Sechs-Stufen-Methode

Die Sechs-Stufen-Methode ist ein festes Vorgehen, mit dem Arbeitsplätze, Abläufe oder ganze Bereiche planmäßig gestaltet und verbessert werden. Sie gehört zum Themenbereich Planungstechniken und Analysemethoden im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Der Rahmenplan nennt sie neben der Netzplan- und Balkenplantechnik als zweite Planungstechnik.

Für Industriemeister ist sie ein Leitfaden für Verbesserungen im eigenen Bereich. Sie verhindert zwei häufige Fehler: sofort die erstbeste Lösung umzusetzen und sich beim Nachdenken nur am heutigen Zustand festzuhalten.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichPlanungstechniken und Analysemethoden
ThemaSechs-Stufen-Methode als Planungstechnik (Rahmenplan 3.2.4)
Prüfungsrelevanz⭐⭐ Gering
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungStufen nennen und beschreiben, Vorgehen auf einen Fall anwenden
Lernziel laut RahmenplanDie Sechs-Stufen-Methode als Planungstechnik umsetzen
Empfohlene LernprioritätGering
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum ist die Sechs-Stufen-Methode wichtig?

Verbesserungen im Betrieb scheitern selten an fehlenden Ideen. Sie scheitern daran, dass das Ziel unklar ist, dass an der falschen Stelle angesetzt wird oder dass niemand nachprüft, ob die Änderung gewirkt hat.

Die sechs Stufen geben dem Vorhaben eine Ordnung:

  • Erst wird geklärt, was erreicht werden soll.
  • Dann wird festgelegt, was zur Aufgabe gehört und was nicht.
  • Lösungen werden zuerst frei gedacht und erst danach an den Daten gemessen.
  • Mehrere Lösungen werden verglichen, bevor entschieden wird.
  • Am Ende steht die Kontrolle, ob das Ziel erreicht ist.

Jede Stufe liefert ein Ergebnis, auf dem die nächste aufbaut. Das macht das Vorgehen für Vorgesetzte, Mitarbeiter und Betriebsrat nachvollziehbar.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.2 Planungstechniken und Analysemethoden
└── 3.2.4 Planungstechniken und Analysemethoden
├── Planungstechniken
│ ├── Einsatz der Netzplan- und Balkenplantechnik
│ └── Sechs-Stufen-Methode
└── Analysemethoden (Ist-Zustand)

Der Rahmenplan verlangt für den Abschnitt die Stufe „umsetzen“ und gibt als Hinweis das Ablaufdiagramm an. Du sollst die Stufen also nicht nur aufzählen, sondern als Ablauf darstellen und auf einen Fall anwenden können.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐ Geringe Prüfungsrelevanz

Die Sechs-Stufen-Methode ist in der Prüfungsanalyse bisher nicht als eigener Schwerpunkt ausgewertet. Die Durchsicht der vorliegenden Prüfungen seit 2020 ergab keine Aufgabe, in der sie ausdrücklich verlangt wurde. Die Einstufung stützt sich deshalb auf den Rahmenplan: Er nennt die Methode ausdrücklich. Sie kann also Gegenstand der Aufgabe 2 werden, auch wenn das zuletzt nicht der Fall war.

Verwandte Leistungen wurden in den ausgewerteten Prüfungen dagegen verlangt, zum Beispiel,

  • Schritte der eigenen Planung und Vorbereitung zu beschreiben, wenn im Meisterbereich eine neue Arbeitsweise eingeführt wird,
  • den Ablauf einer Planungs- oder Analysemethode in fünf Schritten zu beschreiben,
  • Methoden der Ideenfindung vorzuschlagen und die Wahl zu begründen.

Für solche Fragen liefern die sechs Stufen ein Gerüst, an dem du deine Antwort ordnen kannst.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • die sechs Stufen in der richtigen Reihenfolge nennen,
  • zu jeder Stufe die Leitfrage und das Ergebnis beschreiben,
  • erklären, warum die ideale Lösung vor der Datensammlung steht,
  • die Methode auf eine Verbesserung im eigenen Bereich anwenden,
  • typische Fehler vermeiden.

Was ist die Sechs-Stufen-Methode?

Die Methode geht auf den REFA-Verband zurück, der sich mit Arbeitsgestaltung und Betriebsorganisation befasst. Dort heißt sie Sechs-Stufen-Methode der Systemgestaltung. Gestaltet wird ein Arbeitssystem. Das kann ein einzelner Arbeitsplatz sein, eine Maschinengruppe, ein Ablauf wie das Rüsten oder ein ganzer Bereich wie der Wareneingang.

Ein Arbeitssystem wird nach REFA mit sieben Größen beschrieben:

  • Arbeitsaufgabe: Was soll das System leisten?
  • Arbeitsablauf: In welchen Schritten geschieht das?
  • Mensch: Wer arbeitet in dem System?
  • Betriebsmittel: Welche Maschinen, Werkzeuge und Hilfsmittel werden genutzt?
  • Eingabe: Was geht hinein, zum Beispiel Material, Energie und Informationen?
  • Ausgabe: Was kommt heraus, zum Beispiel fertige Teile, Abfall und Daten?
  • Umwelteinflüsse: Was wirkt von außen ein, zum Beispiel Lärm, Klima und Beleuchtung?

