Betriebssysteme und Anwendungssoftware gehören zum Themenbereich Prozess- und Produktionsdaten im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung. Das Betriebssystem macht einen Rechner überhaupt erst nutzbar. Die Anwendungssoftware erledigt darauf die eigentlichen Aufgaben: schreiben, rechnen, planen, steuern.
Als Industriemeister musst du keine Software entwickeln. Du solltest aber einordnen können, welche Art von Software für welche Aufgabe passt und worin sich Standardsoftware und Individualsoftware unterscheiden.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Prüfungsteil | Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen |
| Prüfungsbereich | Methoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP) |
| Themenbereich | Prozess- und Produktionsdaten |
| Thema | Betriebssysteme zur Prozessverarbeitung (Rahmenplan 3.1.4), Einteilung von Software (Rahmenplan 3.1.5) |
| Prüfungsrelevanz | ⭐⭐⭐ Mittel |
| Datengrundlage | DIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK |
| Art der Prüfung | Nennen und Beschreiben: Arten von Software mit Einsatzbeispiel |
| Lernziel laut Rahmenplan | Einsatzmöglichkeiten von Betriebssystemen kennen und sie einordnen, die Einteilung von Software überblicken |
| Empfohlene Lernpriorität | Mittel |
| Vertiefung | Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar) |
Warum sind Betriebssysteme und Software wichtig?
Im Betrieb entscheidet die Software mit darüber, wie gut ein Ablauf funktioniert. Eine passende Software spart Zeit und vermeidet Fehler. Eine unpassende zwingt die Mitarbeiter zu Umwegen, doppelten Eingaben und eigenen Listen.
Für dich als Industriemeister ist das Thema an drei Stellen wichtig:
- Bei der Auswahl: Du beschreibst die Anforderungen deines Bereichs.
- Im Alltag: Du nutzt verschiedene Programme für Auswertung, Bericht und Präsentation.
- Bei Störungen: Du weißt, an wen du dich wendest und was du melden musst.
Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans
Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.1 Prozess- und Produktionsdaten
├── 3.1.4 Betriebssysteme zur Prozessverarbeitung
└── 3.1.5 Einteilung von Software
Der Rahmenplan behandelt Betriebssysteme und Software in zwei Abschnitten. Bei den Betriebssystemen geht es um Einsatzmöglichkeiten, Einteilung und grundlegende Funktionsweise. Bei der Software nennt er Standardsoftware und Individualsoftware und verweist auf das Lastenheft.
Prüfungsrelevanz
⭐⭐⭐ Mittlere Prüfungsrelevanz
Fragen zu Software, IT-Support und IT-Dienstleistern kamen in 3 der 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 11 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Reine Fragen zu Betriebssystemen sind selten.
In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,
- Arten von Standardsoftware mit jeweils einem Einsatzbeispiel zu nennen,
- für vorgegebene Programme eine Einsatzmöglichkeit bei der Verarbeitung von Daten zu beschreiben,
- Fälle zu beschreiben, in denen ein Unternehmen Support für seine Software braucht,
- Anforderungen an ein IT-Systemhaus zu nennen.
Was lernst du auf dieser Seite?
Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:
- die Aufgaben eines Betriebssystems nennen,
- Betriebssysteme einteilen und Anwendungsgebieten zuordnen,
- erklären, warum Echtzeit in der Prozessverarbeitung wichtig ist,
- Systemsoftware und Anwendungssoftware unterscheiden,
- Standardsoftware und Individualsoftware vergleichen,
- typische Arten von Standardsoftware mit Einsatzbeispielen nennen.
Was ist ein Betriebssystem?
Das Betriebssystem ist das Grundprogramm eines Rechners. Es vermittelt zwischen der Hardware, den Anwendungsprogrammen und dem Benutzer. Ohne Betriebssystem läuft kein Programm.
Aufgaben eines Betriebssystems
- Hardware verwalten: Prozessor, Arbeitsspeicher und Datenträger zuteilen,
- Programme steuern: Programme starten, überwachen und beenden,
- Dateien verwalten: Daten speichern, ordnen und wiederfinden,
- Geräte ansteuern: Drucker, Scanner, Netzwerk und Bildschirm bedienen,
- Benutzer verwalten: Anmeldung, Rechte und Zugriffsschutz regeln,
- Bedienung ermöglichen: eine Oberfläche für den Benutzer bereitstellen.
