Kräfte und Reibung berechnen

Kräfte und Reibung berechnen ist die Grundlage der Ladungssicherung. Wer Kräfte zerlegen und Reibung berechnen kann, versteht, warum ein Gurt unter einem Winkel wirkt und warum eine Antirutschmatte Gurte spart.

Der Rahmenplan nennt Vektorgeometrie mit Kräftezerlegung und Trigonometrie sowie Haft-, Roll- und Gleitreibung. Mit Sinus und Kosinus kommst du in den meisten Aufgaben aus.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilHandlungsspezifische Qualifikation (HQ)
HandlungsbereichFuhrparktechnik und Fuhrparkmanagement
QualifikationsschwerpunktFuhrparktechnik
ThemaVektorgeometrie und Reibung: Kräfte zerlegen, Haft-, Roll- und Gleitreibung berechnen (Rahmenplan 1.7.5 und 1.7.6)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung der HQ-Prüfungen 2013 bis 2026
Art der PrüfungKräfte zerlegen, Reibkräfte berechnen, Ergebnisse für die Ladungssicherung nutzen
Lernziel laut RahmenplanKräfte mit Mitteln der Vektorgeometrie und Trigonometrie zerlegen sowie Haft-, Roll- und Gleitreibung berechnen
Empfohlene LernprioritätSehr hoch
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind Kräfte und Reibung wichtig?

Auf Fahrzeug und Ladung wirken Kräfte in verschiedene Richtungen. Beim Bremsen schiebt die Ladung nach vorn, in der Kurve zur Seite, in der Steigung nach hinten. Gurte, Reibung und Formschluss halten dagegen.

Diese Kräfte kannst du nur beurteilen, wenn du sie zerlegst und ihre Richtung kennst. Das macht die Ladungssicherung berechenbar.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Handlungsspezifische Qualifikation
└── Fuhrparktechnik und Fuhrparkmanagement
└── 1 Fuhrparktechnik
└── 1.7 Naturwissenschaftliche und technische Grundlagen
├── 1.7.1 Naturwissenschaftliche und technische Gesetzmäßigkeiten
├── 1.7.2 Energieformen
├── 1.7.3 Mechanische Beanspruchung und Bewegungsabläufe berechnen
├── 1.7.4 Statistische Verfahren
├── 1.7.5 Vektorgeometrie
└── 1.7.6 Reibung

Diese Seite deckt 1.7.5 und 1.7.6 ab. Sie liefert die Rechenwerkzeuge für das Niederzurren auf der Seite Ladungssicherung: Verfahren und Hilfsmittel.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hohe Prüfungsrelevanz

Der Abschnitt 1.7 wurde in 13 der 23 Prüfungsteile mit Nummernverweis vermerkt und in allen 12 Situationsaufgaben 1. Die Unterpunkte wurden dabei nicht einzeln ausgewertet. Kräfte und Reibung stehen häufig in Aufgaben zur Ladungssicherung im Vordergrund.

Aufgaben zu diesem Thema verlangen zum Beispiel,

  • eine Kraft in senkrechte und waagerechte Anteile zu zerlegen,
  • Reibkräfte mit dem Reibbeiwert zu berechnen,
  • Haft-, Gleit- und Rollreibung zu unterscheiden,
  • die Wirkung einer Antirutschmatte zu berechnen.

Zur Prüfungsanalyse HQ

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • Kräfte mit Sinus und Kosinus zerlegen,
  • Gewichtskraft und Normalkraft berechnen,
  • Haft-, Gleit- und Rollreibung unterscheiden,
  • Reibkräfte berechnen und für die Ladungssicherung nutzen,
  • den Hangabtrieb an einer Steigung bestimmen.

Kräfte und Reibung im Überblick

Gewichtskraft

Die Gewichtskraft ergibt sich aus Masse und Fallbeschleunigung:

F = m · g, mit g = 9,81 m/s²

Eine Masse von 500 kg hat eine Gewichtskraft von 500 kg · 9,81 m/s² = 4 905 N.

Kräftezerlegung

Eine Kraft, die schräg wirkt, besteht aus zwei Anteilen. Der Winkel α wird zur Waagerechten gemessen.

senkrechter Anteil = F · sin α

waagerechter Anteil = F · cos α

Beispiel: Ein Zurrgurt wirkt mit 4 000 N unter 80° zur Ladefläche.

