Duales System der Berufsausbildung und Bildungssystem (AEVO 1.3)

Die Berufsausbildung findet in Deutschland an zwei Lernorten statt: im Betrieb und in der Berufsschule. Dafür steht der Begriff duales System. Es ist Teil eines größeren Bildungssystems mit vielen Übergängen nach oben. Als Ausbilder solltest du erklären können, wer wofür zuständig ist und welche Wege deinen Auszubildenden nach dem Abschluss offenstehen. Das Thema gehört zum Handlungsfeld 1 „Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen“ der Ausbildereignungsprüfung (AEVO) und steht im Rahmenplan unter der Nummer 1.3.

Auf dieser Seite gehe ich die drei Punkte dieses Kompetenzbereichs durch: den Aufbau des deutschen Bildungssystems, die Struktur und die Zuständigkeiten im dualen System und die Entwicklungsmöglichkeiten im Berufsbildungssystem.

📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungAusbildereignungsprüfung nach AEVO
Handlungsfeld1 – Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen (20 von 115 Unterrichtseinheiten im Rahmenplan)
Kompetenzbereich1.3 – Die Strukturen des Berufsbildungssystems und seine Schnittstellen darstellen
Schriftliche PrüfungRegelmäßig: Lernorte und ihre Rechtsgrundlagen, Aufgaben der zuständigen Stelle, Aufstiegswege
Praktische PrüfungGering: Hintergrundwissen für das Fachgespräch
Gilt fürAlle angehenden Ausbilder, unabhängig von Beruf und Branche

Duales System: Warum solltest du es erklären können?

Bewerber, Eltern und Auszubildende fragen dich, nicht die Kammer: Was bringt mir die Ausbildung? Was kann ich danach machen? Wer hilft, wenn es Ärger mit der Berufsschule gibt? Wenn du das System kennst, gibst du sichere Antworten und weißt, an wen du dich selbst wenden kannst.

Dazu kommt der Wettbewerb um Schulabgänger. Viele entscheiden sich für Abitur und Studium, weil sie die Ausbildung für eine Sackgasse halten. Das ist sie nicht, und du solltest das begründen können.

Was lernst du auf dieser Seite?

  • wie das deutsche Bildungssystem aufgebaut ist
  • was der Begriff „duales System“ bedeutet und wer für welchen Lernort zuständig ist
  • welche Aufgaben Bund, Länder, Kammern und Sozialpartner haben
  • wie betriebliche und schulische Inhalte abgestimmt sind
  • was der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) aussagt
  • welche Aufstiegswege es nach der Ausbildung gibt

1. Aufbau des deutschen Bildungssystems

BereichEinrichtungenTypische Abschlüsse
PrimarbereichGrundschule–
Sekundarbereich IHauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium bis Klasse 10Erster Schulabschluss (Hauptschulabschluss), mittlerer Schulabschluss
Sekundarbereich IIduale Berufsausbildung, Berufsfachschule, Fachoberschule, gymnasiale OberstufeBerufsabschluss, Fachhochschulreife, Abitur
TertiärbereichHochschulen, Fachschulen, höherqualifizierende BerufsbildungBachelor, Master, Meister, Fachwirt, Techniker
WeiterbildungBetriebe, Kammern, Bildungsträger, VolkshochschulenZertifikate, Fortbildungsabschlüsse

Die Zuständigkeit ist geteilt. Für Schulen und Hochschulen sind die Bundesländer zuständig, jedes Land hat sein eigenes Schulgesetz. Deshalb heißen Schulformen und Abschlüsse von Land zu Land unterschiedlich. Für die betriebliche Berufsausbildung ist der Bund zuständig. Er regelt sie einheitlich im Berufsbildungsgesetz (BBiG) und in den Ausbildungsordnungen.

Vier Leitgedanken solltest du nennen können:

  • Chancengleichheit: Der Zugang zu Bildung soll nicht von Herkunft oder Geschlecht abhängen.
  • Durchlässigkeit: Jeder Abschluss eröffnet den Weg zu einem höheren. Es gibt keine Sackgassen.
  • Transparenz: Abschlüsse sollen verständlich und vergleichbar sein, auch im Ausland.
  • Gleichwertigkeit: Berufliche und akademische Bildung sind gleich viel wert, auch wenn sie nicht gleichartig sind.

2. Duales System der Berufsausbildung: zwei Lernorte

„Dual“ heißt zweigeteilt: Der Betrieb vermittelt vor allem die Praxis, die Berufsschule vor allem die Theorie und Allgemeinbildung. Beide Lernorte haben eigene Rechtsgrundlagen:

MerkmalBetriebBerufsschule
ZuständigBundBundesland
RechtsgrundlageBerufsbildungsgesetz, AusbildungsordnungSchulgesetz des Landes
InhalteAusbildungsrahmenplan, umgesetzt im betrieblichen AusbildungsplanRahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz, umgesetzt im Lehrplan des Landes
Aufsichtzuständige Stelle (Kammer)Schulaufsicht des Landes
RechtsverhältnisAusbildungsvertragBerufsschulpflicht nach Landesrecht
LehrendeAusbilder und ausbildende FachkräfteBerufsschullehrer
KostenBetriebLand und Schulträger

Der Ausbildungsrahmenplan für den Betrieb und der Rahmenlehrplan für die Berufsschule werden gemeinsam entwickelt und zeitlich aufeinander abgestimmt. Der Unterricht findet entweder an ein bis zwei Tagen pro Woche oder als Blockunterricht statt. Der Betrieb stellt den Auszubildenden dafür frei.

