Beförderungskapazitäten sind das, was ein Betrieb mit seinen Fahrzeugen in einer bestimmten Zeit befördern kann. Der Meister ermittelt, wie viele Fahrzeuge für einen Auftrag nötig sind und wie gut sie ausgelastet werden.
Der Rahmenplan unterscheidet die Kapazitätsermittlung und die Kapazitätsausnutzung. Dazu gehören Stauplan, Bestuhlungsplan, das Zusammenladeverbot und Leistungsdaten im Personenverkehr.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Prüfungsteil | Handlungsspezifische Qualifikation (HQ) |
| Handlungsbereich | Fuhrparktechnik und Fuhrparkmanagement |
| Qualifikationsschwerpunkt | Fuhrparkmanagement |
| Thema | Kapazitäten ermitteln und ausnutzen (Rahmenplan 2.3) |
| Prüfungsrelevanz | ⭐⭐ Gering bis mittel |
| Datengrundlage | DIHK-Rahmenplan und Auswertung der HQ-Prüfungen 2013 bis 2026 |
| Art der Prüfung | Rechenaufgaben zu Bedarf und Auslastung, Fachfragen zu Stau- und Zusammenladeregeln |
| Lernziel laut Rahmenplan | Kapazitäten festlegen, Kapazitätsausnutzung planen, Verbote beachten, Leistungsdaten bewerten |
| Empfohlene Lernpriorität | Mittel |
| Vertiefung | Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar) |
Warum sind Beförderungskapazitäten wichtig?
Zu wenig Kapazität bedeutet verlorene Aufträge und Verspätung. Zu viel bedeutet leere Fahrzeuge, Leerkilometer und hohe Kosten. Die Kapazität ist deshalb eine der wichtigsten Stellschrauben im Verkehrsbetrieb.
Auch die Sicherheit hängt daran. Ein Stauplan, der die Ladung falsch ordnet, oder ein Zusammenladeverbot, das übersehen wird, gefährdet Menschen und Ware.
Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans
Handlungsspezifische Qualifikation
└── Fuhrparktechnik und Fuhrparkmanagement
└── 2 Fuhrparkmanagement
└── 2.3 Ermitteln der benötigten Beförderungskapazitäten
├── 2.3.1 Kapazitätsermittlung festlegen
│ ├── 2.3.1.1 Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen
│ └── 2.3.1.2 Einsatzmöglichkeiten
└── 2.3.2 Kapazitätsausnutzung
├── 2.3.2.1 Stauplan und Bestuhlungsplan anwenden
├── 2.3.2.2 Zusammenlade- und Zusammenstellverbot beachten
└── 2.3.2.3 Linien- und Leistungsdaten im Personenverkehr bewerten
Diese Seite deckt den ganzen Abschnitt 2.3 ab. Die Auswahl des einzelnen Fahrzeugs steht auf der nächsten Seite.
Prüfungsrelevanz
⭐⭐ Geringe bis mittlere Prüfungsrelevanz
Die Auswertung stützt sich auf die Verweise auf die Prüfungsverordnung in den Lösungshinweisen. Der Abschnitt 2.3 wurde in 1 der 23 Prüfungsteile mit Nummernangabe vermerkt. Kapazitätsrechnungen tauchen aber auch als Teil von Kostenaufgaben auf.
Aufgaben zu diesem Thema verlangen zum Beispiel,
- den Fahrzeugbedarf für eine Transportmenge zu berechnen,
- die Auslastung eines Fahrzeugs zu bestimmen,
- Regeln zum Zusammenladen von Gütern zu nennen,
- Leistungsdaten im Linienverkehr zu bewerten.
Was lernst du auf dieser Seite?
Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:
- den Kapazitätsbedarf aus Menge, Nutzlast und Touren berechnen,
- Auslastung und Leerkilometeranteil bestimmen,
- Stauplan und Bestuhlungsplan erklären,
- Zusammenlade- und Zusammenstellverbote einordnen,
- Linien- und Leistungsdaten im Personenverkehr deuten.
Kapazitätskennzahlen im Überblick

Kapazität ermitteln
Die Kapazität hängt von Fahrzeugen, Fahrzeugkombinationen und ihrem Einsatz ab. Ein Gliederzug lädt mehr als ein Solofahrzeug, ein Sattelzug anderes als ein Kastenwagen. Der Meister legt fest, welche Fahrzeuge für welche Aufträge infrage kommen.
Der Fahrzeugbedarf lässt sich einfach berechnen:
Fahrzeugbedarf = Menge : (Nutzlast · Touren je Fahrzeug)
Beispiel (Werte angenommen): 120 t sollen an einem Tag befördert werden. Ein Fahrzeug lädt 20 t und schafft drei Touren.
- Menge je Fahrzeug und Tag: 20 t · 3 = 60 t
- Fahrzeugbedarf: 120 t : 60 t = 2 Fahrzeuge
Ergibt die Rechnung eine Kommazahl, rundest du auf, denn ein halbes Fahrzeug gibt es nicht.
