Ein Flussdiagramm stellt einen Ablauf als Zeichnung dar: Schritt für Schritt, mit allen Entscheidungen und in der richtigen Reihenfolge. Das Thema gehört zum Themenbereich Planungstechniken und Analysemethoden im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Der Rahmenplan nennt es als Form der Situationsbeschreibung.
Für Industriemeister ist es ein Werkzeug für den Alltag. Ein Ablauf, der auf einer halben Seite Text schwer zu überblicken ist, passt als Zeichnung auf ein Blatt. Jeder sieht sofort, wer was in welcher Reihenfolge tut und was bei einer Abweichung geschieht. In der Prüfung musst du einen beschriebenen Ablauf selbst zeichnen können.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Prüfungsteil | Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen |
| Prüfungsbereich | Methoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP) |
| Themenbereich | Planungstechniken und Analysemethoden |
| Thema | Methoden der Problemlösung und Entscheidungsfindung (Rahmenplan 3.2.2), Form der Situationsbeschreibung |
| Prüfungsrelevanz | ⭐⭐⭐ Mittel |
| Datengrundlage | DIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK |
| Art der Prüfung | einen beschriebenen Ablauf zeichnen, Anwendungsgebiete nennen, Vorteile beschreiben |
| Lernziel laut Rahmenplan | Ziel, Formen und Inhalte der Situationsbeschreibung anwenden, hier in Form einer Ablaufzeichnung |
| Empfohlene Lernpriorität | Mittel |
| Vertiefung | Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar) |
Warum ist das Flussdiagramm wichtig?
Abläufe im Betrieb sind selten gerade Linien. Fast immer gibt es Prüfungen und Entscheidungen: Ist das Maß in Ordnung? Ist das Material da? Liegt die Freigabe vor? In einem Text gehen diese Abzweigungen leicht unter. In der Zeichnung hat jede Entscheidung ein eigenes Zeichen und jeder Weg eine eigene Linie.
Das bringt mehrere Vorteile:
- Übersicht: Der ganze Ablauf ist auf einen Blick zu erfassen.
- Eindeutigkeit: Reihenfolge und Zuständigkeit lassen keinen Spielraum für Deutungen.
- Vollständigkeit: Beim Zeichnen fällt auf, wenn für einen Fall keine Regelung besteht.
- Standard: Der Ablauf wird für alle Schichten und Mitarbeiter gleich festgelegt.
- Vergleich: Der geplante Ablauf lässt sich mit dem tatsächlichen abgleichen.
- Verbesserung: Unnötige Schritte, Schleifen und Wartezeiten werden sichtbar.
Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans
Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.2 Planungstechniken und Analysemethoden
└── 3.2.2 Methoden der Problemlösung und Entscheidungsfindung
└── Ziel, Formen und Inhalte der Situationsbeschreibung
├── Soll-Ist-Analyse
├── Flussdiagramm
└── Stärken-Schwächen-Analyse
Der Rahmenplan führt die Ablaufzeichnung als Hinweis bei der Situationsbeschreibung auf und verlangt die Stufe „anwenden“. Du sollst also nicht nur wissen, was die Zeichen bedeuten, sondern selbst zeichnen können. Bei der Sechs-Stufen-Methode nennt der Rahmenplan das Ablaufdiagramm noch einmal.
Prüfungsrelevanz
⭐⭐⭐ Mittlere Prüfungsrelevanz
Das Flussdiagramm kam in 2 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 5 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Die Fragen bringen zwischen 4 und 20 Punkten. In den 18 Prüfungen seit Herbst 2017 war es dreimal die Methode der Aufgabe 2.
In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,
- zu einem in Worten beschriebenen Ablauf die vollständige Zeichnung zu erstellen,
- einen Ablauf mit mehreren Fällen und unterschiedlichen Reaktionen darzustellen,
- weitere Anwendungsgebiete zu nennen,
- Vorteile dieser Darstellung zu beschreiben.
Wer die Zeichen und Regeln sicher beherrscht, kann die Punkte für die Zeichnung gut planen.
Was lernst du auf dieser Seite?
Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:
- Zweck und Anwendungsgebiete nennen,
- die wichtigsten Sinnbilder zeichnen und erklären,
- die Regeln für eine saubere Darstellung anwenden,
- einen beschriebenen Ablauf in fünf Schritten in eine Zeichnung übertragen,
- Folge, Verzweigung und Schleife unterscheiden,
- typische Fehler vermeiden.
Was ist ein Flussdiagramm?
Ein Flussdiagramm ist die grafische Darstellung eines Ablaufs mit festgelegten Zeichen. Rechtecke stehen für Tätigkeiten, Rauten für Entscheidungen, Linien mit Pfeilen für die Reihenfolge. Andere Namen sind Ablaufdiagramm und Programmablaufplan. Der zweite Name stammt aus der Programmierung, wo auf diese Weise die Logik eines Programms geplant wird.
