Störungen und Aufmerksamkeit

Störungen und Aufmerksamkeit entscheiden darüber, ob eine gut vorbereitete Präsentation ihr Ziel erreicht. Das Thema gehört zur Durchführung einer Präsentation im Themenbereich Präsentationstechniken des Prüfungsbereichs Methoden der Information, Kommunikation und Planung.

Im Betrieb präsentierst du selten unter idealen Bedingungen. Nebenan läuft die Fertigung, ein Telefon klingelt, zwei Mitarbeiter unterhalten sich, und nach der Nachtschicht sind die Zuhörer müde. Als Industriemeister musst du Störungen vorbeugen, ruhig auf sie reagieren und die Zuhörer bei der Sache halten.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichPräsentationstechniken
ThemaDurchführung einer Präsentation (Rahmenplan 3.3.3)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungMethoden und Maßnahmen beschreiben, meist zu einer betrieblichen Situation
Lernziel laut RahmenplanDie Durchführung einer Präsentation umsetzen und dabei unvorhergesehene Ereignisse einkalkulieren
Empfohlene LernprioritätSehr hoch
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind Störungen und Aufmerksamkeit wichtig?

Eine Präsentation wirkt nur, wenn die Zuhörer zuhören. Jede Störung zieht Aufmerksamkeit ab, erst bei einem, dann bei allen. Wer darauf nicht oder falsch reagiert, verliert die Gruppe.

Beide Themen hängen zusammen:

  • Aufmerksame Zuhörer stören selten.
  • Wer beteiligt wird, hat keinen Anlass, sich anderweitig zu beschäftigen.
  • Eine Störung ist oft ein Zeichen: Die Zuhörer sind überfordert, gelangweilt oder mit etwas anderem beschäftigt.
  • Wer ruhig und fair reagiert, gewinnt an Ansehen.
  • Bei einer Unterweisung hängt an der Aufmerksamkeit die Sicherheit der Mitarbeiter.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.3 Präsentationstechniken
└── 3.3.3 Durchführung einer Präsentation
├── Eröffnung
├── Hauptteil
└── Abschluss

Der Rahmenplan nennt Störungen nicht als eigenen Punkt. Er verlangt, die Durchführung umzusetzen, und nennt bei der Vorbereitung das Einkalkulieren unvorhergesehener Ereignisse. In den letzten Jahren wurde in der Prüfung mehrfach nach dem Umgang mit Störungen und nach der Aufmerksamkeit der Teilnehmer gefragt. Deshalb hat das Thema hier eine eigene Seite.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hohe Prüfungsrelevanz

Das Thema gehört in der Prüfungsanalyse zur Gruppe „Präsentation durchführen und bewerten“. Diese Gruppe kam in 7 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 18 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Die Aufgabe bringt meist 10 Punkte.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • Methoden zu beschreiben, mit denen die Teilnehmer aufmerksam bleiben und mitarbeiten,
  • Maßnahmen gegen Störungen durch Mobilgeräte zu beschreiben, wenn ein Verbot nicht in Frage kommt,
  • Maßnahmen zu beschreiben, die die Aufmerksamkeit während der Präsentation erhöhen.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • Arten von Störungen unterscheiden,
  • Störungen durch Vorbereitung und klare Regeln vorbeugen,
  • auf Störungen abgestuft reagieren,
  • mit schwierigen Teilnehmern umgehen,
  • Lampenfieber einordnen und abbauen,
  • Methoden beschreiben, mit denen du Aufmerksamkeit gewinnst und hältst.

Arten von Störungen

Störungen lassen sich nach ihrer Quelle ordnen. Die Quelle bestimmt, was du tun kannst.

QuelleBeispieleAnsatz
TeilnehmerSeitengespräche, Mobilgeräte, Zuspätkommen, Zwischenrufe, DauerrednerRegeln vereinbaren, beteiligen, abgestuft reagieren
UmgebungLärm aus der Fertigung, Durchgangsverkehr, Hitze, schlechte LuftRaum und Zeitpunkt passend wählen, Tür schließen, lüften
TechnikBeamer fällt aus, Datei lässt sich nicht öffnen, Ton fehltvorher testen, Ersatz und Ausweichlösung bereithalten
OrganisationRaum doppelt belegt, Teilnehmer werden herausgerufen, Zeit wird gekürztabstimmen, Vertretung regeln, Kürzungen vorplanen
VortragenderFaden verloren, Zeit überzogen, zu leise, zu schnellStichwortkarten, Probe, Zeitplan

Störungen vorbeugen

Die meisten Störungen lassen sich vermeiden, bevor sie entstehen.