Einteilung von Betriebssystemen
Betriebssysteme lassen sich nach mehreren Merkmalen einteilen:
| Merkmal | Einteilung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Zahl der Benutzer | Einzelbenutzer- oder Mehrbenutzersystem | Ein Benutzer oder mehrere Benutzer arbeiten gleichzeitig am System. |
| Zahl der Programme | Einzelprogramm- oder Mehrprogrammbetrieb (Multitasking) | Ein Programm oder mehrere Programme laufen gleichzeitig. |
| Zeitverhalten | Dialogbetrieb, Stapelbetrieb oder Echtzeitbetrieb | Das System reagiert auf Eingaben, arbeitet Aufträge nacheinander ab oder antwortet in garantierter Zeit. |
| Einsatzgebiet | Arbeitsplatzrechner, Server, mobile Geräte, eingebettete Systeme | vom Büro-PC bis zur Maschinensteuerung |
Anwendungsgebiete
| Anwendungsgebiet | Kennzeichen | Beispiel |
|---|---|---|
| Arbeitsplatzrechner | grafische Oberfläche, viele Anwendungsprogramme | PC im Meisterbüro |
| Server | mehrere Benutzer, hohe Verfügbarkeit, zentrale Dienste | Datenbankserver des ERP-Systems |
| Mobile Geräte | Bedienung über den Bildschirm, Funkverbindung | Tablet in der Instandhaltung, Handscanner im Lager |
| Eingebettete Systeme | fest in ein Gerät eingebaut, auf eine Aufgabe zugeschnitten | Steuerung einer Maschine, Bedienterminal |
Betriebssysteme in der Prozessverarbeitung
Bei der Steuerung von Maschinen und Anlagen gelten besondere Anforderungen. Ein Büroprogramm darf eine Sekunde warten. Eine Presse, ein Roboter oder eine Abfüllanlage dürfen das nicht.
In der Prozessverarbeitung werden deshalb Echtzeitbetriebssysteme eingesetzt. Echtzeit heißt nicht „besonders schnell“, sondern: Das System reagiert garantiert innerhalb einer festgelegten Zeit.
Weitere Anforderungen an Betriebssysteme in der Prozessverarbeitung:
- hohe Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb,
- Unempfindlichkeit gegen Störungen,
- Anschluss von Sensoren und Aktoren,
- Verbindung zu übergeordneten Systemen über das Netzwerk,
- lange Verfügbarkeit von Ersatz und Updates, weil Anlagen viele Jahre laufen.
Einteilung von Software
Software wird zunächst in zwei Gruppen eingeteilt:
- Systemsoftware sorgt dafür, dass der Rechner läuft: Betriebssystem, Treiber, Dienstprogramme wie Virenschutz und Datensicherung.
- Anwendungssoftware löst die Aufgaben des Benutzers: Texte schreiben, Aufträge verwalten, Maschinen programmieren.
Die Anwendungssoftware wird weiter unterteilt in Standardsoftware und Individualsoftware.
Standardsoftware
Standardsoftware wird für viele Kunden entwickelt und fertig angeboten. Beispiele sind Office-Programme, ERP-Systeme und CAD-Programme.
Standardsoftware lässt sich in Grenzen an den Betrieb anpassen. Der Rahmenplan nennt dafür zwei Begriffe:
- Parametrisierung: Vorhandene Einstellungen werden gewählt, zum Beispiel Kostenstellen, Schichtmodelle oder Formulare.
- Anpassung (Customizing): Die Software wird darüber hinaus auf die Abläufe des Betriebs zugeschnitten.
Eine Zwischenform ist die Branchensoftware. Sie ist Standardsoftware, aber auf die Abläufe einer bestimmten Branche ausgelegt.
Individualsoftware
Individualsoftware wird im Auftrag eines einzelnen Unternehmens entwickelt, entweder von der eigenen IT-Abteilung oder von einem Softwarehaus. Sie berücksichtigt genau die Anforderungen der späteren Nutzer. Grundlage dafür ist ein sorgfältiges Lastenheft.
Standardsoftware und Individualsoftware im Vergleich
| Standardsoftware | Individualsoftware | |
|---|---|---|
| Kosten | geringer, weil sich viele Kunden die Entwicklung teilen | hoch, weil ein Kunde alles trägt |
| Verfügbarkeit | sofort | erst nach der Entwicklung |
| Passung | Abläufe müssen sich teilweise der Software anpassen | genau auf den Betrieb zugeschnitten |
| Reife | erprobt, viele Fehler sind bereits beseitigt | Fehler zeigen sich erst im eigenen Einsatz |
| Schulung und Hilfe | Handbücher, Kurse und erfahrene Anwender sind verfügbar | Wissen liegt bei wenigen Personen |
| Weiterentwicklung | regelmäßige Updates durch den Hersteller | nur im eigenen Auftrag |
| Abhängigkeit | vom Hersteller und seiner Produktpolitik | vom Entwickler |
In der Praxis gilt meist: Standardsoftware, wo immer es geht, Individualsoftware nur dort, wo der Betrieb etwas Besonderes braucht.

