Kreativitätstechniken

Kreativitätstechniken sind Methoden, mit denen eine Gruppe oder ein Einzelner gezielt viele Ideen für die Lösung eines Problems findet. Das Thema gehört zum Themenbereich Planungstechniken und Analysemethoden im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Der Rahmenplan führt es unter dem Titel „Ziel und Methoden der Ideenfindung“.

Als Industriemeister brauchst du diese Methoden, wenn die Ursache eines Problems bekannt ist, die Lösung aber noch nicht. Deine Mitarbeiter kennen die Abläufe am besten. Mit der passenden Methode holst du ihr Wissen an den Tisch.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichPlanungstechniken und Analysemethoden
ThemaMethoden der Problemlösung und Entscheidungsfindung (Rahmenplan 3.2.2), Ziel und Methoden der Ideenfindung
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐ Hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungMethoden beschreiben, Ablauf in Schritten erläutern, Methode vorschlagen und begründen
Lernziel laut RahmenplanZiel und Methoden der Ideenfindung anwenden, zum Beispiel Mindmap, Brainstorming und morphologischen Kasten
Empfohlene LernprioritätHoch
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind Kreativitätstechniken wichtig?

Wer ein Problem lösen will, greift gern zur ersten Idee. Bessere Möglichkeiten bleiben dann unentdeckt.

Die Methoden der Ideenfindung setzen dagegen auf eine einfache Regel: Erst wird gesammelt, dann wird bewertet. Das bringt drei Vorteile:

  • Mehr Auswahl: Aus vielen Ideen lässt sich eine bessere Lösung wählen als aus zwei.
  • Wissen der Gruppe: Erfahrungen aus verschiedenen Arbeitsplätzen und Schichten fließen ein.
  • Beteiligung: Wer an der Lösung mitgearbeitet hat, trägt sie eher mit.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.2 Planungstechniken und Analysemethoden
└── 3.2.2 Methoden der Problemlösung und Entscheidungsfindung
└── Ziel und Methoden der Ideenfindung
├── Mindmap
├── Brainstorming
└── morphologischer Kasten

Die Ideenfindung folgt auf die Analyse des Problems und geht der Entscheidung voraus. Der Rahmenplan nennt die drei Methoden nur als Beispiele. Du kannst in der Prüfung deshalb auch eine andere beschreiben, etwa das Brainwriting.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐ Hohe Prüfungsrelevanz

Kreativitätstechniken und Ideenfindung kamen in 5 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 7 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Die Fragen bringen zwischen 4 und 20 Punkten. In den 18 Prüfungen seit Herbst 2017 war die Ideenfindung sechsmal eine Teilaufgabe der Aufgabe 2, meist neben einer anderen Methode.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • mehrere Methoden zu beschreiben, mit denen Mitarbeiter an einer Problemlösung beteiligt werden,
  • den Ablauf einer mündlichen Ideensammlung in Schritten zu beschreiben,
  • den Ablauf einer schriftlichen Ideenfindung zu erläutern,
  • für ein Vorhaben passende Methoden vorzuschlagen und die Wahl zu begründen.

Gefragt ist fast immer der Ablauf in Schritten.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • das Ziel der Ideenfindung erklären,
  • die Regeln und den Ablauf eines Brainstormings beschreiben,
  • Brainwriting und die Methode 6-3-5 erläutern,
  • eine Mindmap aufbauen,
  • einen morphologischen Kasten aufstellen und Lösungen daraus ableiten,
  • für eine Aufgabe die passende Methode vorschlagen und begründen.

Ziel und Grundsätze der Ideenfindung

Ziel der Ideenfindung ist es, in kurzer Zeit möglichst viele und möglichst unterschiedliche Lösungsansätze zu sammeln. Ob eine Idee gut ist, spielt in dieser Phase noch keine Rolle.

Für alle Methoden gelten dieselben Grundsätze:

  • Die Aufgabe ist als klare Frage formuliert, zum Beispiel: „Wie verkürzen wir die Suchzeiten am Montageplatz?“
  • Ideensuche und Bewertung sind streng getrennt.
  • Alle Ideen werden sichtbar festgehalten.
  • Jeder Teilnehmer kommt zu Wort, unabhängig von seiner Stellung im Betrieb.
  • Am Ende steht fest, was mit den Ideen geschieht.

Brainstorming

Beim Brainstorming äußert eine Gruppe unter Leitung eines Moderators spontan Ideen zu einer Frage. Alle Beiträge werden für jeden sichtbar notiert. Als Richtwert gelten fünf bis zwölf Personen und eine Sammelphase von 15 bis 30 Minuten.

Die vier Regeln

  • Keine Kritik: Bewertungen und Kommentare sind während der Sammlung verboten, auch Sätze wie „Das geht bei uns nicht“.
  • Menge vor Güte: Je mehr Ideen, desto besser.
  • Freier Lauf: Auch ungewöhnliche und scheinbar unrealistische Einfälle sind erwünscht.
  • Ideen aufgreifen: Jeder darf die Vorschläge anderer weiterentwickeln und kombinieren.