Anwendungsgebiete
- Arbeitsabläufe beschreiben, zum Beispiel Auftragsdurchlauf oder Wareneingang,
- Prüfabläufe und Qualitätskontrollen festlegen,
- das Verhalten bei Störungen und Notfällen regeln,
- den Informationsfluss darstellen: Wer meldet was an wen?
- Abläufe für Unterweisung und Einarbeitung anschaulich machen,
- Steuerungen und Programme vorbereiten.
Grenzen
Sehr umfangreiche Abläufe werden schnell unübersichtlich. Dann hilft es, Teilabläufe in eigene Zeichnungen auszulagern. Zeiten, Kosten und Mengen zeigt die Darstellung nicht. Dafür brauchst du andere Werkzeuge, zum Beispiel den Netzplan.
Die Sinnbilder
Die Zeichen heißen Sinnbilder. Für Programmablaufpläne sind sie in der DIN 66001 festgelegt. Im Betrieb werden sie auch für Arbeitsabläufe verwendet.
| Sinnbild | Form | Bedeutung | Beschriftung |
|---|---|---|---|
| Grenzstelle | Rechteck mit stark gerundeten Enden | Anfang und Ende des Ablaufs | „Start“, „Ende“ |
| Tätigkeit | Rechteck | ein Arbeitsschritt | Gegenstand und Verb: „Werkstück messen“ |
| Verzweigung | Raute | eine Entscheidung | Frage: „Maß in Toleranz?“ |
| Ein- und Ausgabe | Parallelogramm | Daten oder Belege kommen hinzu oder werden ausgegeben | „Prüfprotokoll ausdrucken“ |
| Verbindungsstelle | Kreis | Übergang zu einer anderen Stelle oder einem anderen Blatt | Buchstabe oder Zahl |
| Ablauflinie | Linie mit Pfeil | Reihenfolge und Richtung | bei Verzweigungen „ja“ oder „nein“ |
Daneben gibt es weitere Sinnbilder, zum Beispiel für ein Dokument oder für einen Teilablauf, der an anderer Stelle beschrieben ist. Für die Prüfung genügen in aller Regel Grenzstelle, Tätigkeit, Verzweigung und Ablauflinie.
Regeln für die Darstellung
- Jeder Ablauf hat genau einen Start und mindestens ein Ende.
- Die Leserichtung geht von oben nach unten und von links nach rechts.
- Jede Tätigkeit steht in einem eigenen Rechteck und wird knapp beschriftet.
- Jede Verzweigung enthält eine Frage, die sich eindeutig beantworten lässt.
- Jeder Ausgang einer Verzweigung ist beschriftet, meist mit „ja“ und „nein“.
- Jeder Weg führt zum Ende. Es gibt keine losen Enden.
- Ablauflinien kreuzen sich möglichst nicht und tragen einen Pfeil.
- Alle Schritte haben etwa die gleiche Feinheit.
Die drei Grundformen
Jeder Ablauf lässt sich aus drei Bausteinen zusammensetzen:
- Folge: Schritte laufen nacheinander ab.
- Verzweigung: Eine Frage teilt den Ablauf in zwei oder mehr Wege.
- Schleife: Ein Weg führt zurück zu einem früheren Schritt, der wiederholt wird, bis eine Bedingung erfüllt ist.
Hat eine Frage mehr als zwei Antworten, zum Beispiel drei Güteklassen, gibt es zwei saubere Lösungen. Entweder zeichnest du eine Raute mit drei beschrifteten Ausgängen, oder du stellst zwei Ja-Nein-Fragen hintereinander.
Ein Flussdiagramm in fünf Schritten erstellen
- Ablauf abgrenzen: Womit beginnt er, womit endet er?
- Text zerlegen: Tätigkeiten und Entscheidungen im Text markieren. Wörter wie „wenn“, „falls“ oder „sonst“ weisen auf eine Verzweigung hin.
- Reihenfolge klären: Was folgt worauf, und wohin führt jeder Ausgang einer Entscheidung?
- Zeichnen: Mit dem Start oben beginnen, den Hauptweg senkrecht nach unten führen, Nebenwege zur Seite.
- Prüfen: Jeden Weg einmal vom Start bis zum Ende durchgehen und mit dem Text vergleichen.
Beispiel: Maßprüfung eines Werkstücks
Der Ablauf ist so beschrieben: Nach der Bearbeitung wird das Werkstück gemessen. Liegt das Maß in der Toleranz, wird das Werkstück freigegeben. Liegt es außerhalb, wird geprüft, ob Nacharbeit möglich ist. Wenn ja, wird das Werkstück nachgearbeitet und erneut gemessen. Wenn nein, wird es als Ausschuss gebucht.
