Diagramme zeichnen

Diagramme zeichnen ist der planbarste Teil der MIKP-Prüfung: Seit Herbst 2017 war in jeder Prüfung ein Diagramm zu erstellen. Das Thema schließt den Themenbereich Technische Unterlagen, Statistiken und Diagramme im Prüfungsbereich Methoden der Information, Kommunikation und Planung ab.

Als Industriemeister zeigst du mit einem Diagramm in Sekunden, wofür eine Tabelle Minuten braucht. In der Prüfung zeichnest du von Hand. Entscheidend sind die richtige Diagrammart, eine vollständige Beschriftung und richtig eingetragene Werte.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsteilFachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen
PrüfungsbereichMethoden der Information, Kommunikation und Planung (MIKP)
ThemenbereichTechnische Unterlagen, Statistiken und Diagramme
ThemaDiagramme (Rahmenplan 3.4.3)
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenplan und Auswertung von 35 Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungZeichnen: Diagramm nach einer Tabelle erstellen, geeignete Diagrammarten nennen
Lernziel laut RahmenplanAnwendungsgebiete kennen, Diagramme erstellen, Anforderungen an Diagramme berücksichtigen, digitale Erstellung verstehen
Empfohlene LernprioritätSehr hoch
VertiefungLernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum ist es wichtig, Diagramme zeichnen zu können?

Ein Diagramm ist nur so gut wie seine Beschriftung. Fehlen Titel, Einheit oder Legende, kann der Betrachter die Aussage nicht prüfen. Ist der Maßstab ungleichmäßig, stimmt das Bild nicht mehr mit den Zahlen überein.

In der Prüfung gibt es die Punkte nicht für eine schöne Zeichnung, sondern für die passende Diagrammart, die vollständige Beschriftung und die korrekten Werte.

Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Methoden der Information, Kommunikation und Planung
└── 3.4 Technische Unterlagen, Statistiken und Diagramme
└── 3.4.3 Diagramme
├── Anwendungsgebiete
├── Anwendungsbeispiele
├── Anforderungen an Diagramme
└── Digitale Erstellung der Diagramme

Auf dieser Seite geht es um das Erstellen. Wie du ein fertiges Diagramm liest und eine Korrelation deutest, steht auf der Seite Diagramme interpretieren. Die Rechnung vor dem Zeichnen findest du unter Prozentrechnung, Kennzahlen und Indexrechnung.

Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr hohe Prüfungsrelevanz

Diagramme zeichnen kam in allen 13 Prüfungen seit 2020 vor, insgesamt in 27 von 35 ausgewerteten Prüfungen. Seit Herbst 2017 gehört es in jeder der 18 Prüfungen zur Aufgabe 4. Es bringt seit 2020 meist 6 bis 9 Punkte.

In den ausgewerteten Prüfungen wurde zum Beispiel verlangt,

  • die Entwicklung eines Anteils über mehrere Jahre darzustellen,
  • zwei Quoten in einem Diagramm zu vergleichen,
  • eine Quote zusammen mit ihrer Zielgröße einzutragen,
  • sortierte und kumulierte Anteile darzustellen,
  • ein Kombinationsdiagramm aus einer Menge und einer Quote zu erstellen,
  • prozentuale Zunahmen und Abnahmen zu zeigen,
  • Diagrammarten zu nennen, die sich für vorgegebene Daten eignen.

Zur Prüfungsanalyse MIKP

Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • die Anwendungsgebiete von Diagrammen nennen,
  • zu einer Frage die passende Diagrammart auswählen,
  • die Anforderungen an ein Diagramm aufzählen,
  • in acht Schritten von der Tabelle zum Diagramm kommen,
  • die wichtigsten Diagrammarten von Hand zeichnen,
  • typische Fehler vermeiden.

Anwendungsgebiete von Diagrammen

Der Rahmenplan nennt drei Anwendungsgebiete.

AnwendungsgebietZweckBeispiel
PräsentationZuhörer schnell informieren oder überzeugenAusschussquote in der Abteilungsbesprechung
DokumentationErgebnisse dauerhaft und nachvollziehbar festhaltenDiagramm im Monatsbericht oder Prüfprotokoll
VisualisierungZustände am Arbeitsplatz sichtbar machenKennzahlentafel in der Halle, Dashboard an der Linie

Das Diagramm muss zum Adressaten passen: Die Geschäftsleitung braucht ein verdichtetes Bild, die Mitarbeiter an der Anlage brauchen ihre eigenen Zahlen.

