Ladungssicherung: Grundlagen

Ladungssicherung Grundlagen umfassen alles, was vor dem eigentlichen Zurren passiert: Wer ist verantwortlich, wie schwer und wie groß ist die Ladung, wohin gehört der Schwerpunkt und welches Fahrzeug eignet sich. Erst danach folgt das Sicherungsverfahren, das auf der nächsten Seite behandelt wird.

Die Ladungssicherung ist eines der wichtigsten Prüfungsthemen der Fuhrparktechnik. Schon die Vorbereitung bringt in der Prüfung Punkte, vor allem die Rechnung zur Lastverteilung.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilHandlungsspezifische Qualifikation (HQ)
HandlungsbereichFuhrparktechnik und Fuhrparkmanagement
QualifikationsschwerpunktFuhrparktechnik
ThemaLadung, Lastverteilungsplan, geeignete Fahrzeuge und Ladeeinheiten (Rahmenplan 1.4.1 bis 1.4.4)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐ Hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung der HQ-Prüfungen 2013 bis 2026
Art der PrüfungVerantwortung nennen, Fahrzeug auswählen, Achslasten berechnen, Ladeeinheiten beurteilen
Lernziel laut RahmenplanLadung beurteilen, Lastverteilungsplan anwenden, geeignete Fahrzeuge ermitteln, Voraussetzungen der Ladung beachten
Empfohlene LernprioritätSehr hoch
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum ist Ladungssicherung wichtig?

Verrutschende Ladung ist eine häufige Unfallursache. Schon bei einer Vollbremsung wirken auf die Ladung Kräfte, die ein Mehrfaches ihres Gewichts erreichen können. Eine schlecht verteilte Last verändert außerdem das Fahrverhalten, überlastet Achsen und verlängert den Bremsweg.

Für den Meister ist das auch eine Haftungsfrage. Er trägt Verantwortung für Organisation, Unterweisung und Kontrolle und muss nachweisen können, dass er seiner Pflicht nachgekommen ist.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Handlungsspezifische Qualifikation
└── Fuhrparktechnik und Fuhrparkmanagement
└── 1 Fuhrparktechnik
└── 1.4 Verkehrs- und betriebssicherer Zustand der Ladung
├── 1.4.1 Ladung
├── 1.4.2 Lastverteilungsplan anwenden
├── 1.4.3 Geeignete Fahrzeuge ermitteln
├── 1.4.4 Voraussetzungen der Ladung beachten
├── 1.4.5 Verfahren der Ladungssicherung
├── 1.4.6 Hilfsmittel zur Ladungssicherung
└── 1.4.7 Sicherheit der Fahrgäste

Diese Seite deckt 1.4.1 bis 1.4.4 ab. Die Sicherungsverfahren und die Hilfsmittel folgen auf der Seite Ladungssicherung: Verfahren und Hilfsmittel.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐ Hohe Prüfungsrelevanz

Der Abschnitt 1.4 wurde in 5 der 23 Prüfungsteile mit Nummernverweis vermerkt, meist in Verbindung mit einer Rechnung nach Abschnitt 1.7. Das Thema gehört zu den Aufgaben, die du sicher können musst.

In den Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • Verantwortliche für die Ladungssicherung zu nennen,
  • Ladung nach Maßen und Gewichten zu beurteilen,
  • ein geeignetes Fahrzeug für die Ladung auszuwählen,
  • die Sicherung einer Ladung zu planen und zu berechnen.

Zur Prüfungsanalyse HQ

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • die Verantwortlichen für die Ladungssicherung benennen,
  • Maße, Gewichte und Kennzeichnungspflichten der Ladung beachten,
  • mit einem Lastverteilungsplan Achslasten berechnen,
  • die Eignung eines Fahrzeugs für eine Ladung beurteilen,
  • Ladehilfsmittel und stabile Ladeeinheiten unterscheiden.

Ladungssicherung Grundlagen: Wer ist verantwortlich?

Die Ladung muss nach der Straßenverkehrs-Ordnung so verstaut und gesichert sein, dass sie auch bei einer Vollbremsung oder bei plötzlichem Ausweichen nicht verrutscht, umfällt, rollt oder herabfällt. Dafür tragen mehrere Personen Verantwortung:

  • Verlader: Er sichert die Ladung und sorgt für die Verladung, wenn der Absender nicht selbst verlädt.
  • Fahrer: Er kontrolliert vor der Fahrt, dass die Ladung richtig gesichert ist, und prüft sie unterwegs.
  • Halter: Er stellt geeignete Fahrzeuge und Hilfsmittel bereit und organisiert Unterweisung und Kontrolle.

Als Regelwerke sind die VDI-Richtlinie 2700 und die Normen zu Zurrmitteln und Aufbauten für die Praxis maßgeblich.

Maße und Gewichte der Ladung

Die Ladung muss zum Fahrzeug passen. Wichtige Fragen:

  • Gewicht: Bleibt das Fahrzeug unter der zulässigen Gesamtmasse und der Nutzlast?
  • Maße: Passt die Ladung in Breite und Höhe, ohne die Grenzwerte zu überschreiten?
  • Überstand: Ragt die Ladung mehr als einen Meter nach hinten hinaus, muss sie gekennzeichnet werden.
  • Erlaubnis: Übergroße und überschwere Ladungen brauchen eine Erlaubnis und gegebenenfalls Begleitung.
  • Gefahrgut: Es gelten zusätzliche Vorschriften zu Kennzeichnung und Ausrüstung.

Lastverteilungsplan

Der Lastverteilungsplan zeigt, wo die Ladung auf dem Fahrzeug stehen darf, damit weder die Achslasten noch die zulässige Gesamtmasse überschritten werden. Er beruht auf dem Hebelgesetz. Das Schaubild zeigt ein Beispiel.

