Nicht jeder Bewerber ist sofort reif für eine Ausbildung, und nicht jeder Betrieb findet genug geeignete Bewerber. Hier setzen berufsvorbereitende Maßnahmen an. Die bekannteste im Betrieb ist die Einstiegsqualifizierung: ein gefördertes Langzeitpraktikum, das auf eine Ausbildung hinführt. Das Thema gehört zum Handlungsfeld 1 „Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen“ der Ausbildereignungsprüfung (AEVO) und steht im Rahmenplan unter der Nummer 1.6.
Auf dieser Seite gehe ich die vier Punkte dieses Kompetenzbereichs durch: die Maßnahmen und ihre Zielgruppen, ihre Bedeutung für die Nachwuchsgewinnung, die Fördermöglichkeiten und die Umsetzung im Betrieb.
📘 Auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Prüfung | Ausbildereignungsprüfung nach AEVO |
| Handlungsfeld | 1 – Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen (20 von 115 Unterrichtseinheiten im Rahmenplan) |
| Kompetenzbereich | 1.6 – Die Möglichkeiten des Einsatzes von auf die Berufsausbildung vorbereitenden Maßnahmen einschätzen |
| Schriftliche Prüfung | Gelegentlich: Ziel und Zielgruppe der Berufsausbildungsvorbereitung, Einstiegsqualifizierung, Qualifizierungsbausteine |
| Praktische Prüfung | Gering |
| Gilt für | Alle angehenden Ausbilder, unabhängig von Beruf und Branche |
Warum ist die Einstiegsqualifizierung für Betriebe interessant?
Viele Betriebe klagen über unbesetzte Ausbildungsplätze. Gleichzeitig finden jedes Jahr junge Menschen keinen Platz, weil ihr Zeugnis schwach ist, weil sie die Sprache noch lernen oder weil sie in Vorstellungsgesprächen nicht überzeugen. Berufsvorbereitende Maßnahmen bringen beide Seiten zusammen.
Für dich als Ausbilder heißt das: Du lernst einen Bewerber über Monate bei der Arbeit kennen statt in einem halbstündigen Gespräch. Das ist oft die bessere Grundlage für eine Einstellung als jede Schulnote.
Was lernst du auf dieser Seite?
- welches Ziel die Berufsausbildungsvorbereitung hat und an wen sie sich richtet
- welche Maßnahmen es gibt und worin sie sich unterscheiden
- wie eine Einstiegsqualifizierung abläuft
- was Qualifizierungsbausteine sind
- welche Förderung der Betrieb erhalten kann
- wie du eine Maßnahme im Betrieb umsetzt und mit wem du zusammenarbeitest
1. Berufsvorbereitende Maßnahmen und ihre Zielgruppen
Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) zählt die Berufsausbildungsvorbereitung ausdrücklich zur Berufsbildung. Sie soll die Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit vermitteln und so an eine Ausbildung in einem anerkannten Beruf heranführen (§ 1 BBiG).
Sie richtet sich nach § 68 BBiG an lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Personen, deren Entwicklungsstand eine erfolgreiche Ausbildung noch nicht erwarten lässt. In der Praxis sind das zum Beispiel:
- Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit schwachem Abschluss
- junge Menschen mit Lernbeeinträchtigungen oder Behinderung
- Zugewanderte, die die Sprache noch lernen
- Bewerber, die schon länger erfolglos einen Ausbildungsplatz suchen
- junge Menschen, die eine Ausbildung abgebrochen haben
Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:
| Maßnahme | Wo? | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Einstiegsqualifizierung (EQ) | im Betrieb | betriebliches Langzeitpraktikum von 4 bis 12 Monaten, gefördert von der Agentur für Arbeit (§ 54a SGB III) |
| Betriebliche Berufsausbildungsvorbereitung nach BBiG | im Betrieb | Vermittlung über Qualifizierungsbausteine, begleitet durch sozialpädagogische Betreuung |
| Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) | bei einem Bildungsträger, mit Praktika im Betrieb | im Auftrag der Agentur für Arbeit; Berufsorientierung, Grundfertigkeiten, teils Nachholen des Schulabschlusses |
| Schulische Berufsvorbereitung | an berufsbildenden Schulen | je nach Bundesland unterschiedliche Bezeichnungen, zum Beispiel Berufsvorbereitungsjahr |
| Assistierte Ausbildung | im Betrieb, begleitet durch einen Bildungsträger | Unterstützung vor und während der Ausbildung: Förderunterricht und sozialpädagogische Begleitung |
Die Einstiegsqualifizierung im Einzelnen
- Dauer: mindestens 4 und höchstens 12 Monate
- Inhalt: Tätigkeiten aus einem anerkannten Ausbildungsberuf
- Vertrag: Betrieb und Teilnehmer schließen einen Vertrag über die Einstiegsqualifizierung und vereinbaren eine Vergütung
- Förderung: Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter zahlt dem Betrieb einen Zuschuss zur Vergütung und einen pauschalen Anteil am Sozialversicherungsbeitrag
- Berufsschule: Berufsschulpflichtige Teilnehmer besuchen die Berufsschule
- Abschluss: Der Betrieb stellt ein Zeugnis aus, die Kammer auf Antrag ein Zertifikat
- Anschluss: Bei einer anschließenden Ausbildung kann die Ausbildungsdauer verkürzt werden
Qualifizierungsbausteine
Qualifizierungsbausteine sind inhaltlich und zeitlich abgegrenzte Lerneinheiten, die aus den Inhalten anerkannter Ausbildungsberufe entwickelt werden (§ 69 BBiG). Jeder Baustein beschreibt, was der Teilnehmer danach kann, welche Tätigkeiten er dafür ausführt, wie lange das dauert und wie die Leistung festgestellt wird. Ein Baustein umfasst zwischen 140 und 420 Stunden. Am Ende erhält der Teilnehmer eine Bescheinigung.