Diese Größen helfen in jeder Stufe, nichts zu übersehen.

Die sechs Stufen im Überblick

StufeLeitfrageErgebnis
1. Ziele setzenWas soll bis wann erreicht werden?messbare Ziele
2. Aufgabe abgrenzenWas gehört zur Aufgabe, was nicht?Grenzen, Rahmenbedingungen, Beteiligte
3. Ideale Lösungen suchenWie sähe die beste denkbare Lösung aus?Ideen ohne Rücksicht auf heutige Grenzen
4. Daten sammeln und praktikable Lösungen entwickelnWas ist heute Stand, und was lässt sich davon umsetzen?Ist-Daten und ausgearbeitete Varianten
5. Optimale Lösung auswählenWelche Variante erfüllt die Ziele am besten?begründete Entscheidung
6. Lösung einführen und Zielerfüllung kontrollierenWirkt die Lösung wie geplant?eingeführte Lösung und Soll-Ist-Vergleich

Die Besonderheit liegt in der Reihenfolge von Stufe 3 und Stufe 4. Zuerst wird die ideale Lösung gedacht, erst danach werden Daten gesammelt. Wer mit einer gründlichen Aufnahme des heutigen Zustands beginnt, verbessert meist nur Kleinigkeiten am Bestehenden. Das Ideal dient als Maßstab, an den sich die umsetzbaren Lösungen so weit wie möglich annähern.

Die Stufen im Einzelnen mit Beispiel

Das Beispiel begleitet alle Stufen: An Presse 3 dauert das Rüsten, also das Umstellen auf ein anderes Werkzeug, im Durchschnitt 45 Minuten. Bei vier Rüstvorgängen am Tag steht die Presse 4 × 45 = 180 Minuten still.

Stufe 1: Ziele setzen

Ziele müssen messbar sein und einen Termin haben. Üblich ist die Trennung in Ziele, die erreicht werden müssen, und Ziele, die wünschenswert sind. Neben wirtschaftlichen Zielen wie Kosten, Zeit und Qualität gehören auch Ziele für die Mitarbeiter dazu, etwa geringere körperliche Belastung.

Im Beispiel: Die Rüstzeit soll in drei Monaten von 45 auf höchstens 30 Minuten sinken.

Stufe 2: Aufgabe abgrenzen

Jetzt wird festgelegt, welcher Teil des Betriebs betrachtet wird und welche Bedingungen gelten:

  • Grenzen des betrachteten Systems,
  • Kostenrahmen und Termine,
  • Vorschriften, die einzuhalten sind,
  • Schnittstellen zu anderen Bereichen,
  • Beteiligte und Zuständigkeiten.

Im Beispiel: Betrachtet wird nur der Rüstvorgang an Presse 3. Zur Verfügung stehen höchstens 5.000 Euro. Die Arbeitssicherheit bleibt unverändert. Die Werkzeuge selbst und die Losgrößen sind nicht Gegenstand der Aufgabe.

Stufe 3: Ideale Lösungen suchen

In dieser Stufe wird bewusst ohne Einschränkungen gedacht. Geeignet sind Kreativitätstechniken wie Brainstorming oder der morphologische Kasten. Bewertet wird noch nicht.

Im Beispiel: Ideal wäre Rüsten ohne Stillstand. Daraus entstehen erste Ideen. Alles, was sich vorbereiten lässt, geschieht, während die Presse noch läuft. Das Werkzeug wird mit wenigen Handgriffen gespannt. Das Einstellen entfällt, weil die Werte fest vorgegeben sind.

Stufe 4: Daten sammeln und praktikable Lösungen entwickeln

Erst jetzt wird der heutige Zustand aufgenommen, und zwar gezielt: Gesammelt werden nur die Daten, die für die Ideen aus Stufe 3 gebraucht werden. Typisch sind Zeiten, Mengen, Wege, Kosten und Störungen. Aus Ideal und Daten entstehen mehrere Varianten, die sich tatsächlich umsetzen lassen.

Im Beispiel ergibt die Aufnahme des Rüstvorgangs: 15 Minuten Holen und Suchen, 20 Minuten Wechseln, 10 Minuten Einstellen. Drei Varianten werden ausgearbeitet.

VarianteHolen und SuchenWechselnEinstellenRüstzeitKosten
heute15 min20 min10 min45 minkeine
1: Rüstwagen mit allen Werkzeugen und Hilfsmitteln4 min20 min10 min34 min1.300 Euro
2: Rüstwagen und Einstelllehren4 min20 min5 min29 min3.800 Euro
3: Rüstwagen und Schnellspannsystem4 min8 min10 min22 min14.000 Euro

Stufe 5: Optimale Lösung auswählen

Die Varianten werden an den Zielen aus Stufe 1 und an den Grenzen aus Stufe 2 gemessen. Bei mehreren Kriterien hilft eine Nutzwertanalyse, bei Investitionen ein Kostenvergleich. Die Entscheidung wird begründet und festgehalten.

