Qualifizierungsmethoden und Lernformen

Qualifizierungsmethoden und Lernformen gehören zum Themengebiet Führungsmethoden und Führungstechniken im Prüfungsbereich Zusammenarbeit im Betrieb. Nachdem ein Qualifizierungsbedarf festgestellt wurde, muss entschieden werden, mit welcher Methode die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Verhaltensweisen entwickelt werden sollen.

Für Industriemeister ist dabei wichtig, Qualifizierungsmaßnahmen nicht nur zu kennen, sondern sie passend zum Mitarbeiter, zum Lernziel und zu den betrieblichen Rahmenbedingungen auszuwählen.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsbereichBasisqualifikation
HandlungsbereichZusammenarbeit im Betrieb
ThemengebietFührungsmethoden und Führungstechniken
ThemaQualifizierungsmethoden und Lernformen
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐☆ Hoch
DatengrundlageSystematische Auswertung der vorliegenden Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungErläuterungs-, Auswahl-, Vergleichs- und Situationsaufgaben
Lernziel laut RahmenlehrplanQualifizierungsmaßnahmen unter Berücksichtigung geeigneter Methoden planen und durchführen
Empfohlene LernprioritätHoch
Vertiefung➡️ Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind Qualifizierungsmethoden und Lernformen wichtig?

Ein festgestellter Qualifizierungsbedarf sagt zunächst nur aus, was ein Mitarbeiter noch lernen oder entwickeln muss.

Anschließend muss geklärt werden, wie dieses Lernziel erreicht werden soll.
Dabei können unterschiedliche Voraussetzungen bestehen:

  • Ein Mitarbeiter muss eine praktische Tätigkeit erlernen.
  • Fachwissen muss vermittelt werden.
  • Ein Mitarbeiter soll selbstständiger arbeiten.
  • Erfahrungen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen sollen gesammelt werden.
  • Sozial- oder Methodenkompetenzen sollen entwickelt werden.

Nicht jede Qualifizierungsmethode eignet sich für jedes Lernziel gleichermaßen.


Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Zusammenarbeit im Betrieb
    └── Führungsmethoden und Führungstechniken
        └── Qualifizierungsmethoden und Lernformen

Das Thema schließt unmittelbar an die Personalentwicklung und Qualifizierungsplanung an.

Dort wird festgestellt, welche Kompetenzen vorhanden sind und welche zukünftig benötigt werden. Anschließend muss eine geeignete Form der Qualifizierung ausgewählt werden.

➡️ Personalentwicklung und Qualifizierungsplanung


Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐☆ Hohe Prüfungsrelevanz

Qualifizierungsmaßnahmen eignen sich besonders für betriebliche Situationsaufgaben.

Dabei kann die IHK beispielsweise eine konkrete Ausgangssituation beschreiben und verlangen, geeignete Maßnahmen auszuwählen oder unterschiedliche Möglichkeiten miteinander zu vergleichen.

Prüfungsrelevant ist deshalb nicht nur die Bezeichnung einer Methode. Entscheidend ist häufig die Begründung, warum eine bestimmte Qualifizierungsform für den beschriebenen Mitarbeiter und das angestrebte Lernziel geeignet ist.

➡️ Zur Prüfungsanalyse Zusammenarbeit im Betrieb


Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • verschiedene Formen betrieblicher Qualifizierung unterscheiden,
  • Lernen am und außerhalb des Arbeitsplatzes einordnen,
  • geeignete Qualifizierungsmethoden auswählen,
  • Vor- und Nachteile verschiedener Lernformen beurteilen,
  • arbeitsplatzbezogene Entwicklungsmaßnahmen unterscheiden,
  • eine Qualifizierungsmethode anhand eines betrieblichen Lernziels begründen.

Qualifizierung am Arbeitsplatz – Training on the Job

Beim Training on the Job erfolgt die Qualifizierung unmittelbar am Arbeitsplatz beziehungsweise im Arbeitsprozess.

Der Mitarbeiter lernt unter realen betrieblichen Bedingungen.
Dazu können beispielsweise gehören:

  • Unterweisung am Arbeitsplatz,
  • Einarbeitung,
  • Übertragung neuer Aufgaben,
  • Jobrotation,
  • Jobenlargement,
  • Jobenrichment.

Ein wesentlicher Vorteil besteht im starken Praxisbezug. Das Gelernte kann unmittelbar bei der Arbeit eingesetzt werden.


Qualifizierung außerhalb des Arbeitsplatzes – Training off the Job

Beim Training off the Job findet die Qualifizierung räumlich beziehungsweise organisatorisch getrennt vom eigentlichen Arbeitsplatz statt.
Beispiele sind:

  • Seminare,
  • Lehrgänge,
  • Schulungen,
  • Kurse.