Die richtige Diagrammart auswählen

Die Diagrammart folgt aus der Frage, die das Diagramm beantworten soll.

FrageDiagrammartBeispiel
Welche Werte sind größer oder kleiner?Säulen- oder BalkendiagrammStillstandsstunden je Ursache
Wie entwickelt sich ein Wert über die Zeit?LiniendiagrammAusschussquote von Januar bis Juni
Wie setzt sich ein Ganzes zusammen?Kreis- oder StreifendiagrammAnteile der Stillstandsursachen
Wie verteilen sich Messwerte?HistogrammDurchmesser von 100 Drehteilen
Hängen zwei Größen zusammen?KorrelationsdiagrammSchnittgeschwindigkeit und Werkzeugverschleiß
Wie entwickeln sich zwei Größen mit verschiedenen Einheiten?KombinationsdiagrammStückzahl und Ausschussquote
Wo liegen die Schwerpunkte?Summenkurve, Pareto-Diagrammkumulierte Anteile der Ursachen
Wie schneiden Alternativen bei mehreren Merkmalen ab?Netzdiagrammzwei Lieferanten nach fünf Kriterien
Wohin fließen Mengen?Sankey-DiagrammEnergiefluss einer Anlage

Nennt die Aufgabe eine Diagrammart, ist sie verbindlich. Lässt sie dir die Wahl, nimm die einfachste Art, die die Frage beantwortet.

Anforderungen an Diagramme

Der Rahmenplan nennt die Auswahl der Diagrammart, den Maßstab, die Vollständigkeit der Beschriftung und die Korrektheit der Darstellung. Darauf achten auch die Korrektoren:

  • Diagrammart: Sie passt zur Frage und zu den Daten.
  • Titel: Er sagt, was dargestellt ist, möglichst mit Zeitraum.
  • Achsenbeschriftung: Jede Achse trägt Größe und Einheit, zum Beispiel „Ausschussquote in %“.
  • Maßstab: Die Achse ist gleichmäßig geteilt und beginnt in der Regel bei null.
  • Legende: Bei mehreren Datenreihen erklärt sie Farben oder Linienarten.
  • Korrektheit: Alle Werte der Tabelle sind an der richtigen Stelle und in der richtigen Höhe eingetragen.

Von der Tabelle zum Diagramm: Schritt für Schritt

Beispiel: Für eine Fertigungslinie sollen Stückzahl und Ausschussquote in einem Diagramm stehen.

MonatGefertigte Teile in StückAusschussquote in %
Januar2.0006,0
Februar2.5005,0
März3.5004,0
April5.0003,5
Mai6.0003,0
Juni5.0002,8
  1. Aufgabe lesen: Welche Werte sollen ins Diagramm? Hier sind es zwei Größen mit verschiedenen Einheiten, also ein Kombinationsdiagramm.
  2. Achsen festlegen: Waagerecht stehen die Monate (Rubrikenachse). Senkrecht links steht die Stückzahl, rechts die Quote (Größenachsen).
  3. Maßstab wählen: Der größte Wert links ist 6.000 Stück, also reicht die Achse bis 7.000 in Schritten von 1.000. Rechts reicht sie bis 7 % in Schritten von 1 %. So liegen die Teilstriche beider Achsen auf gleicher Höhe.
  4. Achsen beschriften: Teilstriche, Zahlen, Größe und Einheit.
  5. Werte eintragen: Säulen für die Stückzahl, gleich breit und in gleichem Abstand. Punkte für die Quote über der Mitte jeder Säule, mit dem Lineal verbunden.
  6. Legende ergänzen: Säulen für die gefertigten Teile, Linie für die Ausschussquote.
  7. Titel schreiben: „Gefertigte Teile und Ausschussquote, Januar bis Juni“.
  8. Kontrollieren: Stimmen alle Werte mit der Tabelle überein? Fehlt eine Einheit?