Im Beispiel: Variante 1 verfehlt mit 34 Minuten das Ziel. Variante 3 erreicht 22 Minuten, überschreitet aber mit 14.000 Euro den Kostenrahmen. Variante 2 erfüllt mit erwarteten 29 Minuten das Ziel und bleibt mit 3.800 Euro im Rahmen. Sie wird gewählt.

Stufe 6: Lösung einführen und Zielerfüllung kontrollieren

Zur Einführung gehören ein Plan mit Terminen und Zuständigkeiten, die Beschaffung, die Information und Unterweisung der Mitarbeiter und ein Probelauf. Danach wird gemessen und mit dem Ziel verglichen. Ist das Ziel nicht erreicht, geht es zurück in eine frühere Stufe.

Im Beispiel: Rüstwagen und Einstelllehren werden beschafft, der neue Rüstablauf wird beschrieben, die Mitarbeiter werden unterwiesen. Die Messung über vier Wochen ergibt im Durchschnitt 28 Minuten. Das Ziel ist erreicht. Die Presse steht jetzt 4 × 28 = 112 Minuten am Tag still, also 68 Minuten weniger als vorher. Der neue Ablauf wird als Standard festgeschrieben.

Die Stufen als Ablauf darstellen

Der Rahmenplan nennt als Hinweis das Ablaufdiagramm. Die sechs Stufen lassen sich als Kette von sechs Tätigkeiten zeichnen. Nach Stufe 6 folgt eine Entscheidung: Ist das Ziel erreicht? Bei „ja“ endet der Ablauf, bei „nein“ führt ein Pfeil zurück zu Stufe 4 oder Stufe 5. Auch zwischen den Stufen sind Rücksprünge möglich. Zeigt sich zum Beispiel in Stufe 4, dass die Grenzen zu eng gezogen sind, wird Stufe 2 überarbeitet.

Typische Fehler

  • Das Ziel ist nicht messbar: „Das Rüsten soll schneller gehen.“
  • Die Aufgabe ist nicht abgegrenzt und wächst während der Arbeit immer weiter.
  • Stufe 3 wird übersprungen, es wird sofort der heutige Zustand vermessen.
  • Es werden Daten gesammelt, die niemand braucht.
  • Nur eine einzige Lösung wird ausgearbeitet, ein Vergleich findet nicht statt.
  • Die Mitarbeiter werden erst bei der Einführung informiert.
  • Die Kontrolle am Ende entfällt, und niemand weiß, ob das Ziel erreicht ist.

Praxisbeispiel

In der Kommissionierung eines Ersatzteillagers klagen die Mitarbeiter über lange Wege. Der Industriemeister geht nach den sechs Stufen vor.

Als Ziel legt er fest, den Weg je Auftrag in zwei Monaten um ein Fünftel zu senken. Er grenzt die Aufgabe auf die Regalgänge 1 bis 4 ein. Umbauten am Gebäude sind ausgeschlossen. Mit dem Team sammelt er ideale Lösungen: Jedes Teil läge genau dort, wo es gebraucht wird, und niemand müsste einen Gang zweimal betreten.

Erst danach lässt er zwei Wochen lang auswerten, welche Teile wie oft entnommen werden. Daraus entstehen zwei Varianten: häufig gebrauchte Teile nach vorn umlagern oder zusätzlich die Reihenfolge auf den Entnahmelisten nach dem Laufweg sortieren. Die zweite Variante verspricht mehr Wirkung bei geringen Kosten und wird gewählt. Nach der Umstellung misst er die Wege erneut und vergleicht sie mit dem Ziel.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Nennen Sie die sechs Stufen der Sechs-Stufen-Methode in der richtigen Reihenfolge.
  • Beschreiben Sie drei Stufen mit jeweils einem Beispiel aus Ihrem Meisterbereich.
  • Erläutern Sie, warum die ideale Lösung vor dem Sammeln der Daten gesucht wird.
  • Beschreiben Sie, was beim Abgrenzen der Aufgabe festgelegt wird.
  • Nennen Sie vier Tätigkeiten, die zur Einführung einer Lösung gehören.
  • Beschreiben Sie, wie Sie die Zielerfüllung kontrollieren.
  • Stellen Sie die sechs Stufen als Ablauf dar.

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Die Sechs-Stufen-Methode gehört zum Themenbereich Planungstechniken und Analysemethoden.

Planungstechniken und Analysemethoden

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Rechtsgrundlage

Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Die Sechs-Stufen-Methode ordnet eine Verbesserung vom Ziel bis zur Kontrolle: Ziele setzen, Aufgabe abgrenzen, ideale Lösungen suchen, Daten sammeln und praktikable Lösungen entwickeln, optimale Lösung auswählen, Lösung einführen und Zielerfüllung kontrollieren. Ihr Kennzeichen ist, dass die ideale Lösung vor der Datensammlung steht.

Für die Prüfung solltest du die sechs Stufen in der richtigen Reihenfolge nennen, jede mit einem Satz beschreiben und auf einen einfachen Fall anwenden können.