Ablauf in drei Phasen

PhaseWas geschieht?
1. VorbereitungThema als Frage formulieren, Teilnehmer einladen, Moderator und Schreiber bestimmen, Material bereitstellen
2. DurchführungThema und Regeln vorstellen, Ideen zurufen lassen und alle unbewertet notieren, bei Stockungen mit Fragen neue Anstöße geben
3. AuswertungIdeen ordnen, Doppeltes zusammenlegen, erst jetzt bewerten und auswählen, Ergebnis und nächste Schritte festhalten

Der Moderator achtet auf die Regeln, hält sich mit eigenen Ideen zurück und holt auch stille Teilnehmer ins Gespräch.

Brainwriting und Methode 6-3-5

Brainwriting ist die schriftliche Form. Jeder Teilnehmer notiert seine Ideen zunächst für sich, auf Karten oder auf einem Formular. So bringen sich auch zurückhaltende Mitarbeiter ein. Am einfachsten ist die Kartenabfrage: eine Idee je Karte, gesammelt und geordnet an der Pinnwand.

Die bekannteste Form ist die Methode 6-3-5. Der Name beschreibt den Ablauf:

  • 6 Teilnehmer erhalten je ein Formular mit drei Spalten und sechs Zeilen.
  • Jeder trägt in die erste Zeile 3 Ideen ein.
  • Danach wird das Blatt 5-mal weitergegeben. Für jede Runde stehen etwa fünf Minuten zur Verfügung.

In jeder Runde liest der Teilnehmer die Ideen seiner Vorgänger und ergänzt drei weitere. Er kann sie aufgreifen, weiterentwickeln oder Neues schreiben. Nach sechs Runden stehen auf jedem Blatt 18 Einträge. Bei sechs Blättern sind das bis zu 6 · 18 = 108 Ideen in rund 30 Minuten.

Ablauf des Brainwritings

  1. Vorbereiten: Frage formulieren, Teilnehmer bestimmen, Formulare oder Karten bereitlegen.
  2. Einweisen: Thema, Zeitrahmen und Regeln erklären.
  3. Schreiben: Jeder notiert still seine Ideen, bei der Methode 6-3-5 in mehreren Runden.
  4. Sammeln und ordnen: Blätter oder Karten aushängen, Doppeltes zusammenlegen, Gruppen bilden.
  5. Bewerten und festhalten: Erst jetzt wird diskutiert, ausgewählt und dokumentiert.

Mindmap

Eine Mindmap ordnet alles, was zu einem Thema gehört, in einer Baumstruktur, die von der Mitte nach außen wächst. Sie eignet sich zum Sammeln, Gliedern und Planen, allein oder in der Gruppe.

So entsteht eine Mindmap:

  1. Das Thema steht in der Mitte eines quer gelegten Blatts.
  2. Von der Mitte gehen Hauptäste für die wichtigsten Gesichtspunkte aus.
  3. An jeden Hauptast schließen sich Nebenäste mit Einzelheiten an.
  4. Auf jedem Ast steht ein Schlüsselwort, kein ganzer Satz.
  5. Farben, Symbole und Verbindungslinien heben Zusammenhänge hervor.

Ein Beispiel zum Thema „Suchzeiten am Montageplatz verkürzen“:

HauptastNebenäste
WerkzeugSchattenbrett, feste Plätze, Werkzeugwagen je Arbeitsplatz
Materialbeschriftete Behälter, markierter Mindestbestand, Nachschub im festen Takt
InformationArbeitsplan am Platz, Fotos des Sollzustands
MitarbeiterUnterweisung, Verantwortliche je Arbeitsplatz

Der Vorteil liegt in der Ordnung: Zusammenhänge werden sichtbar, und das Ergebnis kann als Gliederung in die Planung übernommen werden. Bei sehr vielen Ästen wird das Bild unübersichtlich.

Morphologischer Kasten

Der morphologische Kasten zerlegt eine Aufgabe in ihre Merkmale, sucht zu jedem Merkmal mehrere Ausprägungen und bildet daraus Kombinationen. So entstehen auch Lösungen, auf die spontan niemand gekommen wäre. Er eignet sich vor allem für technische Aufgaben, bei denen sich die Lösung aus mehreren Bausteinen zusammensetzt.

Ablauf in fünf Schritten

  1. Aufgabe beschreiben: Was soll gestaltet oder gelöst werden?
  2. Merkmale festlegen: Welche Eigenschaften bestimmen die Lösung? Die Merkmale sollen voneinander unabhängig sein.
  3. Ausprägungen suchen: Welche Möglichkeiten gibt es je Merkmal? Sie stehen nebeneinander in der Zeile des Merkmals.
  4. Kombinieren: Aus jeder Zeile wird eine Ausprägung gewählt. Der Linienzug durch die Tabelle ist eine Lösung.
  5. Bewerten und auswählen: Unsinnige Kombinationen scheiden aus, die übrigen werden verglichen.

