Die Presse sollte demnächst mal überprüft werden.“
  • Klar: „Herr Keller prüft bis Freitag, 14 Uhr, die Hydraulik der Presse 3.“

Zur Gestaltung gehören außerdem ein aussagekräftiger Betreff, ein einheitlicher Aufbau nach den Vorlagen des Betriebs, sparsame Hervorhebungen und fehlerfreie Rechtschreibung.

Plattformen zum Austausch von Nachrichten und Dokumenten

Der Rahmenplan verlangt, die Einsatzmöglichkeiten und Übertragungstechniken zu kennen.

PlattformGeeignet fürDarauf achten
E-Mailförmliche Nachrichten mit Anhang, auch nach außenklarer Betreff, kleiner Verteiler, Vertrauliches schützen
Messenger und Chatkurze, schnelle Abstimmungnur freigegebene Dienste, nichts Verbindliches
IntranetInformationen für viele: Aushänge, Betriebsanweisungen, FormulareInhalte aktuell halten
Gemeinsames Laufwerk oder Cloud-SpeicherDokumente gemeinsam nutzen und bearbeitenZugriffsrechte, Versionen, Datensicherung
Dokumentenmanagementsystemgelenkte Dokumente mit Prüfung, Freigabe und Archivfeste Abläufe für Änderungen
Plattform für ZusammenarbeitChat, Videokonferenz und Dateiablage für Teams und ProjekteRegeln, wo was abgelegt wird

Für die Übertragung gilt: Ein Link auf die zentral abgelegte Datei ist besser als viele Anhänge, weil es dann nur eine gültige Fassung gibt. Was nicht mehr geändert werden soll, wird als PDF verteilt. Bei wichtigen Informationen wird die Kenntnisnahme dokumentiert. Was dabei für den Schutz der Daten gilt, steht auf der Seite Datensicherheit und Datenschutz.

Typische Fehler

  • Das Protokoll kommt erst nach zwei Wochen.
  • Im Ergebnisprotokoll fehlen bei den Aufgaben Name und Termin.
  • Der Protokollführer bewertet, statt wiederzugeben.
  • Im Bericht sind Tatsachen und Vermutungen vermischt.
  • Eine verbindliche Anweisung wird als Kurznachricht verschickt und geht unter.
  • Mehrere Fassungen einer Datei sind im Umlauf.

Praxisbeispiel

An einer Verpackungsanlage fällt in der Spätschicht die Etikettierung aus. Der Industriemeister nutzt nacheinander vier Dokumente.

Zuerst schickt er der Instandhaltung eine Kurznachricht über den freigegebenen Messenger: Anlage, Fehlerbild, Uhrzeit. Nach dem Telefonat mit dem Hersteller schreibt er eine Aktennotiz: Gesprächspartner, Uhrzeit, zugesagter Liefertermin für das Ersatzteil.

Am nächsten Morgen erstellt er den Störungsbericht für die Betriebsleitung. Er beschreibt den Ablauf in zeitlicher Reihenfolge, nennt die Stillstandszeit von 3 Stunden und die Ursache, einen gebrochenen Sensorhalter. Er schlägt vor, das Teil künftig auf Lager zu halten.

Zum Schluss ergänzt er die Checkliste für die wöchentliche Wartung um den Punkt „Sensorhalter auf Risse prüfen“. Die Änderung steht mit Name und Termin im Ergebnisprotokoll der Schichtbesprechung.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Erläutern Sie den Unterschied zwischen Verlaufsprotokoll und Ergebnisprotokoll.
  • Nennen Sie fünf Bestandteile eines Protokolls.
  • Beschreiben Sie den Aufbau eines Störungsberichts.
  • Ordnen Sie Einladung, Tagesordnung und Protokoll jeweils einen Zweck zu.
  • Beschreiben Sie drei Regeln für verständliche Texte.
  • Begründen Sie, warum die Ergebnisse einer Besprechung schriftlich festgehalten werden.
  • Nennen Sie drei Plattformen, mit denen digitale Dokumente im Betrieb ausgetauscht werden.

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Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Schriftliche Kommunikation macht Absprachen nachweisbar und erreicht auch die, die nicht dabei waren. Das Protokoll gibt wieder, was besprochen und beschlossen wurde. Der Bericht stellt einen Sachverhalt dar und darf bewerten. Aktennotiz, Checkliste, Formular und Kurznachricht ergänzen beide im Alltag.

Für die Prüfung solltest du Verlaufsprotokoll und Ergebnisprotokoll unterscheiden, die Bestandteile von Protokoll und Bericht nennen und jedem Dokument einen Anlass zuordnen können.