Alternative Energieerzeugung

Die alternative Energieerzeugung gehört zum Themenbereich Energieformen im Betrieb im Prüfungsbereich NTG. Gemeint sind Anlagen, die Energie aus Wind, Sonne oder Wasserstoff nutzbar machen, statt Kohle, Öl oder Gas zu verbrennen.

Für Industriemeister ist das Thema vor allem ein Wissensthema. Du sollst erklären können, wie eine Anlage grundsätzlich funktioniert, welche Vor- und Nachteile sie hat und was „nachhaltig“ im Zusammenhang mit Ressourcen bedeutet. Gelegentlich kommt eine einfache Rechnung dazu.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichBerücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG)
ThemenbereichEnergieformen im Betrieb
ThemaAlternative Anlagen zur Energieerzeugung (Rahmenplan 5.2.3)
Prüfungsrelevanz⭐⭐ Gering
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 37 Originalprüfungen der IHK
Art der Prüfungüberwiegend Wissen: Funktion erläutern, Vor- und Nachteile nennen, selten eine einfache Rechnung
Lernziel laut RahmenplanAlternative Anlagen zur Energieerzeugung kennen: Windkraft, Solarenergie, Brennstoffzelle und die Nachhaltigkeit der Ressourcen
Empfohlene LernprioritätGering bis mittel: wenig Aufwand, aber seit 2020 häufiger gefragt
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum ist die alternative Energieerzeugung wichtig?

Betriebe stehen unter doppeltem Druck: Energie wird teurer, und die Anforderungen an den Klimaschutz steigen. Viele Betriebe setzen deshalb Photovoltaikanlagen auf ihre Dächer, prüfen Wasserstoff für Flurförderzeuge oder beziehen Strom aus Windkraft.

Als Industriemeister bist du an solchen Entscheidungen beteiligt:

  • Du beurteilst, ob eine Anlage zum Bedarf im Betrieb passt.
  • Du erklärst Mitarbeitern, wie eine neue Technik funktioniert und was dabei zu beachten ist.
  • Du kennst Vor- und Nachteile und kannst sie im Gespräch sachlich vertreten.
  • Du achtest auf Sicherheit, etwa beim Umgang mit Wasserstoff.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
└── Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten (NTG)
└── 5.2 Verwenden unterschiedlicher Energieformen im Betrieb
├── 5.2.1 Energieformen
├── 5.2.2 Energieumwandlungen in Kraftmaschinen bei unterschiedlichen Energieformen
└── 5.2.3 Alternative Anlagen zur Energieerzeugung ← diese Seite
├── Windkraftenergie
├── Solarenergie
├── Brennstoffzelle
└── Nachhaltigkeit der Ressourcen

Der Rahmenplan nennt diese vier Inhalte und verlangt, sie zu „kennen“. Du musst also nichts konstruieren, aber erklären und einordnen können. Die Wirkungsgradrechnung dazu steht auf der Seite Energieerhaltung und Wirkungsgrad.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐ Geringe Prüfungsrelevanz

Das Thema ist der Rahmenplanpunkt 5.2.3. Dieser kam in 4 von 37 Prüfungen vor, seit 2020 aber in 3 von 13. Es macht rund 1,1 % aller vergebenen Punkte aus. Die Aufgaben sind meist kurz und beruhen auf Wissen.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • die Funktionsweise einer Brennstoffzelle zu erläutern,
  • Bauteile einer Brennstoffzelle zu nennen,
  • einen Vorteil und einen Nachteil der Brennstoffzellentechnik zu nennen,
  • das Funktionsprinzip einer Photovoltaikanlage zu beschreiben,
  • weitere Techniken zur Nutzung der Sonnenenergie zu nennen,
  • die jährlich erzeugte Energie einer Photovoltaikanlage zu berechnen,
  • Vor- und Nachteile regenerativer Anlagen zu nennen.

