Unterweisungsmethoden

Unterweisungsmethoden gehören zum Themengebiet Unterweisung von Mitarbeitern im Prüfungsbereich Zusammenarbeit im Betrieb. Sie beschreiben unterschiedliche Wege, mit denen Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen vermittelt werden können.

Für Industriemeister ist dabei besonders wichtig, nicht einfach eine bekannte Methode einzusetzen. Die Methode sollte zum Lernziel, zum Lernbereich, zu den Vorkenntnissen der Mitarbeiter und zur betrieblichen Situation passen. Dass die Auswahl der Lehrmethode Bestandteil einer Qualifizierungsplanung sein kann, zeigen auch die ausgewerteten IHK-Prüfungen.


📘 Auf einen Blick

MerkmalInformation
PrüfungsbereichBasisqualifikation
HandlungsbereichZusammenarbeit im Betrieb
ThemengebietFührungsmethoden und Führungstechniken
Übergeordnetes ThemaUnterweisung von Mitarbeitern
ThemaUnterweisungsmethoden
Prüfungsrelevanz⭐⭐⭐⭐☆ Hoch
DatengrundlageDIHK-Rahmenlehrplan und systematische Auswertung der vorliegenden Originalprüfungen der IHK
Art der PrüfungAuswahl, Zuordnung, Begründung und Anwendung geeigneter Lehrmethoden
LernzielEine zum Lernziel und zur betrieblichen Situation passende Unterweisungsmethode auswählen und begründen
Empfohlene LernprioritätHoch
Vertiefung➡️ Lernmodul in der KVM-Akademie (nach Veröffentlichung verfügbar)

Warum sind Unterweisungsmethoden wichtig?

Nicht jeder Lerninhalt lässt sich auf dieselbe Weise vermitteln.

Ein Mitarbeiter, der einen praktischen Arbeitsablauf erlernen soll, benötigt eine andere Vorgehensweise als ein Mitarbeiter, der fachliche Zusammenhänge verstehen oder sein Verhalten in bestimmten Situationen verändern soll.

In einer ausgewerteten ZiB-Prüfung unterscheidet die IHK ausdrücklich zwischen drei Lernzielbereichen und ordnet ihnen geeignete Lehrmethoden zu:

  • psychomotorischer Lernzielbereich → Vier-Stufen-Methode,
  • kognitiver Lernzielbereich → Präsentation oder Lehrgespräch,
  • affektiver Lernzielbereich → Rollenspiel.

Damit ist für die Prüfung insbesondere wichtig, eine Methode nicht nur nennen, sondern anhand des Lernziels begründen zu können.


Einordnung innerhalb des Rahmenlehrplans

Basisqualifikation
└── Zusammenarbeit im Betrieb
    └── Führungsmethoden und Führungstechniken
        └── Unterweisung von Mitarbeitern
            └── Unterweisungsmethoden

Der aktuelle DIHK-Rahmenlehrplan formuliert ZiB handlungsorientiert: Industriemeister sollen unter anderem die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter fördern und angemessene Führungstechniken anwenden. Der Rahmenplan verweist bei verschiedenen pädagogischen Inhalten außerdem auf die AEVO.

Die Seite Unterweisungsmethoden ordnet deshalb die für ZiB wichtigen Methoden ein, ohne daraus einen vollständigen AEVO-Lehrgang zu machen.


Prüfungsrelevanz

⭐⭐⭐⭐☆ Hohe Prüfungsrelevanz

Die Originalprüfungen zeigen, dass Unterweisung und Lehrmethoden tatsächlich Gegenstand der ZiB-Prüfung sein können.

So wurde beispielsweise geprüft, welche Lehrmethode zu einem bestimmten Lernzielbereich passt. Die Lösungshinweise ordnen der Vermittlung praktischer Fertigkeiten die Vier-Stufen-Methode, der Wissensvermittlung Präsentation beziehungsweise Lehrgespräch und der Veränderung von Einstellungen und Verhalten das Rollenspiel zu.

