Für die praktische Prüfung erwarten die Kammern eine schriftliche Ausarbeitung deiner Ausbildungssituation. Das AEVO Konzept wird nicht benotet, trotzdem entscheidet es mit über deinen Erfolg: Es zwingt dich, deine Unterweisung zu durchdenken, und es ist die Unterlage, aus der der Prüfungsausschuss seine Fragen ableitet. Diese Seite zeigt dir Aufbau, Gliederung und ein Beispiel.
Wie die Prüfung selbst abläuft, steht auf der Seite Praktische Prüfung.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Zweck | didaktische und methodische Planung deiner Ausbildungssituation; Vorbereitung für dich und für den Prüfungsausschuss |
| Bewertung | fließt nicht in die Note ein |
| Pflicht? | In der Verordnung steht es nicht. Der Rahmenplan empfiehlt es, und die Kammern verlangen es in der Regel. |
| Umfang | legt die Kammer fest, meist wenige Seiten |
| Abgabe | Frist, Form und Zahl der Exemplare stehen in den Unterlagen deiner Kammer |
Wozu das Konzept dient
- Dir selbst: Wer aufschreibt, was er in welcher Minute tut und warum, merkt früh, ob das Thema zu groß ist, ob das Lernziel stimmt und ob die Methode passt.
- Dem Prüfungsausschuss: Die Prüfer wissen vorab, was sie erwartet, und können sich auf das Fachgespräch vorbereiten.
- Dem Fachgespräch: Viele Fragen knüpfen an Sätze aus deiner Ausarbeitung an. Was dort steht, musst du begründen können.
Daraus folgt eine einfache Regel: Schreib nichts hinein, was du nicht verstanden hast. Ein Fachbegriff, den du auf Nachfrage nicht erklären kannst, schadet mehr, als er nützt.
Gliederung: Was hineingehört
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| 1. Deckblatt | Name, Prüfungstermin, Ausbildungsberuf, Thema, gewählte Form: Präsentation oder Durchführung |
| 2. Ausgangssituation | Betrieb, Ausbildungsberuf, Lernort, Zeitpunkt in der Ausbildung |
| 3. Adressatenanalyse | Wer ist der Auszubildende? Alter, Schulabschluss, Ausbildungsjahr, Vorkenntnisse, Stärken, Lerntyp |
| 4. Einordnung | Stelle im Ausbildungsrahmenplan und im betrieblichen Ausbildungsplan; was vorher vermittelt wurde und was danach folgt |
| 5. Lernziele | Richtlernziel, Groblernziel und Feinlernziel; Zuordnung zu den Lernbereichen |
| 6. Methode | gewählte Ausbildungsmethode und Begründung |
| 7. Medien und Arbeitsmittel | was du einsetzt und wozu |
| 8. Arbeitssicherheit und Umweltschutz | Gefahren, Schutzausrüstung, Hinweise |
| 9. Ablaufplan | Tabelle mit Zeit, Phase, Tätigkeit von Ausbilder und Auszubildendem, Medien |
| 10. Lernerfolgskontrolle | wie du feststellst, ob das Lernziel erreicht ist; wie es weitergeht |
Bei einer Präsentation oder einem Gespräch als Thema passt du die Gliederung an: Aus dem Lernziel wird ein Gesprächsziel, aus dem Ablaufplan der Gesprächsverlauf. Hat deine Kammer ein eigenes Muster, gilt das.
Die wichtigsten Abschnitte im Einzelnen
Adressatenanalyse
Die Adressatenanalyse beschreibt den Auszubildenden, für den du planst. Sie ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen: Ein 16-Jähriger im ersten Jahr braucht eine andere Methode als eine 24-jährige Umschülerin im dritten. Erfinde eine glaubwürdige Person und bleib dabei. Wenn du schreibst, dein Auszubildender lerne am besten durch Anfassen und Ausprobieren, sollte deine Methode dazu passen.
Lernziele
Aus dem Ausbildungsrahmenplan leitest du drei Ebenen ab: Das Richtlernziel nennt die Berufsbildposition, das Groblernziel den Teilbereich, das Feinlernziel genau das, was der Auszubildende am Ende deiner Einheit kann. Ein gutes Feinlernziel nennt das beobachtbare Verhalten, die Bedingungen und den Maßstab. Ordne es den Lernbereichen zu: Wissen, Können und Einstellung. Wie das geht, zeigt die Seite Lernziele formulieren.
Methode und Begründung
Nenne die Methode und sag in zwei oder drei Sätzen, warum sie zu Lernziel, Inhalt und Auszubildendem passt. Nenne auch eine Alternative und warum du sie nicht gewählt hast. Diese Frage kommt im Fachgespräch fast immer. Einen Überblick gibt die Seite Ausbildungsmethoden und -medien.
Ablaufplan
Der Ablaufplan ist das Herzstück. Er zeigt Minute für Minute, was geschieht. Halte ihn knapp und in Stichworten, damit du ihn in der Prüfung als Leitfaden nutzen kannst.