Zur Prüfungsanalyse NTG

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • erneuerbare und fossile Energiequellen unterscheiden,
  • die Funktionsweise von Windkraftanlage, Photovoltaik und Solarthermie beschreiben,
  • Aufbau und Funktion einer Brennstoffzelle erklären,
  • Vor- und Nachteile der Anlagen nennen,
  • die Jahresenergie einer Photovoltaikanlage berechnen,
  • erklären, was Nachhaltigkeit der Ressourcen bedeutet.

Erneuerbar und nachhaltig

Erneuerbare Energien (auch regenerative Energien) stammen aus Quellen, die sich ständig erneuern oder praktisch unerschöpflich sind: Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme. Fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas sind in Millionen Jahren entstanden und werden schneller verbraucht, als sie nachwachsen.

Nachhaltig nutzt du eine Ressource, wenn du nicht mehr entnimmst, als nachwachsen oder sich erneuern kann, und wenn spätere Generationen sie ebenfalls nutzen können. Zur Nachhaltigkeit gehört auch, was bei Bau, Betrieb und Entsorgung einer Anlage an Material, Fläche und Energie gebraucht wird.

Windkraft

Eine Windkraftanlage wandelt die Bewegungsenergie des Windes in elektrische Energie um. Der Wind treibt den Rotor an, ein Generator wandelt die Drehbewegung in Strom.

Die Leistung des Windes hängt von der Rotorfläche und von der Windgeschwindigkeit ab:

GrößeAussage
Leistung des WindesP = ½ · ρ · A · v³, mit Luftdichte ρ, Rotorfläche A und Windgeschwindigkeit v
Windgeschwindigkeitgeht in der dritten Potenz ein: doppelte Geschwindigkeit, achtfache Leistung
RotorflächeA = π · d² / 4: doppelter Rotordurchmesser, vierfache Fläche
Nutzbarer Anteilhöchstens rund 59 % der Windleistung (Betzsche Grenze), in der Praxis weniger

Die dritte Potenz erklärt, warum Standorte mit gleichmäßigem, starkem Wind so wertvoll sind. Eine Zunahme der Windgeschwindigkeit von 6 auf 12 m/s verachtfacht die Windleistung.

Vorteile sind der Betrieb ohne Brennstoff und ohne Abgase und die gute Eignung für große Mengen. Nachteile sind die schwankende Erzeugung, der Bedarf an Netzausbau und Speichern sowie Eingriffe in Landschaft und Lebensraum von Tieren.

Solarenergie

Die Sonne liefert Strahlungsenergie. Zwei Techniken sind für den Betrieb wichtig.

Photovoltaik

Eine Photovoltaikanlage wandelt Sonnenlicht direkt in elektrische Energie um. In einer Solarzelle aus Halbleitermaterial, meist Silizium, setzt das Licht Ladungsträger frei. Es entsteht eine Gleichspannung. Ein Wechselrichter macht daraus Wechselstrom für Betrieb und Netz.

Für die Jahresenergie brauchst du eine einfache Formel: Fläche mal Einstrahlung mal Gesamtwirkungsgrad.

GrößeFormelEinheit
Erzeugte Energie je JahrE = A · H · ηkWh

Dabei ist A die Modulfläche in m², H die jährliche Einstrahlung in kWh/m² und η der Gesamtwirkungsgrad der Anlage. In Deutschland liegt die Einstrahlung grob bei 1.000 kWh je m² und Jahr. Den genauen Wert nennt die Aufgabe.

Solarthermie

Eine Solarthermieanlage wandelt Sonnenlicht in Wärme um. Ein Kollektor erhitzt eine Flüssigkeit, die ihre Wärme an einen Speicher abgibt. Das Wasser dient zur Brauchwassererwärmung oder zur Heizungsunterstützung. Photovoltaik erzeugt Strom, Solarthermie erzeugt Wärme. Diesen Unterschied verlangt die Prüfung gern.