Eine weitere Prüfung verlangt bei der Konzeption von Qualifizierungsmaßnahmen ausdrücklich die Entscheidung, ob Mitarbeiter eher praktisch oder theoretisch qualifiziert werden sollen und welche Lehrmethoden dafür geeignet sind.

➡️ Zur Prüfungsanalyse Zusammenarbeit im Betrieb


Was lernst du auf dieser Seite?

Nach dem Lesen dieser Seite kannst du:

  • den Zweck von Unterweisungsmethoden erklären,
  • wichtige Unterweisungsmethoden unterscheiden,
  • Methoden verschiedenen Lernzielen zuordnen,
  • eine geeignete Methode für eine betriebliche Situation auswählen,
  • deine Methodenwahl nachvollziehbar begründen,
  • erkennen, warum nicht jede Methode für jedes Lernziel geeignet ist.

Welche Unterweisungsmethode ist die richtige?

Eine allgemein „beste“ Unterweisungsmethode gibt es nicht.
Bei der Auswahl sollten insbesondere berücksichtigt werden:

  • Lernziel,
  • Lerninhalt,
  • Lernzielbereich,
  • Vorkenntnisse,
  • Erfahrungen der Mitarbeiter,
  • Anzahl der Teilnehmer,
  • notwendiger Praxisbezug,
  • verfügbare Zeit,
  • betriebliche Rahmenbedingungen.

Eine gute Unterweisung sollte außerdem möglichst praxisnah sein, Interesse wecken und den Mitarbeiter aktiv beteiligen. Genau solche Merkmale nennt auch eine ZiB-Prüfung von Frühjahr 2024. Dort werden unter anderem Dialog, Praxisnähe, Erkenntnisgewinn und Nachhaltigkeit als Merkmale einer guten Unterweisung genannt.


Die wichtigsten Unterweisungsmethoden

Für ZiB sind insbesondere Methoden interessant, die unterschiedliche Lernziele abdecken.

🛠️ Vier-Stufen-Methode

Bei der Vier-Stufen-Methode wird eine praktische Tätigkeit schrittweise vermittelt.
Typischer Grundgedanke:

Vorbereiten
→ Mitarbeiter auf die Tätigkeit vorbereiten

Vormachen und erklären
→ Arbeitsablauf zeigen und erläutern

Nachmachen und erklären lassen
→ Mitarbeiter führt die Tätigkeit selbst aus

Üben und festigen
→ Tätigkeit selbstständig wiederholen

Besonders geeignet für

  • praktische Fertigkeiten,
  • klar strukturierte Arbeitsabläufe,
  • Tätigkeiten, die durch Vormachen und Nachmachen erlernt werden können.

Die IHK ordnet die Vier-Stufen-Methode ausdrücklich dem psychomotorischen Lernzielbereich zu.


💬 Lehrgespräch

Beim Lehrgespräch entwickelt der Unterweisende den Lerninhalt gemeinsam mit den Mitarbeitern durch gezielte Fragen und Antworten.

Vorhandenes Wissen wird aktiviert und mit neuen Erkenntnissen verbunden.

Besonders geeignet für

  • Vermittlung und Erweiterung von Wissen,
  • Erarbeitung von Zusammenhängen,
  • Mitarbeiter mit geeigneten Vorkenntnissen,
  • aktive Beteiligung am Lernprozess.

Die IHK nennt das Lehrgespräch als geeignete Methode für den kognitiven Lernzielbereich.


🖥️ Präsentation

Bei einer Präsentation werden Informationen strukturiert und anschaulich vermittelt.

Dabei können beispielsweise Texte, Abbildungen, Diagramme oder andere Medien eingesetzt werden.

Besonders geeignet für

  • Wissensvermittlung,
  • strukturierte Darstellung neuer Informationen,
  • Einführung in ein Thema,
  • Vermittlung von Inhalten an mehrere Teilnehmer.

Auch die Präsentation wird in den ausgewerteten IHK-Prüfungen ausdrücklich dem kognitiven Lernzielbereich zugeordnet.


🎭 Rollenspiel

Beim Rollenspiel übernehmen die Teilnehmer bestimmte Rollen und erproben eine Situation praktisch.