Häufig kommt ein dritter Lernort dazu: überbetriebliche Bildungsstätten, in denen Inhalte vermittelt werden, die der einzelne Betrieb nicht abdecken kann. Mehr dazu auf der Seite Eignung von Ausbilder und Ausbildungsstätte.

Wer macht was? Die Partner im dualen System

PartnerAufgaben
Bunderlässt das Berufsbildungsgesetz und die Ausbildungsordnungen; zuständig ist das jeweilige Fachministerium im Einvernehmen mit dem Bundesbildungsministerium
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)bereitet Ausbildungsordnungen vor, forscht zur Berufsbildung, führt das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe
Länder und KultusministerkonferenzRahmenlehrpläne, Berufsschulen, Lehrkräfte
Zuständige Stellen (Kammern)überwachen und beraten die Ausbildungsbetriebe, tragen Ausbildungsverträge ein, nehmen Prüfungen ab
Sozialpartner (Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften)wirken an neuen Ausbildungsordnungen mit, vereinbaren Ausbildungsvergütungen in Tarifverträgen
Agentur für ArbeitBerufsberatung, Vermittlung von Ausbildungsstellen, Förderung
Betriebeschließen den Ausbildungsvertrag, bilden aus, tragen die Kosten der betrieblichen Ausbildung

Neue und überarbeitete Berufe entstehen im Zusammenwirken von Bund, Ländern, Arbeitgebern und Gewerkschaften. Dieses Konsensprinzip sorgt dafür, dass die Ausbildungsordnungen in den Betrieben akzeptiert werden.

Die zuständige Stelle

Welche Kammer zuständig ist, hängt vom Ausbildungsberuf ab: die Industrie- und Handelskammer für Industrie, Handel, Verkehr und Dienstleistung, die Handwerkskammer für Handwerksberufe, die Landwirtschaftskammer und die Kammern der freien Berufe für ihre Bereiche. Ihre wichtigsten Aufgaben nach dem BBiG:

  • das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse führen und Ausbildungsverträge eintragen
  • die Eignung von Ausbildungsstätte und Ausbildern überwachen
  • Betriebe und Auszubildende durch Ausbildungsberater beraten
  • Prüfungsausschüsse errichten und Zwischen- und Abschlussprüfungen abnehmen
  • über Verkürzung und Verlängerung der Ausbildungsdauer entscheiden
  • einen Berufsbildungsausschuss mit Vertretern der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Berufsschullehrer bilden

3. Entwicklungsperspektiven im Berufsbildungssystem

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ordnet alle Abschlüsse acht Niveaus zu. Er macht sichtbar, dass berufliche und akademische Abschlüsse gleichwertig sein können:

DQR-NiveauBerufliche BildungZum Vergleich
3zweijährige Ausbildungsberufe–
4drei- und dreieinhalbjährige AusbildungsberufeAbitur
5Geprüfter Berufsspezialist–
6Bachelor Professional, zum Beispiel Meister und FachwirteBachelor
7Master Professional, zum Beispiel Geprüfter BetriebswirtMaster

Seit 2020 kennt das Berufsbildungsgesetz drei Stufen der höherqualifizierenden Berufsbildung: Geprüfter Berufsspezialist, Bachelor Professional und Master Professional. Sie bauen auf der Ausbildung und auf Berufserfahrung auf.

Auch der Weg an die Hochschule steht offen. Wer einen Meister- oder vergleichbaren Fortbildungsabschluss hat, besitzt in der Regel die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Mit abgeschlossener Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung ist meist ein fachgebundener Zugang möglich. Die Einzelheiten regeln die Länder. Dazu kommen duale Studiengänge, die Studium und betriebliche Praxis verbinden.

Praxisbeispiel aus dem Kraftverkehr

Beim Vorstellungsgespräch fragt die Mutter eines Bewerbers: „Mein Sohn hat einen guten Realschulabschluss. Verbaut er sich mit einer Ausbildung zum Berufskraftfahrer nicht alles?“

Der Ausbilder erklärt den Weg: Die dreijährige Ausbildung findet im Betrieb und in der Berufsschule statt, die hier als Blockunterricht organisiert ist. Die Fahrschulausbildung kommt als weiterer Lernort dazu. Der Abschluss liegt auf DQR-Niveau 4. Danach kann er sich zum Beispiel zum Industriemeister Kraftverkehr oder zum Fachwirt für Güterverkehr und Logistik weiterbilden. Diese Abschlüsse liegen auf Niveau 6, also auf der Stufe eines Bachelors, und öffnen auch den Weg an die Hochschule.

