Grundlagen der Kommunikation

Die Grundlagen der Kommunikation sind das erste Thema im Themenbereich Information und Kommunikation des Prüfungsbereichs Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Es geht um die Frage, wie eine Nachricht vom Sender zum Empfänger gelangt, mit welchen Signalen Menschen sich verständigen und warum oft etwas anderes ankommt, als gemeint war.

Für Industriemeister ist das Alltag. Du gibst Anweisungen, übergibst Schichten, führst Gespräche und informierst dein Team. Jede dieser Aufgaben gelingt nur, wenn deine Nachricht richtig verstanden wird.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichInformation und Kommunikation
ThemaKommunikation und Information: Grundlagen von Formen (Rahmenplan 3.6.1)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐ Mittel
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungBegriffe erklären, Beispiele nennen, Störungen und Gegenmaßnahmen beschreiben
Lernziel laut RahmenplanDie Grundlagen der Formen von Kommunikation und Information kennen
Empfohlene LernprioritätMittel
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind die Grundlagen der Kommunikation wichtig?

Fehler im Betrieb haben oft keine technische Ursache. Eine Anweisung war unklar, eine Änderung kam bei der Spätschicht nicht an, eine Rückfrage wurde nicht gestellt. Solche Fehler kosten Zeit, Material und manchmal die Gesundheit eines Mitarbeiters.

Als Führungskraft bist du für beide Seiten verantwortlich:

  • Du sendest: Du musst dich so ausdrücken, dass dein Gegenüber dich versteht.
  • Du empfängst: Du musst zuhören und nachfragen, bis du sicher bist, was gemeint ist.
  • Du gestaltest: Du sorgst dafür, dass Informationen in deinem Bereich rechtzeitig fließen.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.6 Information und Kommunikation
└── 3.6.1 Kommunikation und Information
├── Grundlagen von Formen
├── Auswahl von Kommunikationstechniken
└── Grundlagen von Techniken

Der Rahmenplan verlangt für die Grundlagen von Formen die Stufe „kennen“. Als Hinweise nennt er das Sender-Empfänger-Modell sowie die verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation. Die Auswahl der Kommunikationsmittel und die Fragetechniken gehören ebenfalls zum Abschnitt 3.6.1. Sie haben auf kraftverkehrsmeister.net eigene Seiten.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐ Mittlere Prüfungsrelevanz

Die Grundlagen der Kommunikation sind in der Prüfungsanalyse bisher nicht als eigener Schwerpunkt ausgewertet. Die drei Sterne ergeben sich aus dem Rahmenplan: Er verlangt die Stufe „kennen“, und das Thema ist die Grundlage für alle anderen Seiten dieses Themenbereichs. In der Prüfung steckt es meist in Fragen zur Gesprächsführung, zum Informationsfluss oder zur Präsentation.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • Regeln oder Grundsätze der Kommunikation für ein schwieriges Gespräch zu beschreiben,
  • motivierende Gesprächstechniken für Einzelgespräche zu beschreiben,
  • Merkmale des aktiven Zuhörens zu nennen,
  • Maßnahmen für einen guten Informationsfluss im Unternehmen zu erläutern.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • Information und Kommunikation unterscheiden,
  • das Sender-Empfänger-Modell mit seinen Bausteinen erklären,
  • verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation mit Beispielen beschreiben,
  • Sachebene und Beziehungsebene unterscheiden,
  • typische Störungen nennen und Wege beschreiben, sie zu vermeiden,
  • begründen, warum Information eine Führungsaufgabe ist.

Was ist Kommunikation?

Kommunikation ist der Austausch von Informationen zwischen mindestens zwei Beteiligten. Eine Information ist dabei eine Nachricht, die für den Empfänger neu ist und die er für seine Aufgabe gebrauchen kann.

Der Unterschied ist für die Prüfung nützlich:

  • Information kann in eine Richtung laufen. Ein Aushang informiert, ohne dass jemand antwortet.
  • Kommunikation läuft in beide Richtungen. Der Empfänger reagiert, fragt nach oder widerspricht.

Das Sender-Empfänger-Modell

Das Sender-Empfänger-Modell beschreibt Kommunikation als Weg einer Nachricht. Es stammt aus der Nachrichtentechnik (Shannon und Weaver) und wurde später auf Gespräche zwischen Menschen übertragen.

BausteinBedeutungBeispiel aus einer Schichtübergabe
Senderhat eine Absicht und will etwas mitteilenDer Industriemeister will, dass das Werkzeug an Presse 3 vor dem nächsten Auftrag geprüft wird.
CodierenDer Sender fasst seine Absicht in Worte, Zeichen und Gesten.Er sagt: „An Presse 3 bitte nachher das Werkzeug prüfen.“
Nachricht und KanalDie Nachricht läuft über einen Weg, zum Beispiel Sprache, Papier, Telefon oder Bildschirm.mündlich, im Vorbeigehen, in der lauten Halle
DecodierenDer Empfänger deutet die Nachricht mit seinem Wissen und seiner Erfahrung.Der Schichtführer versteht: irgendwann im Lauf der Schicht.
Empfängerhandelt nach dem, was er verstanden hatEr plant die Prüfung für das Schichtende ein.
RückmeldungDer Empfänger zeigt, was bei ihm angekommen ist. Der Sender kann berichtigen.Fragt der Schichtführer „Bis wann genau?“, fällt das Missverständnis sofort auf.