Beispiel: Ablaufplan aus dem Kraftverkehr
Thema: „Eine Palette durch Niederzurren mit einem Zurrgurt sichern“. Ausbildungsberuf Berufskraftfahrer, erstes Ausbildungsjahr, Durchführung nach der Vier-Stufen-Methode.
Feinlernziel: Der Auszubildende kann eine beladene Palette selbstständig und fachgerecht mit einem Zurrgurt niederzurren, die Vorspannung prüfen und erklären, warum jeder Schritt nötig ist.
| Zeit | Phase | Ausbilder | Auszubildender | Medien |
|---|---|---|---|---|
| 0 bis 2 Minuten | Vorbereiten | begrüßt, nennt Thema und Ziel, fragt nach Vorkenntnissen, schildert eine Vollbremsung, weist auf Handschuhe und Quetschgefahr hin | hört zu, berichtet, was er schon gesehen hat | Palette, Zurrgurt, Handschuhe |
| 2 bis 6 Minuten | Vormachen und erklären | zeigt in Teilschritten: Gurt prüfen, über die Ladung legen, einhaken, spannen, Vorspannung prüfen; erklärt was, wie und warum | beobachtet, fragt nach | Zurrgurt mit Ratsche, Kantenschutz |
| 6 bis 11 Minuten | Nachmachen und erklären lassen | beobachtet, lobt, korrigiert nur bei Fehlern oder Gefahr | führt alle Schritte aus und erklärt sie | wie oben |
| 11 bis 13 Minuten | Üben und abschließen | lässt den Vorgang ein zweites Mal ohne Hilfe ausführen, fasst zusammen, gibt den Auftrag für den nächsten Tag, kündigt das nächste Thema an | arbeitet selbstständig, stellt Fragen | Kontrollbogen |
Lernerfolgskontrolle: Der Auszubildende führt den Vorgang selbstständig aus und beantwortet drei Kontrollfragen. Am nächsten Tag sichert er unter Aufsicht eine echte Ladung.
🏭 So sieht das in der Fertigung aus
Eine Ausbilderin für Industriemechaniker plant die Unterweisung „Gewindeschneiden von Hand“. Ihr Ablaufplan hat dieselben vier Phasen. In der Adressatenanalyse beschreibt sie einen Auszubildenden im ersten Jahr, der handwerklich geschickt ist, aber ungern nachfragt. Deshalb baut sie in die dritte Phase bewusst Fragen ein, mit denen er sein Vorgehen erklären muss.
Die häufigsten Fehler im Konzept
- Abgeschrieben: Vorlagen aus dem Internet erkennen Prüfer sofort, und im Fachgespräch fehlen dir die Begründungen.
- Lernziel passt nicht zum Ablauf: Das Ziel nennt „selbstständig ausführen“, der Auszubildende darf aber nur zusehen.
- Adressatenanalyse ohne Folgen: Der Auszubildende wird beschrieben, die Methode nimmt darauf keine Rücksicht.
- Zeitplan zu knapp: Auf dem Papier sind es 15 Minuten, in der Probe 22.
- Fremdwörter ohne Verständnis: Begriffe wie „affektiv“ oder „Taxonomie“ nur verwenden, wenn du sie erklären kannst.
- Arbeitssicherheit fehlt.
- Frist verpasst oder Form nicht eingehalten: Die Vorgaben der Kammer gelten.
Häufige Fragen
Wird das Konzept benotet?
Nein. Der Rahmenplan stellt ausdrücklich klar, dass es nicht in die Bewertung einfließt. Bewertet werden Präsentation oder Durchführung und das Fachgespräch.
Wie lang soll es sein?
Das legt die Kammer fest. Üblich sind wenige Seiten. Schreib knapp und klar.
Darf ich in der Prüfung vom Konzept abweichen?
Kleine Abweichungen sind normal, vor allem bei der Durchführung, wenn der Auszubildende anders reagiert als geplant. Im Fachgespräch erklärst du, warum du abgewichen bist.
Brauche ich für eine Präsentation auch eines?
In der Regel ja. Der Aufbau folgt dann deiner Präsentation: Ausgangslage, Ziel, Vorgehen, Erfolgssicherung.
Verwandte Themen
➡️ AEVO-Prüfung im Überblick
➡️ Praktische Prüfung
➡️ Präsentation oder Durchführung
➡️ Fachgespräch
➡️ Lernziele formulieren (3.3)
➡️ Ausbildungsmethoden und -medien (3.4)
➡️ Betrieblicher Ausbildungsplan (2.1)
➡️ Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) im Wortlaut
Fazit
Das Konzept ist dein Drehbuch für die praktische Prüfung. Es beschreibt den Auszubildenden, ordnet das Thema ein, nennt ein überprüfbares Lernziel, begründet die Methode und zeigt den Ablauf Minute für Minute. Schreib es selbst, probe danach mit der Uhr und halte dich an die Vorgaben deiner Kammer. Dann hast du für das Fachgespräch schon die halbe Vorbereitung erledigt.