Die Diagrammarten im Einzelnen

Säulen- und Balkendiagramm

Säulen stehen senkrecht, Balken liegen waagerecht. Beide vergleichen Werte über ihre Länge, deshalb beginnt die Größenachse bei null. Für zwei Datenreihen zeichnest du je Rubrik zwei Säulen nebeneinander und ergänzt eine Legende. Negative Werte, zum Beispiel eine Kostensenkung in Prozent, trägst du von der Nulllinie nach unten oder nach links ab.

Liniendiagramm

Die Zeit steht in gleichen Abständen auf der waagerechten Achse. Du trägst die Punkte ein und verbindest sie mit geraden Strichen. Mehrere Reihen unterscheidest du durch Farbe oder Linienart. Eine Zielgröße zeichnest du als waagerechte Linie ein und beschriftest sie, zum Beispiel „Ziel 4 %“. Indexreihen starten gemeinsam bei 100.

Kreis- und Streifendiagramm

Beide zeigen Anteile an einem Ganzen. Die Anteile müssen zusammen 100 % ergeben. Für das Kreisdiagramm rechnest du jeden Anteil in einen Winkel um. Der volle Kreis hat 360°, also gilt:

Winkel = Anteil in Prozent × 3,6°

UrsacheAnteil in %Winkel
Rüsten40,0144°
Störung Mechanik25,090°
Materialmangel15,054°
Störung Elektrik10,036°
Reinigung7,527°
Sonstiges2,59°
Summe100,0360°

Beginne oben und trage die Sektoren im Uhrzeigersinn ab, den größten zuerst. An jeden Sektor gehören Bezeichnung und Prozentwert. Das Streifendiagramm ist ein Rechteck, das du in Abschnitte teilst. Bei 10 cm Länge entspricht 1 % genau 1 mm, der Abschnitt für das Rüsten ist also 40 mm lang. Ohne Zirkel und Winkelmesser ist der Streifen der schnellere Weg.

Histogramm

Das Histogramm zeigt, wie sich Messwerte verteilen. Du teilst die Messwerte in Klassen gleicher Breite ein, zum Beispiel 20,00 bis unter 20,02 mm. Über jeder Klasse steht eine Säule, deren Höhe der Häufigkeit entspricht. Die Säulen stoßen ohne Lücke aneinander, weil die Klassen lückenlos aufeinander folgen.

Korrelationsdiagramm mit Ausgleichsgerade

Die Einflussgröße steht waagerecht, die abhängige Größe senkrecht. Jedes Wertepaar wird ein Punkt. Die Punkte werden nicht verbunden. Die Ausgleichsgerade legst du mit dem Lineal nach Augenmaß so durch die Punktwolke, dass etwa gleich viele Punkte darüber und darunter liegen. Sie muss nicht durch den Nullpunkt gehen.

Kombinationsdiagramm mit zwei Größenachsen

Es verbindet zwei Größen mit verschiedenen Einheiten, meist als Säulen und Linie. Jede Größenachse braucht eine eigene Beschriftung mit Einheit. Die Legende sagt, welche Reihe zu welcher Achse gehört. Den Aufbau zeigt das Beispiel oben.

Summenkurve und Pareto-Diagramm

Die Summenkurve zeigt kumulierte Anteile. Waagerecht stehen die Positionen in sortierter Reihenfolge, senkrecht der kumulierte Anteil von 0 bis 100 %. Für die Stillstandsursachen trägst du die Punkte 40 %, 65 %, 80 %, 90 %, 97,5 % und 100 % ein und verbindest sie. Die Kurve endet immer bei 100 %. Zeichnest du zusätzlich die Einzelanteile als absteigend sortierte Säulen, entsteht ein Pareto-Diagramm. Die Einteilung in Klassen behandelt die Seite ABC-Analyse.

Netzdiagramm, Flächendiagramm und Sankey-Diagramm

  • Netzdiagramm: Jedes Merkmal bekommt eine Achse, die vom Mittelpunkt ausgeht. Alle Achsen haben denselben Maßstab. Die Werte einer Alternative verbindest du zu einem Linienzug.
  • Flächendiagramm: Ein Liniendiagramm mit gefüllter Fläche unter der Linie. Gestapelt zeigt es, wie sich eine Gesamtmenge über die Zeit zusammensetzt.
  • Sankey-Diagramm: Mengenflüsse werden als Pfeile gezeichnet, deren Breite der Menge entspricht, zum Beispiel zugeführte Energie, Nutzenergie und Verluste.