Zwei Dinge zeigt das Sender-Empfänger-Modell deutlich:

  • Maßgeblich ist, was der Empfänger versteht, nicht, was der Sender gemeint hat.
  • Ohne Rückmeldung weiß der Sender nicht, ob seine Nachricht richtig angekommen ist.

Störungen können an jeder Stelle auftreten: beim Formulieren, auf dem Weg und beim Deuten.

Verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation

Eine Nachricht besteht nicht nur aus Worten. Der Rahmenplan unterscheidet drei Formen.

FormWomit?BeispieleWas sie vor allem zeigt
VerbalWorte, gesprochen oder geschriebenWortwahl, Satzbau, Fachbegriffe, Zahlenden Sachinhalt
NonverbalKörperspracheMimik, Gestik, Körperhaltung, Blickkontakt, Abstand zum Gegenüber, äußere ErscheinungEinstellung und Gefühle
ParaverbalStimme und SprechweiseLautstärke, Tonhöhe, Sprechtempo, Betonung, Pausen, Deutlichkeitwie das Gesagte gemeint ist

Wichtig ist, dass alle drei Formen zusammenpassen. Sagt ein Vorgesetzter „Das haben Sie gut gemacht“, schaut dabei aber auf sein Telefon und spricht gelangweilt, dann glaubt ihm der Mitarbeiter das Lob nicht. Bei einem Widerspruch vertrauen die meisten Menschen eher der Stimme und der Körpersprache als den Worten.

In einer E-Mail oder einem Aushang fehlen nonverbale und paraverbale Signale. Schriftliche Nachrichten werden deshalb leichter missverstanden.

Welches Mittel zu welcher Nachricht passt, steht auf der Seite Informations- und Kommunikationsmittel.

Sachebene und Beziehungsebene

Der Rahmenplan nennt ausdrücklich nur das Sender-Empfänger-Modell. Zwei weitere Modelle helfen dir, Störungen zu erklären.

Inhalt und Beziehung: Nach Paul Watzlawick hat jede Kommunikation einen Inhaltsaspekt und einen Beziehungsaspekt. Auf der Sachebene geht es um Zahlen, Fakten und Aufgaben. Auf der Beziehungsebene geht es um Gefühle, Vertrauen und die Frage, wie die Beteiligten zueinander stehen. Ist die Beziehung gestört, kommt auch die beste Sachinformation nicht an. Von Watzlawick stammt auch der Satz: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Auch Schweigen oder Wegsehen ist eine Nachricht.

Vier Seiten einer Nachricht: Nach Friedemann Schulz von Thun enthält jede Äußerung vier Botschaften. Ein Beispiel: Der Industriemeister sagt zu einem Mitarbeiter: „Die Maschine ist schon wieder nicht gereinigt.“

SeiteFrageIm Beispiel
SachinhaltWorüber informiere ich?Die Maschine ist verschmutzt.
SelbstkundgabeWas zeige ich von mir?Ich ärgere mich.
BeziehungWie stehe ich zu dir?Ich halte dich für nachlässig.
AppellWas soll der andere tun?Reinige die Maschine.

Der Empfänger entscheidet, welche Seite er heraushört. Hört er vor allem die Beziehungsseite, fühlt er sich angegriffen, obwohl nur der Appell gemeint war.

Störungen der Kommunikation

Wo entsteht die Störung?Typische Ursachen
Beim Senderunklare oder unvollständige Aussage, unbekannte Fachbegriffe und Abkürzungen, zu viele Informationen auf einmal, Widerspruch zwischen Worten und Körpersprache
Auf dem WegLärm in der Halle, schlechte Telefonverbindung, ungeeignetes Mittel, Weitergabe über viele Zwischenstationen
Beim EmpfängerAblenkung, Zeitdruck, fehlendes Vorwissen, Sprachbarrieren, Vorurteile, Hören nur dessen, was man erwartet
In der Beziehungungelöste Konflikte, Misstrauen, Angst, vor dem Vorgesetzten nachzufragen
Bei der RückmeldungEs wird nicht nachgefragt. Ein „Alles klar?“ wird aus Höflichkeit mit Ja beantwortet.