Kapazität ausnutzen
Die Auslastung zeigt, wie gut die Kapazität genutzt wird.
Auslastung = tatsächlich genutzt : mögliche Kapazität · 100
Beispiel: Ein Lkw mit 24 t Nutzlast fährt mit 18 t. Die Nutzlastauslastung beträgt 18 : 24 · 100 = 75 Prozent.
Eine weitere Kennzahl ist der Leerkilometeranteil: Leerkilometer geteilt durch alle gefahrenen Kilometer. Er zeigt, wie viel Strecke ohne Ladung gefahren wird.
Stauplan und Bestuhlungsplan
Der Stauplan legt fest, wo welche Ladung im Fahrzeug steht. Er richtet sich nach Ladereihenfolge, Gewicht und Verträglichkeit. Was zuerst entladen wird, kommt zuletzt auf das Fahrzeug. Schwere Güter stehen unten und nah an der Achse.
Der Bestuhlungsplan ordnet die Sitz- und Stehplätze im Bus. Er richtet sich nach der Zulassung des Fahrzeugs. Die zulässige Zahl der Fahrgäste darf nicht überschritten werden.
Zusammenladeverbot und Zusammenstellverbot
Manche Güter dürfen nicht zusammen befördert werden, weil sie sich gefährlich beeinflussen. Beispiele sind bestimmte Gefahrgüter untereinander oder Gefahrgut mit Lebens- und Futtermitteln. Der Meister prüft vor der Planung, welche Güter nicht auf dasselbe Fahrzeug dürfen. Die konkreten Verbote ergeben sich aus den Gefahrgutvorschriften und aus Hygieneregeln.
Linien- und Leistungsdaten im Personenverkehr
Im Personenverkehr bewertest du Fahrplan, Einsatzzeiten und Fahrzeuggrößen. Passt die Fahrzeuggröße nicht zur Nachfrage, sind Busse leer oder überfüllt. Typische Daten sind Fahrgastzahlen, Besetzungsgrad und Einsatzzeiten der Fahrer.
Typische Fehler
- Nicht aufgerundet: Aus 1,3 Fahrzeugen werden 1, obwohl 2 nötig sind.
- Nutzlast und Gesamtgewicht verwechselt: Die Rechnung nutzt die falsche Größe.
- Ladereihenfolge ignoriert: Die zuerst abzuliefernde Ware steht hinten.
- Verbote vergessen: Verträglichkeit der Güter wird nicht geprüft.
- Auslastung nur in Prozent gesehen: Ein hoher Wert ist wertlos, wenn viele Leerkilometer anfallen.
Praxisbeispiel
Ein Betrieb liefert täglich Paletten an drei Märkte, ein Auftrag kommt neu dazu.
- Bedarf: Der Meister rechnet die Menge pro Tag und die Zahl der möglichen Touren.
- Auslastung: Die Fahrzeuge sind im Schnitt zu 70 Prozent ausgelastet. Er prüft, ob sich Touren bündeln lassen.
- Stauplan: Die Reihenfolge der Märkte bestimmt die Reihenfolge auf der Ladefläche.
- Ergebnis: Der neue Auftrag lässt sich mit den vorhandenen Fahrzeugen fahren, ohne ein weiteres anzuschaffen.
Typische Prüfungsfragen
In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:
- Berechnen Sie, wie viele Fahrzeuge für eine Transportmenge benötigt werden.
- Bestimmen Sie die Auslastung eines Fahrzeugs in Prozent.
- Erklären Sie den Zweck eines Stauplans.
- Nennen Sie Beispiele für ein Zusammenladeverbot.
- Bewerten Sie Leistungsdaten einer Buslinie.
Verwandte Themen
Beförderungskapazitäten gehören zum Fuhrparkmanagement.
Weitere Themen dieses Qualifikationsschwerpunkts
- Beförderungsleistungen und Tourenplanung
- Beförderungsverträge und Vorschriften
- Fahrzeuge und Hilfsmittel auswählen
- Mitzuführende Dokumente
- Arbeitszeit und Sozialvorschriften
- Fahrer-, Fahrzeug- und Betriebsdaten
- Fahrzeugkostenrechnung
- Preisuntergrenze und Kostenoptimierung
- Störungen und Schäden vermeiden
- Beförderungsketten und Partner
- Neu- und Ersatzbeschaffung
- Betriebsstoffe und Ersatzteile
- Verfügbarkeit und Schutz von Anlagen
- Kundenbetreuung und Reklamation
Passt auch dazu
Rechtsgrundlage
Die Qualifikationsschwerpunkte der Handlungsspezifischen Qualifikation stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 5 Absatz 4.
Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 5 (Gesetze im Internet)
Fazit
Kapazität heißt: genug Fahrzeuge für den Auftrag, ohne dass sie leer fahren. Du rechnest den Bedarf aus Menge, Nutzlast und Touren und prüfst die Auslastung. Stauplan und Verbote sichern die Ladung.
Für die Prüfung solltest du Bedarf und Auslastung rechnen und die Regeln zu Stauplan und Zusammenladen erklären können.
