Drei Stunden, vier Handlungsfelder, lauter Fälle aus dem Ausbildungsalltag: Die AEVO schriftliche Prüfung verlangt weniger Auswendiglernen, als viele befürchten, und mehr genaues Lesen. Wer die Begriffe sauber trennt und die wichtigsten Paragrafen kennt, besteht sie sicher. Diese Seite zeigt dir Aufbau, Themen, Lösungsstrategie und einen Lernplan.
Die schriftliche Prüfung ist einer von zwei Teilen der AEVO-Prüfung. Du musst sie für sich bestehen, unabhängig vom praktischen Teil.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 4 Absatz 2 der Ausbilder-Eignungsverordnung |
| Dauer | drei Stunden |
| Form | fallbezogene Aufgaben; bei den Industrie- und Handelskammern in der Regel bundeseinheitlich und zum Ankreuzen |
| Inhalt | alle vier Handlungsfelder |
| Bestanden | mit mindestens „ausreichend“, nach dem Schlüssel der Kammern ab 50 von 100 Punkten |
| Wiederholung | zweimal möglich |
So ist die schriftliche Prüfung aufgebaut
„Fallbezogen“ heißt: Jede Aufgabe beginnt mit einer kurzen Situation aus einem Betrieb. Ein Auszubildender fehlt unentschuldigt, ein Unternehmer will erstmals ausbilden, ein Vertrag enthält eine fragwürdige Klausel. Dazu kommen Fragen, bei denen du die richtige Antwort oder mehrere richtige Antworten auswählst. Achte darauf, wie viele Antworten verlangt sind. Das steht bei jeder Aufgabe dabei.
Welche Hilfsmittel zugelassen sind, steht in der Einladung deiner Kammer. Lies sie genau und nimm nur mit, was dort genannt ist.
Was drankommt: die Themen nach Handlungsfeldern
Geprüft werden alle vier Handlungsfelder. Der Umfang im Rahmenplan zeigt, wo die Schwerpunkte liegen:
| Handlungsfeld | Anteil am Rahmenplan | Typische Prüfungsthemen |
|---|---|---|
| 1 – Ausbildung planen | 20 von 115 Unterrichtseinheiten | Eignung von Ausbilder und Betrieb, Ausbildender und Ausbilder, Ausbildungsordnung, Jugendarbeitsschutz |
| 2 – Ausbildung vorbereiten | 25 von 115 | betrieblicher Ausbildungsplan, Ausbildungsvertrag und Kündigung, Auswahlverfahren, Mitbestimmung |
| 3 – Ausbildung durchführen | 60 von 115 | Lernziele, Ausbildungsmethoden, Probezeit, Lernschwierigkeiten, Konflikte, Beurteilung |
| 4 – Ausbildung abschließen | 10 von 115 | Zulassung zur Abschlussprüfung, Ausbildungszeugnis, Übernahme |
Mehr als die Hälfte des Stoffs stammt aus Handlungsfeld 3. Trotzdem lohnt es sich, die Rechtsthemen aus den Handlungsfeldern 1, 2 und 4 gründlich zu lernen: Dort gibt es eindeutige Antworten, und die Punkte sind sicher.
So gehst du eine Aufgabe an
- Fall genau lesen: Wer handelt? Wie alt ist der Auszubildende? In welchem Ausbildungsjahr, in oder nach der Probezeit? Diese Angaben entscheiden oft die Lösung.
- Frage genau lesen: Wird nach der richtigen oder nach der falschen Aussage gefragt? Wie viele Antworten sind verlangt?
- Erst selbst antworten: Überleg dir die Lösung, bevor du die Antworten liest. Dann lässt du dich weniger verwirren.
- Ausschließen: Streiche, was sicher falsch ist. Antworten mit „immer“, „nie“ oder „ausschließlich“ sind häufig falsch.
- Weitergehen: Hängst du fest, markiere die Aufgabe und komm am Ende zurück.
Zeit einteilen
Drei Stunden sind reichlich, wenn du gleichmäßig arbeitest. Teile die Zeit durch die Zahl der Aufgaben und sieh nach jeder halben Stunde auf die Uhr. Plane die letzten zwanzig Minuten für die markierten Aufgaben und für die Kontrolle ein, ob du überall die verlangte Zahl von Antworten angekreuzt hast.