Störungen vermeiden

  • Empfängerbezogen formulieren: Wähle Worte, die dein Gegenüber kennt. Erkläre Fachbegriffe und Abkürzungen.
  • Ordnen und kürzen: Das Wichtigste zuerst, kurze Sätze, eine Information nach der anderen.
  • Passenden Weg, Ort und Zeitpunkt wählen: Heikle Themen gehören ins persönliche Gespräch an einem ruhigen Ort und nicht zwischen Tür und Angel.
  • Rückmeldung einholen: Lass wichtige Anweisungen mit eigenen Worten wiederholen. Frage „Wie gehen Sie jetzt vor?“ statt „Alles klar?“.
  • Stimmig auftreten: Worte, Stimme und Körpersprache sollen dasselbe aussagen.
  • Wichtiges schriftlich sichern: Maße, Termine und Zuständigkeiten gehören auf Papier oder ins System.

Information als Führungsaufgabe

Der Industriemeister steht zwischen Betriebsleitung und Mitarbeitern. Er gibt Ziele und Entscheidungen nach unten weiter und meldet Störungen, Kennzahlen und Vorschläge nach oben. Informieren ist deshalb kein Nebenbei, sondern Teil der Führung. Dazu gehört:

  • auswählen, welche Informationen die Mitarbeiter für ihre Aufgabe brauchen,
  • Informationen so übersetzen, dass sie am Arbeitsplatz verstanden werden,
  • rechtzeitig, vollständig und wahrheitsgemäß informieren,
  • alle Schichten und auch abwesende Mitarbeiter erreichen,
  • Rückfragen zulassen und prüfen, ob die Information angekommen ist.

In diesem Zusammenhang fallen oft zwei Begriffe. Bringschuld heißt: Wer eine Information hat, die andere für ihre Arbeit brauchen, gibt sie von sich aus weiter. Holschuld heißt: Wem eine Information fehlt, der fragt nach oder ruft sie ab, zum Beispiel im Intranet.

Fehlt Information, entstehen Fehler, Doppelarbeit und Gerüchte. Gut informierte Mitarbeiter verstehen den Sinn ihrer Arbeit, arbeiten sicherer und tragen Entscheidungen eher mit.

Typische Fehler

  • Der Sender setzt voraus, dass der Empfänger dasselbe Vorwissen hat.
  • Wichtige Anweisungen werden nebenbei und unter Lärm gegeben.
  • Es wird keine Rückmeldung eingeholt.
  • Körpersprache und Tonfall widersprechen den Worten.
  • Kritik wird schriftlich oder vor anderen geäußert.
  • Informationen werden als Machtmittel zurückgehalten.

Praxisbeispiel

In einer Montageabteilung ändert sich das Anzugsmoment für eine Schraubverbindung. Der Industriemeister ruft die Änderung dem Vorarbeiter der Frühschicht im Vorbeigehen zu. In der Halle ist es laut. Der Vorarbeiter nickt, bezieht die Änderung aber auf eine andere Baugruppe. Am nächsten Tag fällt der Fehler in der Endprüfung auf.

Der Industriemeister macht es danach anders. Er holt die Frühschicht für fünf Minuten an einen ruhigen Platz und zeigt die betroffene Verbindung am Bauteil. Er nennt den neuen Wert und den Grund für die Änderung. Dann bittet er einen Mitarbeiter, die Änderung mit eigenen Worten zu wiederholen, und fragt, was noch unklar ist. Die geänderte Arbeitsanweisung hängt er am Arbeitsplatz aus. Die Spätschicht informiert er bei der Schichtübergabe selbst und trägt die Änderung in das Schichtbuch ein.

Im zweiten Anlauf stimmen Worte und Zeigen überein, der Weg ist störungsfrei, und die Rückmeldung zeigt, dass die Nachricht verstanden wurde.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Erläutern Sie das Sender-Empfänger-Modell an einem Beispiel aus Ihrem Meisterbereich.
  • Unterscheiden Sie verbale, nonverbale und paraverbale Kommunikation und nennen Sie je zwei Beispiele.
  • Beschreiben Sie vier Störungen, die bei der Weitergabe einer Arbeitsanweisung auftreten können.
  • Beschreiben Sie fünf Maßnahmen, mit denen Sie Missverständnisse im Gespräch vermeiden.
  • Erläutern Sie den Unterschied zwischen Sachebene und Beziehungsebene.
  • Begründen Sie, warum die Information der Mitarbeiter eine Führungsaufgabe ist.

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Die Grundlagen der Kommunikation gehören zum Themenbereich Information und Kommunikation.

Information und Kommunikation

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Rechtsgrundlage

Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Kommunikation ist gelungen, wenn der Empfänger versteht, was der Sender gemeint hat. Das Sender-Empfänger-Modell zeigt den Weg der Nachricht und die Stellen, an denen Störungen entstehen. Worte, Körpersprache und Stimme wirken dabei immer zusammen.

Für die Prüfung solltest du das Sender-Empfänger-Modell an einem Beispiel erklären, die drei Formen mit Beispielen unterscheiden und fünf Störungen samt Gegenmaßnahmen beschreiben können.