Diagramme digital erstellen

Im Betrieb entstehen Diagramme am Rechner. Der Rahmenplan nennt dafür Tabellenkalkulation, Datenbanken, Dashboards und weitere Software zur Visualisierung.

  • Tabellenkalkulation: Daten markieren, Diagrammart wählen, Titel, Achsentitel und Legende ergänzen. Ändert sich ein Wert in der Tabelle, ändert sich das Diagramm mit.
  • Datenbank und ERP-System: Sie liefern die Daten über Abfragen und Berichte, oft mit eigener Diagrammfunktion.
  • Dashboard: Es zeigt mehrere Kennzahlen und Diagramme auf einer Seite und aktualisiert sie laufend.

Die Anforderungen bleiben dieselben. Software schlägt oft eine Achse vor, die nicht bei null beginnt, und lässt Achsentitel weg. Prüfe deshalb jedes automatisch erzeugte Diagramm.

Typische Fehler beim Zeichnen

  • Der Titel fehlt oder sagt nichts aus.
  • Achsen haben keine Größe und keine Einheit.
  • Der Maßstab ist ungleichmäßig: gleiche Abstände für ungleiche Wertschritte.
  • Die Legende fehlt bei mehreren Datenreihen.
  • Die Diagrammart passt nicht, zum Beispiel ein Kreisdiagramm für eine zeitliche Entwicklung.
  • Es werden die falschen Werte gezeichnet: absolute Zahlen statt der verlangten Anteile, Einzelanteile statt der kumulierten.
  • Es wird freihand gezeichnet, und die Werte lassen sich nicht ablesen.

Praxisbeispiel

Ein Industriemeister der Instandhaltung soll der Betriebsleitung zeigen, wo die Stillstandszeit einer Anlage entsteht. Er hat 240 Stunden Stillstand nach sechs Ursachen ausgewertet.

Zuerst denkt er an ein Kreisdiagramm, weil es um Anteile geht. Die Betriebsleitung will aber wissen, wo sie ansetzen soll. Dafür passt das Pareto-Diagramm besser. Er zeichnet die Anteile als absteigend sortierte Säulen und legt die Summenkurve darüber.

Als Titel schreibt er „Stillstandszeit nach Ursachen, 1. Quartal“. Die senkrechte Achse beschriftet er mit „Anteil in %“, die Legende erklärt Säulen und Kurve. Das Bild zeigt sofort: Rüsten, Störungen der Mechanik und Materialmangel verursachen zusammen 80 % der Stillstandszeit.

Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Stellen Sie die Entwicklung der Ausschussquote in einem Diagramm dar.
  • Erstellen Sie ein Kombinationsdiagramm, das die Stückzahl und die Ausschussquote zeigt.
  • Stellen Sie die Anteile der Stillstandsursachen in einem Kreis- oder Streifendiagramm dar.
  • Zeichnen Sie die kumulierten Anteile als Summenkurve.
  • Stellen Sie zwei Indexreihen in einem gemeinsamen Diagramm dar.
  • Nennen Sie drei Diagrammarten, mit denen sich Anteile darstellen lassen.
  • Beschreiben Sie vier Anforderungen an ein Diagramm.

Verwandte Themen

Diagramme zeichnen gehört zum Themenbereich Technische Unterlagen, Statistiken und Diagramme.

Technische Unterlagen, Statistiken und Diagramme

Weitere Themen dieses Themenbereichs

Passt auch dazu

Rechtsgrundlage

Die sechs Qualifikationsinhalte des Prüfungsbereichs stehen in der Prüfungsverordnung, für Geprüfte Meister für Kraftverkehr zum Beispiel in § 4 Absatz 4.

Prüfungsverordnung Geprüfter Meister für Kraftverkehr, § 4 (Gesetze im Internet)

Fazit

Wer Diagramme zeichnen will, klärt zuerst die Frage hinter den Daten. Daraus folgt die Diagrammart. Titel, Achsen mit Größe und Einheit, ein gleichmäßiger Maßstab und die Legende machen das Bild vollständig, richtig eingetragene Werte machen es korrekt.

Für die Prüfung solltest du aus einer Tabelle ein Säulen-, Linien-, Kreis- oder Kombinationsdiagramm und eine Summenkurve zeichnen können. Arbeite immer dieselben Schritte ab und kontrolliere am Ende die Beschriftung.