2. Bedeutung für die Nachwuchsgewinnung
| Nutzen für den Betrieb | Nutzen für den jungen Menschen |
|---|---|
| erschließt Bewerbergruppen, die im üblichen Auswahlverfahren durchfallen | Einstieg in die Arbeitswelt trotz schwacher Zeugnisse |
| langes Kennenlernen ohne das Risiko eines Ausbildungsvertrags | Kennenlernen von Beruf und Betrieb ohne Druck |
| frühe Bindung: Viele Teilnehmer wechseln anschließend in die Ausbildung | Zeugnis, Zertifikat und oft ein Ausbildungsvertrag |
| zeigt gesellschaftliche Verantwortung und stärkt das Ansehen | mögliche Verkürzung der späteren Ausbildung |
Bedenke auch die Grenzen: Eine berufsvorbereitende Maßnahme kostet Betreuungszeit. Sie ist kein Ersatz für eine Ausbildung und darf nicht dazu dienen, billige Arbeitskräfte zu beschäftigen.
3. Fördermöglichkeiten auswählen
- Zuschuss zur Einstiegsqualifizierung: für den Betrieb, bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter zu beantragen, und zwar vor Beginn
- Assistierte Ausbildung: für den Betrieb kostenfrei; ein Bildungsträger unterstützt Auszubildende und Betrieb
- Berufsausbildungsbeihilfe: für den Teilnehmer oder Auszubildenden, wenn das Geld für den Lebensunterhalt nicht reicht
- Berufsbezogene Sprachförderung: Sprachkurse neben der Maßnahme
- Zuschüsse bei Behinderung: zur Ausbildungsvergütung und für technische Hilfen
- Programme der Länder: je nach Bundesland unterschiedlich
Die Beträge und Bedingungen ändern sich regelmäßig. Erster Ansprechpartner ist der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit. Wichtig für die Prüfung und die Praxis: Förderung wird in der Regel nur bewilligt, wenn der Antrag vor Beginn der Maßnahme gestellt wurde.
4. Berufsvorbereitende Maßnahmen im Betrieb umsetzen
- Ziel und Zielgruppe festlegen: Für welchen Ausbildungsberuf soll die Maßnahme vorbereiten, und wen willst du ansprechen?
- Inhalte auswählen: Du nimmst einfache, typische Tätigkeiten aus dem Ausbildungsrahmenplan des angestrebten Berufs und gliederst sie in überschaubare Abschnitte oder Qualifizierungsbausteine.
- Betreuung klären: Ein fester Ansprechpartner begleitet den Teilnehmer. Das kann eine erfahrene Fachkraft sein.
- Partner einbinden: Agentur für Arbeit, Jugendberufsagentur, Schulen und Bildungsträger vermitteln Teilnehmer und unterstützen bei Problemen.
- Formalien erledigen: Vertrag schließen, Förderung vor Beginn beantragen, die Maßnahme der Kammer melden, Berufsschule klären.
- Begleiten und rückmelden: Regelmäßige Gespräche, kleine Lernerfolgskontrollen, bei Bedarf Förderunterricht.
- Abschließen: Zeugnis ausstellen, Zertifikat beantragen und über die Übernahme in die Ausbildung entscheiden.
Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr
Ein 17-Jähriger bewirbt sich bei einer Spedition um einen Ausbildungsplatz als Berufskraftfahrer. Er hat die Schule ohne Abschluss verlassen, wirkt aber interessiert und zuverlässig. Der Fuhrparkleiter traut ihm die Berufsschule noch nicht zu und will ihn trotzdem nicht wegschicken.
Er schlägt eine Einstiegsqualifizierung von zehn Monaten vor. Der junge Mann lernt Fahrzeugpflege und Abfahrtkontrolle, hilft beim Be- und Entladen und bei der Ladungssicherung und fährt bei erfahrenen Fahrern mit. Einmal pro Woche geht er zur Berufsschule. Ein erfahrener Fahrer ist sein fester Ansprechpartner. Die Agentur für Arbeit zahlt der Spedition einen Zuschuss zur Vergütung.