Beide Techniken haben dieselben Grenzen: Sie liefern nur bei Sonne, die Erzeugung schwankt mit Tages- und Jahreszeit, und für Dunkelheit sind Speicher oder ein Netzanschluss nötig. Ihre Vorteile sind der geräuschlose Betrieb ohne Brennstoff und die einfache Montage auf vorhandenen Dächern.

Rechenbeispiel: Jahresenergie einer Photovoltaikanlage

Gegeben: Auf dem Hallendach sind Module mit einer Fläche von A = 400 m² installiert. Die jährliche Einstrahlung beträgt H = 1.000 kWh/m², der Gesamtwirkungsgrad der Anlage η = 18 %. Der Betrieb braucht im Jahr 120.000 kWh Strom.

Gesucht: die erzeugte Energie je Jahr und der Anteil am Strombedarf.

Formel: E = A · H · η, Anteil = E : Bedarf · 100 %

Einsetzen: E = 400 m² · 1.000 kWh/m² · 0,18 = 72.000 kWh

Anteil: 72.000 kWh : 120.000 kWh · 100 % = 60 %

Ergebnis: Die Anlage erzeugt 72.000 kWh im Jahr und deckt rechnerisch 60 % des Bedarfs. Tatsächlich hängt der Anteil davon ab, wann der Strom erzeugt und wann er gebraucht wird.

Beim Einsetzen musst du den Wirkungsgrad als Dezimalzahl verwenden: 18 % sind 0,18. Die Einheit m² kürzt sich, es bleibt kWh.

Brennstoffzelle

Eine Brennstoffzelle wandelt die chemische Energie von Wasserstoff und Sauerstoff direkt in elektrische Energie um. Anders als bei einem Verbrennungsmotor gibt es keine Flamme und in der Zelle selbst keine bewegten Teile.

Aufbau und Funktion

Eine Brennstoffzelle besteht aus zwei Elektroden und einem Elektrolyten, hier einer Membran. Der Wasserstoff wird an der Anode zugeführt, Luft mit Sauerstoff an der Kathode. So läuft der Vorgang ab:

  1. Am Katalysator der Anode zerfällt der Wasserstoff in Protonen und Elektronen.
  2. Die Membran lässt nur die Protonen durch. Die Elektronen müssen den äußeren Weg über den Verbraucher nehmen. Das ist der elektrische Strom.
  3. An der Kathode verbinden sich Sauerstoff, Protonen und Elektronen zu Wasser.
  4. Als Abgase entstehen Wasser und Wärme.

Die Gesamtreaktion lautet H₂ + ½ O₂ → H₂O. Eine einzelne Zelle liefert nur eine Spannung unter 1 V. Deshalb werden viele Zellen zu einem Stapel (Stack) zusammengeschaltet.

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
am Einsatzort nur Wasser und Wärme als AbgasWasserstoff muss erst hergestellt werden, was viel Energie braucht
leiser Betrieb, kaum bewegte TeileSpeicherung unter hohem Druck und Tankstellennetz aufwendig
hoher Wirkungsgrad gegenüber dem Verbrennungsmotorhohe Anschaffungskosten, teure Katalysatoren
Abwärme nutzbarWasserstoff ist brennbar und bildet mit Luft explosionsfähige Gemische

Wie sauber die Brennstoffzelle wirklich ist, hängt vom Wasserstoff ab. Wird er mit Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt, ist die Bilanz gut. Stammt er aus fossilen Quellen, verschiebt sich der Ausstoß nur an einen anderen Ort.