Schritte 1 bis 3: Der Text wird zerlegt.
| Aussage im Text | Sinnbild | Beschriftung |
|---|---|---|
| Beginn des Ablaufs | Grenzstelle | Start |
| Das Werkstück wird gemessen. | Tätigkeit | Werkstück messen |
| Liegt das Maß in der Toleranz? | Verzweigung | Maß in Toleranz? |
| Das Werkstück wird freigegeben. | Tätigkeit | Werkstück freigeben |
| Ist Nacharbeit möglich? | Verzweigung | Nacharbeit möglich? |
| Das Werkstück wird nachgearbeitet. | Tätigkeit | Werkstück nacharbeiten |
| Das Werkstück wird als Ausschuss gebucht. | Tätigkeit | Ausschuss buchen |
| Ende des Ablaufs | Grenzstelle | Ende |
Das sind acht Sinnbilder: zwei Grenzstellen, vier Tätigkeiten und zwei Verzweigungen.
Schritt 4: Die Zeichnung entsteht. Der Hauptweg läuft senkrecht vom Start über das Messen und die erste Frage zur Freigabe und zum Ende. Der Ausgang „nein“ führt nach rechts zur zweiten Frage. Von dort geht es bei „ja“ zur Nacharbeit und zurück zum Messen. Das ist eine Schleife. Bei „nein“ wird der Ausschuss gebucht, und der Weg führt zum Ende.

Schritt 5: Die Prüfung ergibt drei mögliche Wege.
- Das Maß stimmt sofort: messen, freigeben, Ende.
- Das Maß stimmt nicht, Nacharbeit ist möglich: messen, nacharbeiten, erneut messen.
- Das Maß stimmt nicht, Nacharbeit ist nicht möglich: messen, Ausschuss buchen, Ende.
Alle drei Wege stehen im Text, und alle enden sauber. Die Zeichnung ist vollständig.
Typische Fehler
- Start oder Ende fehlen.
- Die Raute enthält eine Tätigkeit statt einer Frage.
- Die Ausgänge einer Verzweigung sind nicht beschriftet.
- Ein Weg endet im Nichts, zum Beispiel nach einer Nacharbeit.
- Pfeile fehlen, die Richtung ist nicht erkennbar.
- Mehrere Tätigkeiten stehen in einem Rechteck.
- Die Zeichnung enthält Schritte, die im Text nicht vorkommen, oder lässt Schritte aus.
- Tätigkeiten sind als ganze Sätze beschriftet und die Zeichnung wird unlesbar.
Für die Prüfung gilt: Skizziere den Ablauf zuerst auf dem Konzeptpapier, lass in der Reinzeichnung genug Platz zwischen den Zeichen und halte dich genau an den Text der Aufgabe. Eigene Ergänzungen bringen keine Punkte.
Praxisbeispiel
Im Wareneingang eines Montagebetriebs gibt es immer wieder Rückfragen, was mit beschädigten Lieferungen geschehen soll. Jede Schicht handelt anders. Der Industriemeister lässt den Ablauf mit den Mitarbeitern aufzeichnen.
Sie halten fest: Die Lieferung wird angenommen und mit dem Lieferschein verglichen. Stimmen Art und Menge, wird die Ware auf Schäden geprüft. Ist sie unbeschädigt, wird sie gebucht und eingelagert. Bei Abweichungen oder Schäden wird die Ware gesperrt, im Sperrlager abgestellt und der Einkauf informiert.
Beim Zeichnen fällt auf, dass ein Fall nicht geregelt ist: Was geschieht, wenn der Lieferschein fehlt? Die Gruppe ergänzt eine weitere Verzweigung. Die fertige Zeichnung hängt seitdem am Wareneingang und wird bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter verwendet. Die Rückfragen sind zurückgegangen.
Typische Prüfungsfragen
In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:
- Stellen Sie den beschriebenen Ablauf als Flussdiagramm dar.
- Nennen Sie vier Sinnbilder und erläutern Sie ihre Bedeutung.
- Nennen Sie vier Anwendungsgebiete für diese Form der Darstellung im Betrieb.
- Beschreiben Sie drei Vorteile gegenüber einer Beschreibung in Textform.
- Erläutern Sie, woran Sie im Text eines Ablaufs eine Verzweigung erkennen.
- Beschreiben Sie, wie Sie eine Schleife darstellen.
- Beschreiben Sie fünf Regeln, die Sie beim Zeichnen beachten.
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Rechtsgrundlage
Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.
Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)
Fazit
Die Ablaufzeichnung macht aus einer Beschreibung in Worten ein Bild, das jeder auf einen Blick versteht. Wenige Sinnbilder genügen: Grenzstelle, Tätigkeit, Verzweigung und Ablauflinie.
Für die Prüfung solltest du einen beschriebenen Ablauf sicher in ein Flussdiagramm übertragen können. Achte auf Start und Ende, auf Fragen in den Rauten, auf beschriftete Ausgänge und darauf, dass jeder Weg ankommt. Dazu solltest du Anwendungsgebiete und Vorteile nennen können.