Dadurch können Inhalte systematisch vermittelt werden, ohne dass der laufende Arbeitsprozess unmittelbar im Mittelpunkt steht.

Die Übertragung des Gelernten auf die betriebliche Praxis muss anschließend sichergestellt werden.


Arbeitsplatznahe Qualifizierung – Training near the Job

Beim Training near the Job besteht ein enger Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit, obwohl das Lernen nicht ausschließlich während der normalen Aufgabenerfüllung stattfindet.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Projektgruppen,
  • Qualitätszirkel,
  • Workshops,
  • Lernstattgruppen.

Mitarbeiter bearbeiten dabei betriebliche Fragestellungen und entwickeln gleichzeitig ihre fachlichen, methodischen oder sozialen Kompetenzen weiter.


Vorbereitung auf zukünftige Aufgaben – Training into the Job

Beim Training into the Job wird ein Mitarbeiter gezielt auf eine neue oder zukünftige Tätigkeit vorbereitet.

Das kann beispielsweise erforderlich sein bei:

  • Übernahme einer Führungsfunktion,
  • Wechsel in einen neuen Aufgabenbereich,
  • Vorbereitung auf anspruchsvollere Tätigkeiten.

Die Qualifizierung soll die Kompetenzen vermitteln, die für die zukünftige Tätigkeit benötigt werden.


Begleitende Entwicklung – Training along the Job

Beim Training along the Job wird die berufliche Entwicklung eines Mitarbeiters über einen längeren Zeitraum begleitet.

Dabei steht nicht nur eine einzelne Tätigkeit im Mittelpunkt, sondern die längerfristige berufliche Entwicklung.

Mögliche Maßnahmen können sein:

  • Entwicklungsprogramme,
  • Laufbahnplanung,
  • Coaching,
  • Mentoring.

Jobrotation

Bei der Jobrotation wechseln Mitarbeiter planmäßig zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen oder Tätigkeitsbereichen.

Dadurch können sie:

  • zusätzliche Kenntnisse erwerben,
  • unterschiedliche Arbeitsbereiche kennenlernen,
  • Zusammenhänge besser verstehen,
  • flexibler eingesetzt werden.

Gleichzeitig können einseitige Tätigkeiten und Monotonie reduziert werden.


Jobenlargement

Beim Jobenlargement wird der bestehende Aufgabenbereich quantitativ erweitert.
Der Mitarbeiter erhält zusätzliche Tätigkeiten auf einem vergleichbaren Anforderungsniveau.

Beispiel:

Ein Mitarbeiter führt bisher einen einzelnen Arbeitsschritt aus. Künftig übernimmt er zusätzlich weitere gleichwertige Arbeitsschritte innerhalb des Prozesses.

Ziel kann insbesondere eine abwechslungsreichere Tätigkeit sein.


Jobenrichment

Beim Jobenrichment wird der Aufgabenbereich qualitativ erweitert.
Der Mitarbeiter erhält anspruchsvollere Aufgaben und zusätzliche Verantwortung.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Entscheidungsaufgaben,
  • Planungsaufgaben,
  • Kontrollaufgaben,
  • zusätzliche Verantwortung.

Jobenrichment kann dadurch sowohl der Qualifizierung als auch der Motivation dienen.


Die drei Formen im Vergleich

MethodeGrundprinzip
JobrotationWechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten
Jobenlargementquantitative Erweiterung des Aufgabenbereichs
Jobenrichmentqualitative Erweiterung mit höherer Verantwortung

Diese Begriffe solltest du sicher voneinander unterscheiden können.


Unterweisung am Arbeitsplatz

Die Unterweisung eignet sich insbesondere für die Vermittlung konkreter praktischer Kenntnisse und Fertigkeiten.

Der Mitarbeiter lernt dabei beispielsweise:

  • einen Arbeitsablauf,
  • die Bedienung eines Arbeitsmittels,
  • eine bestimmte Arbeitsmethode,
  • sicherheitsgerechtes Verhalten.

Da die Unterweisung innerhalb unseres ZiB-Baums ein eigenständiges Thema darstellt, wird sie auf einer eigenen Seite ausführlicher behandelt.

➡️ Unterweisung von Mitarbeitern


Einarbeitung

Bei der Einarbeitung wird ein Mitarbeiter systematisch an einen neuen Arbeitsplatz oder Aufgabenbereich herangeführt.

Dabei geht es nicht nur um einzelne Arbeitsverfahren.
Neue Mitarbeiter müssen beispielsweise auch kennenlernen:

  • Kollegen und Ansprechpartner,
  • Arbeitsabläufe,
  • Zuständigkeiten,
  • betriebliche Regeln,
  • Informationswege,
  • Sicherheitsvorschriften.