  • Regeln zu Beginn klären: Mobilgeräte stumm, Fragen erwünscht, Dauer und Pausen genannt.
  • Zeitpunkt und Raum passend wählen: nicht am Ende einer Nachtschicht, nicht neben einer lauten Anlage.
  • Nachbarbereiche und Vorgesetzte informieren: Niemand wird während der Präsentation herausgerufen, außer im Notfall.
  • Technik testen und Ersatz bereithalten.
  • Die Zuhörer beteiligen: Wer gefragt wird und mitarbeitet, beschäftigt sich nicht nebenbei.
  • Den Nutzen deutlich machen: Wer weiß, warum das Thema ihn betrifft, hört zu.
  • Dauer begrenzen und Pausen einhalten.

Störungen durch Mobilgeräte

Ein Verbot von Mobilgeräten lässt sich im Betrieb oft nicht durchsetzen, etwa weil die Instandhaltung Bereitschaft hat oder ein Schichtführer für seine Anlage erreichbar bleiben muss. Dann helfen Absprachen:

  • Kläre vor Beginn, wer wirklich erreichbar sein muss. Alle anderen stellen ihr Gerät stumm und legen es weg.
  • Nenne die Pausen im Voraus und halte sie ein. Nachrichten und Rückrufe haben dann ihren festen Platz.
  • Vereinbare, dass ein dringendes Gespräch vor der Tür geführt wird.
  • Halte die Präsentation kurz und beteilige die Teilnehmer. Wer mitarbeitet, greift nicht zum Telefon.

Auf Störungen abgestuft reagieren

Nicht jede Störung verlangt ein Eingreifen. Der Grundsatz lautet: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Du beginnst mit der mildesten Stufe und gehst nur weiter, wenn sie nicht wirkt.

  1. Übergehen: Eine kleine, einmalige Störung beachtest du nicht. Ein kurzes Flüstern oder ein herunterfallender Stift erledigt sich von selbst.
  2. Ohne Worte reagieren: Du suchst Blickkontakt, machst eine Sprechpause oder gehst ein paar Schritte auf die Störenden zu.
  3. Einbeziehen: Du stellst eine Frage zum Thema oder bittest um einen Beitrag aus der Praxis.
  4. Ansprechen: Du benennst die Störung ruhig und sachlich und verweist auf die vereinbarten Regeln. Du sprichst über das Verhalten, nicht über die Person.
  5. Unter vier Augen klären: Hält die Störung an, sprichst du in der Pause mit dem Teilnehmer. Notfalls unterbrichst du dafür kurz.

Dabei gelten drei Regeln. Du stellst niemanden vor der Gruppe bloß. Du bleibst ruhig und wirst nicht ironisch. Und du fragst dich, was hinter der Störung steckt. Unterhalten sich mehrere Teilnehmer, haben sie vielleicht etwas nicht verstanden. Dann hilft eine Rückfrage mehr als eine Ermahnung.

Bei einer technischen Panne sagst du kurz, was los ist, und wechselst auf die Ausweichlösung, zum Beispiel auf das Flipchart. Langes Probieren vor der wartenden Gruppe kostet Zeit und Aufmerksamkeit.

Schwierige Teilnehmer

Manche Verhaltensweisen kehren immer wieder. Für die Prüfung genügt es, das Verhalten zu beschreiben und eine passende Reaktion zu nennen.

VerhaltenDaran erkennst du esSo reagierst du
Dauerrednerredet lange und oft, andere kommen nicht zu Wortfür den Beitrag danken, zusammenfassen und das Wort an andere geben
Besserwisserkorrigiert und ergänzt ständigFachwissen anerkennen und gezielt für einen Beitrag nutzen, Einzelheiten auf später verschieben
Ablehneräußert Vorbehalte, wertet abEinwand ernst nehmen, sachlich antworten, nach einem Vorschlag fragen
Schweigerbeteiligt sich nichtmit einer leichten Frage direkt ansprechen, ohne ihn vorzuführen
Abschweiferbringt Themen ein, die nicht dazugehörenPunkt sichtbar notieren und auf später verschieben

Lampenfieber

Lampenfieber ist die Anspannung vor und zu Beginn eines Auftritts: Herzklopfen, trockener Mund, feuchte Hände. Es ist eine normale Reaktion. Etwas Anspannung macht wach und konzentriert. Hinderlich wird sie erst, wenn sie das Denken blockiert.

Das hilft vor der Präsentation:

  • gründlich vorbereiten und einmal laut proben,
  • die ersten Sätze auswendig können,
  • früh im Raum sein, Technik prüfen und die ersten Teilnehmer persönlich begrüßen,
  • Stichwortkarten bereithalten,
  • vor Beginn ruhig und tief atmen.

Das hilft während der Präsentation:

  • langsam beginnen und bewusst Pausen machen,
  • Blickkontakt zu zugewandten Zuhörern suchen,
  • etwas in die Hand nehmen, zum Beispiel die Stichwortkarten,
  • beim Verlust des Fadens kurz innehalten, das zuletzt Gesagte zusammenfassen und auf die Karte schauen.

Aufmerksamkeit gewinnen und halten

Aufmerksamkeit lässt nach, wenn lange nur einer spricht. Sie steigt mit jedem Wechsel und mit jeder Beteiligung.