Arten von Standardsoftware und ihr Einsatz
Diese Übersicht solltest du für die Prüfung sicher beherrschen. Verlangt wird meist die Art der Software mit einem passenden Einsatzbeispiel.
| Art | Einsatz bei der Verarbeitung von Daten |
|---|---|
| Tabellenkalkulation | Kennzahlen berechnen, Daten sortieren und filtern, Entwicklungen als Diagramm darstellen |
| Textverarbeitung | Berichte, Protokolle, Arbeitsanweisungen und Geschäftsbriefe schreiben |
| Präsentationssoftware | Ergebnisse vor Vorgesetzten oder Mitarbeitern vorstellen, Unterweisungen gestalten |
| Datenbank | Daten strukturiert speichern, auswählen, filtern und zusammenfassen |
| ERP-System | Aufträge mit Material, Arbeitszeiten und Betriebsmitteln verknüpfen, Ressourcen planen |
| CAD-Software | Teile und Baugruppen konstruieren, Zeichnungen und Stücklisten ableiten |
| Projektmanagement-Software | Vorgänge, Termine und Ressourcen eines Projekts planen und überwachen |
| Kommunikationssoftware | E-Mail, Videokonferenz, gemeinsame Ablage von Dokumenten |
Wann braucht ein Betrieb Support?
Auch Standardsoftware läuft nicht von allein. Unterstützung ist zum Beispiel nötig
- bei der Installation im ganzen Unternehmen,
- bei der Anpassung an die Anforderungen der Nutzer,
- bei Aktualisierungen und beim Schließen von Sicherheitslücken,
- bei Fragen der Anwender,
- bei technischen Problemen, häufig über Ferndiagnose und Fernwartung.
Wie Hotline und Support organisiert sind und was ein Betrieb von einem IT-Dienstleister erwartet, steht auf der Seite Informationstechnologie im Betrieb.
Praxisbeispiel
Ein Industriemeister erhält aus seinem Bereich laufend die erfassten Daten zu Stückzahlen, Arbeitszeiten und Ausfällen der Betriebsmittel.
Er nutzt dafür mehrere Programme:
- Im ERP-System sieht er, welche Arbeitszeiten und welches Material auf welchen Auftrag gebucht wurden.
- Aus der Datenbank lässt er sich die Ausfallzeiten des letzten Monats nach Maschinen zusammenfassen.
- In der Tabellenkalkulation berechnet er daraus die Verfügbarkeit und stellt die Entwicklung als Liniendiagramm dar.
- Mit der Textverarbeitung schreibt er den Monatsbericht für die Betriebsleitung.
- Mit der Präsentationssoftware stellt er die Ergebnisse in der Abteilungsbesprechung vor.
Jedes Programm hat seine Aufgabe. Die Kunst liegt darin, das passende Werkzeug zu wählen und Daten nicht mehrfach von Hand zu übertragen.
Typische Prüfungsfragen
In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:
- Nennen Sie vier Arten von Standard-Anwendungssoftware mit jeweils einem Einsatzbeispiel.
- Beschreiben Sie für Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Präsentationssoftware, Datenbank und ERP-System je eine Einsatzmöglichkeit.
- Erläutern Sie den Unterschied zwischen Standardsoftware und Individualsoftware.
- Nennen Sie Vorteile und Nachteile von Standardsoftware.
- Nennen Sie Aufgaben eines Betriebssystems.
- Beschreiben Sie Fälle, in denen ein Unternehmen Support für seine Software benötigt.
- Nennen Sie Anforderungen an ein IT-Systemhaus.
Verwandte Themen
Betriebssysteme und Software gehören zum Themenbereich Prozess- und Produktionsdaten.
Weitere Themen dieses Themenbereichs
- Informationstechnologie im Betrieb
- Datensicherheit und Datenschutz
- Lastenheft und Pflichtenheft
- Datenerfassung und Datenverarbeitung
- Diagramme interpretieren
Rechtsgrundlage
Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.
Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)
Fazit
Das Betriebssystem verwaltet Hardware, Programme, Dateien und Benutzer. In der Prozessverarbeitung kommt es auf Echtzeit und Zuverlässigkeit an. Software teilt sich in Systemsoftware und Anwendungssoftware, die Anwendungssoftware in Standardsoftware und Individualsoftware.
Für die Prüfung ist vor allem die Übersicht der Standardsoftware wichtig: Zu jeder Art solltest du ein passendes Einsatzbeispiel beschreiben können.