  • senkrecht: 4 000 N · sin 80° = 3 939 N, das ist die Anpresskraft
  • waagerecht: 4 000 N · cos 80° = 695 N

Je steiler der Gurt, desto mehr Anpresskraft. Deshalb ist der Winkel beim Niederzurren wichtig.

Reibung

Die Reibkraft hängt von der Kraft ab, mit der die Ladung auf die Fläche drückt, und vom Reibbeiwert μ:

F_R = μ · F_N

Die Normalkraft F_N ist auf ebener Fläche gleich der Gewichtskraft. Es gibt drei Arten:

ArtBeschreibungGröße
HaftreibungDie Ladung ruht, die Kraft muss sie erst lösengrößte Reibung
GleitreibungDie Ladung rutschtkleiner als Haftreibung
RollreibungEin Körper rolltmeist am kleinsten

Beispiel: Eine Kiste mit 500 kg steht auf der Ladefläche. Mit μ = 0,4 (angenommen) beträgt die Haftreibkraft 0,4 · 4 905 N = 1 962 N. Erst größere Kräfte setzen sie in Bewegung. Eine Antirutschmatte erhöht den Reibbeiwert, deshalb braucht die Ladung weniger Gurte. Die Werte für μ gibt die Aufgabe oder die Tabelle vor.

Steigung und Hangabtrieb

Auf einer Steigung wirkt ein Teil der Gewichtskraft hangabwärts.

Hangabtrieb = F · sin α

Normalkraft = F · cos α

Beispiel: Ein Lkw mit 20 000 kg steht auf 12 Prozent Steigung. Der Winkel ist α = 6,8°. Die Gewichtskraft beträgt 196 200 N. Der Hangabtrieb ist 196 200 N · sin 6,8° = rund 23 400 N. Diese Kraft muss die Bremse halten.

Typische Fehler

  • Winkel falsch bezogen: sin und cos werden vertauscht, weil der Winkel zur Senkrechten gemessen wurde.
  • Taschenrechner im Bogenmaß: Der Rechner ist auf rad statt deg eingestellt.
  • Normalkraft vergessen: Die Reibkraft wird mit der Masse statt mit der Kraft berechnet.
  • Reibungsarten vermischt: Haftreibung und Gleitreibung werden gleichgesetzt.
  • Steigung in Prozent als Winkel: 12 Prozent sind nicht 12 Grad.

Praxisbeispiel

Ein Fahrer lädt eine 500 kg schwere Maschine auf eine Pritsche und zurrt sie unter 80° nieder.

  • Zerlegung: Ein Gurt mit 4 000 N liefert rund 3 939 N Anpresskraft.
  • Reibung: Mit der Antirutschmatte steigt der Reibbeiwert, die Maschine bleibt auch beim Bremsen stehen.
  • Kontrolle: Der Meister lässt den Winkel prüfen, weil ein flacherer Winkel weniger Anpresskraft liefert.
  • Dokumentation: Die Rechnung steht im Ladungssicherungsplan des Betriebs.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Zerlegen Sie eine Gurtkraft in senkrechten und waagerechten Anteil.
  • Berechnen Sie die Haftreibkraft einer Ladung auf der Ladefläche.
  • Unterscheiden Sie Haft-, Gleit- und Rollreibung.
  • Beurteilen Sie die Wirkung einer Antirutschmatte auf die Reibung.
  • Berechnen Sie den Hangabtrieb eines Lkw an einer Steigung.

Verwandte Themen

Kräfte und Reibung gehören zur Fuhrparktechnik.

Fuhrparktechnik

Weitere Themen dieses Qualifikationsschwerpunkts

Passt auch dazu

Rechtsgrundlage

Die Qualifikationsschwerpunkte der Handlungsspezifischen Qualifikation stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 5 Absatz 3.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 5 (Gesetze im Internet)

Fazit

Mit Sinus und Kosinus zerlegst du Kräfte, mit dem Reibbeiwert berechnest du die Reibung. Beides ist die Grundlage der Ladungssicherung.

Für die Prüfung solltest du Kräfte zerlegen, Reibkräfte berechnen und die Wirkung von Antirutschmatten und Winkeln beurteilen können.