➡️ Einführung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter


Auswahl einer geeigneten Qualifizierungsmethode

Die Auswahl sollte nicht nach einem starren Schema erfolgen.
Der Industriemeister sollte insbesondere berücksichtigen:

  • Qualifizierungsziel,
  • vorhandene Kenntnisse,
  • Erfahrung des Mitarbeiters,
  • Art der zu entwickelnden Kompetenz,
  • Praxisbezug,
  • verfügbare Zeit,
  • betriebliche Möglichkeiten,
  • Kosten,
  • Möglichkeiten zur Erfolgskontrolle.

Beispiel

Ein Mitarbeiter soll die praktische Bedienung einer neuen Maschine erlernen.
Ein ausschließlich theoretisches Seminar könnte dafür nicht ausreichen.
Sinnvoll kann beispielsweise eine Kombination sein:

Theoretische Einführung
→ Grundlagen und Sicherheitsbestimmungen kennenlernen

Praktische Unterweisung
→ Bedienung demonstrieren und üben

Anwendung am Arbeitsplatz
→ Kenntnisse unter realen Bedingungen festigen

Damit werden verschiedene Lernformen miteinander kombiniert.


Qualifizierung und Lernerfolg

Eine Qualifizierungsmaßnahme ist nicht allein deshalb erfolgreich, weil ein Mitarbeiter daran teilgenommen hat.

Entscheidend ist, ob das festgelegte Lernziel erreicht wurde.
Möglichkeiten zur Überprüfung sind beispielsweise:

  • Beobachtung am Arbeitsplatz,
  • Arbeitsprobe,
  • Test,
  • Gespräch,
  • Vergleich von Arbeitsergebnissen.

Besonders wichtig ist der Transfer in die betriebliche Praxis.

Der Mitarbeiter sollte das erworbene Wissen und Können anschließend tatsächlich bei seiner Arbeit einsetzen können.


Praxisbeispiel

Ein Mitarbeiter soll künftig mehrere unterschiedliche Arbeitsplätze innerhalb einer Produktionsgruppe übernehmen können.

Der Industriemeister stellt fest, welche Tätigkeiten der Mitarbeiter bereits beherrscht und welche Kenntnisse noch fehlen.

Anschließend wird der Mitarbeiter schrittweise an verschiedenen Arbeitsplätzen eingesetzt.

Erfahrene Kollegen beziehungsweise der Industriemeister weisen ihn in die jeweiligen Tätigkeiten ein. Nach einer Übungsphase wird überprüft, ob er die Aufgaben selbstständig ausführen kann.

Die Kombination aus Jobrotation und arbeitsplatzbezogener Unterweisung erweitert seine Qualifikation und erhöht gleichzeitig seine betriebliche Einsatzflexibilität.


Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Nennen und erläutern Sie geeignete Qualifizierungsmaßnahmen.
  • Unterscheiden Sie Training on the Job und Training off the Job.
  • Erläutern Sie Jobrotation, Jobenlargement und Jobenrichment.
  • Wählen Sie eine geeignete Qualifizierungsmethode für eine betriebliche Situation aus und begründen Sie Ihre Entscheidung.
  • Nennen Sie Vor- und Nachteile einer Qualifizierung am Arbeitsplatz.
  • Beschreiben Sie Möglichkeiten zur Kontrolle des Lernerfolgs.
  • Entwickeln Sie geeignete Maßnahmen für einen festgestellten Qualifizierungsbedarf.

Verwandte Themen

Qualifizierungsmethoden und Lernformen gehören zum Themengebiet Führungsmethoden und Führungstechniken.

➡️ Führungsmethoden und Führungstechniken

Weitere Themen dieses Themengebiets

➡️ Motivation von Mitarbeitern
➡️ Delegation von Aufgaben
➡️ Arbeitskontrolle und Feedback
➡️ Personalentwicklung und Qualifizierungsplanung
➡️ Mitarbeiterbeurteilung
➡️ Beurteilungsgespräch
➡️ Einführung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter
➡️ Unterweisung von Mitarbeitern


Fazit

Qualifizierungsmethoden bestimmen, auf welche Weise Mitarbeiter neue Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben. Je nach Lernziel kann die Qualifizierung unmittelbar am Arbeitsplatz, außerhalb des Arbeitsplatzes oder in arbeitsplatznahen Entwicklungsformen stattfinden.

Für Industriemeister ist entscheidend, nicht einfach irgendeine Schulungsmaßnahme auszuwählen. Die Methode muss zum Qualifizierungsbedarf, zum Mitarbeiter und zur betrieblichen Situation passen. Ebenso wichtig ist anschließend die Kontrolle, ob das Gelernte tatsächlich in die betriebliche Praxis übertragen werden kann.