Rechenweg

Das Beispiel hat einen Radstand von 4,8 m. Das Fahrzeug wiegt leer 4,0 t auf der Vorderachse und 3,0 t auf der Hinterachse. Zulässig sind 7,5 t vorn und 11,5 t hinten bei 18 t Gesamtmasse. Die Ladung wiegt 6 t, ihr Schwerpunkt liegt 3,0 m hinter der Vorderachse.

  1. Anteil der Hinterachse: 6 t · 3,0 m : 4,8 m = 3,75 t
  2. Anteil der Vorderachse: 6 t − 3,75 t = 2,25 t
  3. Vorderachse: 4,0 t + 2,25 t = 6,25 t, zulässig sind 7,5 t.
  4. Hinterachse: 3,0 t + 3,75 t = 6,75 t, zulässig sind 11,5 t.
  5. Gesamtmasse: 7,0 t + 6,0 t = 13,0 t, zulässig sind 18 t.

Alle Werte liegen im zulässigen Bereich. Rückt der Schwerpunkt auf 1,2 m hinter die Vorderachse, ergibt sich ein Anteil von 1,5 t hinten und 4,5 t vorn. Die Vorderachse trägt dann 8,5 t und ist überladen.

Der Schwerpunkt ist der Punkt, in dem du dir das Gewicht der Ladung vereinigt denken kannst. Bei gleichmäßig verteilter Ladung liegt er in der Mitte der Ladung.

Geeignete Fahrzeuge ermitteln

Das Fahrzeug muss für die Ladung geeignet sein. Du prüfst zwei Gruppen von Voraussetzungen.

PrüfpunktFragen
ZurrpunkteGibt es genug Zurrpunkte, und tragen sie die nötige Zugkraft? Sie sind mit einer Zurrkraft (LC) gekennzeichnet.
AufbaufestigkeitSind Stirnwand, Bordwände und Rungen für die Last ausgelegt? Aufbauten sind als Code L (Standard) oder Code XL (verstärkt) ausgeführt.
LadeflächeIst sie eben, rutschfest und tragfähig?
Plane und GestellEine Plane sichert die Ladung nicht, sie schützt nur vor Witterung.
FahrzeugzustandBoden, Rungen, Zurrpunkte und Verschlüsse sind unbeschädigt.

Voraussetzungen der Ladung

Die Ladung selbst muss sicherungsfähig sein. Du unterscheidest:

  • Ladegüter: Stückgut, Schüttgut, Flüssigkeiten und rollende Ladung brauchen unterschiedliche Maßnahmen.
  • Ladehilfsmittel: Paletten, Gitterboxen, Behälter, Kantenschutz, Antirutschmatten und Stauhölzer.
  • Stabile Ladeeinheiten: Mehrere Packstücke werden durch Folie, Umreifung, Kantenschutz oder Verklebung zu einer Einheit verbunden, damit sie nicht einzeln verrutschen.

Eine zerbrochene Palette oder eine schlecht gewickelte Folie macht die beste Sicherung unwirksam. Der Meister legt deshalb Mindestanforderungen für Ladeeinheiten fest.

Typische Fehler

  • Verantwortung falsch zugeordnet: Nur der Fahrer wird genannt, Verlader und Halter fehlen.
  • Hebelgesetz falsch angewendet: Die Abstände werden auf die falsche Achse bezogen.
  • Zulässige Werte vergessen: Es wird gerechnet, aber nicht mit den zulässigen Achslasten verglichen.
  • Plane überschätzt: Es wird angenommen, die Plane sichere die Ladung.

Praxisbeispiel

Ein Fuhrpark soll Maschinenteile von 6 t auf einem Lkw mit 4,8 m Radstand transportieren. Der Disponent hat die Ladung vorn an der Stirnwand platziert.

  • Rechnung: Der Schwerpunkt liegt 1,2 m hinter der Vorderachse. Die Vorderachse trägt 8,5 t, zulässig sind 7,5 t.
  • Entscheidung: Der Meister lässt die Ladung nach hinten rücken, auf 3,0 m hinter der Vorderachse. Die Vorderachse trägt dann 6,25 t.
  • Kontrolle: Er prüft die Zurrpunkte und die Aufbaufestigkeit und lässt die Ladung nach dem Verladen von einer zweiten Person abnehmen.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Nennen Sie die Verantwortlichen für die Ladungssicherung und ihre Pflichten.
  • Berechnen Sie die Achslasten bei der angegebenen Ladungsverteilung.
  • Beurteilen Sie, ob das Fahrzeug für die Ladung geeignet ist.
  • Nennen Sie Anforderungen an ein Fahrzeug für die Ladungssicherung.
  • Beschreiben Sie, wie Ladeeinheiten stabil gemacht werden.
  • Erläutern Sie, wann eine Ladung gekennzeichnet werden muss.

Verwandte Themen

Ladungssicherung Grundlagen gehören zur Fuhrparktechnik.

Fuhrparktechnik

Weitere Themen dieses Qualifikationsschwerpunkts

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Rechtsgrundlage

Die Qualifikationsschwerpunkte der Handlungsspezifischen Qualifikation stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 5 Absatz 3.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 5 (Gesetze im Internet)

Fazit

Gute Ladungssicherung beginnt vor dem Zurren: mit der klaren Verantwortung, dem richtigen Fahrzeug, einer stabilen Ladeeinheit und einer Verteilung, die Achslasten und Gesamtmasse einhält.

Für die Prüfung solltest du die Verantwortlichen nennen, mit dem Hebelgesetz Achslasten berechnen und die Eignung von Fahrzeug und Ladung beurteilen können.