Vor- und Nachteile regenerativer Anlagen im Vergleich

AnlageVorteilNachteil
Windkraftkein Brennstoff, große Leistung möglichschwankende Erzeugung, Eingriff in Landschaft
Photovoltaikeinfach auf Dächern, geräuschlosnur bei Sonne, Speicher nötig
Solarthermieeinfache Technik für Warmwassernur Wärme, saisonal schwankend
Brennstoffzelleemissionsfrei am Einsatzort, hoher WirkungsgradWasserstoff aufwendig herzustellen und zu speichern

Gemeinsam ist den Anlagen die schwankende Verfügbarkeit. Deshalb gehören Energiespeicher, Netzanschluss und eine Reserve zu jedem Konzept. Fachbegriffe, die du in diesem Zusammenhang kennen solltest, sind Grundlast (Mindestbedarf, der ständig gedeckt werden muss) und Speicher (Batterie, Wasserstoff, Wärmespeicher).

Typische Fehler

  • Photovoltaik und Solarthermie verwechseln: Strom oder Wärme?
  • Als Abgas der Brennstoffzelle Kohlendioxid nennen. Es entsteht Wasser.
  • Den Wirkungsgrad in Prozent einsetzen, ohne durch 100 zu teilen.
  • Nur Vorteile oder nur Nachteile nennen. Die Aufgabe verlangt meist beide.
  • Regenerative Anlagen als vollständig ohne Umweltwirkung darstellen. Bau, Rohstoffe und Entsorgung gehören dazu.
  • Den Wasserstoff als Energiequelle bezeichnen. Er ist ein Energieträger, der erst mit Energie hergestellt werden muss.

Praxisbeispiel

Ein Betrieb mit Hochregallager prüft, seine Gabelstapler von Batterie auf Brennstoffzelle umzustellen. Der Industriemeister soll Vor- und Nachteile für die Schichtarbeit zusammenstellen.

Er nennt als Vorteile die kurze Betankung ohne lange Ladezeit und die Abgasfreiheit in der Halle. Als Nachteile führt er die Kosten, die Wasserstoffversorgung und die Sicherheitsunterweisung an. Außerdem weist er darauf hin, dass der Wasserstoff aus erneuerbarem Strom stammen sollte, damit der Umstieg ökologisch sinnvoll ist.

Parallel prüft der Betrieb eine Photovoltaikanlage auf dem Hallendach. Mit der Formel E = A · H · η schätzt er die Jahresenergie und vergleicht sie mit dem Bedarf.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Erläutern Sie die Funktionsweise einer Brennstoffzelle.
  • Nennen Sie vier Bauteile oder Stoffe, die für eine Brennstoffzelle nötig sind.
  • Nennen Sie einen Vorteil und einen Nachteil der Brennstoffzellentechnik.
  • Beschreiben Sie das Funktionsprinzip einer Photovoltaikanlage.
  • Nennen Sie zwei weitere Techniken zur Nutzung der Sonnenenergie.
  • Berechnen Sie die jährlich erzeugte Energie einer Photovoltaikanlage aus Fläche, Einstrahlung und Wirkungsgrad.
  • Nennen Sie je zwei Vor- und Nachteile regenerativer Energieanlagen.
  • Erläutern Sie, was Nachhaltigkeit der Ressourcen bedeutet.

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Die alternative Energieerzeugung gehört zum Themenbereich Energieformen im Betrieb.

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Rechtsgrundlage

Die Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung der jeweiligen Fachrichtung, für Geprüfte Industriemeister Metall zum Beispiel in § 4 Absatz 6.

Prüfungsverordnung Geprüfter Industriemeister Metall, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Alternative Anlagen nutzen Wind, Sonne und Wasserstoff, um Strom oder Wärme zu liefern. Windkraft und Photovoltaik hängen vom Wetter ab, die Brennstoffzelle vom Wasserstoff, der erst hergestellt werden muss. Nachhaltig ist eine Anlage, wenn sie Ressourcen schont und auf Dauer genutzt werden kann.

Für die Prüfung solltest du die Funktion von Brennstoffzelle und Photovoltaik in eigenen Worten beschreiben, Vor- und Nachteile nennen und die Jahresenergie mit E = A · H · η berechnen können.