Die häufigsten Verwechslungen
| Begriffspaar | Unterschied |
|---|---|
| Ausbildender und Ausbilder | Der Ausbildende ist Vertragspartner und stellt ein. Der Ausbilder bildet aus. |
| Ausbildungsrahmenplan und Rahmenlehrplan | Der Ausbildungsrahmenplan gilt für den Betrieb, der Rahmenlehrplan für die Berufsschule. |
| Ausbildungsrahmenplan und betrieblicher Ausbildungsplan | Der erste gilt für alle Betriebe, den zweiten erstellt der einzelne Betrieb. |
| persönliche und fachliche Eignung | Einstellen darf, wer persönlich geeignet ist. Ausbilden darf, wer beides ist. |
| Kündigung in und nach der Probezeit | in der Probezeit jederzeit ohne Frist und Grund, danach nur aus wichtigem Grund oder durch den Auszubildenden mit vier Wochen Frist |
| Verkürzung und vorzeitige Zulassung | Die Verkürzung ändert den Vertrag, die vorzeitige Zulassung nur den Prüfungstermin. |
| einfaches und qualifiziertes Zeugnis | Das qualifizierte enthält zusätzlich Verhalten und Leistung. |
| überbetriebliche und außerbetriebliche Ausbildung | Die erste ergänzt die betriebliche Ausbildung, die zweite ersetzt sie. |
Lernplan für vier Wochen
| Woche | Schwerpunkt | Ziel |
|---|---|---|
| 1 | Handlungsfeld 1 und 2 | Begriffe und Rechtsgrundlagen sicher: Eignung, Ausbildungsordnung, Ausbildungsplan, Vertrag |
| 2 | Handlungsfeld 3, erster Teil | Lernziele, Methoden, Probezeit, Lernkultur |
| 3 | Handlungsfeld 3, zweiter Teil, und Handlungsfeld 4 | Lernschwierigkeiten, Konflikte, Beurteilung, Prüfung, Zeugnis, Übernahme |
| 4 | Wiederholen und üben | Übungsaufgaben unter Zeitvorgabe, Fehler nacharbeiten |
Zu jedem der 26 Themen findest du auf den Lernseiten sechs Prüfungsfragen mit Antworten und eine Übungsaufgabe mit Lösungsvorschlag. Arbeite sie durch und notiere dir, was du falsch hattest. Diese Liste ist dein Lernzettel für die letzte Woche.
Beispielaufgabe
Situation: Die Spedition Nord GmbH möchte zum 1. August zwei Auszubildende zum Berufskraftfahrer einstellen. Geschäftsführer ist ein gelernter Speditionskaufmann. Der Fuhrparkleiter ist ausgebildeter Berufskraftfahrer mit langjähriger Fahrpraxis und hat die Ausbildereignungsprüfung bestanden. Eine der Bewerberinnen ist 17 Jahre alt.
Frage 1: Wer ist Ausbildender, wer Ausbilder?
Frage 2: Welche Unterlage muss für die 17-Jährige vor Beginn der Ausbildung zusätzlich vorliegen?
Frage 3: Wie lange darf die Probezeit höchstens dauern?
Lösung
- Zu 1: Ausbildender ist die Spedition Nord GmbH als Vertragspartner. Ausbilder ist der Fuhrparkleiter, weil er persönlich und fachlich geeignet ist und mit der Ausbildung beauftragt wird.
- Zu 2: Die Bescheinigung über die ärztliche Erstuntersuchung nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Außerdem müssen die gesetzlichen Vertreter dem Vertrag zustimmen.
- Zu 3: Höchstens vier Monate, mindestens einen Monat.
An dieser Aufgabe siehst du das Muster: Drei kurze Fragen, drei verschiedene Themen, und jede Lösung hängt an einem Detail im Fall.
Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr
Ein Disponent bereitet sich neben der Arbeit auf den Ausbilderschein vor. In den ersten Übungsaufgaben verliert er Punkte, obwohl er den Stoff kennt. Beim Durchsehen merkt er: Er überliest Angaben wie „nach Ablauf der Probezeit“ oder „17 Jahre“ und kreuzt zweimal nur eine Antwort an, obwohl zwei verlangt waren.
Er gewöhnt sich an, in jedem Fall Alter, Ausbildungsjahr und Zeitpunkt zu unterstreichen und die verlangte Zahl der Antworten einzukreisen. Für die Rechtsthemen schreibt er sich eine Seite mit den wichtigsten Fristen und Zahlen. In der Prüfung ist er nach zweieinhalb Stunden fertig und nutzt den Rest für die Kontrolle.
🏭 So sieht das in der Fertigung aus
Eine Schichtführerin aus der Kunststofffertigung lernt mit zwei Kollegen in einer Gruppe. Jeder bereitet ein Handlungsfeld vor und stellt den anderen Fragen. Was sie sich gegenseitig erklären mussten, sitzt am Ende am besten. Alle drei bestehen die schriftliche Prüfung im ersten Anlauf.
Häufige Fragen
Wie viele Punkte brauche ich?
Mindestens „ausreichend“. Nach dem 100-Punkte-Schlüssel der Kammern sind das 50 Punkte.
Kann ich eine schwache schriftliche Prüfung mit dem praktischen Teil ausgleichen?
Nein. Jeder Teil muss für sich bestanden sein.
Muss ich Paragrafen auswendig können?
Die Nummern selten, den Inhalt schon. Wichtig sind vor allem Probezeit, Kündigung, Eignung, Pflichten aus dem Vertrag, Jugendarbeitsschutz und die Zulassung zur Abschlussprüfung.
Was passiert, wenn ich durchfalle?
Du kannst die Prüfung zweimal wiederholen. Hast du den praktischen Teil schon bestanden, kann er angerechnet werden.
Verwandte Themen
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➡️ Praktische Prüfung
➡️ Präsentation oder Durchführung
➡️ Konzept für die praktische Prüfung
➡️ Fachgespräch
➡️ Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) im Wortlaut
Fazit
Die schriftliche Prüfung belohnt genaues Lesen und klare Begriffe. Lerne die Rechtsthemen so, dass du sie sicher hast, übe an Fällen und achte bei jeder Aufgabe auf Alter, Zeitpunkt und die Zahl der verlangten Antworten. Mit einem Lernplan über vier Wochen und den Übungsaufgaben zu allen 26 Themen bist du gut vorbereitet.