Dadurch können Verhalten und dessen Wirkung unmittelbar erlebt und anschließend ausgewertet werden.

Besonders geeignet für

  • Einstellungen und Verhalten,
  • Kommunikation,
  • soziale Situationen,
  • Gesprächsführung,
  • Konfliktsituationen.

Die IHK ordnet das Rollenspiel dem affektiven Lernzielbereich zu, bei dem Einstellungen, Gefühle, Werte und Verhaltensweisen im Mittelpunkt stehen.


Weitere mögliche Methoden

Neben den in den ausgewerteten ZiB-Prüfungen ausdrücklich genannten Methoden existieren weitere didaktische Methoden, beispielsweise:

  • Demonstration,
  • Gruppenarbeit,
  • Fallmethode,
  • Leittextmethode,
  • Projektmethode.

Diese Methoden sind grundsätzlich für betriebliche Lern- und Qualifizierungssituationen einsetzbar. Die bisher ausgewerteten ZiB-Prüfungsbelege stützen jedoch besonders eindeutig Vier-Stufen-Methode, Präsentation, Lehrgespräch und Rollenspiel.

Deshalb sollten diese vier Methoden auf der ZiB-Seite im Mittelpunkt stehen. Eine ausführlichere Behandlung weiterer Ausbildungsmethoden gehört insbesondere in den Bereich AEVO.


Lernziel und Methode richtig zuordnen

Für die Prüfung ist diese Zuordnung besonders wichtig:

LernzielbereichWas soll entwickelt werden?Geeignete Methode laut ausgewerteter IHK-Prüfung
KognitivWissen, Kenntnisse, Erkennen und VerstehenPräsentation, Lehrgespräch
Psychomotorischpraktische Fertigkeiten und HandlungsabläufeVier-Stufen-Methode
AffektivEinstellungen, Werte, Gefühle und VerhaltenRollenspiel

Diese Zuordnung stammt unmittelbar aus einer ausgewerteten Originalprüfung.


Kognitiver Lernzielbereich

Beim kognitiven Lernen geht es um Wissen und geistiges Verarbeiten.
Der Mitarbeiter soll beispielsweise:

  • etwas kennen,
  • einen Zusammenhang verstehen,
  • Informationen einordnen,
  • einen Sachverhalt erklären können.

Beispiel

Mitarbeiter sollen verstehen, warum ein neues Verfahren eingeführt wird und welche Auswirkungen es auf den Arbeitsablauf hat.

Geeignete Methoden können sein:

Präsentation
→ Informationen strukturiert vermitteln

Lehrgespräch
→ vorhandenes Wissen aktivieren und Zusammenhänge gemeinsam entwickeln


Psychomotorischer Lernzielbereich

Beim psychomotorischen Lernen steht das praktische Können im Mittelpunkt.

Der Mitarbeiter soll beispielsweise:

  • ein Werkzeug richtig einsetzen,
  • eine Maschine bedienen,
  • einen bestimmten Arbeitsablauf durchführen.

Beispiel

Ein Mitarbeiter soll die Bedienung eines neuen Messgeräts erlernen.

Hier eignet sich insbesondere:

Vier-Stufen-Methode
→ Arbeitsablauf zeigen, nachmachen lassen und anschließend üben

Gerade die Bedienung eines neuen Messgeräts wurde in einer ZiB-Prüfung bereits als konkreter Anlass einer betrieblichen Unterweisung verwendet.


Affektiver Lernzielbereich

Beim affektiven Lernen geht es um Einstellungen, Werte und Verhalten.

Solche Lernziele lassen sich häufig nicht allein durch Erklären erreichen.

Beispiel

Mitarbeiter sollen lernen, in einer schwierigen Gesprächssituation angemessen zu reagieren.

Hier kann ein:

Rollenspiel
→ Verhalten praktisch erproben und anschließend reflektieren

geeignet sein.


Methoden können kombiniert werden

In der betrieblichen Praxis muss eine Unterweisung nicht zwingend ausschließlich aus einer einzigen Methode bestehen.