Für die Überwachung der Ausbildung und die Prüfungen ist die Industrie- und Handelskammer zuständig. An sie kann sich die Familie bei Fragen ebenfalls wenden.

🏭 So sieht das in der Fertigung aus

Ein Auszubildender zum Industriemechaniker will wissen, ob er später studieren kann. Die Ausbilderin zeigt ihm zwei Wege: über den Industriemeister Metall und den Technischen Betriebswirt in die betriebliche Führung oder mit Berufserfahrung an die Hochschule. Sie nutzt dafür die Übersicht des DQR, weil Auszubildende und Eltern die Gleichwertigkeit damit sofort verstehen.

Typische Prüfungsfragen mit Antworten

Was bedeutet „duales System“?

Die Berufsausbildung findet an zwei Lernorten statt: im Betrieb und in der Berufsschule. Der Betrieb vermittelt vor allem die praktischen Fertigkeiten und die Berufserfahrung, die Berufsschule die fachtheoretischen und allgemeinbildenden Inhalte.

Wer ist für die beiden Lernorte zuständig?

Für den Betrieb der Bund mit dem Berufsbildungsgesetz und der Ausbildungsordnung, überwacht durch die zuständige Stelle. Für die Berufsschule das jeweilige Bundesland mit seinem Schulgesetz und seinen Lehrplänen.

Wie sind betriebliche und schulische Ausbildung abgestimmt?

Der Ausbildungsrahmenplan der Ausbildungsordnung und der Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz werden gemeinsam erarbeitet und zeitlich aufeinander abgestimmt. Vor Ort stimmen sich Betrieb und Berufsschule im Rahmen der Lernortkooperation ab.

Welche Aufgaben hat die zuständige Stelle?

Sie führt das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse, überwacht die Eignung von Betrieb und Ausbildern, berät durch Ausbildungsberater, nimmt Prüfungen ab und entscheidet zum Beispiel über Verkürzung und Verlängerung der Ausbildungsdauer.

Was ist der Deutsche Qualifikationsrahmen?

Der DQR ordnet die Abschlüsse des deutschen Bildungssystems acht Niveaus zu. Er macht Qualifikationen vergleichbar und zeigt die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Eine dreijährige Ausbildung liegt auf Niveau 4, ein Meisterabschluss auf Niveau 6.

Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nach einer dualen Ausbildung?

Die höherqualifizierende Berufsbildung mit den Stufen Geprüfter Berufsspezialist, Bachelor Professional und Master Professional, zum Beispiel Meister, Fachwirt und Betriebswirt. Dazu kommen Zusatzqualifikationen, das Studium über den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte und duale Studiengänge.

Übungsaufgabe

Auf einer Ausbildungsmesse sagt ein Schüler zu dir: „Ich mache lieber Abitur und studiere. Mit einer Ausbildung komme ich später nicht weiter.“ Entwirf eine kurze Antwort mit vier Argumenten.

Lösungsvorschlag

  • Durchlässigkeit: Nach der Ausbildung stehen Fortbildungen bis zum Master Professional offen. Es gibt keine Sackgasse.
  • Gleichwertigkeit: Ein Meister- oder Fachwirtabschluss liegt im DQR auf derselben Stufe wie ein Bachelor.
  • Hochschulzugang: Mit Fortbildungsabschluss oder mit Ausbildung und Berufserfahrung ist ein Studium auch ohne Abitur möglich.
  • Praxis und Einkommen: Du verdienst vom ersten Tag an, sammelst Berufserfahrung und hast gute Aussichten auf Übernahme.
  • Du bleibst dabei sachlich und redest das Studium nicht schlecht. Ziel ist, dass der Schüler beide Wege als gleichwertig erkennt.

Bedeutung für die praktische Prüfung

Für die Präsentation oder die Durchführung einer Ausbildungssituation brauchst du dieses Thema kaum. Im Fachgespräch kann es als Hintergrundfrage vorkommen, etwa zur Zusammenarbeit mit der Berufsschule oder zur Rolle der Kammer. In der schriftlichen Prüfung gehören Lernorte, Zuständigkeiten und Aufstiegswege zum festen Bestand.

Verwandte Themen

➡️ Handlungsfeld 1 – Ausbildung planen
➡️ Ausbildungsbedarf und Rechtsgrundlagen (1.2)
➡️ Ausbildungsordnung und Ausbildungsberufe (1.4)
➡️ Persönliche und fachliche Eignung, Eignung der Ausbildungsstätte (1.5)
➡️ Zusatzqualifikationen, Verkürzung und vorzeitige Zulassung (3.6)
➡️ Berufsbildungsgesetz (BBiG) im Wortlaut

Fazit

Duales System heißt: zwei Lernorte mit getrennten Zuständigkeiten, der Betrieb nach Bundesrecht und die Berufsschule nach Landesrecht. Die Kammer überwacht und prüft. Über die höherqualifizierende Berufsbildung und den Hochschulzugang führt der Weg von der Ausbildung bis auf die Stufe von Bachelor und Master. Wer das erklären kann, gewinnt Bewerber und beantwortet die Prüfungsfragen sicher.