Nach acht Monaten steht fest: Er ist pünktlich, lernt schnell und kommt in der Berufsschule mit. Die Spedition bietet ihm den Ausbildungsvertrag an und beantragt bei der Kammer, die Ausbildungsdauer zu verkürzen.
🏭 So sieht das in der Fertigung aus
Ein Kunststoffverarbeiter besetzt seine Ausbildungsplätze für Maschinen- und Anlagenführer nicht mehr. Über die Jugendberufsagentur kommen zwei junge Zugewanderte in eine Einstiegsqualifizierung. Sie lernen das Bestücken und Überwachen der Anlagen und besuchen nebenher einen berufsbezogenen Sprachkurs. Der Schichtführer betreut sie. Einer der beiden beginnt im Folgejahr die Ausbildung.
Typische Prüfungsfragen mit Antworten
Welches Ziel hat die Berufsausbildungsvorbereitung?
Sie soll die Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit vermitteln und damit an eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf heranführen (§ 1 BBiG).
An wen richtet sich die Berufsausbildungsvorbereitung?
An lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Personen, deren Entwicklungsstand eine erfolgreiche Ausbildung noch nicht erwarten lässt (§ 68 BBiG).
Was ist eine Einstiegsqualifizierung?
Ein von der Agentur für Arbeit gefördertes betriebliches Langzeitpraktikum von 4 bis 12 Monaten. Es vermittelt Inhalte eines anerkannten Ausbildungsberufs und soll in eine Ausbildung münden. Der Betrieb erhält einen Zuschuss zur Vergütung.
Was sind Qualifizierungsbausteine?
Inhaltlich und zeitlich abgegrenzte Lerneinheiten, die aus den Inhalten anerkannter Ausbildungsberufe entwickelt werden. Über die erworbenen Fähigkeiten erhält der Teilnehmer eine Bescheinigung.
Welchen Nutzen hat der Betrieb von berufsvorbereitenden Maßnahmen?
Er gewinnt Bewerber, die er über das übliche Auswahlverfahren nicht erreicht hätte, lernt sie über Monate bei der Arbeit kennen, bindet sie früh und kann Förderung in Anspruch nehmen.
Mit wem arbeitest du bei der Umsetzung zusammen?
Mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter, der Jugendberufsagentur, Schulen, Bildungsträgern und der Kammer.
Übungsaufgabe
Dein Betrieb konnte zwei Ausbildungsplätze für Fachkräfte für Lagerlogistik nicht besetzen. Die Agentur für Arbeit schlägt eine 19-jährige Bewerberin vor, die vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen ist. Sie spricht im Alltag gut Deutsch, hat aber Mühe mit Fachtexten und keinen deutschen Schulabschluss. Sie wirkt sehr motiviert. Was schlägst du der Geschäftsleitung vor, und wie setzt du es um?
Lösungsvorschlag
- Vorschlag: eine Einstiegsqualifizierung für den Beruf Fachkraft für Lagerlogistik, zum Beispiel über neun Monate, mit dem Ziel der Übernahme in die Ausbildung.
- Begründung: Der Betrieb lernt die Bewerberin ohne Risiko kennen, sie kann ihre Sprache im Berufsalltag verbessern, und der Ausbildungsplatz wird im Folgejahr besetzt.
- Inhalte: Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung und Versand in überschaubaren Abschnitten, dazu Arbeitssicherheit.
- Förderung: Zuschuss zur Einstiegsqualifizierung vor Beginn beantragen, zusätzlich einen berufsbezogenen Sprachkurs klären.
- Betreuung: eine erfahrene Fachkraft als feste Ansprechpartnerin, regelmäßige Gespräche, Besuch der Berufsschule.
- Abschluss: Zeugnis, Zertifikat der Kammer und Entscheidung über den Ausbildungsvertrag, gegebenenfalls mit Assistierter Ausbildung als Begleitung.
Bedeutung für die praktische Prüfung
In der praktischen Prüfung kommt dieses Thema kaum vor. Denkbar ist eine Frage im Fachgespräch, wie du mit einem Bewerber umgehst, der die Voraussetzungen für die Ausbildung noch nicht mitbringt. Dann nennst du die Einstiegsqualifizierung und die Assistierte Ausbildung.
Verwandte Themen
➡️ Handlungsfeld 1 – Ausbildung planen
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➡️ Persönliche und fachliche Eignung, Eignung der Ausbildungsstätte (1.5)
➡️ Lernschwierigkeiten erkennen und Auszubildende unterstützen (3.5)
➡️ Interkulturelle Kompetenzen fördern (3.9)
➡️ Bundesagentur für Arbeit: Einstiegsqualifizierung für Arbeitgeber
Fazit
Berufsvorbereitende Maßnahmen führen junge Menschen an eine Ausbildung heran, die den direkten Einstieg noch nicht schaffen. Für den Betrieb ist die Einstiegsqualifizierung das wichtigste Instrument: 4 bis 12 Monate, Inhalte aus einem Ausbildungsberuf, Zuschuss der Agentur für Arbeit. Gut geplant und betreut, wird daraus ein Weg, Ausbildungsplätze zu besetzen, die sonst frei blieben.