Beispiel: Transportwagen für die Montage

Für die Materialversorgung einer Montage wird ein neuer Transportwagen gesucht. Die Gruppe legt vier Merkmale mit je drei Ausprägungen fest.

MerkmalAusprägung 1Ausprägung 2Ausprägung 3
Antriebvon Hand geschobenElektroantriebAnhänger im Routenzug
Lastaufnahmeoffene PlattformGitterboxEtagenböden
Lenkungvier Lenkrollenzwei Lenk- und zwei BockrollenDeichsellenkung
WerkstoffStahlAluminiumKunststoff

Vier Merkmale mit je drei Ausprägungen ergeben 3 · 3 · 3 · 3 = 81 mögliche Kombinationen. Zwei davon:

  • Lösung 1: Anhänger im Routenzug, Etagenböden, Deichsellenkung, Stahl.
  • Lösung 2: von Hand geschoben, offene Plattform, zwei Lenk- und zwei Bockrollen, Aluminium.

Nicht jede Kombination ist sinnvoll. Ein Anhänger im Routenzug muss der Spur des Zugfahrzeugs folgen. Vier frei drehende Lenkrollen passen dazu schlecht. Solche Kombinationen streicht die Gruppe. Die übrigen vergleicht sie, zum Beispiel mit einer Nutzwertanalyse.

Welche Methode passt wann?

Die Begründung für eine Methode ergibt sich aus der Lage.

MethodeBesonders geeignet, wennBegründung
Brainstormingschnell viele Ideen gebraucht werden und die Gruppe offen miteinander umgehtregt an, motiviert und braucht wenig Vorbereitung
Brainwriting, Methode 6-3-5einzelne Teilnehmer das Wort führen oder andere sich zurückhaltenalle arbeiten gleichzeitig und gleichberechtigt, die Ideen sind sofort dokumentiert
Mindmapein Thema geordnet und gegliedert werden sollzeigt Zusammenhänge und liefert eine Gliederung
Morphologischer Kasteneine Lösung aus mehreren Bausteinen bestehtgeht die Kombinationen planmäßig durch

Jede Methode hat auch Schwächen. Beim Zuruf können Wortführer die Gruppe beherrschen. Der schriftlichen Form fehlen Spontaneität und Rückfragen.

Typische Fehler

  • Ideen werden schon während der Sammlung bewertet.
  • Die Frage ist zu allgemein oder enthält bereits die Lösung.
  • Der Vorgesetzte äußert zuerst seine Meinung, und die Gruppe schließt sich an.
  • Im morphologischen Kasten hängen die Merkmale voneinander ab.
  • Die Teilnehmer erfahren nicht, was aus ihren Ideen wurde.

Praxisbeispiel

In einem Versandlager werden beim Kommissionieren immer wieder ähnliche Artikel verwechselt. Der Industriemeister will die Mitarbeiter an der Lösung beteiligen.

Weil in der Gruppe zwei erfahrene Kollegen meist das Wort führen, wählt er die Methode 6-3-5. Sechs Mitarbeiter erhalten die Frage: „Wie verhindern wir Verwechslungen beim Kommissionieren?“ Nach einer halben Stunde liegen sechs ausgefüllte Blätter vor.

Die Gruppe ordnet die Vorschläge in einer Mindmap mit den Hauptästen Lagerplatz, Kennzeichnung, Technik und Ablauf. Drei Ideen werden sofort umgesetzt: ähnliche Artikel getrennt lagern, Fächer farbig kennzeichnen, jede Entnahme durch Scannen bestätigen.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Beschreiben Sie zwei Methoden der Ideenfindung, mit denen Sie Ihre Mitarbeiter an der Lösung eines Problems beteiligen.
  • Nennen Sie vier Regeln, die bei einem Brainstorming gelten.
  • Beschreiben Sie den Ablauf eines Brainstormings von der Vorbereitung bis zur Auswertung.
  • Erläutern Sie den Ablauf der Methode 6-3-5.
  • Schlagen Sie für die dargestellte Aufgabe eine Methode der Ideenfindung vor und begründen Sie Ihre Wahl.
  • Erläutern Sie, wie in einem morphologischen Kasten Lösungen entstehen.

Verwandte Themen

Kreativitätstechniken gehören zum Themenbereich Planungstechniken und Analysemethoden.

Planungstechniken und Analysemethoden

Weitere Themen dieses Themenbereichs

Passt auch dazu

Rechtsgrundlage

Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Kreativitätstechniken trennen das Sammeln von Ideen vom Bewerten. Brainstorming und Brainwriting liefern in kurzer Zeit viele Einfälle, die Mindmap ordnet sie, und der morphologische Kasten bildet aus Merkmalen und Ausprägungen planmäßig neue Lösungen.

Für die Prüfung solltest du zu jeder Methode den Ablauf in Schritten beschreiben, die vier Regeln der mündlichen Ideensammlung nennen und begründen können, welche Methode zu welcher Aufgabe passt.