MethodeSo setzt du sie ein
Betroffenheit herstellenEinladung und Einstieg zeigen, was das Thema mit der Arbeit der Teilnehmer zu tun hat, zum Beispiel mit einem Fall aus dem eigenen Bereich.
Mitarbeit vereinbarenDu sagst gleich in der Eröffnung, dass du Fragen stellen wirst und Beiträge erwartest.
Offene Fragen stellenDu fragst nach Erfahrungen und Einschätzungen und greifst die Antworten auf.
Kleine Aufträge gebenDie Teilnehmer schätzen eine Zahl, stimmen per Handzeichen ab oder suchen den Fehler in einem Foto.
Zusammenfassen lassenNach einem Abschnitt gibt ein Teilnehmer das Wichtigste in eigenen Worten wieder.
Abwechslung schaffenFolie, Flipchart, Gegenstand und Vorführung lösen einander ab.
Blick lenkenAuf der Folie erscheint nur der Punkt, um den es gerade geht. Wichtiges ist farbig oder größer gesetzt.
Kernaussagen mehrfach bringenDie wichtigsten Punkte stehen in der Eröffnung, im Hauptteil und in der Zusammenfassung.
Lernkontrolle ankündigenWer weiß, dass am Ende einige Fragen zu beantworten sind, hört genauer zu.
Stimme und Standort wechselnBetonung, Pausen und ein Schritt auf die Gruppe zu machen die Zuhörer wieder wach.

Offene Fragen beginnen mit einem Fragewort wie „wie“, „was“ oder „warum“. Mehr dazu steht auf der Seite Fragetechniken und Gesprächsführung.

Typische Fehler

  • Eine Störung wird lange übergangen, bis die ganze Gruppe unruhig ist.
  • Der Vortragende reagiert gereizt oder ironisch und stellt einen Teilnehmer bloß.
  • Regeln werden erst genannt, wenn schon gestört wird.
  • Der Vortragende redet ohne Unterbrechung und beteiligt niemanden.
  • Bei einer technischen Panne wird minutenlang vor der Gruppe probiert.

Praxisbeispiel

Ein Industriemeister unterweist 18 Mitarbeiter der Spätschicht im Umgang mit einem neuen Kühlschmierstoff. Die Unterweisung dauert 30 Minuten und findet im Pausenraum neben der Halle statt.

Vorher hat er mit dem Schichtführer abgestimmt, dass niemand herausgerufen wird. Zu Beginn bittet er darum, die Telefone stumm zu schalten, und kündigt an, dass am Ende jeder drei Fragen auf einem Blatt beantwortet. Er hält einen Kanister hoch, zeigt auf die Kennzeichnung und fragt in die Runde, welche Handschuhe bisher beim Nachfüllen getragen werden.

Nach zehn Minuten unterhalten sich zwei Mitarbeiter halblaut. Er spricht weiter und sieht beide an. Als das nicht wirkt, fragt er einen der beiden, wie an seiner Maschine bisher nachgefüllt wird. Die Antwort greift er auf. Das Gespräch ist beendet, und er hat ein Beispiel aus der Praxis gewonnen.

Kurz darauf fällt der Bildschirm aus. Er sagt das kurz an und zeichnet die drei Schutzmaßnahmen am Flipchart auf, das er für diesen Fall bereitgestellt hat. Zum Schluss lässt er einen Mitarbeiter die drei Maßnahmen wiederholen.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Beschreiben Sie vier Methoden, mit denen Sie die Teilnehmer einer Präsentation zur Mitarbeit bewegen.
  • Erläutern Sie zwei Absprachen, mit denen sich die Ablenkung durch Mobiltelefone begrenzen lässt.
  • Nennen Sie vier Quellen von Störungen bei einer Präsentation und je ein Beispiel.
  • Beschreiben Sie, wie Sie auf anhaltende Seitengespräche während einer Präsentation reagieren.
  • Beschreiben Sie vier Maßnahmen, mit denen Sie Störungen vorbeugen.
  • Erläutern Sie, wie Sie mit einem Teilnehmer umgehen, der die Präsentation durch lange Wortbeiträge aufhält.
  • Beschreiben Sie drei Maßnahmen gegen Lampenfieber.

Verwandte Themen

Störungen und Aufmerksamkeit gehören zum Themenbereich Präsentationstechniken.

Präsentationstechniken

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Rechtsgrundlage

Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Störungen beugst du mit klaren Regeln, guter Organisation und beteiligten Zuhörern vor. Treten sie trotzdem auf, reagierst du abgestuft: vom Übergehen über Blickkontakt und Einbeziehen bis zum Gespräch unter vier Augen. Aufmerksamkeit entsteht durch Wechsel und Beteiligung.

Für die Prüfung solltest du fünf Methoden für Aufmerksamkeit und Mitarbeit, vorbeugende Maßnahmen gegen Störungen und die Stufen der Reaktion in ganzen Sätzen beschreiben können.