Beispielsweise kann ein neues Arbeitsverfahren zunächst vorgestellt und anschließend praktisch vermittelt werden.

Präsentation
→ Grundlagen und Zusammenhänge vermitteln

Vier-Stufen-Methode
→ praktische Durchführung erlernen

Gespräch und Feedback
→ Verständnis prüfen und offene Fragen klären

Entscheidend bleibt, dass die eingesetzten Methoden zum jeweiligen Lernziel passen.


Gute Unterweisung ist mehr als Methodenwahl

Auch die richtige Methode allein garantiert noch keine erfolgreiche Unterweisung.

Eine ausgewertete IHK-Prüfung nennt beispielsweise folgende Merkmale einer guten Unterweisung:

  • Interesse und Neugier wecken,
  • Dialog statt Monolog,
  • Erkenntnisse und Einsichten ermöglichen,
  • praxisnah am Arbeitsplatz arbeiten,
  • Über- und Unterforderung vermeiden,
  • die Unterweisung nicht unnötig ausdehnen,
  • Nachhaltigkeit erreichen.

Die Methode ist deshalb immer nur ein Bestandteil einer guten Unterweisung.

➡️ Unterweisung von Mitarbeitern


Praxisbeispiele

Situation 1: Neue Maschine

Ein Mitarbeiter soll einen konkreten Bedienungsablauf erlernen.

Lernzielbereich: psychomotorisch
Geeignete Methode: Vier-Stufen-Methode


Situation 2: Neue betriebliche Regelung

Mitarbeiter sollen die Hintergründe und Auswirkungen einer neuen Regel verstehen.

Lernzielbereich: kognitiv
Geeignete Methode: Präsentation oder Lehrgespräch


Situation 3: Schwieriges Mitarbeitergespräch

Eine angehende Führungskraft soll angemessenes Verhalten in einem Konfliktgespräch trainieren.

Lernzielbereich: affektiv
Geeignete Methode: Rollenspiel

Die Auswahl erfolgt also nicht nach persönlicher Vorliebe, sondern nach dem angestrebten Lernergebnis.


Typische Prüfungsfragen

In den IHK-Prüfungen können beispielsweise folgende Anforderungen auftreten:

  • Ordnen Sie einem Lernzielbereich eine geeignete Lehrmethode zu.
  • Begründen Sie die Auswahl einer Unterweisungsmethode.
  • Nennen Sie eine geeignete Methode zur Vermittlung einer praktischen Fertigkeit.
  • Nennen Sie Methoden zur Vermittlung kognitiver Lerninhalte.
  • Erläutern Sie, warum ein Rollenspiel für ein affektives Lernziel geeignet ist.
  • Wählen Sie für eine betriebliche Situation eine geeignete Lehrmethode aus.
  • Erläutern Sie Kriterien für die Auswahl einer Unterweisungsmethode.

Verwandte Themen

Unterweisungsmethoden gehören zum Thema Unterweisung von Mitarbeitern.

➡️ Unterweisung von Mitarbeitern

Weitere Themen des übergeordneten Themengebiets

➡️ Motivation von Mitarbeitern
➡️ Delegation von Aufgaben
➡️ Arbeitskontrolle und Feedback
➡️ Personalentwicklung und Qualifizierungsplanung
➡️ Qualifizierungsmethoden und Lernformen
➡️ Mitarbeiterbeurteilung
➡️ Beurteilungsgespräch
➡️ Einführung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter


Fazit

Unterweisungsmethoden bestimmen, wie ein Lerninhalt vermittelt wird. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Methoden auswendig zu kennen, sondern die passende Methode für das jeweilige Lernziel auswählen und begründen zu können.

Für ZiB ist besonders die Zuordnung der Lernzielbereiche wichtig: Vier-Stufen-Methode für psychomotorische Lernziele, Präsentation oder Lehrgespräch für kognitive Lernziele und Rollenspiel für affektive Lernziele. Diese Zuordnung wird durch die ausgewerteten IHK-Prüfungen unmittelbar gestützt.